till we *) . Blog

Das Blog von Till Westermayer – seit 2002

Im Herbst 2010 findet der diesjährige Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS)* statt – in Frankfurt am Main. Warum das erwähnenswert ist? Weil die DGS 1910 gegründet wurde, es also der Kongress zum 100. Geburtstag der Fachgesellschaft ist. Der mit Frankfurt übrigens wieder an den Ort des ersten deutschen »Soziologentags« zurückkehrt.

Und warum das hier erwähnenswert ist? Weil ich für die Nachwuchsgruppe Umweltsoziologie zusammen mit der Sektion Umweltsoziologie eine Sektionssitzung mit organisiere. Passend zum Kongressthema der transnationalen Vergesellschaftung haben wir diese Sitzung unter den Titel »Global denken, lokal handeln? Oder: Die Ungleichverteilung von Umweltrisiken in der Weltgesellschaft« gestellt. Eine weitere Sektionssitzung wird sich mit Interdisziplinarität in der Umweltsoziologie befassen.

Auf der DGS-Seite ist der Call for Papers leider noch nicht online. Dafür kann er hier (nach »weiterlesen«) angeschaut werden.

* Gelungenes Kongresslogo übrigens, finde ich.

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Portrait of the famous coffee maker

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Die taz berichtet heute über die für morgen anvisierte Gründung eines »Institut Solidarische Moderne« als rot-rot-grünem Think-tank:

Die treibenden Kräfte der ISM-Gründung sind die SPD-Politiker Hermann Scheer und Andrea Ypsilanti, der grüne Europaparlamentarier Sven Giegold und Katja Kipping, Vizechefin der Linkspartei. Unterstützt wird die ISM unter anderem von Anke Martiny, Juso-Chefin Franziska Drohsel, dem Rechtsexperten der Linksfraktion, Wolfgang Neskovic, und dem Grünen Arvid Bell.

Ergänzt wird diese Gruppe um WissenschaftlerInnen und andere Persönlichkeiten.

Das klingt alles erstmal ziemlich gut. Allerdings kann ich mich – wenn das alles so stimmt – auch Stefan Reinecke anschließen, der im Kommentar dazu schreibt:

Das größte Hindernis für Rot-Rot-Grün liegt freilich noch auf einer anderen Ebene. Man ist zwar gegen Neoliberalismus und AKWs, für die Bürgerversicherung und ökologischen Umbau. Aber es fehlt eine zündende Vision.

Trotzdem ist das eigentlich gar nicht der Anlass für diesen Blog-Beitrag. Vielmehr mag ich den Namen »Institut Solidarische Moderne« nicht (ob die Domain schon reserviert ist)?. Mal schauen, ob der Gründungskreis das morgen so beibehält – vermutlich schon. Hier dennoch meine drei Kritikpunkte, die sich vor allem am Namen festmachen.

1. ISM – war da nicht was? Meine erste Assoziation ist jedenfalls die INSM – die neoliberale »Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft«. Mag ja sein, dass diese Ähnlichkeit bewusst gewählt ist, so als kommunikativer Guerilla-Akt. Besonders klug finde ich das jedoch nicht.

2. Mir ist der Name zu sozialdemokratisch. Aber gut – wenn zwei der drei Gründungsströmungen sozialdemokratisch sind, muss das vielleicht so sein. Natürlich ist »solidarisch« auch ein grüner Begriff, und ein – inzwischen weitgehend anerkanntes – grünes Thema. Trotzdem: gerade wenn dieser Think-tank sich um dieses Aufgabenfeld kümmern will (wieder laut taz) …

Die traditionelle Linke des Industriekapitalismus habe die ökologische Krise nicht ausreichend begriffen und sei zu stark auf »Erwerbsarbeit« focussiert. Die neue Linke müsse sich auch um »ökologische Gerechtigkeit« kümmern und fragen wie man ohne »soziale Brüche« Abschied vom »quantitativem Wachstum« nehmen kann.

… dann frage ich mich schon, ob »solidarisch« das richtige Adjektiv ist. Ich würde ja sagen, dass eigentlich »grün« hier viel besser passt, oder zumindest »sozial-ökologisch«. Vielleicht wäre auch eine ganz neue Wortschöpfung notwendig. Oder eben beides – »Institut für eine solidarische und ökologische Moderne«.

3. Mir ist der Name zu modern. Mit Beck, Giddens & Co. sind wir in der »zweiten Moderne«, der »Nachmoderne«, der »späten Moderne« oder der »reflexiven Moderne« angekommen. Und gerade, wenn es um eine »neue neue Linke« geht, wobei die Grenzziehung ja wohl – s.o. – wiederum die Abgrenzung vom Fokus auf Erwerbsarbeit ist – frage ich mich, ob die Epoche der (ersten, …) »Moderne« eigentlich wirklich der richtige Bezugspunkt ist. Für mich schwingen da Trabantenstädte im internationalen Stil, autogerechte Städte und fordistische Arbeitsverhältnisse mit. Gleichzeitig lässt sich der Begriff »Moderne« auch mit Latour angreifen. Gerade wenn es darum geht, Solidarität nicht nur auf (heutige und zukünftige) Menschen zu beschränken – das wäre übrigens die m.E. einzige Möglichkeit, den Fokus auf den ökologischen Umbau der modernen Industriegesellschaft ins Adjektiv »solidarisch« hineinzudenken – also gerade dann zeigt Latour, wie die Moderne als Ordnungssystem den Menschen alleine stellt.

Wenn ich die Leute, die bisher öffentlich damit in Verbindung gebracht werden, richtig einschätze, dann will dieser Think-tank eigentlich sowas wie ein »Institut für eine solidarische, emanzipierte und ökologische Gesellschaft« sein. Nun ist auch IfeseoeGe kein besonders gutes Akronym. Und ISOE, IÖW etc. gibt es auch schon. Und vermutlich soll der Name auch noch ernsthaft klingen (also nichts mit »Gesellschaft 2.0″ oder so). Dass alles zusammenzubringen, dürfte nicht so einfach sein. Die geballte Energie des Gründungskreises müsste aber eigentlich in der Lage sein, was bessers zu finden. Oder wenn das nicht, dann zumindest dafür zu sorgen, dass die Buchstabenkombination ISM in ein paar Jahren progressiv, emanzipatorisch und ökologisch nachhaltig klingt.

Warum blogge ich das? Weil ich diese Initiative sehr spannend finde und neugierig bin, was draus wird. Und weil mir der Name nicht gefällt.

Update: Wenn der Link stimmt, den Björn Böhning gerade rumschickte, dann könnte solidarische-moderne.de der Webauftritt sein (Inhalte fehlen noch, vielleicht ist’s auch nur ein Konzept). Da steht als Name »dieSolidarischeModerne . Crossover-Institut«. Ist ein bißchen schicker, und Punkt 1 meiner Kritik trifft dann nicht zu, aber die Punkte 2 und 3 bleiben bestehen. Vor allem, wen der Banner weiterhin »Soziale Gerechtigkeit, soziale Ökologie, soziale Ökonomie« heißt. Einem »Crossover-Institut«, das die »ökologische Ökonomie« und die »ökologische Gerechtigkeit« vergisst, fehlt was.

Update des Updates: Die einzigen drei Punkte, die schon Inhalte bringen, sind »Mitglied werden«, »Newsletter bestellen« und Kontakt. Und da steht dann doch wieder »Institut solidarische Moderne e.V.« als Name.

Noch ein Nachtrag: Der Inhaber der Domain ist der Jenaer Soziologe Stephan Lessenich, der neben den oben genannten PolitikerInnen immer wieder mit dem »ISM« in Verbindung gebracht wird – scheint also tatsächlich die Domain des Instituts zu sein/zu werden. Und zumindest Google kennt den Begriff »solidarische Moderne« nur im Zusammenhang mit der Institutsgründung.

Website zu: solidarische-moderne.de ist jetzt mit einem Passwortschutz versehen. War wohl noch nicht für die Öffentlichkeit gedacht.

Update: (31.01.2010, 20:30 Uhr) Die Website solidarische-moderne.de ist jetzt wohl offiziell in Betrieb. U.a. findet sich dort auch die Gründungserklärung.

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Catching snowflakes III

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Eigentlich wäre der Hype um das Apple-iPad einen langen Artikel wert. Die Zeit dafür habe ich aber gerade nicht. Eine gute Auseinandersetzung damit, warum das iPad nicht nur toll ist, findet sich bei netzwertig. Das wichtigste daran ist mir folgender Absatz:

Das iPad ist damit nicht weniger als der größte Angriff auf das, was Zittrain in »The Future Of The Internet And How To Stop It« als die Generativität der Endgeräte bezeichnete. Generativität bedeutet, die Endnutzer und Drittanbieter bestimmen, wofür ein Gerät, ein Dienst, eine Technologie, ein Standard benutzt wird. Laptop-Hersteller können genauso wenig wie Microsoft oder Apple beim Mac beeinflussen, welche Programme für die Systeme geschrieben und vertrieben werden.

Genau das scheint mir der Kern der Sache zu sein: das iPad (und das iPod, und das iPho, und so weiter) sind zwar »eigentlich« vollwertige Computer, aber sie sind auf ein (durch Apple) kontrolliertes Maß an »Apps« zugeschnitten. Das hat den Vorteil des nahtlosen Funktionierens – und den Nachteil, dass ein iP*d nicht frei programmierbar ist (z.B. keine Flash-basierten Websites – das bezieht sich nicht nur auf das Abspielen von Filmen, sondern z.B. auch auf webbasierte Computerspiele), vermutlich seine Medien größtenteils aus Apple-kontrollierten Bibliotheken beziehen wird, nicht mit dem USB-Standard kompatibel ist (selbst um Digitalfotos aus einer Kamera auszulesen, braucht es Extrahardware – das wird wohl erst recht für z.B. externe Festplatten, externe DVD-Player oder Tastaturen von Drittanbietern gelten). Dazu kommt die Notwendigkeit, für die Monatsdatenrate zu bezahlen, um die Funktionalität des Geräts nutzen zu können. Das alles heißt z.B. auch: es wird nie ein legales »Linux for iP*d« geben.

So gut ich mir auch vorstellen kann, dass ein iP*d ein nettes Ding ist – und so viel schöner es als mein Netbook aussieht: solange ich nicht selbst bestimmen kann, welche Programme darauf laufen, kaufe ich mir sowas nicht.

Nachtrag: Wer das so ähnlich sieht, kann bei dieser »defective by design«-Petition (Achtung: Server langsam!) zum Thema iPad und Digital Rights Management (DRM) mitmachen und mit seiner oder ihrer Unterschrift sagen: »Mr. Jobs, The iPad’s unprecedented use of DRM to control all capabilities of a general purpose computer is a dangerous step backward for computing and for media distribution. We demand that Apple remove all DRM from its devices.«

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Canon

Seit März 2005 (Foto einer Blindschleiche – eines der ersten Bilder) habe ich die Canon EOS 300D – für mich immer noch eine der besten digitalen Spiegelreflexkameras im noch einigermaßen bezahlbaren Preissegment. Seitdem habe ich ziemlich genau 25.000 Fotos damit gemacht. Pünktlich zum Ende des grünen Neujahrsempfangs am 16.1. diesen Jahres gab es dann komische Geräusche und keine Bilder mehr (was nicht nur aufgrund des gleich noch ausgeführten Punktes schade ist, sondern weil es wunderbares sonniges Winterwetter und ein tolles Landschaftspanorama in Kirchzarten gab, dass ich – neben diversen PolitikerInnen – auch gerne noch fotografiert hätte).

Heute kam nun der Kostenvoranschlag – eine Reparatur würde 184 € kosten (abzüglich der 30 €, die für das Erstellen des Kostenvoranschlags zu zahlen waren, und die damit wohl verrechnet werden, wenn ich das richtig verstanden habe). Das ist ziemlich viel Geld. Eine neue Canon EOS 450D oder 500D – also das aktuelle Modell in der gleichen Reihe – kostet etwa drei- bis viermal so viel. Und bietet einige verlockende Eigenschaften. Gar nicht so sehr die natürlich in den letzten fünf Jahren rasant gewachsenen Megapixel, sondern eher der deutlich ausgebaute ISO-Bereich. Bei der Canon EOS 300D ist bei 1600 ISO Schluss, und das gibt schon sehr verrauschte Bilder – die 450D und erst recht die 500D gehen deutlich weiter. Faktisch heißt das, dass es möglich ist, auch bei relativ schlechten Lichtverhältnissen noch ohne Blitz zu fotografieren. Mach(t)e ich zwar bisher auch schon, aber weil eben nur bis 800 ISO noch einigermaßen rauschfreie Bilder rauskamen, bedeutete das im Umkehrschluss Verschlusszeiten von 1/8 bis zu einer Sekunde. Und so lange halten Menschen normalerweise nicht still – weder die, die nachher auf dem Bild zu sehen sein sollen, noch der, der den Fotoapparat in der Hand hält.

Für mich ich klar, dass ich weiterhin mit einer digitalen Spiegelreflexkamera fotografieren möchte. Ich habe zwar noch eine kleine »Point-and-Shot«-Kamera, aber die Qualität ist (obwohl die bei den Megapixeln etc. deutlich besser abschneidet) doch stark unterschiedlich. Besonders deutlich wird das bei Makroaufnahmen und überall, wo Tiefenschärfe (also der verschwommen werdende Hintergrund) eine Rolle spielen.

Damit stehe ich jetzt vor der Entscheidung: Neukauf des Nachfolgemodells oder Reparatur der EOS 300D? Für einen Neukauf sprechen die Verbesserungen gegenüber der 300D. Andererseits sind ungefähr 500 € doch relativ viel, und ich weiss nicht, ob ich die jetzt ausgeben will (oder ob nicht z.B. ein lichtstärkeres Objektiv eine bessere Investition wäre).

Für eine Reparatur spricht neben der monetären Frage vor allem mein ökologisches Gewissen: ich habe keine Ahnung, wie die Ökobilanz einer Digitalkamera aussieht, aber der langfristige Gebrauch ist auf jeden Fall sinnvoll – da hätte ich eigentlich auch gerne ein Modell, das auch entsprechend gebaut ist. Das würde dann aber vermutlich doch deutlich mehr kosten als die aktuellen dreistelligen Canon-Modelle. Der EOS 300D ist der intensive Gebrauch inzwischen durchaus anzusehen – im Fotogeschäft wurden erstmal die Kratzer am Gehäuse und am Griff notiert. Das hat aber auch was damit zu tun, dass viel Kunststoff verbaut ist – auch in der Mechanik.

Jedenfalls stehe ich jetzt vor der Frage »Neu kaufen oder reparieren lassen?« und kann mich nicht so recht entscheiden. Für Inputs sowohl dazu wie auch zur Qualität der 450D/500D wäre ich daher dankbar.

Warum blogge ich das? Crowdsourcing – und weil’s ein schönes Beispiel für Entscheidungspunkte in nachhaltigen Lebensstilen darstellt.

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Manchmal kann es ganz schön hart sein, sich für nicht standardisierte Lebensverhältnisse zu entscheiden. Beispielsweise, wenn es um den Elterngeldbezug und die Krankenversicherung geht. Der Normalfall ist hier die unbefristete Beschäftigung, die unterbrochen wird, um Elternzeit zu nehmen und während dessen Elterngeld zu beziehen. In dem Fall laufen dann Kranken- und Pflegeversicherung beitragsfrei weiter.

Und was mache ich? Ich werde Elterngeld im Anschluss an einen auslaufenden befristeten Vertrag beziehen. Dementsprechend muss ich mich freiwillig weiterversichern, um in der (gesetzlichen) Krankenkasse zu bleiben. Das Elterngeld wird zwar nicht zur Berechnung des Krankenkassenbeitrags herangezogen, der Mindestsatz der – in meinem Fall – Techniker Krankenkasse ist aber nicht wirklich niedrig. Nun denn, ganz unerwartet kommt diese Nachricht nicht, ärgerlich ist es schon (vor allem, weil es natürlich Tricksereien gäbe, um das zu umgehen – die ich aber nicht machen will).

Gleichzeitig schlägt Normalfall zwei zu: wenn ich mit meiner Partnerin verheiratet wäre, bestünde die Möglichkeit der kostenfreien Familienmitversicherung. Ein Beispiel dafür, wie stark doch (auch neben dem Ehegattensplitting) der Staat finanzielle Anreize dafür setzt, dem klassischen Heiratsmodell (und implizit auch klassischen Erwerbs-Hausarbeits-Teilungen) zu folgen. Hier hätte ich manchmal gerne ein Instrument unterhalb der normativ hoch aufgeladenen Heirat – z.B. eine Verpartnerung auch für Heteros oder sowas wie den französischen Zivilpakt.

Update (26.01.2010): Erfreulich: die Techniker Krankenkasse hat sich nach einem nochmaligen Telefonat dann doch bereiterklärt, mich – wohl analog zu »normalen« Unterbrechungen von Arbeitsverhältnissen – für die Zeit des Elterngeldbezuges beitragsfrei weiterzuversichern. Manchmal lohnt sich das Hinterhertelefonieren doch …

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Der neuen Familienministerin Kristina Köhler kann einiges vorgeworfen werden, insbesondere scheint sie sich, wenn es um Migration und um die Auseinandersetzung mit dem Islam geht, irgendwo am rechten Rand der CDU zu befinden. Aktuell jedoch geht es in der Debatte vor allem um den Doktortitel der jungen Ministerin. Zum Beispiel hier in der Frankfurter Rundschau. Ausgangspunkt dafür dürfte Kai Diekmann (BILD) sein – um Weihnachten gab es schon einmal Auseinandersetzungen zwischen Diekmann und Köhler, und jetzt ein Interview.

Kern des Ganzen scheint die – bezahlte – Beteiligung eines Assistenten von Köhlers Doktorvater an der Erstellung ihrer Arbeit zu sein. Was Weihnachten noch nach dem großen Skandal klang, wird nach Lesen des Interviews aber dann doch eher zu relativ normalen Prozessen und Praktiken empirischer Wissenschaft. Besagter Assistent hat Daten codiert und in SPSS eingegeben und das Inhaltsverzeichnis und die Formatierung der Dissertation bearbeitet.

Bei Diekmann heißt es dazu:

Nur formatieren, layouten, Datensätze nach ihren Vorgaben abtippen – das kann auch eine Sekretärin. Braucht man dazu einen top-ausgebildeten wissenschaftlichen Assistenten gerade seines Doktor-Vaters?

Interessant ist hier die Gegenüberstellung »Sekretärin« vs. »top-ausgebildeter wissenschaftlicher Assistent«. Meiner Erfahrung nach sind das – Codierung, Dateneingabe, Formatierungen – Dinge, die im wissenschaftlichen Alltag heute ziemlich selbstverständlich von – geprüften oder ungeprüften – »HiWis« erledigt werden. Und nicht von SekretärInnen. Dass das nicht unbedingt zur Qualifikation passt, ist ein Hinweis darauf, wie Wissenschaft heute bezahlt und bewertet wird, entspricht aber – wie gesagt, meinen Erfahrungen nach – durchaus dem Alltag wissenschaftlicher Arbeit. Und dass z.B. zwischen zwei Drittmittelprojekten ein wissenschaftlicher Mitarbeiter derartige Tätigkeiten übernimmt, ist so ungewöhnlich nun auch wieder nicht.

Mit diesem Wissen im Hintergrund reduziert sich der angebliche Skandal dann doch deutlich. Interessanter als die Frage, wer Fragebögen layoutet und eingetippt hat, und ob Köhler ihre Dissertation selbst formatiert hat, ist doch der Inhalt. Da kann ich aktuell nichts zu sagen, werde aber vielleicht mal reinschauen. Und mich dann noch einmal zu Wort melden.

Es kann also durchaus sein, dass das folgende Resümee zutrifft:

Und der Deutschlandfunk resümierte, Köhler habe »eine mustergültige Typ-II-Arbeit vorgelegt, also ein Werk, das weniger vom Interesse an der wissenschaftlichen Arbeit, sondern mehr von dem Wunsch nach einem akademischen Titel geprägt ist«.

Für eine Arbeit, die neben einem Bundestagsmandat in kurzer Zeit entstanden ist, kann ich mir das gut vorstellen. Trotzdem – ein Skandal ist das nicht, auch nicht, wenn eine Bundesministerin daran beteiligt ist. Da gibt es genügend anderes.

Vielmehr stellt sich im Kontext dieser Debatte (auch im Hinblick auf die »gekauften Doktortitel«, die unlängst mal wieder gemeldet wurden) einmal mehr die Frage danach, wozu eigentlich der akademische Doktortitel existiert, und was eine Doktorarbeit ausmacht (und in welche Richtung der Bologna-Prozess hier geht).

Warum blogge ich das? Aus persönlichem Interesse an Promotionsprozessen, und weil ich es interessant finde, wie Skandale gemacht werden – und dabei die eigentlich skandalösen Politiken ausgeblendet werden.

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Am Anfang stand Xanga. Das war ungefähr 2002. Dann wanderte mein Blog (»das Blog«!) zum LiveJournal. Seit knapp drei Jahren liegt es als Wordpress-Installation auf meinem Webspace. Danach gab’s noch diverse Versionsupdates (2.9.1 steht auch noch an …).

Mein Blog ist also schon einige Jahre in der Welt. Nur: einen Namen hat es nicht wirklich. Jedenfalls lässt sich darüber streiten, ob »till we *)« mehr ist als mein generelles Online-Label (»_tillwe_«, »tillwe«, etc.), und letztlich auch nicht viel mehr als eine Abkürzung meines Namens.

Insofern dieses Blog hier letztlich ja doch eine recht bunte Mischung von Dingen ist, die ich interessant finde, passt das irgendwie. Andererseits macht die Namenslosigkeit es ein bißchen schwer, das Blog zu referenzieren. Entweder heißt es im Gespräch »ich habe in deinem Blog gelesen«, oder im Web »Till Westermayer schreibt« (gerne auch mal mit »ey« statt »ay«), aber das Blog als »Marke« taucht nicht so richtig auf. Hmm.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich diesen Zustand ändern möchte. Braucht ein Blog einen Namen? Braucht mein Blog einen Namen (»Wunderland« zum Beispiel)? Oder sind Namen für Blogs eh überbewertet? (Oder liegt das möglicherweise gar nicht so problematische Problem tiefer: nämlich darin, dass das Blog keinen Themenschwerpunkt hat?)

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