Science Fiction und Fantasy im September 2026

Museum Atlantikwall Raversyde - XXX

Ganz über­wie­gend habe ich den Sep­tem­ber damit zuge­bracht, die emp­feh­lens­wer­te Valor-Serie von Tanya Huff – kana­di­sche MilSF – zu lesen. Dazu unten mehr. 

Gele­sen habe ich außer­dem Mary Robi­net­te Kowals The Mar­ti­an Con­tin­gen­cy (2025), den vier­ten Band ihrer Lady-Astro­naut-Serie. Robi­net­te Kowal schreibt im Nach­wort, dass die­ser Band nicht ein­fach zu schrei­ben war. Das Ergeb­nis ist jeden­falls gelun­gen, gera­de auch im Ver­gleich zur an der einen oder ande­ren Stel­le erstaun­lich par­al­lel gela­ger­ten Serie For All Man­kind. Im Mit­tel­punkt des Buchs steht die zwei­te Mars-Expe­di­ti­on, die 100 Men­schen aus unter­schied­li­chen Natio­nen auf den Mars brin­gen soll. Die Astro­nau­tin Dr. Elma York ist das Gesicht des inter­na­tio­na­len Raum­fahrt­pro­gramms. In die­ser Zeit­li­nie wur­de es gegen­über unse­rer Wirk­lich­keit (und auch gegen­über For All Man­kind) deut­lich beschleu­nigt, weil ein Meteo­ri­ten­ein­schlag in Nord­ame­ri­ka ein­drück­lich vor Augen geführt hat, wie zer­brech­lich die Erde ist. Inso­fern fin­det die Mars-Expe­di­ti­on hier in den spä­ten 1960ern oder frü­hen 1970er Jah­ren statt – den Hin­ter­grund bil­det eine bun­te Mischung aus Offen­heit für neue Erfah­run­gen (indi­sche Gewür­ze, ara­bi­sche Musik, sexu­el­le Revo­lu­ti­on) einer­seits und über­kom­me­nen Moral­vor­stel­lun­gen, alt­her­ge­brach­ter Poli­tik plus Ras­sis­mus und Sexis­mus ande­rer­seits. Und natür­lich ist auch die Tech­no­lo­gie zwar weit fort­ge­schrit­ten, was Rake­ten und Raum­fahrt anbe­trifft; gerech­net wird aber nach wie vor eher mit dem Rechen­schie­ber. Digi­ta­le Bild­über­tra­gun­gen scheint es bei­spiels­wei­se auch noch nicht zu geben. Wäh­rend der ers­ten Mars-Expe­di­ti­on betrat York nie den Mars­bo­den. Nun ist sie als „second in com­mand“ gemein­sam mit ihrem Ehe­mann eine der zwan­zig, die das Habi­tat wie­der in Betrieb neh­men und alles für den Bau eines zwei­ten Habi­tats vor­be­rei­ten sol­len. Und stellt bald fest, dass irgend­et­was nicht stimmt. Die­je­ni­gen, die bei der ers­ten Lan­dung dabei waren, rücken spür­bar nicht mit der Wahr­heit her­aus, son­dern hal­ten sie außen vor. Dass nicht alles glatt läuft, und die Expe­di­ti­on irgend­wann kurz vor dem Abbruch steht, macht es für Dr. York nicht ein­fa­cher, den Din­gen auf den Grund zu gehen. Robi­net­te Kowal ver­steht es, gro­ße poli­ti­sche Fra­gen und die zwi­schen Thril­ler und Detek­tiv­ro­man chan­gie­ren­de Auf­klä­rung mit lebens­na­hen Sze­nen aus dem Mars-All­tag und des Trans­port­raum­schif­fes zusam­men­zu­brin­gen. Das gan­ze ist nicht nur ein Sit­ten­ge­mäl­de einer Ver­gan­gen­heit, die es so nicht gab, son­dern lässt sich auch mit Blick auf denen einen oder ande­ren heu­ti­gen Bezug lesen.

Recht gut gefal­len hat mir auch der von Jona­than Stra­han her­aus­ge­ge­be­ne Sam­mel­band Revo­lu­ti­on in the Heart (2026), der aus Geschich­ten von 15 Autor*innen besteht, die als Hom­mage an Ursu­la K. Le Guin zu ver­ste­hen sind. Wenn ich in den Bio­gra­fien nichts über­se­hen habe, kom­men alle Autor*innen aus dem FLIN­TA-Spek­trum; dar­un­ter gro­ße Namen wie Char­lie Jane Anders, Kel­ly Link, Ann Leckie und Dar­cie Litt­le Bad­ger. Die Geschich­ten sind ganz unter­schied­lich – man­che bezie­hen sich the­ma­tisch auf Le Guin und könn­ten in z.B. ihr Hai­nish-Uni­ver­sum ein­ge­fügt wer­den, man­che zitie­ren sie direkt, wie­der ande­re nähern sich ihr über den Stil und die Atmo­sphä­re an. Wenn ich ver­su­chen wür­de, ein gemein­sa­mes Fazit zu zie­hen, dann das, dass es hier um huma­nis­ti­sche spe­ku­la­ti­ve Fik­ti­on geht, und um die gro­ßen Fra­gen, die sich aus dem Umgang mit Unter­drü­ckung und Auf­be­geh­ren ergeben. 

Damit zu Tanya Huff und Staff Ser­geant Torin Kerr, auf die ich zufäl­lig gesto­ßen bin; irgend­je­mand hat­te sich auf einem Social-Media-Kanal abfäl­lig dar­über geäu­ßert, dass hier Gesell­schaf­ten exis­tie­ren sol­len, die nicht wis­sen, was eine Pis­to­le ist, wenn ich es rich­tig zusam­men­brin­ge. In den ins­ge­samt sie­ben Roma­nen (und einer Kurz­ge­schich­ten­samm­lung) ist Torin Kerr Fokus­punkt der Geschich­te, die sich über ein oder zwei Jahr­zehn­te hin­zieht. Das Set­ting: es gibt eine inter­stel­la­re Kon­fö­de­ra­ti­on der „elder races“, die sich im Krieg mit „the Others“ befin­det, auch das, wie wir spä­ter erfah­ren, ein Zusam­men­schluss ganz unter­schied­li­cher Spe­zi­es. Die­se „elder races“ sind fried­lie­bend und haben längst Abschied von krie­ge­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen genom­men – des­we­gen haben sie die Mensch­heit und zwei ande­re Spe­zi­es in die Kon­fö­de­ra­ti­on ein­ge­la­den. Der Deal: die­se bekom­men Raum­fahrt­ka­pa­zi­tä­ten, tol­le Tech­no­lo­gien und Pla­ne­ten, die sie besie­deln kön­nen, etwa Kerrs Hei­mat­pla­net „Para­di­se“ – dafür kämp­fen Men­schen, Di’­Tay­kan und Krai für die Kon­fö­de­ra­ti­on. Dass Di’­Tay­kan gewis­se Ähn­lich­kei­ten mit Elfen haben (wenn die­se knall­bun­te Haar­füh­ler und Augen hät­ten, und in ihrer „Di“-Phase Sexua­li­tät in etwa so ein­set­zen, wie dies von Bono­bo­nos berich­tet wird), und die Krai auch für Trol­le oder Kobol­de gehal­ten wer­den könn­ten (jeden­falls haben sie fast unzer­brech­li­che Kno­chen und kön­nen so gut wie alles essen), macht die Sache noch­mal inter­es­san­ter. Die „midd­le races“ (die H’san als eigent­li­che „elder race“ tau­chen so gut wie gar nicht auf, zie­hen aber alle Fäden) haben dage­gen Kat­zen oder Wara­ne zum Vor­bild; da oder dort wirk­te das dann ein biss­chen wie Urmel aus dem Eis mit spre­chen­den Tie­ren. Huff macht aber klar, dass z.B. die kat­zen­ar­ti­gen Ali­ens eben kei­ne Kat­zen sind, auch wenn sie ent­spre­chen­de Refle­xe bei Men­schen aus­lö­sen. Neben (Mili­tär­ein­sät­zen auf) Pla­ne­ten neh­men Raum­sta­tio­nen und Raum­schif­fe – und ein big dumb object – eine wich­ti­ge Rol­le ein, gro­ße Tei­le der Geschich­te spie­len dort. 

Zur Zeit des ers­ten Romans zieht sich die­ser Krieg schon eini­ge Gene­ra­tio­nen hin, es gibt immer wie­der har­te Gefech­te, neue Waf­fen, umstrit­te­ne Pla­ne­ten­sys­te­me in den äuße­ren Wel­ten etc. etc. – ein Ende oder ein Sieg der einen oder ande­ren Sei­te ist jedoch nicht in Sicht. Was die­se Rei­he beson­ders macht, ist Huffs genau­er Blick – auf das Innen­le­ben der aus den genann­ten drei Spe­zi­es zusam­men­ge­setz­ten mili­tä­ri­schen Ein­hei­ten, aber auch auf das Ver­hält­nis zwi­schen kämp­fen­der Trup­pe einer­seits und Offizier*innen ande­rer­seits; und den Mit­teln, mit denen Kerr ihre Vor­ge­setz­ten führt und dazu bringt, die rich­ti­gen Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Stel­len­wei­se ist das dich­te Beschrei­bung mili­tä­ri­scher Orga­ni­sa­ti­ons­prak­ti­ken im etwas ver­frem­de­ten Set­ting. Dass ist die Bücher in mei­nem Urlaub in Bel­gi­en gele­sen habe, der mich auch zu einem Teil des „Atlan­tik­walls“ führ­te, samt Rekon­struk­ti­on der Lebens­be­din­gun­gen der dama­li­gen Trup­pen, ver­lieh der Lek­tü­re dann noch­mals eine Beson­der­heit. Manch­mal schreibt Huff arg for­ma­lis­tisch, etwa wenn sie die Beson­der­hei­ten der Di’­Tay­kan oder Krai immer wie­der mit fast wort­glei­chen For­mu­lie­run­gen ein­flie­ßen lässt. Das tut der Unter­hal­tung – unter deren Ober­flä­che mora­li­sche Fra­gen ver­han­delt wer­den – aber kei­nen Abbruch. 

  • Valor’s Choice (2000) – Kerr ist Staff Ser­geant und soll mit ihrem Mari­nes-Pla­toon aus Men­schen, Di’­Tay­kan und Krai eine diplo­ma­ti­sche Mis­si­on unter­stüt­zen, die dazu bei­tra­gen soll, Bezie­hun­gen zwi­schen der Kon­fö­de­ra­ti­on und den Sils­viss – bru­ta­len Dino­sau­rie­ren – aufzubauen.
  • The Bet­ter Part of Valor (2002) – Das bereits erwähn­te „big dumb object“, ein gro­ßes Raum­schiff, das von unbe­kann­ten Ali­ens zu stam­men scheint, wird erforscht. Gefun­den hat es ein Schrott­samm­ler Craig Ryder (klei­ner Spoi­ler: er wird auch in den fol­gen­den Bän­den auf­tau­chen). Kerrs Pla­toon soll Wissenschaftler*innen und eine Repor­te­rin schüt­zen – und natür­lich kommt alles anders, als man erst mal den­ken würde.
  • The Heart of Valor (2007) – Zum Gun­nery Ser­geant beför­dert, beglei­tet Kerr neue Rekrut*innen zu einem Trai­nings­pla­ne­ten – der sich als gefähr­li­cher als gedacht erweist.
  • Valor’s Tri­al (2008) – Mit Blick auf die Zahl der Toten (und die Auf­lö­sung eines Rät­sels, dass in den letz­ten drei Bän­den lang­sam auf­ge­baut wur­de) sicher­lich der düs­ters­te Band der Serie. Die Wiki­pe­dia beschreibt ihn als „Gun­nery Ser­geant Kerr fights her way out of an under­ground POW camp.“ – das stimmt zwar irgend­wie, trifft aber den Kern nur so halb. Aller­dings wäre es auch arg spoi­lernd, mehr dazu zu sagen.
  • The Truth of Valor (2010) – Die Ereig­nis­se des letz­ten Ban­des haben bei Kerr ihre Spu­ren hin­ter­las­sen. Sie ver­sucht, sich ein neu­es Leben jen­seits der Mari­nes auf­zu­bau­en – Pirat*innen machen ihr einen Strich durch die Rechnung.
  • An Anci­ent Peace (2015) – Ex-Gun­nery Ser­geant Kerr lei­tet jetzt eine neu auf­ge­bau­te Poli­zei­trup­pe (die „War­den“), die dem Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um unter­stellt ist. Einer ihrer ers­ten Fäl­le: uralte Arte­fak­te aus H’san-Gräbern – von deren Grab­pla­net – tau­chen auf dem Schwarz­markt auf.
  • A Peace Divi­ded (2017) – Wissenschaftler*innen, die auf einem restrik­tiv unter Qua­ran­tä­ne ste­hen­den Pla­ne­ten Aus­gra­bun­gen vor­neh­men, wer­den gekid­nappt. Kerr und ihre War­den sol­len sie befrei­en – mög­lichst, ohne dass Gei­seln umkom­men. Zugleich spinnt Huff hier meh­re­re Fäden zusam­men, die aus den ers­ten Bän­den bzw. aus An Anci­ent Peace noch offen sind.
  • The Pri­vi­le­ge of Peace (2018) – das „big dumb object“ ist wie­der da – Kerr woll­te damit nichts mehr zu tun haben, das Uni­ver­sum hat ande­re Pläne.
  • The Shorter Parts of Valor (2022) – Kurz­ge­schich­ten­samm­lung; die letz­te Geschich­te gibt einen kras­sen Blick in eine mög­li­che Zukunft des von Huff auf­ge­bau­ten Universums.

Ange­guckt habe ich die drit­te Staf­fel von Silo (Apple TV), und kann die­se sehr emp­feh­len. Anfangs war ich skep­tisch bezüg­lich der bei­den par­al­lel geführ­ten Hand­lungs­strän­ge. Silo spielt ja in einem unter­ir­di­schen Bun­ker. In die­ser Staf­fel wird klar, dass es meh­re­re sol­che Bun­ker gibt, in denen jeweils 10.000 Men­schen leben. In einem Strang geht es um Revo­lu­ti­on inner­halb des Silos, und um mora­li­sche Ambi­va­lenz, Revol­ten und den Kampf gegen die Silo-IT, die mit Aus­lö­schung und Gedächt­nis­ver­lust droht, soll­ten die Regeln nicht ein­ge­hal­ten wer­den. Der ande­re Strang spielt im Ame­ri­ka der nahen Zukunft, samt einer Lie­bes­ge­schich­te zwi­schen einem jun­gen Abge­ord­ne­ten und einer Jour­na­lis­tin. Erst in den letz­ten Fol­gen wird klar, wie bei­de Strän­ge zusam­men­ge­hö­ren – bit­ter und herz­zer­rei­ßend. Ich bin gespannt auf die Fort­set­zung, die im nächs­ten Som­mer lau­fen soll. 

Eben­falls zu Ende gegan­gen ist die vier­te Staf­fel von Star Trek: Stran­ge New Worlds (Para­mount +). Ich hat­te erst über­legt, dazu aus­führ­li­cher etwas zu schrei­ben, aber eigent­lich trifft die­se Kri­tik ganz gut mei­ne Mei­nung. Tol­le Cha­rak­te­re, groß­ar­ti­ge Schauspieler*innen (gera­de in den Her­aus­for­de­run­gen der Quatsch-Fol­gen), ein span­nen­des und für den Anschluss an TOS klug aus­ge­dach­tes Set(ting) – aber eine sehr durch­wach­se­ne Staf­fel mit eini­gen Fol­gen, die ein­fach nicht ernst genom­men wer­den konn­ten („alles nur ein Traum“), eini­gen Fol­gen, die auf selt­sa­me Gim­micks set­zen (Noir, Soap, …), um die per­sön­li­che Ent­wick­lung von Spock, Laan, Scot­ty etc. plau­si­bel zu machen – und eini­ge rich­tig, rich­tig gute Fol­gen (ins­be­son­de­re Orders of Magni­tu­de, Off-Hour und Tomorrow’s Enter­pri­se). Was ich tat­säch­lich auch posi­tiv fand: dass es kei­nen Staf­fel-Böse­wicht mit Boss­fight am Schluss gab. Auch hier bin ich gespannt auf die fünf­te und letz­te Staf­fel, die wohl kür­zer aus­fällt und sich auf den Anschluss von SNW zu TOS kon­zen­trie­ren wird.

Photo of the week: Oostende und Co. – III

Und schließ­lich eine drit­te und letz­te Fuh­re Fotos von mei­nem bel­gi­schen Kurz­ur­laub. Wer auch die tie-dye-Bil­der vom Son­nen­un­ter­gang sehen will, muss aller­dings auf Flickr gehen (oder hier schau­en).

Koksijde beach - III

 
Nach Kok­sij­de bin ich eigent­lich gefah­ren, um mir das Dünen­ab­tei-Muse­um anzu­gu­cken. Das war ganz nett, der Außen­be­reich aller­dings wegen Sturm geschlos­sen. Umso ein­drucks­vol­ler der Strand mit Sand­sturm bis in Knie­hö­he. Hier im Bewegtbild.
 

1950s church, Koksijde - VI

 
Sonst ist das gar nicht so meins, aber irgend­wie bin ich dann doch in die eine oder ande­re Kir­che gera­ten. Onze-Lie­ve-Vrouw ter Dui­nen­kerk in Kok­sij­de zu ent­de­cken, war rei­ner Zufall – aber ein glück­li­cher, weil das Gebäu­de durch eine span­nen­de Archi­tek­tur und sehens­wer­te Glas­kunst besticht. Gebaut wur­de die Kir­che in den 1950er Jahren.
 

Art at Westende, Middelkerke - II

 
Etwas wei­ter öst­lich, in Mid­del­ker­ke, wird der Strand zur Frei­licht­kunst­aus­stel­lung. Hier zu sehen: „I Can Hear It“ von Ivars Drul­le. Gehört habe ich aller­dings nichts, trotz der impo­san­ten Schalltrichter.
 

View from Warande tower, Middelkerke - I

 
Etwas abseits des Stran­des, zwi­schen Stadt und Dünen, steht der Waran­de tower, eine begeh­ba­re Skulp­tur auf dem Grund­riss eines alten Was­ser­turms. Von der aus gibt es eine Aus­sicht ins Land, aber auch aufs Meer – und auf wei­te­re Kunst, hier den fili­gra­nen Last­wa­gen samt Bag­ger von Wim Delvoye.
 

Red, blue, yellow train

 
Die Gestal­tung der bel­gi­schen Züge erin­ner­te mich – fal­sches Land, aber trotz­dem – an Piet Mon­dri­an. Und bis Köln hat mit der Bahn­fahrt zurück auch alles gut geklappt, ab da gab es dann gro­ßes Cha­os und letzt­lich fünf Stun­den Verspätung. 

Photo of the week: Oostende und Co. – II

Heu­te noch­mal wei­te­re Fotos von mei­nem bel­gi­schen Kurz­ur­laub. Das gesam­te Foto­al­bum liegt auf Flickr.

Museum Atlantikwall Raversyde - XVI

 
In Raver­sij­de habe ich das Frei­licht­mu­se­um „Atlan­tik­wall Raver­sy­de“ besucht – sowohl im ers­ten wie auch im zwei­ten Welt­krieg gab es hier deut­sche Befes­ti­gungs­an­la­gen, Bun­ker und auf den Strand gerich­te­te Geschütz­stän­de, um die Küs­te zu ver­tei­di­gen. Ich habe hier eini­ges über die wech­seln­den Besat­zun­gen bis zur Befrei­ung durch die kana­di­sche Armee gelernt, aber auch zur Lebens­si­tua­ti­on der Sol­da­ten in die­ser (im zwei­ten Welt­krieg) aus genorm­ten Bau­tei­len extrem schnell errich­te­ten Anla­ge. Zum Frei­licht­mu­se­um gehört auch der frü­he­re Wohn­sitz des bel­gi­schen Prin­zen Karel sowie ein mit Instal­la­tio­nen bespiel­ter Bereich; bei mei­nem Besuch ging es hier um die Fra­ge „Nie wie­der Krieg?“ und damit ver­bun­de­ne his­to­ri­sche und aktu­el­le Protestbewegungen.
 

North sea waves - IV

 
Stür­mi­sches Wet­ter an der Nord­see (hier in Raver­sij­de, links im Bild die Küs­ten­tram), mit rück­wärts flie­gen­den Möwen, Gischt und einer ein­ge­trüb­ten Sicht. Trotz­dem gab’s hüb­sche Aussichten.
 

Brugge old city - XVII

 
Brüg­ge ist in wei­ten Tei­len his­to­ri­sche Bau­sub­stanz – lei­der gera­de im Stadt­kern auch stark über­lau­fen. Ich habe mir im neu­en Muse­um „BRUSK“ eine gut gemach­te Aus­stel­lung zu Vor­läu­fern der Glo­ba­li­sie­rung und Brüg­ge als Kno­ten­punkt in ver­schie­de­nen Netz­wer­ken (Nordsee/Wikinger, isla­mi­sche Welt und Chris­ten­tum, Kolo­nia­li­sie­rung) ange­schaut, eher frag­wür­di­ge KI-Kunst und die Kunst­aus­stel­lung des aktu­ell im Umbau befind­li­chen Groe­ni­ge­mu­se­um, die vom Mit­tel­al­ter bis zu Expres­sio­nis­mus und Sur­rea­lis­mus reicht.
 

St. Salvator cathedral, Brugge - IV

 
Zum his­to­ri­schen Stadt­kern Brüg­ges gehö­ren unglaub­lich vie­le Tür­me und Kir­chen. Das hier ist ein Detail eines der Fens­ter der St.-Salvator-Kathedrale.
 

Walk to Begijnhof, Brugge - III

 
Zum Abschluss mei­nes Besuchs in Brüg­ge habe ich noch dem Begi­nen­hof einen Abste­cher abge­stat­tet; der Weg dahin führt durch Gas­sen mit mit­tel­al­ter­li­chen Häus­chen und über die­sen viel besuch­ten Platz – und dann in die Stil­le des Innen­hofs des noch heu­te in Betrieb befind­li­chen Beginenareals.
 

Mecklenburg-Vorpommern und Berlin

Nach der Wahl in Sach­sen-Anhalt (2,1 Mio. Ew.) fan­den ges­tern die Wah­len in Meck­len­burg-Vor­pom­mern (1,6 Mio. Ew.) und Ber­lin (3,7 Mio. Ew.) statt, jeweils bei sehr hohen Wahl­be­tei­li­gun­gen. Und auch die­se Wah­len haben das poli­ti­sche Koor­di­na­ten­sys­tem der Bun­des­re­pu­blik noch ein­mal gehö­rig durch­ge­schüt­telt. Zum denk­wür­di­gen Wahl­abend gehört auch das breit über­tra­gen­de State­ment des Kanz­lers um 18.15 Uhr, das bei mir eher für Stirn­run­zeln als für irgend­et­was ande­res sorgte.

Der Rei­he nach: in Meck­len­burg-Vor­pom­mern kam die AfD auf 38,2 Pro­zent (deut­lich mehr als in der ers­ten Pro­gno­se; 32 Sit­ze), die SPD auf 35,5 Pro­zent (29 Sit­ze), LINKE auf 6,5 Pro­zent (5 Sit­ze) und GRÜNE auf 5,7 Pro­zent (5 Sit­ze). Alle ande­ren Par­tei­en ver­pass­ten knapp (CDU (!), BSW) oder deut­lich (FDP) den Ein­zug in den Land­tag. Ein­zi­ge rech­ne­risch und poli­tisch plau­si­ble Macht­kon­stel­la­ti­on hier dürf­te Rot-Rot-Grün sein, wobei das kras­se Ungleich­ge­wicht zwi­schen der Schwe­sig-SPD einer­seits und den ande­ren bei­den Par­tei­en auch nicht ganz ein­fach ist. 

Zwei Anmer­kun­gen zu die­ser Wahl. Zum einen wür­de ich mich freu­en, wenn die Pres­se etc. damit auf­hö­ren wür­de, das stärks­te Wahl­er­geb­nis in unse­rem pro­por­tio­na­len Wahl­sys­tem mit einem „Wäh­ler­auf­trag“ gleich­zu­set­zen. Es ist nicht egal, dass die AfD um drei Sit­ze vor der SPD lan­de­te, wenn es etwa um The­men wie Land­tags­prä­si­dent­schaft oder Zugriffs­rech­te auf Aus­schuss­vor­sit­ze geht. Aber einen „Wäh­ler­auf­trag“ gibt es nicht. Die Regie­rung bil­det, wer eine*n Ministerpräsident*in vor­schlägt, die eine Mehr­heit im Land­tag fin­det. Und das wird in die­ser Kon­stel­la­ti­on eben nicht die AfD sein. 

Zwei­tens, die CDU. Dass aus den 5,5 bzw. 5,0 Pro­zent zu Beginn des Wahl­abends dann 4,9 Pro­zent wur­den, und damit die CDU wohl über­haupt zum ers­ten Mal in der Geschich­te der Bun­des­re­pu­blik aus einem Land­tag raus­fliegt (Bay­ern zählt hier nicht), dürf­te eines der rele­van­tes­ten Ereig­nis­se die­ser Wahl sein. Ich befürch­te, dass die­ses Ergeb­nis die Flieh­kräf­te inner­halb der Uni­on erst recht anfeu­ert. Im bes­ten Fall gibt es eine Debat­te um die Fünf-Pro­zent-Hür­de, das ist aber nicht die Kon­se­quenz, die ich für rea­lis­tisch halte.

Der Kanz­ler ist ja – war­um auch immer – direkt nach den ers­ten Pro­gno­sen vor die Kame­ras getre­ten, um dann bei maxi­ma­ler Auf­merk­sam­keit eigent­lich nichts zu ver­kün­den. Da sah es noch so aus, als wäre die CDU knapp drin; ob er sich anders geäu­ßert hät­te, wenn ihm da schon das Wahl­er­geb­nis bekannt gewe­sen wäre? Ich ver­mu­te, selbst das hät­te nichts geändert. 

Nach wochen­lan­gem Gezer­re um die Fra­ge „Bleibt Merz Kanz­ler“ tritt die­ser also vor die Kame­ras, umrahmt von Deutsch­land- und Euro­pa­fah­nen, spricht von einem „Desas­ter“, davon, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men – und dann kommt kein Rück­tritt, son­dern ein „Wei­ter so“. Gegen Erfol­ge von „links und rechts“ sol­len „die Refor­men“ hel­fen, die zwar mit eini­gen Unzu­mut­bar­kei­ten ver­bun­den sind, mit Geduld und Durch­hal­te­ver­mö­gen von ihm, dem Kanz­ler und CDU-Vor­sit­zen­den, doch jetzt end­lich durch­ge­setzt wer­den. Mir ist nach wie vor nicht klar, war­um Refor­men, die im Kern vor allem har­te sozia­le Ein­schnit­te sind, Wähler*innen davon abhal­ten soll­ten, AfD zu wäh­len. Und bereits am Wahl­abend gab es dann – wie schon bei der Sach­sen-Anhalt-Wahl – Äuße­run­gen des Vize­kanz­lers, die genau in die ande­re Rich­tung gin­gen. Dass der Erhalt der SPD-geführ­ten Regie­rung in Meck­len­burg-Vor­pom­mern auch mit har­ter Abgren­zung zum Bund erreicht wur­de, dürf­te auch nicht zur Beru­hi­gung beitragen.

So rich­tig durch­dacht scheint mir das nicht zu sein. Ent­we­der glaubt Fried­rich Merz wirk­lich an das, was er da vor­trägt, dann ist er, par­don, ver­blen­det. Oder es war ein ver­zwei­fel­ter Ver­such, mit Durch­hal­te­pa­ro­len die Illu­si­on von Füh­rungs­stär­ke zu erzeu­gen. Das hat dann auch nicht funk­tio­niert. So oder so bleibt die Über­schrift, dass Merz sagt, dass er wei­ter­macht, die selt­sams­te Eil­mel­dung, die mir in die­sem Jahr bis­her begeg­net ist.

Über die Wahl im klei­ne­ren Bun­des­land etwas aus den Augen gerät das Ber­lin-Ergeb­nis. Die LINKE kommt auf 25,7 Pro­zent (etwa dop­pelt so viel wie zuvor; 47 Sit­ze), die bis­her regie­ren­de CDU sinkt auf 18,8 Pro­zent (34 Sit­ze), danach folgt die AfD mit 16,3 Pro­zent (auch hier: deut­li­che Zuge­win­ne; 29 Sit­ze), GRÜNE mit 14,3 Pro­zent (deut­li­che Ver­lus­te; 26 Sit­ze) und die SPD mit nur noch 12,1 Pro­zent (noch deut­li­che­re Ver­lus­te; 22 Sitze). 

Auch in Ber­lin – wie in Meck­len­burg-Vor­pom­mern – kam das BSW knapp nicht in das Abgeordnetenhaus.

(Neben­bei: Mir war nicht bewusst, dass das Abge­ord­ne­ten­haus in Ber­lin so groß ist – mit 158 Man­da­ten kommt es an die Grö­ße des baden-würt­tem­ber­gi­schen Land­tags heran.) 

Aus die­sem Wahl­er­geb­nis fol­gen zwei mög­li­che Regie­rungs­kon­stel­la­tio­nen für Ber­lin: LINKE + GRÜNE + SPD hät­ten eine deut­li­che Mehr­heit, aber auch der abge­wähl­te Senat aus CDU + SPD könn­te sich mit grü­ner Hil­fe ret­ten; CDU + GRÜNE + SPD hät­te zwei Stim­men über der Mehr­heit. Mal schau­en, wer in den nächs­ten Tagen mit wel­chen Argu­men­ten (oder mit wel­chen gefälsch­ten KI-State­ments …) ver­su­chen wird, doch noch die Wei­chen in Rich­tung der die zwei­ten Opti­on zu stel­len. Kon­flikt­the­men, die sich dafür eig­nen, eine links-geführ­te Regie­rung schon vor dem ers­ten Tag mit Schmutz zu bewer­fen, gibt es genug. 

Aus grü­ner Per­spek­ti­ve lohnt hier der Blick auf das Wahl­ver­hal­ten: vie­le bis­her „grü­ne“ Wahl­krei­se etwa in Mit­te und Kreuz­berg gin­gen – teil­wei­se mit mas­si­ven Ver­schie­bun­gen – an die LINKE, dafür gab es leich­te grü­ne Zuwäch­se in bis­her kon­ser­va­ti­ven Wahl­krei­sen. Eine, wenn man so will, „West­ver­schie­bung“. Ein­her ging die­se Wäh­ler­wan­de­rung GRÜNE -> LINKE mit extrem hohen Zustim­mungs­wer­ten für die LINKE bei jün­ge­ren Wähler*innen (16–24 Jah­re: 43% LINKE, 12% AFD, 11% GRÜNE; 25–34 Jah­re: 49% LINKE, 13% GRÜNE, 9% AFD). Das könn­te per­spek­ti­visch zu einem mas­si­ven Pro­blem für Bünd­nis 90/Die Grü­nen werden.

Abschlie­ßend: allen fünf Wah­len in die­sem Jahr gemein­sam sind zum einen extre­me Per­so­na­li­sie­rungs­ef­fek­te. Am Schluss gab es über­all Zwei­kämp­fe (BaWü: GRÜNE/CDU, RLP: CDU/SPD, LSA: AfD/CDU, MV: AfD/SPD, Ber­lin: LINKE/CDU), die dazu führ­ten, dass ande­re Par­tei­en an Zuspruch ver­lo­ren haben. Dass die SPD in Baden-Würt­tem­berg sich gera­de noch über die Fünf-Pro­zent-Hür­de geret­tet hat ist genau­so ein Effekt davon wie das Aus­schei­den der CDU aus dem Land­tag in Mecklenburg-Vorpommern.

Die zwei­te Gemein­sam­keit sind – lei­der – die Zuwäch­se für die AfD. Nicht über­all ist das so dra­ma­tisch wie in Sach­sen-Anhalt, aber in allen in die­sem Jahr gewähl­ten Land­tag gibt es eine grö­ßer und jeweils ein­fluss­rei­cher gewor­de­ne AfD-Frak­ti­on. Ins­ge­samt führt bei­des zu einem Ver­lust an par­la­men­ta­ri­scher Kul­tur und zu schwie­ri­ger wer­den­den poli­ti­schen Debatten. 

Photo of the week: Oostende und Co. – I

Anfang Sep­tem­ber war ich für ein paar Tage an der bel­gi­schen Nord­see­küs­te in Oos­ten­de – und dank Küs­ten­tram und gutem Schie­nen­ver­kehr auch in der Umge­bung. Heu­te die ers­ten fünf Bil­der, wei­te­re fol­gen nächs­tes Wochen­en­de. Das gesam­te Foto­al­bum liegt auf Flickr.

Seals, Oostende - IV

 
See­hun­de an einem abge­sperr­ten Stück Strand in Oostende.
 

Beach, Oostende - V

 
Die Sai­son scheint pünkt­lich zum letz­ten August­tag geen­det zu haben – so lee­re, wei­te Strän­de habe ich bis­her nur sel­ten gesehen
 

Oostende architecture - V

 
Mit der unter­ge­hen­den Son­ne sieht dann auch die Ufer­pro­me­na­de ganz hübsch aus – ohne eher eine wil­de Ansamm­lung von Hotels und Appart­ment­hoch­häu­sern, die sich die Küs­te lang­zieht. Dazwi­schen der eine oder ande­re ver­blei­ben­de Jugendstilbau.
 

The North Sea, Oostende - VI

 
Am Ankunfts­tag ein fast schon kit­schi­ger Son­nen­un­ter­gang über der Nordsee.
 

Oostende architecture - XI

 
Ein typi­sches Bei­spiel für die Archi­tek­tur der Ufer­pro­me­na­de in Oostende.