Bits und Bäume und dazwischen Zwischenräume

»Nachhaltigkeit« und »Digitalisierung« sind zwei der großen Themen unserer Zeit. Insofern fand und finde ich es eine großartige Idee, die Schnittmenge zwischen diesen beiden Entwicklungen genauer zu beleuchten, wie dies mit der Konferenz »Bits und Bäume« an diesem Wochenende in Berlin umgesetzt wurde.

Ich will jetzt gar keinen Konferenzbericht im üblichen Sinne schreiben. Es gab ungefähr 130 verschiedene Veranstaltungen, rund 1300über 1700 Leute waren da, und die TU Berlin verwandelte sich für zwei Tage in ein wuseliges Öko-Tech-Camp. Wer einzelne der Vorträge nachgucken will, kann diese auf der Medienseite des CCC finden – es lohnt sich durchaus, vom 8-Minuten-«Sporangium« bis zu den großen Podien und Panels. Und wer ganz knapp wissen möchte, warum das mit der Digitalisierung und der Nachhaltigkeit nicht so einfach ist, sollte sich die Eröffnungsvorträge von Tilman Santarius und von Lorenz Hilty anschauen. Ich verrate schon mal: Rebound-Effekte haben einiges damit zu tun.

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Grüner Parteitag in Leipzig: Europa – darum kämpfen wir

Es fühlt sich gerade ziemlich gut an, Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen zu sein. Das hat was mit den 20 Prozent in den Umfragen zu tun, aber sehr viel mehr noch mit einer der Ursachen für diese 20 Prozent – aktuell sind wir nahe dran an der platonischen Form einer grünen Partei. So muss das sein!

Gibt es den Ausdruck eines heiteren Ernsts? Das ist in etwa die Haltung, mit der wir derzeit der Welt begegnen, und das ist die richtige Haltung.

Wir leben in Zeiten, in denen ziemlich viel schief läuft. Manches davon ist lebensbedrohend für die Zukunft der Menschheit. So kann es nicht weitergehen. Deswegen, und das ist glaube ich der Kern dessen, was Robert Habeck mit »radikal« meint, braucht es Antworten, die dieser Situation angemessen sind. Aber nur weil die Dinge so sind, wie sie sind, werden wir nicht verbissen – ich schrieb irgendwann mal etwas über grumpy old men –, werden auch nicht moralistisch und moralinsauer, und erst recht verschließen wir nicht die Augen vor dem Zustand der Welt. Nein: wir schauen hin, wir entwickeln sehr konkrete Ideen, wie die Welt besser werden kann, und wir treten dafür ein. Überzeugt, aber nicht abgehoben, hart in der Sache, aber fair und verbindlich (oder, wie das Handesblatt schreibt, »moderat«) im Ton. Nach innen wie nach außen. (Und damit dann, um nochmal Robert aufzunehmen, auch bündnisfähig.)

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Photo of the week: Messe Leipzig

Messe Leipzig

 
Seit Freitag war ich auf der grünen Bundesdelegiertenkonferenz in Leipzig. Ein rundum gelungener Parteitag, der deutlich gemacht hat, dass wir die Partei der Vielen sind, bei der Europaliste einen erfolgreichen Generationswechsel vollziehen werden, und dass wir die Partei sind, die um und für Europa kämpft. Vielleicht schreibe ich nochmal mehr dazu. Hier als Foto der Woche jedenfalls ein kleiner Eindruck von dem sehr, sehr weitläufigen Leipziger Messegelände. Eindrucksvoll, aber irgendwie auch erschreckend.

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Lesenswert: Walter Mossmanns bewegte Autobiografie

Vor ein paar Wochen war ich – dienstlich – im Archiv soziale Bewegungen in Freiburg, immerhin wird das jnzwischen auch aus Landesmitteln gefördert. Zum Abschied hat uns Volkmar Vogt, der Archivar, ein Buch in die Hand gedrückt. Inzwischen hab ich’s gelesen und bin beeindruckt.

Konkret: die 2009 erschienene Autobiografie von Walter Mossmann. Natürlich war mir Mossmann ein Begriff, Bewegungspromi, habe ihn auf der einen oder anderen Demonstration oder Kundgebung im Dreyeckland singen oder reden gehört. 2015 verstorben.

In realistisch sein: das unmögliche verlangen, Untertitel Wahrheitsgetreu gefälschte Erinnerungen, plaudert Mossmann über die 1960er, 1970er, 1980er. Er erzählt, und gleichzeitig ist das eine sehr lebendige Geschichtsstunde. Über das sogenannte Nachkriegsdeutschland. Musik, natürlich. Das studentisch-internationalistische Milieu Freiburgs. Noch mehr Musik. Das »Tolle Jahr« 1968. Die Geburt der badisch-elsässischen Bürgerinitiativen aus dem Geist des Widerstands (Geburtshelfer W.M.) gegen AKW und Chemieindustrie, gegen den technokratischen Plan zur Industrialisierung des Rheintals. Als, wie es so schön heißt, multitude. Ein bisschen geht’s in Mossmanns Lebensgeschichte auch um Politsekten und um die RAF, aber die steht am Rand. Und Rudi Dutschke träumt von der neuen USPD, die er anführen könnte, Petra Kelly nervt, während die BIs zur ganz konkreten Tat schreiten, mit Flugblattliedern und Erwartungsbruch – erfolgreich.

Die grüne Parteigründung kommt auch vor (das muss ich natürlich erwähnen), kurz vor Schluss des Buches. Mossmann schreibt, »Wir [die Bürgerinitiativen] schickten doch schon seit Jahren unsere Anwälte in die Gerichtsverhandlungen, warum sollten wir nicht auch unsere Abgeordneten ins Parlament schicken?« – kommunal fing das etwa 1975 an, in Landesparlamenten dann 1980, und was Mossmann skeptisch macht, ist nicht der Schritt ins Parlament, sondern die Suche nach der »Partei ganz neuen Typs«. Nein, er »hätte lieber eine stinknormale Partei, die grünen Abgeordneten sollten dann aber im Parlament mindestens so gut und professionell sein wie unsere besten Anwälte vor Gericht.« – 1980 geschrieben, und vielleicht sind wir da heute, irgendwie.

Aber Mossmanns Autobiografie hat mich nicht deswegen beeindruckt, weil ganz am Schluss auch grün als politische Farbe vorkommt. Nein, spannend und lebendig und unglaublich dicht und nah ist das, was – mit Ausflügen nach Larzac und Chile, Dänemark und Waldeck – in den zwei Jahrzehnren zuvor da passiert, wo Politik zwischen WGs, Kollegiengebäuden und Webers Weinstube sich materialisiert, und wo der Zug aus Karlsruhe kommend die Vorberge passiert und dann über Denzlingen, Gundelfingen und Zähringen den Hauptbahnhof erreicht. Neben all dem Großen ist’s der Geist des Ortes, der hier präzise rekonstruiert wird, und so Mossmanns prägende Jahre nahe bringt.

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Kurz: Spezi-Koalition

Die Jungs von der CSU und von der CSU, äh, von den Freien Wählern in Bayern haben sich schnell geeinigt. Drei Ministerien und zwei Staatssekretärsposten, und los kann’s gehen. Nur, wie soll das Kind heißen? Weil das blau-weiße Schwarz und Orange zusammen einem Cola-Mischgetränk ähnelt, nennt sich’s Spezi-Koalition. Habe ich jedenfalls schon mehrfach gelesen, unter anderem in der Süddeutschen.

Möglicherweise ist das mit dem orange black aber nur eine höfliche Verlegenheitserklärung. Denn im Süddeutschen gibt’s nicht nur die Spezi, sondern auch den Spezi:

Und was soll ich sagen? Passt scho!

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