Parteireform?!

Bee party I

Bünd­nis 90/Die Grü­nen sind in den letz­ten Jah­ren enorm gewach­sen – nicht ganz so stark wie eng­li­schen Grü­nen, die gefühlt gera­de explo­die­ren, aber immer­hin: Zum 31.12.2024 waren es in Deutsch­land rd. 155.000 Grü­ne (+23% im Ver­gleich zum Vor­jahr), zum 31.12.2025 waren es dann über 180.000 (erneut +18%). Im Ver­gleich zum Zustand Mit­te der 1990er Jah­ren, als ich in die Par­tei ein­ge­tre­ten bin, ist das fast unvor­stell­bar – da waren es knapp 50.000 Mit­glie­der, und die­se Grö­ßen­ord­nung galt bis zum Reform­kurs von Robert Habeck und Anna­le­na Baer­bock 2018 – ab da ging’s dann los mit dem Wachstum.

Das als Hin­ter­grund macht klar, war­um in letz­ter Zeit immer wie­der über eine struk­tu­rel­le Par­tei­re­form gespro­chen wird. Ja, es ist irgend­wie logisch, dass eine vier­mal so gro­ße – und auch in ande­rer Hin­sicht z.T. pro­fes­sio­na­li­sier­te – Par­tei ande­re Instru­men­te braucht. Gleich­zei­tig zucke ich bei dem Gedan­ken zurück, dass wir Grü­nen uns jetzt erst­mal über Mona­te mit Sat­zungs­fra­gen befas­sen. Das ist eine schö­ne Beschäf­ti­gung, wenn es gera­de nichts wich­ti­ge­res gibt. Und „nichts wich­ti­ge­res“ beschreibt die Lage aktu­ell, nun ja, nicht wirk­lich gut. Den­noch: ich sehe einen gewis­sen Sinn dar­in, das Fass der Par­tei­re­form jetzt auf­zu­ma­chen. Und auch den prag­ma­ti­schen Ansatz des Bun­des­vor­stands fin­de ich nach­voll­zieh­bar, jeden­falls deut­lich bes­ser als theo­re­ti­sche Über­bau­dis­kus­sio­nen über das Ende der Mit­glie­der­par­tei etc. etc. – all das gab es auch schon mal.

Auf der Web­site des grü­nen Bun­des­ver­bands wird die Par­tei­re­form wie folgt beschrieben:

„Doch auch eine gute Sat­zung braucht von Zeit zu Zeit Aktua­li­sie­rung und Klar­stel­lung. Jetzt ist ein sol­cher Moment: Wir wol­len an dem fest­hal­ten, was sich bewährt hat und moder­ni­sie­ren, was uns für die kom­men­den Jah­re hand­lungs­fä­hi­ger macht.“

Über die Sat­zungs­än­de­run­gen soll in einer Urab­stim­mung, nicht auf einem Par­tei­tag ent­schie­den wer­den. Freund­lich inter­pre­tiert geht es dar­um, alle Mit­glie­der mit­zu­neh­men und mit­ent­schei­den zu las­sen – etwas weni­ger freund­lich inter­pre­tiert lese ich aus dem gewähl­ten Vor­ge­hen auch eine gewis­se Angst vor den Eigen­in­ter­es­sen der Par­tei­tags­de­le­gier­ten her­aus. So oder so: es zeich­net eine basis­de­mo­kra­ti­sche Par­tei aus, dass die­se Orga­ni­sa­ti­ons­fra­gen von der Par­tei ins­ge­samt ent­schie­den werden. 

Und: die Urab­stim­mung ist mehr­stu­fig, aktu­ell läuft noch die Kom­men­tie­rungs­pha­se, bei der – bis 31. März 2026 – Stel­lung­nah­men von Mit­glie­dern und Orga­nen ein­ge­reicht wer­den kön­nen, die dann in einem Rea­der zusam­men­ge­fasst wer­den. Die eigent­li­che Abstim­mung star­tet mit dem Ver­sand der Wahl­be­nach­rich­ti­gun­gen Mit­te Mai, abge­stimmt wird dann im Juni.

Wor­um soll es nun ganz kon­kret gehen?

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Photo of the week: Nox thru the window

Nox thru the window

 
Unse­re Kat­ze Nox bringt – wie wohl alle Kat­zen – eini­ge Eigen­hei­ten mit. Eine davon ist die, dass sie ihre höchst­pri­va­te Kat­zen­klap­pe nur im Not­fall ver­wen­den mag, um das Haus zu ver­las­sen, und eigent­lich nie, um das Haus zu betre­ten. Statt des­sen war­tet sie mehr oder weni­ger gedul­dig (und zuneh­mend lau­ter miau­end) vor Türen, bis ihr end­lich jemand auf­macht. Oder sie klet­tert, wenn wir in der Küche am Ess­tisch sit­zen, auf die Fens­ter­bank des Küchen­fens­ters – Pfo­ten­ab­drü­cke zeu­gen davon. Das kann durch­aus mit einem Moment des Erschre­ckens ver­bun­den sein. Wer wür­de gelas­sen blei­ben, wenn plötz­lich vor dem Fens­ter ein klei­ner schwar­zer Nacht­dä­mon auftaucht? 

Wahlanalyse zur Landtagswahl 2026

Knapp eine Woche nach der Wahl will ich dann doch ein paar Wor­te dazu in mein Blog packen. Wobei: aktu­ell wird lei­der jedes Wort auf die Gold­waa­ge gelegt, Stich­wort „Schmutz­kam­pa­gne“. Inso­fern blei­be ich mal weit­ge­hend bei dem, was sich halb­wegs fak­ten­ba­siert über das Wahl­er­geb­nis sagen lässt.

Ich hat­te fünf „Key Questions“:

1. Wer liegt vor­ne bei den Zweit­stim­men – Grü­ne mit Cem Özd­emir oder die CDU mit Manu­el Hagel?
2. Wie groß ist der Abstand zwi­schen Grü­nen und CDU? Und damit ver­bun­den: Ist bereits um 18 Uhr klar, in wel­che Rich­tung es geht, oder müs­sen wir bis spät in die Nacht warten?

In den ers­ten Pro­gno­sen um 18 Uhr sah das noch sehr deut­lich aus, zumin­dest bei der ARD, mit einem deut­li­chem Vor­sprung der Grü­nen vor der CDU. Das gab einer­seits rie­si­gen Jubel (die Staats­ga­le­rie, in der die grü­ne Wahl­par­ty statt­fand, wur­de da sehr laut), ande­rer­seits dann aber all­seits die besorg­te Fra­ge, ob die­ser Vor­sprung den hal­ten wür­de. Bis das tat­säch­li­che End­ergeb­nis fest­stand, dau­er­te es dann bis deut­lich nach Mit­ter­nacht, aber schon gegen 22 Uhr war klar: Grü­ne lie­gen bei den Zweit­stim­men unein­hol­bar vor­ne, und auch wenn es „nur“ rund 25.000 Stim­men sind (30,2 zu 29,7 Pro­zent), steht damit ein Ergeb­nis fest.

Für die Nach­welt hier noch­mals das vor­läu­fi­ge End­ergeb­nis: GRÜNE 30,2 (-2,4) Pro­zent, CDU 29,7 (+5,6) Pro­zent, SPD 5,5 (-5,5) Pro­zent, AfD 18,8 (+9,1) Pro­zent, Lin­ke und FDP jeweils mit 4,4 Pro­zent der Zweit­stim­men nicht im Land­tag. Wahl­be­tei­li­gung bei 69,6 Pro­zent, im Ver­gleich zur letz­ten Wahl deut­lich gestiegen

Die letz­te Umfra­ge vor der Wahl (ZDF-Polit­ba­ro­me­ter) sah Grü­ne und CDU jeweils bei 28 Pro­zent; hier gab es also auf bei­den Sei­ten noch ein­mal einen ordent­li­chen Mobi­li­sie­rungs­schub in den letz­ten Tagen und Stun­den. Das zeigt sich auch im Ver­gleich der Brief­wahl­stim­men zur Urnenwahl.

„Wahl­ana­ly­se zur Land­tags­wahl 2026“ weiterlesen

Landtagswahl Baden-Württemberg: Jetzt zählt es

Die Wahl­lo­ka­le in Baden-Würt­tem­berg sind geöff­net, der 18. Land­tag wird gewählt Dabei gilt zum ers­ten Mal das neue Wahl­recht mit zwei Stimmen.

Mei­ne fünf Key Ques­ti­ons für den Wahl­aus­gang sind:

  1. Wer liegt vor­ne bei den Zweit­stim­men – Grü­ne mit Cem Özd­emir oder die CDU mit Manu­el Hagel? Die letz­te Umfra­ge (Polit­ba­ro­me­ter vom Don­ners­tag) sieht bei­de bei 28 Pro­zent. Inso­fern kön­nen eini­ge weni­ge Stim­men dar­über ent­schei­den, wer Minis­ter­prä­si­dent wird – ande­re Kon­stel­la­tio­nen sind poli­tisch aus­ge­schlos­sen (mit AfD) oder rech­ne­risch sehr unwahr­schein­lich („Schwar­ze Ampel“).
  2. Wie groß ist der Abstand zwi­schen Grü­nen und CDU? Und damit ver­bun­den: Ist bereits um 18 Uhr klar, in wel­che Rich­tung es geht, oder müs­sen wir bis spät in die Nacht war­ten, weil to clo­se to call (dazu kommt: neu­es Wahl­sys­tem, das dürf­te Pro­gno­se-Unsi­cher­hei­ten eher vergrößern).
  3. Wie wird das neue Zwei­stim­men­sys­tem genutzt? Kommt es zu (tak­ti­schem) Stim­men­split­ting, oder wird ein­heit­lich gewählt? Kön­nen vie­le der bis­he­ri­gen grü­nen Direkt­man­da­te gehal­ten wer­den, oder setzt sich die bes­se­re loka­le Ver­net­zung der CDU in vie­len Wahl­krei­sen durch? Das hat dann auch Aus­wir­kun­gen auf die Land­tags­grö­ße – je stär­ker Direkt­man­da­te und Zweit­stim­me aus­ein­an­der gehen, des­to grö­ßer wird der Land­tag über die Min­dest­grö­ße von 120 (70 Direkt­man­da­te, 50 Lis­ten­man­da­te) hin­aus. (Bei der letz­ten Wahl gin­gen 58 der 70 Direkt­man­da­te an Grü­ne, der Rest an die CDU. Dies­mal hal­te ich eini­ge AfD-Direkt­man­da­te für mög­lich. Dies­mal hal­te ich einen deut­lich klei­ne­ren Land­tag als 2021 – 154 Sit­ze – für möglich.)
  4. Zur Wahl­rechts­re­form gehört auch das Wahl­recht ab 16 – wie inten­siv wird die­ses genutzt wer­den, und wo gehen die Stim­men der Erstwähler*innen hin?
  5. Und schließ­lich: wie sieht es an der Fünf-Pro­zent-Hür­de aus? Lin­ke und FDP sind in der letz­ten Umfra­ge bei 5,5 Pro­zent, die SPD bei acht. Kommt die Lin­ke das ers­te Mal ins Lan­des­par­la­men­te in Baden-Würt­tem­berg? Wie sieht es mit der FDP aus – die seit Lan­des­grün­dung unun­ter­bro­chen im Land­tag sitzt?

Photo of the week: Looking for early spring in the garden – II

Looking for early spring in the garden - II

 
Ergän­zend zum Kro­kus der letz­ten Woche hier noch einer, der im Son­nen­schein leuch­tet. In die­ser ers­ten März­wo­che ist der Gar­ten auf­ge­blüht; nicht mehr lan­ge, dann fan­gen auch die Obst­bäu­me an, und über­all grünt es. (Ach ja: ich hof­fe, dass das mor­gen bei der Land­tags­wahl auch der Fall sein wird …).