Ergänzend zum Krokus der letzten Woche hier noch einer, der im Sonnenschein leuchtet. In dieser ersten Märzwoche ist der Garten aufgeblüht; nicht mehr lange, dann fangen auch die Obstbäume an, und überall grünt es. (Ach ja: ich hoffe, dass das morgen bei der Landtagswahl auch der Fall sein wird …).
Kurz zum „Umfrage-Beben“
Am Donnerstagabend veröffentlichte der SWR den „DeutschlandTrend extra“ zur Landtagswahl in Baden-Württemberg und titelte berechtigt von einem „Umfrage-Beben“. Im Vergleich zur letzten Umfrage von Infratest Dimap gab es hier deutliche Veränderungen – Grüne +4, CDU ‑1. Damit sind beide mit 27 Prozentpunkten zu 28 Prozentpunkten fast gleichauf.
Anlässlich dieser Umfrage habe ich den Rechner zum Wahlrecht aktualisiert und die Umfrage sowie einigermaßen plausible mögliche Direktmandate hinzugefügte. Annahme hier: über das Land hinweg verändern sich die Wahlkreisergebnisse ähnlich wie das Landergebnis.
Wenn die Wahl am kommenden Sonntag tatsächlich so ausgehen würde, kämen wir damit auf einen Landtag mit „nur“ 133 Sitzen (aktuell: 154), davon 39 Grüne und 41 CDU.
Wenn weniger Direktmandate für Grüne angenommen werden, steigt die Landtagsgröße – wer möchte, kann im verlinkten Rechner damit experimentieren.
Schon vor den vergangenen Landtagswahlen gab es jeweils kurz vorher nochmal grüne Gewinne in den Umfragen. Auch in der Langfristperspektive ist die aktuelle Umfrage jedoch herausragend:
Die spannende Frage ist jetzt, was in den nächsten sieben Tagen noch passiert. Viele haben schon Briefwahl gemacht, andere sind noch unschlüssig. Mit der aktuellen Umfrage (und ähnlich guten Zahlen beim ZDF/Forschungsgruppe Wahlen) ist es jedenfalls in den Bereich des Möglichen gerückt, dass Cem Özdemir der nächste Ministerpräsident Baden-Württembergs wird. Dafür kommt es auf jede Zweitstimme an.
Science Fiction und Fantasy im Februar 2026
Im Februar bin ich leider kaum dazu gekommen, Science Fiction und Fantasy zu, hm, konsumieren. Als Ablenkung von Wahlkampf etc. diente dann eher Wordfeud.
Was ich gelesen habe, ist Charles Stross Abschluss der Laundry-Files-Serie im Buch The Regicide Report (2026). Das Buch bildet einen gelungenen Abschluss dieser Horror-als-angewandte-Mathematik-Bürokratie-Comedy-Reihe, und ist erfolgreich darin, ein paar lose Enden zu verknüpfen. Wir dürfen – im England des Jahres 2015 oder so – noch einmal einen Blick auf Bob / The Eater of Souls und Mo werfen. Über allem schwebt schon das „New Management“ des Premierministers Fabian Everyman, Avatar Nyarlathoteps, zu dessen Regierungsstil Hinrichtungen und Menschenopfer gehören. Bob und Mo müssen sich jeweils in neuen Rollen im Senior Management der Laundry zurechtfinden – Meetings, Public-Relations-Auftritte vor ungläubigen Teilen der Bevölkerung („magic is real“) – und werden dann einer Einsatzgruppe zugeordnet, die einen geplanten Anschlag auf die Queen verhindern soll. Queen Elizabeth ist allein durch ihre Rolle und lange Regierungszeit ein extremer Konzentrationspunkt von Mana. Und das weckt Begierden. So taucht etwa ein gewisser Dr. Phibes auf (und setzt die Tradition der filmischen bzw. literarischen Vorlagen für die einzelnen Laundry-Bücher fort). Wer die Reihe nicht kennt, wird mit dem Regicide Report wenig anfangen können. Für alle anderen: unbedingt lesenswert. Danach schläft man ruhiger.
Gelesen habe ich zudem Hopeland von Ian McDonald, da bin ich aber noch dran – eine Rezension folgt, wenn ich durch bin.
Angeschaut habe ich weitere Folgen von Star Trek: Starfleet Academy (Paramount+), genauer gesagt: die Folgen 6 bis 8 der aktuell laufenden ersten Staffel. Und, wow – was als Highschool-Film im Weltraum begonnen hat, gewinnt jetzt doch einiges an Substanz und Tiefe. Eine Exkursion zu einem Raumschiff-Wrack, die als Übung gedacht ist, wird schnell zu bitterer Realität. Und die Traumata, die sich da entwickeln, sind in der nächsten Folge nicht einfach weggewischt, sondern ziehen sich durch und verändern die Charaktere. Wie dies geschieht, dazu will ich hier gar nicht mehr verraten – nur der Hinweis, dass so viel Charakterentwicklung bei Star Trek selten war; weit weg von „jede Woche ein neues Abenteuer auf einem neuen Planeten“. Umso besser, dass das Zusammenwachsen unserer Hauptpersonen, der Umgang mit tief sitzenden Verletzungen und verstörenden Erlebnissen hier so viel Raum einnimmt.
Photo of the week: Crocus
Die letzten Februartage waren schon sehr warm und frühlingshaft, irgendwo las ich sogar etwas von „frühsommerlich“. Ich merke, dass ich die Sonne vermisst habe. Und wohl nicht nur ich – Schmetterlinge, Bienen, Hummeln und so weiter sind in großer Zahl unterwegs und stürzen sich auf die ersten Blüten.
SWR: Ein Wahlkampf-Duell als Gameshow
Hat das Duell-Format einen Mehrwert? Jedenfalls dann nicht, wenn daraus – wie beim SWR zur Landtagswahl 2026 – ohne Not ein Triell gemacht wird, und ein AfD-Politiker mit an den Tisch geholt wird, der weder zur Landtagswahl antritt noch auch nur den Hauch einer Chance hat, Ministerpräsident von Baden-Württemberg zu werden. Und der dann über weite Strecken die Debatte dominiert. Der „Faktencheck“ im Hintergrund biss sich an wenigen Themen fest, viele Behauptungen blieben einfach stehen. Eine Einordnung, dass dieser so verbindlich wirkende Typ der Kandidat einer Partei ist, die klar rechtsextremistisch ist, erfolgte nicht. Aus Sicht des SWR: wohl ganz normale Leute.
Die Botschaften der beiden ernsthaften Kandidaten, Cem Özdemir und Manuel Hagel, bestanden leider in weiten Teilen aus Versatzstücken, die schon einmal gehört hatte, wer die eine oder andere Wahlkampfrede verfolgt hat. Eine nicht genutzte Chance.
Immerhin wurde deutlich, dass Manuel Hagel eine Vorliebe für Triaden hat („dazu braucht es drei Dinge“) und mit leuchtenden Augen auswendig gelernte Phrasen über Jobs durch Sonderwirtschaftszonen aufsagen kann. Cem Özdemir setzte Punkte beim solaren Umbau der Wirtschaft und beim Mieterschutz – leider hakten die Moderator*innen hier nicht nach, als Hagel ebenfalls etwas zur Mietpreisbremse sagen sollte und dann nur über Grunderwerb sprach.
Am aufschlussreichsten erschien mir eine Sequenz am Ende. Zum Gameshowsetting mit Buzzern, Schnellfragerunden und mit Plingpling unterlegten Datenpräsentation gehörte auch „fragen Sie einen der anderen Kandidaten“.
Frage Cem, sinngemäß: „Ich richte meine Frage an Manuel Hagel. Unter Winfried Kretschmann haben wir zehn Jahre gut zusammen regiert, in guten wie in schlechten Zeiten. “
Antwort Hagel, sinngemäß: „Ähm, tja … unser Land wurde gut regiert … ähm … daran haben wohl auch die Grünen einen Anteil.“
Hagel macht einen Wahlkampf, als wäre er nicht Fraktionsvorsitzender in dieser Koalition, als würde die CDU nicht seit zehn Jahren für Wirtschaft und für Innenpolitik Verantwortung tragen. Digitalisierung liegt in einem CDU-Ressort. Und alle Daten deuten darauf hin, dass die einzige mögliche Koalition im demokratischen Spektrum – je nachdem – Grün-Schwarz oder Schwarz-Grün sein wird. Aber ein positives Wort für die bisherige Regierung kommt ihm nicht über die Lippen.
Mich erinnert das an Merz, dessen vollmundigen Versprechen ja auch nur eine sehr begrenzte Halbwertszeit hatten. Verlässlichkeit sieht anders aus.



