Science Fiction und Fantasy im Mai 2026

Very little moon

Defi­ni­tiv weder Sci­ence Fic­tion noch Fan­ta­sy ist die ARTE-Doku, auf die ich auf­merk­sam gemacht wur­de, nach­dem ich auf Mast­o­don über mein Mai-Rab­bit­ho­le berich­tet hat­te. Das bestand, wie im neben­ste­hen­den Bild zu sehen, dar­in, in Brick­link Stu­dio viel Zeit damit zu ver­brin­gen, die typi­sche Archi­tek­tur von Städ­ten wie Kopen­ha­gen oder eben Ams­ter­dam in vir­tu­el­len Lego-Model­len nach­zu­bau­en. Das macht Spaß, weil anders als in rea­lem Lego a. viel Platz da ist (die aktu­el­le Datei mit über 140.000 Lego­bau­stei­nen bringt mei­nen PC dann aller­dings an sei­ne Gren­zen), b. die Model­le nichts kos­ten und c. modu­la­ri­sier­tes Bau­en ein­fach mög­lich ist. Jeden­falls führ­te das zu Tors­tens Hin­weis auf die lei­der nur noch bei You­tube und nicht mehr in der ARTE-Media­thek zu fin­den­de, drei­ein­halb­stün­di­ge Doku The Magni­fi­ci­ent Three: Ams­ter­dam – Lon­don – New York. Eigent­lich gar nicht mein Gen­re, aber dann doch ein sehr gut gemach­ter Blick auf die eng mit ein­an­der ver­wo­be­ne Geschich­te aus Kapi­ta­lis­mus, Reli­gi­ons­krie­ge, Städ­te­bau und Kolo­nia­li­sie­rung, die auch erklärt, war­um die drei Städ­te so aus­se­hen, wie sie aus­se­hen. Etwas diver­se­re Expert*innen hät­ten der Serie gut getan, aber das ist auch schon mein ein­zi­ger Kri­tik­punkt. Dan­ke also für die Empfehlung! 

Gele­sen habe ich natür­lich auch – unter ande­rem einen der dies­jäh­ri­gen Locus-Gewin­ner, näm­lich das sehr cute Comic­buch The Space Cat (2025) von Nne­di Oko­ra­for und Tana Ford. Die etwas außer­ir­di­sche Kat­ze Peri­wink­le erzählt von ihren Aben­teu­ern in den USA und in Nige­ria, und ret­tet neben­bei die Welt – es pas­siert also gar nicht so viel, trotz­dem eine sehr net­te Sache.

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Blog ins Buch, die Dritte, oder: biografische Wühlarbeiten

Dotted

Eine gewis­se Fas­zi­na­ti­on für bedruck­tes Papier kann ich nicht ver­heh­len. Wes­we­gen ich auch in regel­mä­ßi­gen Abstän­den auf die Idee kom­me, dass so ein Blog sich doch wun­der­bar eig­nen müss­te, in Buch­form gebracht zu wer­den. Also nicht, dass ich glau­be, dass das außer mir irgend­wen inter­es­siert. Aber trotz­dem, hät­te ich halt gerne. 

Im März 2010 bin ich das ers­te Mal auf „Blog­Boo­ker“ gesto­ßen, habe die­ses Tool nach eini­gen Expe­ri­men­ten dann aber wie­der ver­ges­sen, um es im Febru­ar 2022 erneut zu ent­de­cken. Neben gra­fi­schen Häß­lich­kei­ten erge­ben sich bei die­sem Weg vom Blog aufs Papier aller­dings zwei Pro­ble­me. Ers­tens wäre es ziem­lich viel Papier (ein paar tau­send Sei­ten), und zwei­tens, ver­bun­den damit, gibt es auch ziem­lich viel Schrott, der sich seit 2002 hier ange­sam­melt hat. In einem PDF lässt sich das noch igno­rie­ren, auch wenn dabei dann recht gro­ße Datei­en ent­ste­hen. Auf Papier: nee.

Wozu ein Tool nut­zen, wenn’s auch hand­ge­macht geht? Nach die­sem Mot­to habe ich in den letz­ten Tagen die Text­emp­feh­lun­gen aus der Sei­ten­spal­te und dann aus­ge­wähl­te und auch aus heu­ti­ger Sicht zumin­dest his­to­risch inter­es­san­te Bei­trä­ge aus den Jah­ren 2006 bis 2011 in Word gepackt – ich hat­te gewis­se Beden­ken, ob Libre­Of­fice mit die­ser Daten­men­ge klar­kommt, und fand den Weg über Scri­bus zu auf­wen­dig – und im Buch­for­mat lay­outet. Um dann fest­zu­stel­len, dass Print On Demand inzwi­schen ver­gleichs­wei­se spott­bil­lig gewor­den ist. Ich bin inso­fern gespannt dar­auf, „mein Blog“ (bzw. die genann­ten Aus­zü­ge) dem­nächst dann tat­säch­lich mal auf Papier in der Hand zu hal­ten. (Apro­pos: ich habe das Gefühl, das Word zwar bes­ser dar­in gewor­den ist, mit gro­ßen Text­men­gen und Bil­dern klar­zu­kom­men, aber bei Recht­schreib­prü­fung, diver­sen Auto­ma­tis­men und der Zwi­schen­ab­la­ge deut­lich nach­ge­las­sen hat …).

Blogtexte, Band I. Ausgewählte Texte 2008 bis 2025

Die Tex­te aus der Rand­spal­te habe ich für das Buch (→ hier als PDF) in vier Rubri­ken ein­sor­tiert. Unter Poli­ti­sche Fra­gen geht es v.a. um Bünd­nis 90/Die Grü­nen – und das Rin­gen dar­um, die ver­schie­de­nen Neu­erfin­dun­gen mei­ner Par­tei nach­zu­voll­zie­hen – mit Par­tei­en im All­ge­mei­nen, mit Baden-Würt­tem­berg und der Kli­ma­po­li­tik im Spe­zi­el­len. Zudem fin­det sich hier ein Text zum Ver­hält­nis von Wis­sen­schaft und Poli­tik eben­so wie einer zum Hei­mat­be­griff. Die Kate­go­rie Sozi­al­wis­sen­schaft ent­hält eine Skiz­ze zum Ver­hält­nis von Umwelt­so­zio­lo­gie und Pra­xis­theo­rie – einen Pfad, den ich wohl wei­ter ver­folgt hät­te, wäre ich nicht „in die Poli­tik“ gewech­selt. Unter der Rubrik Netz, Medi­en und digi­ta­les Leben geht es um den tech­no­lo­gi­schen Fort­schritt des letz­ten Vier­tel­jahr­hun­derts – der Auf­stieg und Nie­der­gang von Twit­ter spie­gelt sich hier eben­so wider wie die in den 2020er Jah­ren plötz­lich auf den Bild­schir­men auf­tau­chen­de KI (und die Fra­ge, wie damit eigent­lich umzu­ge­hen ist). Und schließ­lich: Unter Sci­ence Fic­tion und Fan­ta­sy fin­den sich Tex­te, die sich über­ge­ord­net – jen­seits mei­ner inzwi­schen recht regel­mä­ßi­gen monat­li­chen Rezen­sio­nen der aktu­el­len Lek­tü­re – mit Sci­ence Fic­tion auseinandersetzen. 

Blogtexte, Band II. Weitere Texte 2006 bis 2011

Wäh­rend die Samm­lung der mir wich­ti­gen Tex­te orga­nisch gewach­sen ist und eine Ten­denz zu neue­ren Bei­trä­gen auf­weist (ursprüng­lich war es mal ein „Fünf Emp­feh­lun­gen“, zu denen immer mal wie­der eine dazu kam, und eine ande­re ent­fernt wur­de), und in die­ser Aus­wahl schon bis­her und auch wei­ter­hin über die Rand­spal­te des Blogs auf­ruf­bar ist, ist das Ergeb­nis der „Wühl­ar­bei­ten“ für die Tex­te aus den Jah­ren 2006 bis 2011 (→ hier als PDF) zumin­dest für mich – und mög­li­cher­wei­se die eine oder ande­re Zeitgenoss*in – noch span­nen­der. Vie­les, was heu­te rele­vant ist, deu­te­te sich damals schon an. Man­che Debat­ten wer­den immer wie­der geführt. In ande­ren Tex­ten schim­mert ein gewis­ser Opti­mis­mus durch, der der Rea­li­tät nicht stand­ge­hal­ten hat.

Bei den poli­ti­schen Fra­gen ver­schiebt sich mein Fokus: am Anfang steht die inner­grü­ne Debat­te um das bedin­gungs­lo­se Grund­ein­kom­men. Dann geht es um Lis­ten­auf­stel­lun­gen und Koali­ti­ons­bil­dun­gen, um die gro­ße netz­po­li­ti­sche Fra­ge des Jah­res 2009 (Netz­sper­ren ein­füh­ren oder rechts­wid­ri­ge Bei­trä­ge löschen? – ver­bun­den mit dem Auf­kom­men der als poten­zi­ell star­ker Kon­kur­renz emp­fun­de­nen Pira­ten­par­tei) und eini­ge hoch­schul­po­li­ti­sche Fein­schme­cker­the­men (Nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung an Hoch­schu­len, die Fra­ge der Akkre­di­tie­rung im Bolo­gna-Sys­tem sowie anhand des Falls Gut­ten­berg die Pla­gi­ats­de­bat­te). Mit dem Jahr 2010 taucht die Tri­as aus grü­nem Boom, Fuku­shi­ma und Stutt­gart 21 im Blog auf. Der Wahl­kampf wird beglei­tet, genau beob­ach­tet, die Hal­tung der SPD und die Kam­pa­gne der FDP kri­tisch beäugt. Am Schluss des poli­ti­schen Bogens steht 2011 die Wahl von Win­fried Kret­sch­mann zum baden-würt­tem­ber­gi­schen Minis­ter­prä­si­den­ten an – samt der etwas ban­gen Fra­ge, ob er habi­tu­ell so bleibt „wie er ist“, und ob das mit der „Poli­tik des Gehört­wer­dens“ etwas wer­den kann. Bei­de Fra­gen hat die Geschich­te – aus mei­ner Sicht posi­tiv – beant­wor­tet. Und Stutt­gart 21 ist immer noch nicht fer­tig gebaut, wäh­rend der Atom­aus­stieg in Deutsch­land (fast) unum­kehr­bar scheint. 

Im The­men­feld Sozi­al­wis­sen­schaft fin­den sich Neben­pro­duk­te mei­nes spä­ter abge­bro­che­nen Pro­mo­ti­ons­vor­ha­bens. Tech­nik­so­zio­lo­gie und Pra­xis­theo­rie, Wis­sens- und Wis­sen­schafts­so­zio­lo­gie geben sich hier die Hand, in dem Ver­such, eine Theo­rie zu bas­teln, um nach­hal­ti­gen Kon­sum und öko­lo­gi­sche Lebens­sti­le erklä­ren und erfor­schen zu kön­nen. Aus heu­ti­ger Sicht inter­es­sant: ein wis­sens­so­zio­lo­gi­sches Plä­doy­er dafür, sich beim The­ma Homöo­pa­thie nicht zu ver­kämp­fen. Hier habe ich dann ande­re Pfa­de ein­ge­schla­gen, wäh­rend eine pra­xis­theo­re­ti­sche und wis­sens­so­zio­lo­gi­sche Fun­die­rung mei­ne ange­wandt-poli­ti­sche Wahr­neh­mung, wür­de ich jeden­falls behaup­ten, heu­te noch prägt.

Fast schon his­to­risch inter­es­sant dann die Bei­trä­ge im netz­po­li­ti­schen Teil. Den Anfang macht eine Doku­men­ta­ti­on eines heu­te ver­mut­lich weit­ge­hend ver­ges­se­nen poli­ti­schen Streits: die – von mir nach wie vor genutz­te – Foto­platt­form Flickr, damals zu Yahoo! gehö­rig, führ­te 2007 eine als über­grif­fig emp­fun­de­ne Rege­lung ein: als „unsafe“ oder „rest­ric­ted“ gekenn­zeich­ne­te Fotos durf­ten auf­grund einer har­ten Inter­pre­ta­ti­on lan­des­ty­pi­scher Geset­ze von Nutzer*innen, die in Sin­ga­pur, Hong­kong oder Deutsch­land regis­triert waren, nicht mehr geöff­net wer­den. Als Reak­ti­on gab es koor­di­nier­te Pro­test­ak­tio­nen, die in der Netz­öf­fent­lich­keit eine gewis­se Auf­merk­sam­keit erreg­ten. Für mich der Aus­gangs­punkt, mich mit Platt­for­men, Abhän­gig­kei­ten und social graphs zu befas­sen.

Face­book taucht 2007 als neue Platt­form auf, die damals noch Mög­lich­kei­ten bie­tet, per API Dritt­an­bie­ter-Anwen­dun­gen lau­fen zu las­sen – und fin­det sich 2010 mal wie­der im Mit­tel­punkt poli­ti­scher Auf­merk­sam­keit, weil die AGBs heim­lich geän­dert wer­den. Twit­ter kommt 2008 als Teil des ame­ri­ka­ni­schen Wahl­kampfs in der deut­schen poli­ti­schen Öffent­lich­keit an – das fin­det eben­so Wider­hall in mei­nem Blog wie die Social-Media-Kam­pa­gne von Barack Oba­ma und heiß dis­ku­tier­te Fra­gen, was die­se neu­en „Web 2.0“-Möglichkeiten für Wahl­kämp­fe und inner­par­tei­li­che Orga­ni­sa­ti­on bedeu­ten. Ob das „Wur­zel­werk“ (so der Name der grü­nen par­tei­in­ter­nen Platt­form bei Ein­füh­rung) eine Lösung dar­stellt? Erstaun­lich, wie schein­bar fest die sich in den Jah­ren zwi­schen 2006 und 2011 eta­blie­ren­de Web 2.0‑Infrastruktur auch heu­te noch ist: die Stra­te­gie von Goog­le (damals noch eher auf der Sei­te von not evil, trotz abseh­ba­rer Welt­herr­schafts­stra­te­gie) und die Struk­tu­rie­rung der Wiki­pe­dia sind wei­ter­hin Themen. 

Der Abschnitt endet mit zwei Tex­ten aus dem Jahr 2011, die aus heu­ti­ger Sicht auf Epo­chen­mar­ker hin­wei­sen. Das eine ist eine wis­sens­so­zio­lo­gisch begrün­de­te Aus­ein­an­der­set­zung mit Sascha Lobos Kri­tik am Exper­ten­tum als Brei­ten­sport, die in einem Plä­doy­er für Medi­en­kom­pe­tenz endet. Spä­tes­tens seit der Coro­na-Pan­de­mie leben wir in einer Welt, in der die ver­schwö­rungs­ori­en­tier­te Ver­brei­tung von Falsch­in­for­ma­tio­nen noch einem eine ganz ande­re Bedeu­tung erreicht hat.

Und der zwei­te, den Band schlie­ßen­de Text hält das selt­sa­me Gefühl fest, wie es ist, in der­sel­ben Twit­ter-Time­line zeit­gleich irrele­van­te Bana­li­tä­ten und Live-Tweets aus Utøya (dem rechts­extre­men Anschlag auf ein nor­we­gi­sches Som­mer­la­ger) wahr­zu­neh­men. „Die moder­ne Gesell­schaft kennt kei­ne Pau­sen­tas­te“, schrei­be ich da, und fra­ge mich, wie ein Umgang mit dem Ein­bruch des fas­sungs­los machen­den Schre­ckens in den All­tag aus­se­hen könnte. 

Um den Bogen von damals nach heu­te zu schla­gen: Eine Pau­sen­tas­te für den ste­ti­gen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­strom haben wir noch immer nicht, bräuch­ten die­se aber drin­gen­der denn je. Und nein, damit mei­ne ich kei­ne Inter­net­sper­ren, wie wir sie heu­te in auto­kra­ti­schen Län­dern erle­ben, son­dern eine Umgangs­form mit Ter­ror, die nicht zu des­sen Wir­kungs­stei­ge­rung und auch nicht zu des­sen Nor­ma­li­sie­rung beiträgt.

Science Fiction und Fantasy im März 2026

Z. erin­ner­te mich dar­an, dass ich eigent­lich schon letz­ten Monat loben­de Wor­te über Chants of Sen­naar (2023, Run­disc) ver­lie­ren woll­te. Gekauft hat­te ich das in Frank­reich ent­wi­ckel­te Com­pu­ter­spiel wegen der – mich an Moe­bi­us und Ligne-clai­re-Comics erin­nern­den – Gra­fik. Es durch­zu­spie­len, war dann sehr viel ver­gnüg­li­cher als gedacht – die Haupt­per­son star­tet in einem in Gelb­tö­nen gehal­te­nen Tem­pel, muss ein paar ein­fa­che Puz­zle lösen, um Was­ser in die rich­ti­gen Kanä­le zu len­ken – um dann mit dem eigent­li­chen Inhalt des Spiels zu begin­nen, näm­lich dem Erler­nen ver­schie­de­ner Sprachen/Schriften. Dabei geht es um Begrif­fe und um eine ein­fa­che Gram­ma­tik. In den ver­schie­de­nen Leveln die­ses an den Turm von Babel erin­nern­den Bau­werks ändert sich die Farb­ge­bung und Ästhe­tik – und die recht rea­lis­tisch gestal­te­ten Sprach­sys­te­me. Unter­schied­li­che Level über­set­zend in Ver­bin­dung zu brin­gen, ver­än­dert den Turm selbst. Neben den Über­set­zungs­puz­zles gibt es in den ver­schie­de­nen Ebe­nen auch Auf­ga­ben, bei denen es not­wen­dig ist, bestimm­te Din­ge zu fin­den und anzu­wen­den, oder sich in einem bestimm­ten Rhyth­mus anzu­schlei­chen, um nicht gese­hen zu wer­den. Und am Schluss stellt sich her­aus, dass das Ende noch nicht das Ende ist, und die Auf­lö­sung des Geheim­nis­ses die­ses Turms kom­pli­zier­ter als gedacht ist. Wer Spaß an Logi­krät­seln und dem Erkun­den eines geheim­nis­vol­len Turms hat, dürf­te mit Chants of Sen­naar eini­ge unter­halt­sa­me Tage verbringen.

Sonst so: Von den rest­li­chen Fol­gen der ers­ten Staf­fel von Star Trek: Star­fleet Aca­de­my (Para­mount+) war ich sehr ange­tan; ein emo­tio­na­ler Abschluss der ers­ten Staf­fel. Und ja, wei­ter­hin Coming of Age und High­school in Space – und das Pro­blem über­gro­ßer Geg­ner samt Boss­kampf am Staf­fel­en­de, wie bei eini­gen der neue­ren Star-Trek-Pro­duk­tio­nen. Trotz­dem: Sci­ence Fic­tion wird hier sehr gut genutzt, um eine Geschich­te über Kon­flik­te und deren (diplo­ma­ti­sche) Lösung zu erzäh­len, und das in berüh­ren­der Form. Nach anfäng­li­chem Frem­deln mit dem Set­ting bin ich nun gespannt, wie es in der zwei­ten Staf­fel wei­ter­geht. Eine drit­te Staf­fel hat Para­mount+ lei­der gecan­celt – was dazu führt, dass es 2027 dann zum ers­ten Mal kei­ne Neu­ent­wick­lun­gen im Seri­en­un­ver­si­um gibt, und was die Fra­ge auf­wirft, ob’s an dem zu gerin­gen Publi­kums­zu­spruch lag oder ob wir hier ers­te Effek­te davon sehen, dass Para­mount+ jetzt zum Medi­en­im­pe­ri­um der Elli­son-Fami­lie aus dem Trump-Umfeld gehört. Eine schon in den 1960ern „woke“ Serie, bei der eine hip­pies­ke Schul­lei­te­rin zeigt, dass man­ches auch ohne Waf­fen­ge­walt geht – mög­li­cher­wei­se pass­te das nicht mehr ins Port­fo­lio. Was dann eben­so mög­li­cher­wei­se kein Ein­zel­fall ist und für die media­le Öffent­lich­keit auch „nach Trump“ nichts Gutes verheißt. 

Ansons­ten haben wir die drit­te Staf­fel der wei­ter­hin unter­halt­sa­men ame­ri­ka­ni­schen Ghosts-Vari­an­te (Net­flix) zu Ende geschaut (und uns gewun­dert, dass die Staf­feln 4 und 5 nicht auf Net­flix zu fin­den sind, son­dern nur anders­wo – Strea­ming war auch schon mal einfacher). 

Und ich bin ganz ange­tan von der fünf­ten Staf­fel von For All Man­kind (Apple), die gera­de ange­lau­fen ist – und mehr oder weni­ger ges­tern spielt, also in einem alter­na­tiv­ge­schicht­li­chen Jahr 2012 (huch: das ist „in echt“ auch schon wie­der ganz schön lan­ge her …). Wie rea­le Ereig­nis­se und die Film­ge­schich­te ver­mischt wer­den, und wie ein Jahr 2012 aus­sieht, dass unse­rem 2012 in eini­gen Punk­ten tech­nisch weit vor­aus ist (Raum­fahrt, fort­ge­schrit­te­ne Mars-Besied­lung, Video­kon­fe­ren­zen), poli­tisch (und pop­kul­tu­rell) aber auch nicht bes­ser dran ist – das ist auch in der fünf­ten Staf­fel, der ers­ten Fol­ge nach zu urtei­len, gut gelun­gen. Eben­so hat mir gefal­len, dass die Cha­rak­te­re, die aus den vor­he­ri­gen Staf­feln bekannt sind und wei­ter mit­spie­len, nun recht rea­lis­tisch geal­tert gezeigt wer­den. Auch dies­be­züg­lich ist sich die Serie in ihrem Rea­lis­mus treu geblieben.

Damit zu den Büchern. Über Hope­land (2023) von Ian McDo­nald habe ich schon sepa­rat etwas geschrie­ben.

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Versuch einer Rezension zu Ian McDonald, Hopeland (2023)

The Tower of London - V 124 Kapi­tel, und – in der Taschen­buch­aus­ga­be – rund 650 Sei­ten. Ein Wäl­zer, vor­neh­mer aus­ge­drückt: opus magnum, und ja, nicht nur, was den Umfang betrifft. Ian McDo­nald hat mit dem 2023 erschie­ne­nen Hope­land ein beein­dru­cken­des Buch geschrie­ben. Um es zu lesen, brauch­te ich aller­dings meh­re­re Anläufe. 

Das lag erst mal dar­an, dass ich mir nicht sicher war, mit was für einer Art Roman ich es hier zu tun hat­te. McDo­nald hat sehr unter­schied­li­che Bücher geschrie­ben. Einen ers­ten Kon­takt mit sei­nem Werk hat­te ich, als 1997 die deut­sche Über­set­zung von Cha­ga her­aus­kam: Sci­ence Fic­tion, die von Ali­ens in Kenia han­delt. River of Gods (2006) spielt in einem futu­ris­ti­schen Cyber­punk-Indi­en, und Brasyl (2007) in Süd­ame­ri­ka zwi­schen Fuß­ball, Medi­en und der Quan­ten­re­vo­lu­ti­on. Spä­ter habe ich dann auch eini­ge der eher fan­ta­sy-las­ti­gen frü­hen Roma­ne (King of Mor­ning, Queen of Day, 1991) von ihm gele­sen, und dann die steam­pun­ki­ge Pla­nes­run­ner-Young-Adult-Rei­he. Die nächs­te Tri­lo­gie, Luna: New Moon (2015) geht um Intri­gen zwi­schen ver­schie­de­nen Fami­li­en­kon­zer­nen, die den Mond besie­delt und unter sich auf­ge­teilt haben. 

Was ist also zu erwar­ten, wenn McDo­nald zu einem Zeit­punkt, als Hopepunk/Solarpunk viral geht, einen Roman auf den Markt wirft, der Hope­land heißt und auf dem Titel (der Kind­le-Aus­ga­be) eine Art Kugel­blitz auf einer goti­schen Turm­spit­ze zeigt? Und des­sen ers­ten Sät­ze erst ein­mal rät­sel­haft blei­ben („Love falls from the sum­mer sky. … It is twen­ty-three minu­tes past twen­ty-two and Lon­don burns.“). Doch noch­mal Steam­punk, eine erwach­se­ne Fort­set­zung von Pla­nes­run­ner?

Und spä­ter, als ich begon­nen hat­te, den Roman zu lesen, und durch­aus fas­zi­niert davon war – auch, weil McDo­nald einen aus mei­ner Sicht her­aus­ra­gen­den Schreib­stil pflegt – muss­te ich mich dann doch immer wie­der über­win­den, um wei­ter­zu­le­sen. So ganz sicher, war­um, bin ich mir nicht. Mög­li­cher­wei­se, weil die Haupt­per­so­nen einem sowohl ans Herz wach­sen als auch mora­lisch mög­li­cher­wei­se frag­wür­dig sind (dazu gleich mehr). Oder ein­fach des­halb, weil McDo­nald über­rascht und das Buch immer wie­der neue und uner­war­te­te Haken schlägt?

(Das mit dem her­aus­ra­gen­den Stil geht nicht nur mit so – Cory Doc­to­row beschreibt Hope­land als „A novel so eeri­ly good it almost made me angry.“)

Wor­um geht es? Rück­bli­ckend wür­de ich sagen, dass Hope­land zu 25 Pro­zent Cli­ma­te Fic­tion, zu 20 Pro­zent ein Near-Future-Thril­ler, zu 20 Pro­zent uto­pi­sche Visi­on, zu 15 Pro­zent Familiensaga/Liebesgeschichte, zu 10 Pro­zent Magie, zu 5 Pro­zent Gegen­warts­dia­gno­se und zu 5 Pro­zent Musik ist. Nüch­tern beschrie­ben fol­gen wir zwei Haupt­fi­gu­ren (und dut­zend Neben­fi­gu­ren) über den Zeit­raum von 2011 bis 2033 (mit his­to­ri­schen Exkur­sen bis ins 17. [der rea­le eng­li­sche Archi­tekt Nicho­las Hawks­moor], 18. [ein fik­ti­ves poly­ne­si­sches Königs­haus] bzw. ins frü­he 20. Jahr­hun­dert [der ima­gi­nä­re – hm, Wie­ner Sek­ten­grün­der, dazu gleich mehr – Karl-Maria Lind­ner], und einem Epi­log aus dem Jahr 2981). Geo­gra­fisch betrach­tet haben Lon­don, das länd­li­che Irland, Island, Grön­land (bzw. Kalaal­lit Nunaat) die Ark­tis und das, soweit ich das den Kar­ten ent­neh­men kann, fik­ti­ve poly­ne­si­sche Atoll Ava’u (300 km nörd­lich von Ton­ga, 300 km süd­lich von Samoa …) ihren Auftritt. 

Auf die­ser Büh­ne beglei­ten wir Raisa Peri Ant­ares Hope­land und Amon Bright­bourne, die sich kurz nach den eben zitier­ten ers­ten Sät­zen vor einem von Riots erschüt­ter­ten Lon­don tref­fen. Raisa: kynnd der Hope­land-Fami­lie/-Sek­te/-Reli­gi­on, „her skin is light brown, her cheek­bones sharp, her face freck­led, her eyes green, her hair held back by a Nike head­band“, beim Ver­such, einen Wett­be­werb zu gewin­nen, der dar­in besteht, Lon­don in einer gera­den Linie schnellst­mög­lich zu durch­que­ren, um Erzmagier*in zu wer­den. Amon: musi­ka­lisch begab­ter Sproß der iri­schen Bright­bour­nes, rote Haa­re, Tweed, Bro­gues und Umhän­ge­ta­sche aus Leder, „I have a char­med life“ (und ja, das ist wört­lich zu neh­men, und die Kehr­sei­te davon ist ein Fluch, der Amon beglei­tet). Wenig spä­ter: ein „Star­ring“ der Hope­land-Fami­lie/-Sek­te/-Reli­gi­on an einem Ort, den nur Ein­ge­weih­te fin­den (und auch das ist wört­lich zu neh­men). Allen War­nun­gen zum Trotz ver­liebt Amon sich in Raisas Fami­lie, deren „hearths“ sich über den gan­zen Glo­bus erstre­cken. Zu der gehört auch Finn, Raisas Partner/Rivale – und dann nimmt der Roman sei­ne ers­te Abbie­gung, und was gera­de noch wie eine Roman­ze jun­ger Erwach­se­ner aus­sah, wird etwas anderes. 

Und das lässt sich nicht erzäh­len, ohne ein biss­chen zu spoi­lern, oder zumin­dest die Hand­lungs­strän­ge anzu­rei­ßen, die den Haupt­teil des Buches aus­ma­chen. Wer sich kom­plett über­ra­schen las­sen will, muss also hier auf­hö­ren zu lesen.

„Ver­such einer Rezen­si­on zu Ian McDo­nald, Hope­land (2023)“ weiterlesen

Science Fiction und Fantasy im Januar 2026

Snow in the garden - I

Ich fan­ge mit dem Bild­schirm an, das ist ein­fa­cher, weil in den letz­ten Wochen recht redu­ziert – zum einen des­we­gen, weil mei­ne Kin­der mehr Lust auf Gesell­schafts­spie­le als auf das gemein­sa­me Film­gu­cken hat­ten, zum ande­ren, weil ich mei­ne freie Zeit neben Arbeit und Wahl­kampf dann lie­ber in Lego gesteckt habe, wie beschrie­ben.

Übrig geblie­ben ist dann Star Trek – zum einen habe ich mal eine der Bil­dungs­lü­cken geschlos­sen und mir Star Trek IV: The Voya­ge Home ange­schaut, ein Film aus den 1980ern, genau­er gesagt kam er 1986 in die Kinos, der vor allem in den 1980ern spielt. Und selbst die Sze­nen, die drei­hun­dert Jah­re in der Zukunft statt­fin­den, sehen, etwa beim Blick auf das Design der Com­pu­ter­gra­fi­ken, sehr nach den 1980ern aus. Ganz pas­send dazu hat der Film ein Öko­the­ma (Wale ret­ten, um die Mensch­heit der Zukunft zu ret­ten) und kommt – was ich erfreu­lich fand – weit­ge­hend ohne Schie­ße­rei­en, Tote und ähn­li­che Groß­ka­ta­stro­phen aus, und baut trotz­dem Span­nung auf. Start­rek­mä­ßig ist das alles das Ende der TOS-Ära, sprich ein älter gewor­de­ner James T. Kirk, ein älter gewor­de­ne­ner Spock usw. – qua­si der Gegen­pol zu der neu­en Stran­ge-New-Worlds-Serie, die in der – im direk­ten Ver­gleich doch sehr sicht­ba­ren – Ästhe­tik der 2020er Jah­re die Vor­ge­schich­te von Kirk, Spock usw. erzählt.

Das ande­re Star-Trek-Momen­tum waren die ers­ten fünf Fol­gen der neu­en Star Trek: Star­fleet Aca­de­my-Serie (2026, Para­mount+), die uns ganz ans ande­re Ende des Star-Trek-Kos­mos ent­führt, in die fer­ne Zukunft einer im Wie­der­auf­bau befind­li­chen Föde­ra­ti­on. Die­se Post-Burn-Welt haben wir in der Dis­co­very-Serie ken­nen­ge­lernt, und eini­ge weni­ge Figu­ren (Van­ce, Reno) ver­bin­den bei­de Seri­en (ande­re, wie etwa der Holo­gram-Dok­tor, gibt es im Kon­text der Geschich­te schon eini­ge hun­dert Jah­re). Der Fokus ist bei Star­fleet Aca­de­my aller­dings ein ganz ande­rer: im 32. Jahr­hun­dert wird in San Fran­cis­co die pres­ti­ge­träch­ti­ge Star­fleet Aca­de­my wie­der ins Leben geru­fen, nach­dem in den letz­ten Jahr­zehn­ten das „War Col­lege“ und der Fokus auf die Ver­tei­di­gung der zer­fal­len­den Föde­ra­ti­on den Cam­pus über­nom­men hat­te. Die Star­fleet Aca­de­my lan­det wort­wört­lich in einem Raum­schiff auf dem Cam­pus (der USS Athe­na) – und nun müs­sen bei­de Ein­rich­tun­gen irgend­wie kooperieren.

Im Mix ist Star­fleet Aca­de­my zu 70% eine High­school-Serie mit allem, was dazu gehört: Coming of age, Riva­li­tä­ten, Lieb­schaf­ten – das ist der Fak­tor, der mich ein biss­chen abschreckt, der aber ver­mut­lich ziel­grup­pen­ge­nau einer jün­ge­ren Gene­ra­ti­on, die mit Pro­di­gy und Lower Decks auf­ge­wach­sen ist, ein Ange­bot macht. Bis­her haben mich die übri­gen 30% über­zeugt, wei­ter­zu­schau­en: über die bio­gra­fi­schen Hin­ter­grün­de der ein­zel­nen Cha­rak­te­re ler­nen wir den Zustand der Föde­ra­ti­on ken­nen – etwa die klin­go­ni­sche Dia­spo­ra. Und an ganz vie­len Stel­len blinkt der Ethos von Star Trek durch, bei dem Viel­falt und die Suche nach diplo­ma­ti­schen Lösun­gen, mög­li­cher­wei­se auch nach trick­rei­chen Umge­hun­gen und Loopho­les, wich­ti­ger sind als pure Gewalt. Neben den jün­ge­ren Haupt­fi­gu­ren glänzt das Lehr­per­so­nal, allen vor­an die Direk­to­rin der Star­fleet Aca­de­my, Nahla Ake (gespielt von Hol­ly Hun­ter) – eine äußerst lang­le­bi­ge und äußerst unkon­ven­tio­nel­le Lan­tha­ni­tin mit Hip­pie-Charme, die schon mal bar­fuß auf dem Cap­ta­ins-Ses­sel lüm­melt – und sich trotz­dem sehr schnell Respekt auch des War Col­leges erhält.

Erfreu­lich: trotz des aktu­el­len Zustands der USA (und trotz der ver­schie­de­nen Über­nah­men usw.) bleibt die Serie der Star-Trek-Bot­schaft von Ver­stän­di­gung und inter­kul­tu­rel­ler Zusam­men­ar­beit treu. Und auch wenn mich das Set­ting (Post-Burn genau­so wie High­school) zunächst mal abge­schreckt hat, ist spä­tes­tens ab der 3. Fol­ge klar, dass die Serie im bes­ten Sin­ne Star Trek ist.

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