Alle, die dabei waren, wissen, dass diese Überschrift beißender Spott ist. Irgendwann haben wir aufgehört, die Hitzewellen zu zählen. Vielleicht nach der dritten? Dieser Sommer war der mit dem sehr heißen Juni, dem sehr heißen Juli und dem sehr heißen August. Plötzlich war 35° Celsius eine ganz normale Temperatur, richtig heiß war es erst, als es in Richtung 40° Grad ging.
Um ehrlich zu sein: auch davor war es schon kaum auszuhalten. Nachts kühlte es auf vielleicht 25° ab; ein geschicktes Management des Lüftens und Verdunkelns ermöglichte es dann, die Temperatur in der Wohnung unter 30° zu halten, jedenfalls im Reihenhaus in Gundelfingen. Die Dachgeschosswohnung in Esslingen war nochmals ein ganz anderer Fall, der mich lehrte, wie unangenehm und wenig erholsam es ist, bei 30° und mehr zu schlafen, und wie sehr die tagelange und wochenlange Hitze an einem zehrt.

Durchschnittstemperatur im Haus (inkl. Keller)
Rausgehen? Eher nicht, wenn es sich vermeiden lässt. Wenn nicht, dann mit viel Sonnencreme und Hut. Große steinerne Plätze zeigen allen, die sie betreten, wie wichtig Begrünung und Hitzeschutz wären. In Gundelfingen fällt in die heißen Tage die Entscheidung, den Sonne-Platz dann doch zumindest ein bisschen zu begrünen, Vernebler und einen Trinkbrunnen aufzustellen. Immerhin. Eigentlich müsste bei öffentlichen Gebäuden bereits die Kühlung mit bedacht werden. So weit sind wir allerdings noch nicht.
Zu diesem Sommer – unangenehm heiß, körperlich spürbar, nein, mehr als das: tödlich heiß, dazu reicht ein Blick auf die Zahl der Hitzetoten – gehört die Dürre. Überall ist es gelb. Wir sehen verdorrtes Gras und Bäume im Herbstmodus. Und das geht schon seit Mitte Juni so. Reichlich Tomaten, das auch, aber die wollen auch jeden Tag gegossen werden. Die Regentonne ist natürlich längt leer. Die Landwirtschaft warnt vor drohenden Ernteverlusten. Ich gehe davon aus, dass die Lebensmittelpreise im Herbst erneut steigen werden. Nicht wegen der hohen Kosten, sondern weil das Angebot sinken wird.
Und zu diesem Sommer gehören die Waldbrände – erst in Frankreich und Spanien, also weit weg. Bei uns nur klein und schnell gelöscht, dort ein Böschungsbrand, dort ein Wäldchen, seit einigen Tagen nun die Nachrichten aus der Eifel und der belgischen Hohen Venn – größter Waldbrand, den es in NRW je gab; größter Waldbrand in Belgien, dort brennt inzwischen auch der Torf im Hochmoor. Evakuierte Orte, hunderte Hektar in Flammen. In diesem Ausmaß ist das neu, glaube ich. Und natürlich sind unsere Ökosysteme nicht auf eine „Feuersaison“ vorbereitet.
Das große „told you so“ umfasst auch das Energiesystem. Flüsse führen Niedrigwasser, Massentransporte per Schiff, Kohle zum Beispiel, fallen ebenso aus wie die Kühlung der Atomkraftwerke in den Nachbarländern. Vielleicht braucht es mehr Solaranlagen über den Feldern, Agri-PV als Schattenspender.
Heute früh hat es dann zum ersten Mal seit langem wieder geregnet. Die Temperatur ist nicht mehr ganz so hoch. Mit dem Regenduft kommt Energie zurück. Mal sehen, wie die ausgebrannten Böden damit umgehen, wenn in den nächsten Tagen Gewitter größere Mengen Regen bringen. Am Nachmittag war jedenfalls alles, was heute früh gefallen ist, schon wieder verdunstet, der Boden trocken wie eh und je.
Der Sommer 2026 wird als einer der Hitzesommer in Erinnerung bleiben. Fragt sich nur, wie lange. Wann der nächste „Rekordsommer“ ihn ablöst, wann es als normal gelten wird, dass es im Sommer in Deutschland tropische Nächte und 40° am Tag hat. Und irgendwann wird dieser Sommer dann zu einem der kälteren werden.
Vorbereitet sind wir darauf nicht. Immerhin: die SPD im Bund fängt jetzt mal an, darüber nachzudenken, ob ein Bundesklimaanpassungspaket nicht hilfreich sein könnte. Die Kommunen jedenfalls sind eher überfordert, ob in den Ländern etwas geschieht, hängt vom Zufall der jeweiligen Regierungskonstellation ab. Eigentlich müssten jetzt Klimaschutz – um die mittelfristige Zukunft nicht noch schlimmer werden zu lassen – und Klimaanpassung in all ihren Aspekten von der Gesundheit über den Städtebau bis zu Wald und Landwirtschaft jetzt massiv an Bedeutung gewinnen. In einer Parallelwelt würde ein Bundeskanzler hier Orientierung geben, einen Masterplan auf den Tisch legen, davon sprechen, dass jetzt alle von der Zivilbevölkerung über die Vereine und Gewerkschaften, alle von Politik bis Wirtschaft an einem Strang ziehen müssten, und dass wir es gemeinsam schaffen können, schnelle Klimaanpassungsmaßnahmen umzusetzen, ambitionierte Klimaschutzpläne nicht nur aufzuschreiben, sondern sie zu verwirklichen und die Wirtschaft so aufzustellen, dass sie nicht mehr von fossilen Systemen abhängig ist. In dieser Timeline bleibt das ein Traum, stattdessen wird davon gesprochen, Subventionen für Agrardiesel auszubauen, die Energiewende abzubremsen und die Klimaziele nach hinten zu schieben. Alles andere ist Wetter, und wir sollen uns mal nicht so anstellen.
Zumindest die SPD im Bund scheint aufgewacht zu sein in diesem Sommer des Jahres 2026. Es wäre zu hoffen, dass dieser Vorstoß Erfolg hat. Und dass wir alle nicht in zwei Wochen wieder vergessen haben, wie unerträglich die Folgen der Klimakatastrophe heute schon sind.











