Zehn Dinge, die ich am Wochenende getan habe (und zwei, die ich nicht getan habe)

mosaik

Hier sind zehn Din­ge, die ich an die­sem Wochen­en­de getan habe:

1. Ich bin ziem­lich viel Zug gefah­ren – ins­ge­samt so an die 15 Stun­den. Und dank der taz über­wie­gend in der ers­ten Klas­se. Die sich von der zwei­ten dadurch unter­schei­det, dass sie lee­rer ist, dass Zei­tun­gen aus­le­gen, dass zwi­schen den Sit­zen mehr Abstand ist – und dass es schwie­ri­ger ist, beim Zug­fah­ren zu arbei­ten, weil der Abstand zwi­schen Sitz und Tisch zu groß ist.

2. Ich habe im Zug trotz­dem ein biß­chen gear­bei­tet, mich dann auf die Podi­ums­dis­kus­si­on beim taz.lab vor­be­rei­tet (sie­he hier), kurz danach dann erfah­ren, dass die lan­ge ange­kün­dig­te 19. Sozi­al­erhe­bung des DSW her­aus­ge­kom­men ist und muss­te dann erst­mal ver­su­chen, irgend­wie dran­zu­kom­men (wäh­rend des­sen zwit­scher­te Chris­ti­an Fül­ler schon laut­hals, dass jetzt *der* Beweis für sei­ne The­sen vorliegt …). 

3. Außer­dem habe ich Palim­pset von Charles Stross gele­sen. Zeit­rei­sen mal anders, und wie.

4. In Ber­lin ange­kom­men, muss­te ich mit Hil­fe von Goog­le Maps erst­mal einen Geld­au­to­ma­ten suchen, der in der »Nähe« mei­nes Hotels lag. Nähe ist in Ber­lin ein sehr rela­ti­ver Begriff (auch der »kur­ze Weg« durch den Tier­gar­ten zum Haus der Kul­tu­ren der Welt war … nicht kurz). Vor­her gab’s aber am Frei­tag abend noch die BAG-Sit­zung, auf der dies­mal viel Orga­ni­sa­to­ri­sches anstand. 

5. Ich muss zuge­ben, dass mir der legen­dä­re Bil­dungs­jour­na­list Chris­ti­an Fül­ler ein Rät­sel geblie­ben ist – auch oder gera­de nach ein­ein­halb Stun­den zusam­men auf einem Podi­um. Es ist ja gar nicht so, dass er das fal­sche woll­te. Ich neh­me ihm ab, dass er sich sehr ernst­haft für bes­se­re Bil­dung (und ande­re rich­ti­ge Din­ge) ein­setzt. Das gan­ze aber im Habi­tus des Pro­vo­ka­teurs (oder ist das eine Rol­le?), und mit gro­ßem (gespiel­ten?) Hass auf »Stu­dis«, »Grü­ne«, »das Luxus­deck«, »die rei­che Mit­tel­schicht« usw., ger­ne auch mal mit ziem­lich tief sit­zen­den per­sön­li­chen Angrif­fen. Klar schafft das Auf­merk­sam­keit. Mit Fak­ten kann Fül­ler um sich wer­fen, wenn sie pas­sen. Wenn nicht, wer­den sie igno­riert – und mit Kau­sa­li­tä­ten hat er es auch nicht so. Irgend­wie schade.

6. Der taz-Kon­gress war … viel­fäl­tig. Aus mei­nem Vor­satz, mir mög­lichst vie­le Ver­an­stal­tun­gen anzu­schau­en, ist aller­dings nur bedingt was gewor­den. Ich war beim Gen­der-Panel und in einer World-Cafe-Werk­statt zur Ent­schleu­ni­gung und fand bei­des gut gemacht, anre­gend, inter­es­sant usw. Ich habe aber auch von Ver­an­stal­tun­gen gehört, die weni­ger inter­es­sant gewe­sen sein sol­len. Ins­ge­samt fand ich die Viel­falt aber pri­ma, den Ver­an­stal­tungs­ort auch – und dass ich nicht mehr Ver­an­stal­tun­gen besucht habe, lag letzt­lich dran, dass es doch zu eini­gen Pau­sen­ge­sprä­chen kam.

7. Zum Abschluss des taz-Kon­gres­ses kam Bun­des­bil­dungs­mi­nis­te­rin Annet­te Scha­van, wur­de jovi­al von taz-Chef­re­dak­teu­rin Ines Pohl zum tal­ken gebracht und blieb selbst dann cool, als pro­tes­tie­ren­de Stu­dis das gan­ze zur Pla­kat­per­form­anz nutz­ten. Ihre Ant­wort auf mei­ne Fra­ge

Auf die Fra­ge eines Nach­wuchs­wis­sen­schaft­lers nach Teil­zeit­ar­beit und Inte­gra­ti­on von Fami­lie und Beruf beharr­te die Minis­te­rin auf dem Leis­tungs­prin­zip – pur. »Eine Och­sen­tour gibt es woan­ders auch«, sag­te sie und lächel­te – wohl ein­ge­denk ihres eige­nen Auf­stiegs – süß­sauer. »Man muss das schon wol­len. Man muss schon brennen.« 

… gefiel mir aller­dings über­haupt nicht. Ich dach­te, die CDU sei da viel­leicht schon ein biß­chen wei­ter. Nach­dem – auf Drän­gen der taz-Chef­re­dak­ti­on oder auf eige­nen Wunsch – Frau Scha­van dann noch eine gan­ze Zeit lang beim Wein im Gespräch dablieb, habe ich mich dann doch auch getraut, sie noch­mal direkt anzu­spre­chen. Da war sie dann etwas kon­zi­li­an­ter und sah zumin­dest ein, dass Stel­len für Uni-Kar­rie­ren »unter­halb« der Pro­fes­sur nicht unbe­dingt was schlech­tes wären. Und woll­te wis­sen, ob Die­ter Salo­mon in Frei­burg gewählt wür­de (mei­ne Pro­gno­se am Sams­tag abend: er wirds knapp im ers­ten Wahl­gang schaf­fen). Außer­dem bestand sie dar­auf, dass die CDU eine hoch­mo­der­ne Par­tei sei.

8. Nach einer Zug­fahrt in einem fast nur mit Grü­nen gefüll­ten Wagen war dann am Sonn­tag Län­der­rat in Köln. Als Dele­gier­ter durf­te ich Dat­teln essen und viel Jubeln. War­um Dat­teln? Als Zei­chen des Pro­tests gegen das dort ille­gal wei­ter im Bau befind­li­che Koh­le­kraft­werk. Und Jubel natür­lich, weil alle Bun­des­pro­mis und NRW-Grö­ßen den Wahl­kampf noch ein biß­chen anfeu­ern muss­ten, in der schö­nen Vulkanhalle.

9. Eine klei­ne Schreck­se­kun­de gab es für mich auf dem Län­der­rat, als ich fest­stell­te, dass mein in letz­ter Minu­te ein­ge­reich­ter Ände­rungs­an­trag zur Gesund­heits­po­li­tik nicht in der aus­ge­teil­ten Über­nah­me ent­hal­ten war. Ich hat­te es nicht mehr geschafft, vor­her nach­zu­fra­gen, was damit gesche­hen wür­de, mich hat­te auch nie­mand kon­tak­tiert – und dann das. Also über­le­gen, was ich sagen könn­te – um dann zu guter letzt aus Stef­fi Lem­kes Mund doch noch zu hören, dass es an der aus­ge­teil­ten Über­nah­me noch Ände­run­gen gäbe, u.a. sei der Antrag von Till Wes­ter­may­er über­nom­men. Pri­ma! Damit kann sich jetzt jede/​r, der oder die dar­über dis­ku­tie­ren will, dar­auf beru­fen, dass am 25.4. in Köln ja auch beschlos­sen wor­den ist, dass zu den offe­nen Fra­gen in der Gesund­heits­po­li­tik, über die in der Par­tei ein Klä­rungs­pro­zess statt­fin­den muss, auch die­se gehört: 

»Wie sol­len wir zukünf­tig mit dem Span­nungs­feld aus ›Schul­me­di­zin‹ und ›Alter­na­tiv­me­di­zin‹ poli­tisch umgehen?« 

10. Eini­ge Leu­te, die ich bis­her nur von Twit­ter oder Face­book kann­te, in »echt« ken­nen­ge­lernt. Und umge­kehrt. Sowohl beim taz­lab wie beim Länderrat.

Und hier sind zwei Din­ge, die ich nicht getan habe:

1. Ich habe die his­to­ri­sche Men­schen­ket­te ver­passt. Was ich wirk­lich scha­de fin­de – scheint ja ein ech­tes Groß­ereig­nis mit ins­ge­samt fast 150.000 Pro­tes­tie­ren­den gewor­den zu sein. Ich muss­te aber lei­der nach Ber­lin. Aus Soli­da­ri­tät habe ich immer­hin die beim Län­der­rat ver­teil­te Anti-Atom-Son­ne auf mein Net­book geklebt.

2. Ich habe – am Sonn­tag – nicht Die­ter Salo­mon gewählt – war ja auch im Zug und nicht in Frei­burg. Das Ergeb­nis ent­spricht unge­fähr dem, was ich mir gedacht habe. Und ich bin froh, dass das im ers­ten Wahl­gang klar gemacht wur­de, und fin­de es auch gut, dass das Ergeb­nis so knapp ist. Jetzt bleibt nur zu hof­fen, dass der wie­der­ge­wähl­te Ober­bür­ger­meis­ter dar­aus auch was gelernt hat. 

War­um blog­ge ich das? Als Ver­such, ein ziem­lich ereig­nis­rei­ches Wochen­en­de irgend­wie rüberzubringen.

2 Antworten auf „Zehn Dinge, die ich am Wochenende getan habe (und zwei, die ich nicht getan habe)“

  1. Was ich am Diens­tag Vor­mit­tag gemacht habe: Unter ande­rem dei­nen Blog­ein­trag gele­sen und gut gefun­den. Mich gefragt war­um das taz­lab Bil­dung nicht schon bei der früh­kind­li­chen Bil­dung anfängt, wo ich als Vor­sit­zen­der des Lan­des­el­tern­rats damit anfan­ge. Mich gefragt wann die Scha­van-Nachol­ge­rin Schick wohl auf unse­re Gesprächs­ein­la­dung vom LER reagiert. Mich und unse­re AL/​Grüge Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de gefragt wie wir lokal­po­li­tisch auf die lan­des­po­li­ti­sche Absa­ge an die neue http://sekundarschule-tuebingen.de reagieren. 

    Und mich noch­mal an der Kul­tur­zeit auf 3sat gefreut, die die Green Renais­sance der Anti-Atom­kraft-Bewe­gung mit viel Mate­ri­al aus Bib­lis illus­triert hat, wo neben MdL Gise­la Splett, MdL Edith Sitz­mann und mir auch ande­re Süd­west­grü­ne (und rund um Tarek AlWa­zir und MdL Ange­la Dorn ganz vie­le GJ Hes­sen-Men­schen) zu fin­den waren. Auch da, nicht nur hoch im Nor­den, hast du was verpasst.

    Wün­sche Dir noch einen schö­nen Tag und grüs­se aus Tübin­gen, wo uns unser OB ja vor allem dann erhal­ten bleibt wenn S21 auch blei­ben soll­te, was man wie­der­um kaum wün­sche kann.

    Wolf­gang

  2. @Wolfgang: Eigent­lich ist Schu­le ja gar nicht so mein The­ma (und auf dem Kon­gress war ich auch der­je­ni­ge mit der Rol­le, immer wie­der gegen­zu­hal­ten, wenn Chris­ti­an Fül­ler mein­te, es müs­se erst das Pro­blem »Schu­le« ange­gan­gen wer­den, dann sei über­haupt über die Abschaf­fung von Stu­di­en­ge­büh­ren zu debat­tie­ren, bzw. eigent­lich sei es sogar gerecht, wenn die, die davon pro­fi­tie­ren, jetzt auch Gebüh­ren zah­len …), trotz­dem habe ich natür­lich auch auf das grü­ne Enga­ge­ment in Sache »Schu­le für alle« hingewiesen.

    Span­nend fin­de ich den loka­len Auf­bruch – in Karls­ru­he gab es wohl schon ähn­li­che Ver­su­che, bei euch also auch, und hier in Frei­burg hat sich ein sehr brei­tes Bünd­nis Eine Schu­le für alle gegrün­det. Wenn die­se loka­len Initia­ti­ven schei­tern, wäre es natür­lich gut, sich zu ver­netz­ten und so den Druck aufs Land zu erhö­hen. Bin ja nicht drin – viel­leicht geschieht’s also schon, woll­te es aber noch­mal gesagt haben ;-)

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