Kurz: 26. August 2015

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Wenn es keine Nachrichten gäbe, könnte man in der Sonne am See sitzen, Reneclauden essen, und alles wäre wunderbar. So aber ist nix gut, und ich sitze hier und grüble darüber nach, wie es so ist mit dem Rassismus, der Stimmung und der Politik. Warum es Wochen und Monate, einen Anschlag und mahnende Worte braucht, bis Merkel sich einmal in einer Flüchtlingsunterkunft sehen lässt. Warum ich und viele andere das Gefühl nicht loswerden, dass »linke« Aktivitäten nach wie vor schneller und härter polizeilich verfolgt werden als die Anschläge und Volksverhetzungen der »besorgten Bürger«. Wo hier – selbst wenn es mehr eine symbolische Geste wäre – Sonderermittlungsgruppen und Polizeistaffeln bleiben. Wie großartig das Engagement vieler Einzelner ist, und wie beschämend, dass es dieses braucht. Wieso in der bundesweiten Debatte nicht ankommt, dass Kretschmann sehr deutlich gesagt hat, dass das Boot nie voll ist. Ob sich 1993 wiederholt, und was dagegen getan werden kann. Wieso in manchen Köpfen der Grundrechtsstatus des Asyls partout ignoriert wird. Ob die EU nicht eine Art Evakuierung Syriens organisieren müsste. Warum manche jetzt sehr viel Wert auf Theoriedebatten legen. Und auch darüber, ob die Landkarten und Berichte, die als Ursache für Anschläge und Ausschreitungen die unvollständige Integration Ostdeutschlands suggerieren, Recht haben. Und wenn ja, was daraus eigentlich für politische Konsequenzen zu ziehen wären.

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Die neuen Eurobasisdemokraten, oder: Zurück in die 1980er?

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Moss macro

Eigentlich gibt es zur Zeit wichtigeres als das Innenleben der grünen Partei. Trotzdem könnte die 39. Ordentliche Bundesdelegiertenkonferenz, die Ende November in Halle stattfindet, interessant werden, liegen doch inzwischen einige Anträge Unzufriedener vor. Ich denke dabei insbesondere an den Antrag »Die Partei strategisch neu aufstellen, Fenster und Türen öffnen!« von Robert Zion und an den Antrag »Für eine umfassende Rückkehr zu basisdemokratischen Strukturen« von Frank Brozowski und anderen. Insgesamt stehen inzwischen 146 Personen unter den Anträgen. Worum geht es?

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Kurz: Science Fiction weiterhin weltoffen

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Im April schrieb ich über den Kulturkampf um das imaginäre Land – den Versuch diverser Rechtsaußengruppierungen (»Sad Puppies«, »Rabid Puppies«), das Science-Fiction-Fandom zu übernehmen, und insbesondere die »Hugo Awards« für sich zu erobern. Dazu wurden gesammelt Stimmen für die Nominierungen für diese Preise abgegeben (um die 200 Stimmen reichten oft schon, um auf die vorderen Plätze zu kommen), so dass in vielen Preiskategorien nur oder fast nur VertreterInnen der »Puppies« zur Wahl standen. Seitdem ist einiges passiert. Es wurde mobilisiert, einige von den »Puppies« Nominierte wollten damit nichts zu tun haben, und zogen zurück, andere Vorschläge waren aus formalen Gründen nicht wählbar. Trotzdem dominierten bei den Nominierungen in vielen Kategorien zunächst die »Puppy«-Nennungen.

Gestern abend (Ortszeit) wurden nun auf der WorldCon die Ergebnisse bekanntgegeben. Und es zeigt sich: die überwältigende Mehrheit der knapp 6000 abstimmenden SF-Fans begeistert sich für gut erzählte Science Fiction und ist dabei weltoffen und liberal. Nur etwa 10 % der Stimmen [andere Quellen sagen: max. ein Drittel …] kamen von AnhängerInnen der »Puppies«. Letztlich konnte sich in keiner Kategorie ein originärer »Puppy«-Vorschlag durchsetzen. Dafür wurde fünfmal – so oft wie nie zuvor – »No Award« (kein Preis) auf Platz 1 gewählt, der Hugo in der jeweiligen Kategorie also nicht vergeben. Beim besten Roman hat Liu Cixins The Three-Body Problem knapp vor Katherin Addisons The Goblin Emperor gewonnen – 200 Stimmen Unterschied. Beides sind auf jeden Fall lesenswert und zeigen die ganze Bandbreite zeitgenössischer Science Fiction & Fantasy; ein lebendiges Genre!

Insgesamt ist die diesjährige Hugo-Verleihung glimpflich* ausgegangen. Ich rechne damit, dass die »Puppies« sich nicht davon abhalten lassen, auch im nächsten Jahr zu versuchen, »ihre« Champions konzertiert zu nominieren. Gleichzeitig gehe ich davon aus, dass der Nominierungsprozess größere Aufmerksamkeit als bisher erfahren wird. 2014 haben sich in den großen Kategorien knapp 2000 Personen daran beteiligt, bei kleineren (»Best Fan Writer« etc.) waren es einige Hundert. Diese Zahlen dürften zunehmen; ich gehe auch davon aus, dass es regelrechte »Nominierungskampagnen« geben wird, um den einen oder anderen guten Roman oder die eine oder andere gute SF-Geschichte auf den Hugo-Stimmzettel zu bringen – sofern das Nominierungsverfahren nicht geändert wird. Nebenbei zeigen die Hugos, dass ein Präferenzwahlverfahren gut funktionieren kann.

* Glimpflich, weil ohne die Puppy-Kampagne eine ganze Reihe spannender Leute und Geschichten zur Abstimmung gestanden wären.

P.S.: WIRED berichtet in einer ausführlichen Reportage über die ganze Sache.

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Photo of the week: Dreisam summer sunset I

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Dreisam summer sunset I

 
Das Foto selbst ist schon etwas her, die abendliche Dreisam aber doch das passende Motiv, um den herannahenden Spätsommer, Frühherbst und dann ganz richtigen Herbst zu begrüßen. Und ein Fluss, an dem immer etwas los ist, ist die Dreisam noch dazu.

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Rezension zu Stolle: Universitäten und Hochschulen in Baden-Württemberg (2015)

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Stolle (2015)

Anfang des Jahres ist in der Landeskundlichen Schriftenreihe der Landeszentrale für politische Bildung ein Buch erschienen, das verspricht, einen umfassenden Überblick über die Universitäten und Hochschulen in Baden-Württemberg zu geben. Dieses Versprechen wird leider nur teilweise eingelöst.

Der Historiker Dr. Michael Stolle glänzt immer dort, wo es um die Geschichte der Hochschulen und Universitäten seit dem 14. Jahrhundert (Universität Heidelberg) geht. Insbesondere das lange zweite Kapitel des Buchs, in dem es um »Die Landesuniversitäten in ihrer geschichtlichen Entwicklung« geht, überzeugt in dieser Hinsicht. Aber auch im dritten Kapitel, in dem »Die anderen Hochschulen« behandelt werden, lässt sich einiges Wissenswertes darüber erfahren, wie aus Ingenieurschulen und Lehrerbildungsanstalten die heutigen Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Pädagogischen Hochschulen geworden sind, und was das mit der Herausbildung moderner Staaten und Industriegesellschaften zu tun hat.

Weniger überzeugend finde ich Stolle dann, wenn er sich der Gegenwart und der Zukunft des Hochschulsystems nähert. Während der historische Teil – bis in die 1960er und z.T. 1970er Jahre – detailreich und systematisch aufgebaut ist, wirken die Ausführungen zur jüngeren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Hochschule in Baden-Württemberg beliebig. An die beiden erwähnten großen Kapitel schließen sich fünf kürzere Kapitel an, die sich mit dem Studium, mit der Hochschule als Ort des sozialen Aufstiegs, mit »Hochschullehrern« und »Forschern« (trotz eines einigenständigen Unterkapitels zu Wissenschaftlerinnen im generischen Maskulinum, wie auch der Rest des Buches …), mit gegenwärtigen Debatten und mit einem Ausblick in die Zukunft befassen. Hier geht der Fokus auf Baden-Württemberg schnell verloren, statt dessen werden alle hochschulpolitischen Felder gestreift – Finanzierung, Autonomie, Bologna. Dazu kommt dann der eine oder andere Exkurs, der sich eher mit Stolles Arbeitsfeld (Schlüsselqualifikationen und Kompetenzentwicklung am KIT) als mit externen Relevanzsetzungen erklären lässt.

Als Materialsammlung ist das ganz nett, für eine Landeszeitgeschichte oder einen Beitrag zur Bewertung und Systematisierung der Landespolitik greift Stolle hier allerdings zu kurz. Symptomatisch dafür: der Ende der 1960er Jahre tätige Kultusminister Wilhelm Hahn wird ausführlich gewürdigt und sein Wirken dargestellt. Die Reihe der Wissenschaftsminister bis zur heutigen Wissenschaftsministerin tauchen dagegen nur noch als »die Landesregierung«, »das Ministerium« oder »das Parlament beschloss« auf. Namentlich werden sie, wenn ich das recht sehe, ein Register gibt es leider nicht, nicht genannt, näher gewürdigt erst recht nicht. Dabei wäre es durchaus lohnend, sich intensiver damit auseinanderzusetzen, wie von Trotha, Frankenberg und Bauer jeweils unterschiedliche Leitbilder von Hochschule politisch umgesetzt haben, wo es hier so etwas wie baden-württembergische Kontinuitäten und lange Fäden gibt, und wo es zu Brüchen kommt.

Ähnliches ließe sich über die Protestereignisse nach 1968 sagen – dass es immer mal wieder landesweite Studierendenproteste gegeben hat, in den 1980er Jahren, 1998, 2005 – all das scheint Stolle nicht zu interessieren. Vielmehr wirken die gegenwartsnäheren Teile des Buches oft so, als seien halt die aktuellen Presseverlautbarungen und Hochschulselbstdarstellungen zusammengestellt worden, ohne sich groß um Einordnung und Bewertung zu kümmern. Hastig sind noch die Änderungen der Landeshochschulgesetznovelle 2014 eingebaut worden, bei der Darstellung der Weiterentwicklung der Musikhochschulen, bei der Reform der Lehrerbildung der auch bei der Weiterentwicklung der Hochschulfinanzierung stimmen die Aussagen nicht, weil Stolle hier jeweils den Beginn politischer Auseinandersetzungen für bare Münze genommen hat und als Fakten darstellt, aber deren tatsächlichen Ausgang dann nicht mehr aufnehmen konnte.

Und die Zukunft? Die Digitalisierung der Lehre taucht nur als MOOC-Kritik auf, und die Frage, ob und in welcher Weise Hochschulen zur Lösung großer gesellschaftlicher Probleme beitragen können und sollen, fehlt ebenso fast vollständig (im Zukunftskapitel wird sie kurz gestreift). Ansonsten greift Stolle auf vier OECD-Szenarien zur Zukunft der Hochschule zurück, und bleibt in Bezug auf Baden-Württemberg bei Allgemeinplätzen.

Insgesamt fällt meine Bilanz durchmischt aus: Als Einführung in die Geschichte der baden-württembergischen Hochschullandschaft bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts ist Stolles Buch zu empfehlen. Für eine zeitgeschichtliche Aufarbeitung der baden-württembergischen Hochschulpolitik seit den 1960er oder 1970er Jahren – oft ja auch mit dem Anspruch, bundesweit Vorreiter zu sein! – greift das Buch dagegen deutlich zu kurz. Hier hätte ich mir mehr erhofft. Ärgerlich auch, dass an viele Stellen sichtbar wird, dass das Lektorat hätte besser sein können – Tippfehler (»NSADP«), doppelte Sätze, Redigierreste und thematische Wiederholungen tauchen leider all zu oft auf.

Stolle, Michael (2015): Universitäten und Hochschulen in Baden-Württemberg. Tradition – Vielfalt – Wandel. Stuttgart: W. Kohlhammer, 263 Seiten. Bestellung/Download über die LpB Baden-Württemberg.

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