Archiv der Kategorie: Digitales Leben

Kurz: Seminomadische Digitalität

Geht euch das auch so, dass »der PC« inzwischen nicht viel mehr als ein schlankes Terminal ist, um auf Daten zuzugreifen, die anderswo liegen?

Es sind die kleinen Dinge. Wenn ich Mails checken will, stelle ich fest, dass ich das inzwischen auf zwei Wegen tue: über die App auf einem der verschiedenen Handheld-Geräte, oder über die Web-Oberfläche meines Mailproviders. Ich finde es spannend, dass ich meine beruflichen Dateien inzwischen nicht nur per Notebook abrufen kann, sondern auch mobil darauf zugreifen kann. Musik und Bücher im Speicherplatz eines Netzriesen sind zwar moralisch verwerflich, aber enorm praktisch. Die Fotos liegen bei Flickr, mein Kalender bei einem anderen Netzriesen … und all das hilft, wenn ich im Zug, im Büro in Stuttgart, auf dem Balkon oder am Baggersee irgendwie darauf zugreifen möchte.

Ich weiß über die dadurch erzeugten Abhängigkeiten samt infrastruktureller Energiebedarfe Bescheid. Die optimale Lösung wäre, das Haus nicht zu verlassen, oder all das auf einem physischen Datenträger mit herumzuschleppen. Die zweitbeste Lösung wäre, alles auf den eigenen Webspace zu packen, statt sich auf die Cloud-Lösungen diverser Anbieter zu verlassen – ach, Bequemlichkeit, ach Smartphone, du magisches Fenster.

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Immer Ärger mit der Digitalisierung, hier: DHL

Letzten Freitag bestellte ich mit ein paar Klicks auf der Seite eines großen Spielzeugherstellers mit L ein interessant erscheinendes Bauset. Beim Ausfüllen des Adressformulars bot der Browser mir Ausfüllhilfen an. Manchmal gibt es Felder »Straße plus Hausnummer«, manchmal sind das zwei Felder. Es kam, wie es kommen musste: Im Endeffekt landete wohl keine Hausnummer bei LEGO. Mir fiel das allerdings weder beim Ausfüllen der Felder noch in der Bestellbestätigung auf.

Montag dann die freudigen Mails von DHL: das Paket sei unterwegs, es würde jetzt versandt. So weit, so gut. Mal abgesehen davon, dass mein Wunschzustelltag auf Mittwoch festgelegt worden sei. Das irgendwann mal angegeben zu haben, daran konnte ich mich nicht erinnern. Am Dienstag dann die nächste Mail: nein, eine Zustellung am Mittwoch sei nicht möglich, es werde jetzt doch schon Dienstag zugestellt. Dienstag Abend hieß es dann

»Leider konnten wir sie unter der angegebenen Adresse nicht finden. Wir versuchen es weiter. Sollte die Zustellung nicht gelingen, müssen wir Ihr Paket mit der Sendungsnummer … leider an den Absender zurück senden.«

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Kurz: Da bewegt sich was

Pauschalurteile über die Jugend sind immer blöd. Trotzdem muss ich kurz die Beobachtung festhalten, dass sich da aktuell was tut, mit Jugendlichen und Politik. Vielleicht fällt es mir auch nur mehr auf, weil meine Tochter inzwischen 13 ist und da Politik irgendwie so richtig anfängt. Ich sehe jedenfalls an zwei Punkten, dass ein per WhatsApp (und Instagram und – ihh – Youtube) kommunizierende Jugend sich politisch äußert.

Das eine sind die Klimaproteste mit Greta Thunberg als selbst gewählter Galionsfigur. Fridays for Future bringt inzwischen weltweit Schulkinder zum Streik. Dezentral und wenig organisiert, auf Netzwerkeffekte und Klassengruppen setzend, und mit mächtig viel medialer Aufmerksamkeit. Ein paar Monate (Oktober 2018) älter und ein bisschen radikaler (und nicht so jugendlich): Extinction Rebellion – auch das eine globale Bewegung, die Klimaschutz auf die Straßen bringt und auf die politische Agenda setzt.

Das andere sind die Proteste rund um Artikel 13 (»Hilfe, sie wollen Youtube schließen!«), oder anders gesagt: die spezifische Freiheit des Netzes erhalten. Auch hier: eine grenzüberschreitende Mobilisierung, insbesondere auch Teenager und junge Erwachsene fühlen sich angesprochen – und reagieren extrem wütend auf die Vermutung, das seien doch alles nur Bots. Einer der Hashtags der Kampagne: #niewiedercdu

Hier bewegt sich also was. Sehr projektförmig, bei den Protesten rund um die EU-Urheberrechtsreform kann ich mir auch vorstellen, dass das schnell wieder einschläft, wenn der konkrete Anlass – die Abstimmung im EU-Parlament, die jetzt wohl doch Ende März sein wird, rum ist. Das Klima wird Tag für Tag dramatischer. Und beides zusammen könnte den Effekt haben, dass nach einigen Jahren, in denen Jugend eher ein Synonym für konservativ und den Rückzug ins Private war, da so etwas wie eine neue politische und progressive Jugendbewegung entsteht. Wär doch was!

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Kurz: Politische und andere Algorithmen

Ich habe mal ein bisschen Informatik studiert. Nebenfach. Eine Grundlage der Informatik ist das Konzept des Algorithmus: es gibt eine Eingabe, es gibt Regeln, nach denen diese Eingabe verarbeitet wird, und es gibt eine Ausgabe. So wie bei einem Kochrezept: Eier und Mehl, Zucker und Salz, … rein, Kuchen raus, und dazwischen Regeln und Verfahrensschritte, die in einer bestimmten Reihenfolge abgearbeitet werden. Wer jetzt mit der Maus auf den nächsten Tab im Browser klickt und eine URL eingibt, weil das langweilt – setzt Algorithmen in Gang.

Jetzt musste ich heute in einer Pressemitteilung einer mir gut bekannten Bundestagsfraktion lesen:

»In fast jeder Online-Anwendung kommen heute Algorithmen zum Einsatz. Fast die Hälfte der Befragten in der EU gibt allerdings an, keine Kenntnis über Algorithmen zu besitzen. Es müssen jetzt nicht alle Computerexpertinnen und -experten werden, aber jeder hat das Recht darauf, zu erfahren, ob in Programmen oder Prozessen Algorithmen im Spiel sind und Entscheidungen beeinflussen. Ein Transparenzkennzeichen für Künstliche Intelligenz und Algorithmen kann deswegen ein sinnvoller Ansatz sein.«

Das ist dann doch ein bisschen peinlich. Und ich verstehe, warum sich Biolog*innen über »genfrei« aufregen. Mein Schluss: Es gibt so etwas wie einen technischen Algorithmus-Begriff (Eingabe – Rechenschritte – Ausgabe) und einen politischen Algorithmus-Begriff, der eigentlich »Einsatz von maschinellem Lernen auf großen Datenmengen zur Sortierung von Nutzer*innen« oder sowas in der Art bedeutet. Das mit einem Kennzeichen zu versehen, kann ja sogar sinnvoll sein. »Achtung, Algorithmus!« zeugt allerdings davon, dass hier jemand nur wenig Kenntnis besitzt. Schade.

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Einer wagt es, uns im Netz zu verlassen

Paukenschlag: Robert Habeck verabschiedet sich von Facebook und Twitter. Als Grund dafür nennt er zwei Dinge – zum einen den massiven Datenklau samt Veröffentlichung privater Chatverläufe vor ein paar Tage, er war einer von rund 50 der etwa 1000 betroffenen Politiker*innen, bei denen nicht »nur« eine private Mobilfunknummer veröffentlicht wurde, sondern auch weitere Daten. Zum anderen einen dummen Versprecher in einem Wahlvideo für Thüringen, der prompt heftigste böse Kommentare ausgelöst hat. Schuld daran sei auch der auf Twitter gepflegte Kommunikationsstil, der Drang zur Verkürzung, zur reduzierten Aufmerksamkeit.

Robert hat aus diesen beiden Ereignissen für sich den Schluss gezogen, Facebook, Twitter (und wohl auch Instagram) zu verlassen – zumindest im Format der direkten, persönlich-privaten Kommunikation. Ob es auch in Zukunft eine von der Partei gepflegte offizielle Seite geben wird, bleibt abzuwarten. Twitter- und Facebook-Account sind inzwischen gelöscht.

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