Zeitlich etwas hinterher: Mitte September fand die Herbstklausur der grünen Landtagsfraktion in Leimen in der Nähe von Heidelberg statt. Das weithin sichtbare Zementwerk (Heidelberg Materials) machte zumindest im Licht der untergehenden Sonne eine schöne Figur.
Düstere Zeiten – Wegsehen hilft nicht, Einbinden der Rechtsextremen erst recht nicht
Manchmal bin ich selbst etwas irritiert über die Ungleichzeitigkeit. Die letzten paar Blogbeiträge: Urlaubsbilder von der belgischen Küste, ein bisschen Eskapismus in Form von Science Fiction und Fantasy – und dazwischen die Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern (und Berlin), und die damit verbundenen Umbrüche. Und so gerne ich das ignorieren würde, was gerade in Sachsen-Anhalt passiert, so wenig hilft es, wegzusehen.
Geheime Wahl hin oder her, die Wahlergebnisse in der konstituierenden Landtagssitzung, bei der zwei Kandidaten der AfD und ein Kandidat der CDU gewählt wurden, der Kandidat der SPD für das Landtagspräsidium durchgefallen ist, lassen mit Blick auf die Mehrheitsverhältnisse im Landtag Sachsen-Anhalt nur den Schluss zu, dass ungefähr ein Drittel der stark verkleinerten CDU-Fraktion die AfD-Kandidaten, auch den dezidiert rechtsextremen Tillschneider, mitgewählt hat. Möglicherweise, um im Gegenzug die Stimmen für den CDU-Bewerber zu erhalten, solche Deals gibt es. Oder, um es auf den Punkt zu bringen: gestern wurde mit Stimmen aus der CDU ein AfD-ler zum Landtagspräsidenten und ein dezidiert rechtsextremer Afd-ler zum Landtagsvizepräsidenten in Sachsen-Anhalt gewählt.
Und das reiht sich ein in konservative Mehrheiten mit rechtsextremen Parteien im europäischen Parlament, um klima- und sozialpolitische Errungenschaften zurückzudrehen. Es reiht sich ein in Mehrheiten aus AfD und CDU in Kommunalparlamenten. Wir erinnern uns an die Abstimmung am Ende der letzten Wahlperiode im Deutschen Bundestag, als Merz eine Mehrheit mit der AfD für einen Anti-Migrations-Antrag organisiert hat. Und Stimmen wie die von Ministerpräsident Rhein, der dafür plädiert, AfD-Kandidat*innen für den Vorsitz von Ausschüssen zu wählen, passen ebenfalls in dieses Bild. Wer möchte, kann auch das Drittel der baden-württembergischen CDU dazuzählen, dass trotz Zugeständnissen, trotz eines durchaus konservativ geprägten Koalitionsvertrags und trotz der Wahl von Thomas Strobl zum Landtagspräsidenten in Baden-Württemberg Ministerpräsident Özdemir nicht gewählt hat.
Aus CDU-Perspektive gedacht mag es verlockend erscheinen, die „ja eigentlich“ „rechnerisch“ vorhandene rechts-konservative Mehrheit umzusetzen. Aus einer solchen Perspektive sind die AfD-Abgeordneten „nur“ verlorene Konservative, manche kommen ja sogar aus der Jungen Union. Und das können doch keine schlechten Menschen sein? Ein bisschen einbinden, ein bisschen Zugeständnisse, und wir sind wieder in der alten Bundesrepublik, als Helmut Kohls CDU einmal 48 Prozent der Stimmen bekam. Nur: das stimmt halt nicht. Vielleicht gibt es in den Reihen der AfD auch Menschen, die flexibel genug wären, sich in einer CDU zu verstecken und ihre eigentlichen Überzeugungen da nicht sichtbar werden zu lassen. Aber nach allem, was über das Personal der AfD bekannt ist, kann durchaus davon ausgegangen werden, dass das inzwischen überwiegend ideologisch gefestigte Rechtsextreme sind. Die das tun wollen, was ideologisch gefestigte Rechtsextreme tun – ethnische Säuberungen (da hat der Kanzler mal eine klare Aussage getroffen), deutschnational und völkisch geformte Kultur- und Bildungspolitik, Auszehren der Demokratie. Und die sich mit Blick auf die USA, auf Brasilien, auf Tschechien, auf Österreich, auf Frankreich, … im Aufwind sehen und sich nicht einbinden lassen werden.
Geschichte wiederholt sich nicht. Trotzdem ist es extrem beunruhigend, sich anzuschauen, was in den 1920er und 1930er Jahren passiert ist. Die erste NSDAP-Regierung in einem Land in Deutschland regierte 1932 im damaligen Freistaat Anhalt – unterstützt von der Deutschnationalen Volkspartei. Und in der Weimarer Republik steigerte sich das Wahlergebnis der NSDAP von 3–6 Prozent in den 1920er Jahren auf 18, 37, dann 43 Prozent; zu Lasten der DVP und der DNVP. Dem vorausgegangen waren Versuche der Einbindung und durch die NSDAP tolerierte Minderheitsregierungen. Das Ergebnis ist bekannt.
Wenn ich der CDU einen Tipp geben wollte, würde ich ihr raten, zu lesen, was Vanessa Giese aufgeschrieben hat – zu den Hintergründen der radikalen Wahlerfolge, aber auch zu den Lücken im Parteienspektrum, die nicht dadurch gefüllt werden, dass die CDU versucht, die AfD zu kopieren.
Aktuell haben wir es jedenfalls mit einer CDU zu tun, in der es Menschen gibt, die mit der AfD kooperieren. Ich hoffe, dass diese Haltung in der CDU noch nicht mehrheitsfähig ist. Es wäre Sache des Kanzlers, dem Einhalt zu gebieten – Konjunktiv, weil er diese Führungsstärke nicht aufbringt. Und wenn es der Kanzler nicht kann, dann wäre es doch, im Sinne der Verteidigung unserer Demokratie, jetzt Zeit für laute Äußerungen aus der Union, von all denjenigen, die eine Kurs der Kooperation mit den Rechtsextremen nicht unterstützen. Wo bleibt er?
Science Fiction und Fantasy im September 2026
Ganz überwiegend habe ich den September damit zugebracht, die empfehlenswerte Valor-Serie von Tanya Huff – kanadische MilSF – zu lesen. Dazu unten mehr.
Gelesen habe ich außerdem Mary Robinette Kowals The Martian Contingency (2025), den vierten Band ihrer Lady-Astronaut-Serie. Robinette Kowal schreibt im Nachwort, dass dieser Band nicht einfach zu schreiben war. Das Ergebnis ist jedenfalls gelungen, gerade auch im Vergleich zur an der einen oder anderen Stelle erstaunlich parallel gelagerten Serie For All Mankind. Im Mittelpunkt des Buchs steht die zweite Mars-Expedition, die 100 Menschen aus unterschiedlichen Nationen auf den Mars bringen soll. Die Astronautin Dr. Elma York ist das Gesicht des internationalen Raumfahrtprogramms. In dieser Zeitlinie wurde es gegenüber unserer Wirklichkeit (und auch gegenüber For All Mankind) deutlich beschleunigt, weil ein Meteoriteneinschlag in Nordamerika eindrücklich vor Augen geführt hat, wie zerbrechlich die Erde ist. Insofern findet die Mars-Expedition hier in den späten 1960ern oder frühen 1970er Jahren statt – den Hintergrund bildet eine bunte Mischung aus Offenheit für neue Erfahrungen (indische Gewürze, arabische Musik, sexuelle Revolution) einerseits und überkommenen Moralvorstellungen, althergebrachter Politik plus Rassismus und Sexismus andererseits. Und natürlich ist auch die Technologie zwar weit fortgeschritten, was Raketen und Raumfahrt anbetrifft; gerechnet wird aber nach wie vor eher mit dem Rechenschieber. Digitale Bildübertragungen scheint es beispielsweise auch noch nicht zu geben. Während der ersten Mars-Expedition betrat York nie den Marsboden. Nun ist sie als „second in command“ gemeinsam mit ihrem Ehemann eine der zwanzig, die das Habitat wieder in Betrieb nehmen und alles für den Bau eines zweiten Habitats vorbereiten sollen. Und stellt bald fest, dass irgendetwas nicht stimmt. Diejenigen, die bei der ersten Landung dabei waren, rücken spürbar nicht mit der Wahrheit heraus, sondern halten sie außen vor. Dass nicht alles glatt läuft, und die Expedition irgendwann kurz vor dem Abbruch steht, macht es für Dr. York nicht einfacher, den Dingen auf den Grund zu gehen. Robinette Kowal versteht es, große politische Fragen und die zwischen Thriller und Detektivroman changierende Aufklärung mit lebensnahen Szenen aus dem Mars-Alltag und des Transportraumschiffes zusammenzubringen. Das ganze ist nicht nur ein Sittengemälde einer Vergangenheit, die es so nicht gab, sondern lässt sich auch mit Blick auf denen einen oder anderen heutigen Bezug lesen.
Recht gut gefallen hat mir auch der von Jonathan Strahan herausgegebene Sammelband Revolution in the Heart (2026), der aus Geschichten von 15 Autor*innen besteht, die als Hommage an Ursula K. Le Guin zu verstehen sind. Wenn ich in den Biografien nichts übersehen habe, kommen alle Autor*innen aus dem FLINTA-Spektrum; darunter große Namen wie Charlie Jane Anders, Kelly Link, Ann Leckie und Darcie Little Badger. Die Geschichten sind ganz unterschiedlich – manche beziehen sich thematisch auf Le Guin und könnten in z.B. ihr Hainish-Universum eingefügt werden, manche zitieren sie direkt, wieder andere nähern sich ihr über den Stil und die Atmosphäre an. Wenn ich versuchen würde, ein gemeinsames Fazit zu ziehen, dann das, dass es hier um humanistische spekulative Fiktion geht, und um die großen Fragen, die sich aus dem Umgang mit Unterdrückung und Aufbegehren ergeben.
Damit zu Tanya Huff und Staff Sergeant Torin Kerr, auf die ich zufällig gestoßen bin; irgendjemand hatte sich auf einem Social-Media-Kanal abfällig darüber geäußert, dass hier Gesellschaften existieren sollen, die nicht wissen, was eine Pistole ist, wenn ich es richtig zusammenbringe. In den insgesamt sieben Romanen (und einer Kurzgeschichtensammlung) ist Torin Kerr Fokuspunkt der Geschichte, die sich über ein oder zwei Jahrzehnte hinzieht. Das Setting: es gibt eine interstellare Konföderation der „elder races“, die sich im Krieg mit „the Others“ befindet, auch das, wie wir später erfahren, ein Zusammenschluss ganz unterschiedlicher Spezies. Diese „elder races“ sind friedliebend und haben längst Abschied von kriegerischen Auseinandersetzungen genommen – deswegen haben sie die Menschheit und zwei andere Spezies in die Konföderation eingeladen. Der Deal: diese bekommen Raumfahrtkapazitäten, tolle Technologien und Planeten, die sie besiedeln können, etwa Kerrs Heimatplanet „Paradise“ – dafür kämpfen Menschen, Di’Taykan und Krai für die Konföderation. Dass Di’Taykan gewisse Ähnlichkeiten mit Elfen haben (wenn diese knallbunte Haarfühler und Augen hätten, und in ihrer „Di“-Phase Sexualität in etwa so einsetzen, wie dies von Bonobonos berichtet wird), und die Krai auch für Trolle oder Kobolde gehalten werden könnten (jedenfalls haben sie fast unzerbrechliche Knochen und können so gut wie alles essen), macht die Sache nochmal interessanter. Die „middle races“ (die H’san als eigentliche „elder race“ tauchen so gut wie gar nicht auf, ziehen aber alle Fäden) haben dagegen Katzen oder Warane zum Vorbild; da oder dort wirkte das dann ein bisschen wie Urmel aus dem Eis mit sprechenden Tieren. Huff macht aber klar, dass z.B. die katzenartigen Aliens eben keine Katzen sind, auch wenn sie entsprechende Reflexe bei Menschen auslösen. Neben (Militäreinsätzen auf) Planeten nehmen Raumstationen und Raumschiffe – und ein big dumb object – eine wichtige Rolle ein, große Teile der Geschichte spielen dort.
Zur Zeit des ersten Romans zieht sich dieser Krieg schon einige Generationen hin, es gibt immer wieder harte Gefechte, neue Waffen, umstrittene Planetensysteme in den äußeren Welten etc. etc. – ein Ende oder ein Sieg der einen oder anderen Seite ist jedoch nicht in Sicht. Was diese Reihe besonders macht, ist Huffs genauer Blick – auf das Innenleben der aus den genannten drei Spezies zusammengesetzten militärischen Einheiten, aber auch auf das Verhältnis zwischen kämpfender Truppe einerseits und Offizier*innen andererseits; und den Mitteln, mit denen Kerr ihre Vorgesetzten führt und dazu bringt, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Stellenweise ist das dichte Beschreibung militärischer Organisationspraktiken im etwas verfremdeten Setting. Dass ist die Bücher in meinem Urlaub in Belgien gelesen habe, der mich auch zu einem Teil des „Atlantikwalls“ führte, samt Rekonstruktion der Lebensbedingungen der damaligen Truppen, verlieh der Lektüre dann nochmals eine Besonderheit. Manchmal schreibt Huff arg formalistisch, etwa wenn sie die Besonderheiten der Di’Taykan oder Krai immer wieder mit fast wortgleichen Formulierungen einfließen lässt. Das tut der Unterhaltung – unter deren Oberfläche moralische Fragen verhandelt werden – aber keinen Abbruch.
- Valor’s Choice (2000) – Kerr ist Staff Sergeant und soll mit ihrem Marines-Platoon aus Menschen, Di’Taykan und Krai eine diplomatische Mission unterstützen, die dazu beitragen soll, Beziehungen zwischen der Konföderation und den Silsviss – brutalen Dinosaurieren – aufzubauen.
- The Better Part of Valor (2002) – Das bereits erwähnte „big dumb object“, ein großes Raumschiff, das von unbekannten Aliens zu stammen scheint, wird erforscht. Gefunden hat es ein Schrottsammler Craig Ryder (kleiner Spoiler: er wird auch in den folgenden Bänden auftauchen). Kerrs Platoon soll Wissenschaftler*innen und eine Reporterin schützen – und natürlich kommt alles anders, als man erst mal denken würde.
- The Heart of Valor (2007) – Zum Gunnery Sergeant befördert, begleitet Kerr neue Rekrut*innen zu einem Trainingsplaneten – der sich als gefährlicher als gedacht erweist.
- Valor’s Trial (2008) – Mit Blick auf die Zahl der Toten (und die Auflösung eines Rätsels, dass in den letzten drei Bänden langsam aufgebaut wurde) sicherlich der düsterste Band der Serie. Die Wikipedia beschreibt ihn als „Gunnery Sergeant Kerr fights her way out of an underground POW camp.“ – das stimmt zwar irgendwie, trifft aber den Kern nur so halb. Allerdings wäre es auch arg spoilernd, mehr dazu zu sagen.
- The Truth of Valor (2010) – Die Ereignisse des letzten Bandes haben bei Kerr ihre Spuren hinterlassen. Sie versucht, sich ein neues Leben jenseits der Marines aufzubauen – Pirat*innen machen ihr einen Strich durch die Rechnung.
- An Ancient Peace (2015) – Ex-Gunnery Sergeant Kerr leitet jetzt eine neu aufgebaute Polizeitruppe (die „Warden“), die dem Justizministerium unterstellt ist. Einer ihrer ersten Fälle: uralte Artefakte aus H’san-Gräbern – von deren Grabplanet – tauchen auf dem Schwarzmarkt auf.
- A Peace Divided (2017) – Wissenschaftler*innen, die auf einem restriktiv unter Quarantäne stehenden Planeten Ausgrabungen vornehmen, werden gekidnappt. Kerr und ihre Warden sollen sie befreien – möglichst, ohne dass Geiseln umkommen. Zugleich spinnt Huff hier mehrere Fäden zusammen, die aus den ersten Bänden bzw. aus An Ancient Peace noch offen sind.
- The Privilege of Peace (2018) – das „big dumb object“ ist wieder da – Kerr wollte damit nichts mehr zu tun haben, das Universum hat andere Pläne.
- The Shorter Parts of Valor (2022) – Kurzgeschichtensammlung; die letzte Geschichte gibt einen krassen Blick in eine mögliche Zukunft des von Huff aufgebauten Universums.
Angeguckt habe ich die dritte Staffel von Silo (Apple TV), und kann diese sehr empfehlen. Anfangs war ich skeptisch bezüglich der beiden parallel geführten Handlungsstränge. Silo spielt ja in einem unterirdischen Bunker. In dieser Staffel wird klar, dass es mehrere solche Bunker gibt, in denen jeweils 10.000 Menschen leben. In einem Strang geht es um Revolution innerhalb des Silos, und um moralische Ambivalenz, Revolten und den Kampf gegen die Silo-IT, die mit Auslöschung und Gedächtnisverlust droht, sollten die Regeln nicht eingehalten werden. Der andere Strang spielt im Amerika der nahen Zukunft, samt einer Liebesgeschichte zwischen einem jungen Abgeordneten und einer Journalistin. Erst in den letzten Folgen wird klar, wie beide Stränge zusammengehören – bitter und herzzerreißend. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung, die im nächsten Sommer laufen soll.
Ebenfalls zu Ende gegangen ist die vierte Staffel von Star Trek: Strange New Worlds (Paramount +). Ich hatte erst überlegt, dazu ausführlicher etwas zu schreiben, aber eigentlich trifft diese Kritik ganz gut meine Meinung. Tolle Charaktere, großartige Schauspieler*innen (gerade in den Herausforderungen der Quatsch-Folgen), ein spannendes und für den Anschluss an TOS klug ausgedachtes Set(ting) – aber eine sehr durchwachsene Staffel mit einigen Folgen, die einfach nicht ernst genommen werden konnten („alles nur ein Traum“), einigen Folgen, die auf seltsame Gimmicks setzen (Noir, Soap, …), um die persönliche Entwicklung von Spock, Laan, Scotty etc. plausibel zu machen – und einige richtig, richtig gute Folgen (insbesondere Orders of Magnitude, Off-Hour und Tomorrow’s Enterprise). Was ich tatsächlich auch positiv fand: dass es keinen Staffel-Bösewicht mit Bossfight am Schluss gab. Auch hier bin ich gespannt auf die fünfte und letzte Staffel, die wohl kürzer ausfällt und sich auf den Anschluss von SNW zu TOS konzentrieren wird.
Photo of the week: Oostende und Co. – III
Und schließlich eine dritte und letzte Fuhre Fotos von meinem belgischen Kurzurlaub. Wer auch die tie-dye-Bilder vom Sonnenuntergang sehen will, muss allerdings auf Flickr gehen (oder hier schauen).
Nach Koksijde bin ich eigentlich gefahren, um mir das Dünenabtei-Museum anzugucken. Das war ganz nett, der Außenbereich allerdings wegen Sturm geschlossen. Umso eindrucksvoller der Strand mit Sandsturm bis in Kniehöhe. Hier im Bewegtbild.
Sonst ist das gar nicht so meins, aber irgendwie bin ich dann doch in die eine oder andere Kirche geraten. Onze-Lieve-Vrouw ter Duinenkerk in Koksijde zu entdecken, war reiner Zufall – aber ein glücklicher, weil das Gebäude durch eine spannende Architektur und sehenswerte Glaskunst besticht. Gebaut wurde die Kirche in den 1950er Jahren.
Etwas weiter östlich, in Middelkerke, wird der Strand zur Freilichtkunstausstellung. Hier zu sehen: „I Can Hear It“ von Ivars Drulle. Gehört habe ich allerdings nichts, trotz der imposanten Schalltrichter.
Etwas abseits des Strandes, zwischen Stadt und Dünen, steht der Warande tower, eine begehbare Skulptur auf dem Grundriss eines alten Wasserturms. Von der aus gibt es eine Aussicht ins Land, aber auch aufs Meer – und auf weitere Kunst, hier den filigranen Lastwagen samt Bagger von Wim Delvoye.
Die Gestaltung der belgischen Züge erinnerte mich – falsches Land, aber trotzdem – an Piet Mondrian. Und bis Köln hat mit der Bahnfahrt zurück auch alles gut geklappt, ab da gab es dann großes Chaos und letztlich fünf Stunden Verspätung.
Photo of the week: Oostende und Co. – II
Heute nochmal weitere Fotos von meinem belgischen Kurzurlaub. Das gesamte Fotoalbum liegt auf Flickr.
In Raversijde habe ich das Freilichtmuseum „Atlantikwall Raversyde“ besucht – sowohl im ersten wie auch im zweiten Weltkrieg gab es hier deutsche Befestigungsanlagen, Bunker und auf den Strand gerichtete Geschützstände, um die Küste zu verteidigen. Ich habe hier einiges über die wechselnden Besatzungen bis zur Befreiung durch die kanadische Armee gelernt, aber auch zur Lebenssituation der Soldaten in dieser (im zweiten Weltkrieg) aus genormten Bauteilen extrem schnell errichteten Anlage. Zum Freilichtmuseum gehört auch der frühere Wohnsitz des belgischen Prinzen Karel sowie ein mit Installationen bespielter Bereich; bei meinem Besuch ging es hier um die Frage „Nie wieder Krieg?“ und damit verbundene historische und aktuelle Protestbewegungen.
Stürmisches Wetter an der Nordsee (hier in Raversijde, links im Bild die Küstentram), mit rückwärts fliegenden Möwen, Gischt und einer eingetrübten Sicht. Trotzdem gab’s hübsche Aussichten.
Brügge ist in weiten Teilen historische Bausubstanz – leider gerade im Stadtkern auch stark überlaufen. Ich habe mir im neuen Museum „BRUSK“ eine gut gemachte Ausstellung zu Vorläufern der Globalisierung und Brügge als Knotenpunkt in verschiedenen Netzwerken (Nordsee/Wikinger, islamische Welt und Christentum, Kolonialisierung) angeschaut, eher fragwürdige KI-Kunst und die Kunstausstellung des aktuell im Umbau befindlichen Groenigemuseum, die vom Mittelalter bis zu Expressionismus und Surrealismus reicht.
Zum historischen Stadtkern Brügges gehören unglaublich viele Türme und Kirchen. Das hier ist ein Detail eines der Fenster der St.-Salvator-Kathedrale.
Zum Abschluss meines Besuchs in Brügge habe ich noch dem Beginenhof einen Abstecher abgestattet; der Weg dahin führt durch Gassen mit mittelalterlichen Häuschen und über diesen viel besuchten Platz – und dann in die Stille des Innenhofs des noch heute in Betrieb befindlichen Beginenareals.












