Licht flutet durch die Blüten des Sonnenhuts und verspricht einen weiteren Sommertag. Inzwischen sind die Blüten längst ausgeblichen und verblüht, und das Wetter fühlt sich schon wieder sehr nach Herbst an.
Kurz: Ungeliebte Chatbots
Einer der Nebeneffekte der Zeit der großen Sprachmodelle sind Chatbots als Erstkontakt bzw. Ersatz für Kund*innen-Kontakt. Zumindest in meiner erweiterten Bubble kommen diese nicht so gut an:

Nur drei Prozent der Teilnehmer*innen an der Umfrage nutzen Chatbots gerne. Sechs Prozent würden sie gerne nutzen, wenn sie besser funktionieren würden, der Rest nutzt sie widerwillig (16 Prozent) oder versucht, die Nutzung zu vermeiden (75 Prozent).
Das finde ich durchaus erstaunlich für etwas, das gefühlt jede Behörde und jedes Unternehmen „haben muss“. Klar, aus der Sicht der Organisation spart so ein „niedrigschwelliger“ Chat Personal. Trotzdem klingt das so, als wäre eine gut gepflegte Website/FAQ und ein E‑Mail-Kontakt (und ggf. eine Telefonnummer) viel zielführender als ein Bot-pop-up.
Ich würde gerne wissen, ob diese Wahrnehmung empirisch bestätigt wird, sprich, ob es Untersuchungen dazu gibt, was zu höherer Kund*innen-Zufriedenheit führt. Hinweise dazu gerne im Kommentarfeld.
Der kalte Sommer des Jahres Zweitausendsechsundzwanzig
Alle, die dabei waren, wissen, dass diese Überschrift beißender Spott ist. Irgendwann haben wir aufgehört, die Hitzewellen zu zählen. Vielleicht nach der dritten? Dieser Sommer war der mit dem sehr heißen Juni, dem sehr heißen Juli und dem sehr heißen August. Plötzlich war 35° Celsius eine ganz normale Temperatur, richtig heiß war es erst, als es in Richtung 40° Grad ging.
Um ehrlich zu sein: auch davor war es schon kaum auszuhalten. Nachts kühlte es auf vielleicht 25° ab; ein geschicktes Management des Lüftens und Verdunkelns ermöglichte es dann, die Temperatur in der Wohnung unter 30° zu halten, jedenfalls im Reihenhaus in Gundelfingen. Die Dachgeschosswohnung in Esslingen war nochmals ein ganz anderer Fall, der mich lehrte, wie unangenehm und wenig erholsam es ist, bei 30° und mehr zu schlafen, und wie sehr die tagelange und wochenlange Hitze an einem zehrt.

Durchschnittstemperatur im Haus (inkl. Keller)
Rausgehen? Eher nicht, wenn es sich vermeiden lässt. Wenn nicht, dann mit viel Sonnencreme und Hut. Große steinerne Plätze zeigen allen, die sie betreten, wie wichtig Begrünung und Hitzeschutz wären. In Gundelfingen fällt in die heißen Tage die Entscheidung, den Sonne-Platz dann doch zumindest ein bisschen zu begrünen, Vernebler und einen Trinkbrunnen aufzustellen. Immerhin. Eigentlich müsste bei öffentlichen Gebäuden bereits die Kühlung mit bedacht werden. So weit sind wir allerdings noch nicht.
Zu diesem Sommer – unangenehm heiß, körperlich spürbar, nein, mehr als das: tödlich heiß, dazu reicht ein Blick auf die Zahl der Hitzetoten – gehört die Dürre. Überall ist es gelb. Wir sehen verdorrtes Gras und Bäume im Herbstmodus. Und das geht schon seit Mitte Juni so. Reichlich Tomaten, das auch, aber die wollen auch jeden Tag gegossen werden. Die Regentonne ist natürlich längt leer. Die Landwirtschaft warnt vor drohenden Ernteverlusten. Ich gehe davon aus, dass die Lebensmittelpreise im Herbst erneut steigen werden. Nicht wegen der hohen Kosten, sondern weil das Angebot sinken wird.
Und zu diesem Sommer gehören die Waldbrände – erst in Frankreich und Spanien, also weit weg. Bei uns nur klein und schnell gelöscht, dort ein Böschungsbrand, dort ein Wäldchen, seit einigen Tagen nun die Nachrichten aus der Eifel und der belgischen Hohen Venn – größter Waldbrand, den es in NRW je gab; größter Waldbrand in Belgien, dort brennt inzwischen auch der Torf im Hochmoor. Evakuierte Orte, hunderte Hektar in Flammen. In diesem Ausmaß ist das neu, glaube ich. Und natürlich sind unsere Ökosysteme nicht auf eine „Feuersaison“ vorbereitet.
Das große „told you so“ umfasst auch das Energiesystem. Flüsse führen Niedrigwasser, Massentransporte per Schiff, Kohle zum Beispiel, fallen ebenso aus wie die Kühlung der Atomkraftwerke in den Nachbarländern. Vielleicht braucht es mehr Solaranlagen über den Feldern, Agri-PV als Schattenspender.
Heute früh hat es dann zum ersten Mal seit langem wieder geregnet. Die Temperatur ist nicht mehr ganz so hoch. Mit dem Regenduft kommt Energie zurück. Mal sehen, wie die ausgebrannten Böden damit umgehen, wenn in den nächsten Tagen Gewitter größere Mengen Regen bringen. Am Nachmittag war jedenfalls alles, was heute früh gefallen ist, schon wieder verdunstet, der Boden trocken wie eh und je.
Der Sommer 2026 wird als einer der Hitzesommer in Erinnerung bleiben. Fragt sich nur, wie lange. Wann der nächste „Rekordsommer“ ihn ablöst, wann es als normal gelten wird, dass es im Sommer in Deutschland tropische Nächte und 40° am Tag hat. Und irgendwann wird dieser Sommer dann zu einem der kälteren werden.
Vorbereitet sind wir darauf nicht. Immerhin: die SPD im Bund fängt jetzt mal an, darüber nachzudenken, ob ein Bundesklimaanpassungspaket nicht hilfreich sein könnte. Die Kommunen jedenfalls sind eher überfordert, ob in den Ländern etwas geschieht, hängt vom Zufall der jeweiligen Regierungskonstellation ab. Eigentlich müssten jetzt Klimaschutz – um die mittelfristige Zukunft nicht noch schlimmer werden zu lassen – und Klimaanpassung in all ihren Aspekten von der Gesundheit über den Städtebau bis zu Wald und Landwirtschaft jetzt massiv an Bedeutung gewinnen. In einer Parallelwelt würde ein Bundeskanzler hier Orientierung geben, einen Masterplan auf den Tisch legen, davon sprechen, dass jetzt alle von der Zivilbevölkerung über die Vereine und Gewerkschaften, alle von Politik bis Wirtschaft an einem Strang ziehen müssten, und dass wir es gemeinsam schaffen können, schnelle Klimaanpassungsmaßnahmen umzusetzen, ambitionierte Klimaschutzpläne nicht nur aufzuschreiben, sondern sie zu verwirklichen und die Wirtschaft so aufzustellen, dass sie nicht mehr von fossilen Systemen abhängig ist. In dieser Timeline bleibt das ein Traum, stattdessen wird davon gesprochen, Subventionen für Agrardiesel auszubauen, die Energiewende abzubremsen und die Klimaziele nach hinten zu schieben. Alles andere ist Wetter, und wir sollen uns mal nicht so anstellen.
Zumindest die SPD im Bund scheint aufgewacht zu sein in diesem Sommer des Jahres 2026. Es wäre zu hoffen, dass dieser Vorstoß Erfolg hat. Und dass wir alle nicht in zwei Wochen wieder vergessen haben, wie unerträglich die Folgen der Klimakatastrophe heute schon sind.
Photo of the week: Marburg
|
Das Landgrafenschloss liegt oberhalb der gestapelten Stadt; wir sind an diesem Wochenende sehr viele Treppen gestiegen. |
Spannend fand ich die Mischung aus studentisch geprägter Universitätsstadt mit politischer Geschichte und Haltung und die allgegenwärtige Fachwerkromantik. |
|
(Neo-)gotisches Gebäude der Alten Universität. |
Im Inneren der neuen Universitätsbibliothek. |
|
Und zum Abschluss ein Blick vom Schloss auf die Stadt (mit Kirche St. Marien) bei Sonnenuntergang – weitere Fotos auf Flickr. |
|
Protokollnotiz zur Sonnenfinsternis
Doch, das war ganz eindrucksvoll, auch wenn es hier bei uns „nur“ 90 Prozent Bedeckung gab. Am Anfang eher unscheinbar, war dann irgendwann – genau um 20:17 Uhr – nur noch eine schmale Sonnensichel übrig, und danach wurde die Sonne wieder größer und versank als rosa-orangefarbener Mond im Sonnenuntergang. Zwischendrin wurde es, meine ich, merklich kühler, und die Farben verloren an Sättigung. Angeguckt haben wir das Spektakel am Rebberg in Gundelfingen – auf den Wiesen war recht reger Betrieb; weiter unten im Ort fehlte die freie Sicht nach Westen.
Und weil so eine fast totale Sonnenfinsternis so oft nicht vorkommt, habe ich mal rausgekramt, was ich fast genau 27 Jahre zuvor in mein Tagebuch geschrieben habe – 1999 fand die letzte totale Sonnenfinsternis in Deutschland statt, allerdings lag Freiburg damals nicht im Kernschatten, der über Stuttgart und Karlsruhe verlief:
11. August 1999
„Tag der Sonnenfinsternis“. Es ist bewölkt und regnerisch; meinen ursprünglichen Plan, nach Offenburg zu fahren, habe ich mangels Schutzbrille und mangels Lust auf Zugfahren aufgegeben. Stattdessen mit Mama nach St. Peter bzw. zum Kandel, in der Hoffnung, dort Sonne und den weiten Blick übers Land zu finden. Fehlanzeige: Der Kandel ist nebelumhangen, der weite Blick ins Land ist in St. Peter nicht vorhanden. Statt dessen schauen wir uns St. Peter an und finden dann bei allmählich aufklarendem Himmel einen netten Ort in den Wiesen, von wo aus zumindest die Gegend zu sehen ist.
Ich filme fleißig auf Video, wir gucken abwechselnd durch die Schutzbrille bzw. durch die Wolken, und tatsächlich – die Sonne wird zum Sichelmond. Allerdings wird es zwar merklich kälter und dunkler – aber keinesfalls Nacht. Auch die zwei bis fünf Prozent Sonne reichen für „Gewitterstimmung“ o.ä. aus. Nachher mache ich mir Vorwürfe, doch lieber in Karlsruhe oder Baden-Baden gewesen sein zu sollen – dort soll es richtig dunkel geworden sein. Naja. Vorbei.
Zwischenzeitlich habe ich gehört, dass es auch in Karlsruhe damals alles andere als eindrucksvoll war. Spannend damals fand ich den Zeitpunkt, da war die Bedeckung nämlich mitten am Tag, so dass das Dunkler- und Kälterwerden eben wirklich seltsam wirkte. Anders als heute, als Sonnenfinsternis und Sonnenuntergang sich gut ergänzten.
Die nächste in Deutschland (knapp) sichtbare totale Sonnenfinsternis ist wohl 2081, und selbst die immerhin in Österreich sichtbare ringförmige Sonnenfinsternis 2075 kommt mir ein bisschen spät. Immerhin: die Sonnenfinsternis 2027 ist mit 50% Bedeckung in Deutschland zu sehen und auch 2028 und 2030 folgen weitere partielle Sonnenfinsternisse, die in Deutschland zu sehen sein werden.









