Schock im öffentlichen Wohnzimmer

Lightning II

Jetzt also doch: Elon Musk kauft – für 44 Mrd. Dol­lar – Twit­ter, der Wider­stand dage­gen wur­de, wohl nicht ganz frei­wil­lig, aufgegeben.

Ges­tern Abend, als sich die­se Nach­richt ver­brei­te­te, explo­dier­te Twit­ter gera­de­zu – von Spaces zum Aus­den­ken der bes­ten Belei­di­gun­gen, um Musks Ein­la­dung auf die Pro­be zu stel­len, dass auch sei­ne här­tes­ten Kritiker*innen doch bit­te blei­ben sol­len, schließ­lich gehe es ihm um »free speech« bis hin zu Debat­ten dar­über, ob es Zeit ist, das Medi­um zu wech­seln, oder ob mehr Regu­lie­rung im Sin­ne des »Digi­tal Ser­vices Act« der Euro­päi­schen Uni­on hel­fen könn­te. Dazwi­schen immer wie­der Hin­wei­se dar­auf, wer unter wel­cher Adres­se nun – zunächst ein­mal, zusätz­lich oder tem­po­rär – bei Mastodon zu fin­den ist. „Schock im öffent­li­chen Wohn­zim­mer“ weiterlesen

Kurz: Das Ende ist nah?

Nein, ich rede nicht vom IPCC-Bericht und auch nicht von der Pan­de­mie, son­dern davon, dass Elon Musk heu­te ange­kün­digt hat, die Mehr­heit an Twit­ter über­neh­men zu wol­len. Es gibt unter­schied­li­che Ein­schät­zun­gen dazu, ob das ernst gemeint ist oder ob es ihm dar­um geht, über in Reak­ti­on auf sei­ne Ankün­di­gung erfol­gen­de Akti­en­käu­fe viel Geld zu machen. 

Die Ankün­di­gung macht auf jeden Fall eines deut­lich: Twit­ter als für mich extrem wich­ti­ger qua­si-öffent­li­cher Dis­kus­si­ons­raum steht auf dün­nem Eis. Das sind nicht nur die immer mal wie­der vor­kom­men­den Rede­signs, Wer­bung, tech­ni­schen Neue­run­gen usw. (nein, ich will kei­ne Start­sei­te, dan­ke, mei­ne chro­no­lo­gi­sche Time­li­ne ist mir lieb und teu­er), son­dern auch das schlich­te Wis­sen dar­um, dass die­ser kom­mu­ni­ka­ti­ve Raum eben ein pri­va­ter Raum ist, der einer Akti­en­ge­sell­schaft gehört, die durch­aus das Inter­es­se hat, damit einen Gewinn zu erzie­len. Und die damit tun und las­sen kann, was sie will. 

Als Reak­ti­on dar­auf habe ich des­we­gen zumin­dest mal @_tillwe_@mastodon.social regis­triert und eine App damit beauf­tragt, dort mei­ne Twit­ter-Bei­trä­ge zu spie­geln. Ich pla­ne aktu­ell nicht, wirk­lich aktiv auf Mastodon/​im Fedi­ver­se zu wer­den, auch wenn ich das im Grund­satz sinn­voll fin­de. Noch ist mei­ne gut kura­tier­te Time­li­ne auf Twit­ter »mein Ort« im Netz. Soll­te es not­wen­dig sein, zu wech­seln, weiß ich zumin­dest, wohin.

Twitter: Die gute alte Zeitlinie

Ges­tern Abend las ich ers­te Tweets dazu, dass Twit­ter mal wie­der mit der Abschaf­fung der chro­no­lo­gi­schen Time­li­ne her­um­ex­pe­ri­men­tiert. Das soll erst­mal »nur« die Web­ober­flä­che betref­fen, noch nicht die Apps – aber trotz­dem: mich hat das auf­ge­schreckt und fast noch mehr geär­gert als die gest­ri­gen Wahlkampfquerelen.

Chro­no-was? Alle sozia­len Medi­en, die dem Grund­prin­zip fol­gen, dass Nutzer*innen die Bei­trä­ge ihrer Kon­tak­te sehen, ste­hen vor dem Grund­pro­blem, die­se irgend­wie ord­nen zu müs­sen. Bei Twit­ter (und vor lan­gen Zei­ten auch bei Face­book) war dies lan­ge schlicht die ein­fachs­te Ord­nung: das neus­te oben, das ältes­te unten. Ein­fach und schlicht, algo­rith­misch nicht beson­ders anspruchs­voll, aber für mich ein zen­tra­ler Aspekt des­sen, was Twit­ter ausmacht.

In den letz­ten Jah­ren hat Twit­ter immer mal wie­der am Inter­face rum­ge­schraubt. Län­ge­re Tweets, ech­te Replys statt selt­sa­mer sozia­ler Kon­ven­tio­nen, schi­cke­re Ein­ga­be­fel­der, Her­zen statt Stern­chen und so wei­ter. Ein­ge­führt wur­de lei­der auch eine (stan­dard­mä­ßig akti­vier­te) Ansicht der »bes­ten« Tweets, die soge­nann­te Startseite.

Ich ver­ste­he, dass es aus tech­ni­scher Hin­sicht reiz­vol­ler ist, einen Algo­rith­mus zu pro­gram­mie­ren – viel­leicht sogar mit einer Pri­se maschi­nel­les Ler­nen, wer weiß – der aus­wählt, wel­che Tweets eine Nutzer*in zu sehen kriegt. Ein maschi­nel­les best of – wer träumt nicht davon?

Was dabei ver­lo­ren geht, sind die Nuan­cen und Zufäl­lig­kei­ten. Ich jeden­falls möch­te alles sehen – auch die unin­ter­es­san­ten Tweets der Leu­te, denen ich fol­ge. Ich möch­te kei­ne Vor­schlä­ge, kei­ne Fuß­ball­in­for­ma­tio­nen, am liebs­ten auch kei­ne Wer­bung (aber ja, ich ver­ste­he, dass es wel­che geben muss), kein »Leu­te, denen du folgst, fan­den auch toll« und erst recht nicht die Top ten der meist­ge­klick­ten Tweets Deutsch­lands. Dan­ke, nein – ich möch­te lesen, was die 1500 oder so Leu­te schrei­ben, denen ich fol­ge. Nicht mehr und nicht weniger.

Die vor eini­gen Jah­ren ein­ge­führ­te Start­sei­te lässt sich mit einem Klick auf einen But­ton oben rechts abschal­ten bzw. auf »neus­te Tweets« (das ist die chro­no­lo­gi­sche Ansicht aller Tweets) umschal­ten. Eine Zeit lang stell­te sich das hart­nä­ckig dann wie­der zurück, in der letz­ten Zeit aber war die­se gewähl­te Ansicht sta­bil und ich glücklich.

Wenn die Gerüch­te stim­men, dass die chro­no­lo­gi­sche Time­li­ne ganz ver­schwin­den soll, dann ist das zumin­dest für mich ein gro­ßer Trop­fen in das Fass, doch mal Mastodon oder ähn­li­ches aus­zu­pro­bie­ren. Face­book hat die Ver­ödung gezeigt, die ein Wech­sel von »alle« zu »was der Algo­rith­mus für rele­vant hält« mit sich bringt – mal ganz zu schwei­gen von den Radi­ka­li­sie­rungs­ef­fek­ten algo­rith­mi­scher Emp­feh­lun­gen, sofern die­se vor allem auf Klick­zah­len beru­hen. Dann kom­men am Schluss Sex, Gewalt und Tierba­bys raus – oder halt viel geklick­te AfD-Propaganda.

P.S.: Wenn das hier kein Rant, son­dern ein sach­li­cher Text wäre, wür­de ich jetzt noch was zu immer wei­ter ein­ge­schränk­ten APIs schrei­ben, und viel­leicht auch zum Pro und Con­tra von Edi­tier­but­tons – das las­se ich jetzt aber mal weg und belas­se es bei der vor­weg­ge­nom­me­nen Melan­cho­lie des Nut­zers, der sich immer mal wie­der mit Ver­än­de­run­gen der Inter­faces und Funk­ti­ons­wei­sen lieb­ge­won­ne­ner digi­ta­ler Infra­struk­tu­ren kon­fron­tiert sieht.

Kurz: dein Twitter, mein Twitter

… das sind doch bür­ger­li­che Kate­go­rien. Nein, woll­te nicht Marc-Uwe Kling zitie­ren, son­dern ange­sichts diver­ser Debat­ten in den ver­gan­ge­nen Tagen kurz was ande­res auf­schrei­ben. Twit­ter ist nicht gleich Twit­ter. Wes­we­gen ich mich manch­mal dar­über wun­de­re, wenn ande­re davon spre­chen, die Dis­kus­si­ons­kul­tur dort sei so furcht­bar. Oder davon, dass der Algo­rith­mus nervt, weil er nie ein­blen­det, was wirk­lich wich­tig ist. Und, und, und …

Es gibt ganz unter­schied­li­che Arten, Twit­ter zu nut­zen. Ich habe alle per­so­na­li­sier­ten und stand­ort­be­zo­ge­nen Ein­stel­lun­gen aus­ge­schal­tet (d.h., ich bekom­me weder per­so­na­li­sier­te Wer­bung noch »jetzt tren­det in Frei­burg gera­de …«), nut­ze die chro­no­lo­gi­sche Time­li­ne (»neus­te Nach­rich­ten« statt »Start­sei­te«) und habe eine zwar gro­ße, aber doch gut sor­tier­te Time­li­ne (d.h. ich ent­fol­ge Leu­te, deren Tweets ich unin­ter­es­sant fin­de, und blo­cke ziem­lich schnell Men­schen, die – ger­ne aus der rech­ten Ecke – jede Ant­wort sofort mit per­sön­li­chen Belei­dun­gen begin­nen und glau­ben, damit gewin­nen zu kön­nen). Zudem habe ich ange­fan­gen, Wer­be­trei­ben­de, die ner­ven, eben­falls zu blo­ckie­ren. Ich nut­ze die Twit­ter-Web­site und die her­kömm­li­chen Apps für Android bzw. das iPho­ne, kei­ne Spezialsoftware.

Das alles zusam­men gibt bei mir eine Time­li­ne, in der immer wie­der inter­es­san­te Debat­ten begin­nen, in der es Ein­bli­cke in unter­schied­li­che Lebens­wel­ten gibt, wobei die Grund­hal­tung nicht so unter­schied­lich ist, dass es häss­lich wür­de. Nach­rich­ten aus aller Welt bran­den eben­so wie Hin­wei­se auf span­nen­de Bücher, Fil­me und Roma­ne häu­fig in mei­ner Time­li­ne auf. Natür­lich viel (grü­ne) Poli­tik. Kaum dum­me Memes, kei­ne Ver­schwö­rungs­theo­rien oder Nach­bar­schafts­klein­an­zei­gen. So ist Twit­ter für mich nicht nur nütz­lich, son­dern auch ein ange­neh­mes Medi­um, das ich ger­ne nutze.

Aber: mein Twit­ter sieht eben mög­li­cher­wei­se ganz anders aus als dein Twit­ter. Viel­leicht habe ich bei eini­gen Punk­ten auch ein­fach Glück bzw. Pri­vi­le­gi­en (Haut­far­be, Geschlecht, … zwar ab und zu mal dum­me Bemer­kun­gen zu poli­ti­schen Aus­sa­gen, aber kei­ne Hass­mails, kei­ne sexua­li­sier­ten Belei­di­gun­gen). Ich fin­de es jeden­falls hilf­reich, sich das vor Augen zu hal­ten und weder davon aus­ge­hen, dass ja alle das glei­che sehen müss­ten noch in die Fal­le zu tap­pen, dass Twit­ter, weil es für mich ein net­ter Ort ist, für alle ein net­ter Ort sein muss. Ein biss­chen was lässt sich dar­an durch Ein­stel­lun­gen der App und das »Kura­tie­ren« der Time­li­ne beein­flus­sen – aber ande­res hängt an Fak­to­ren, die eben nicht beein­fluss­bar sind. 

Das eine Ding (um bei der Gestaltung des digitalen Wandels auf Landesebene voranzukommen) – Teil I

Manch­mal kann Twit­ter noch über­ra­schen – sogar posi­tiv. Am spä­ten Mitt­woch­abend hat­te ich spon­tan gefragt, 

»Mal expe­ri­men­tell in die Run­de gefragt: was wäre aus eurer Sicht das eine Ding, bei dem eine Lan­des­re­gie­rung (!) in Bezug auf die Gestal­tung des digi­ta­len Wan­dels das meis­te bewe­gen könn­te?« [_​tillwe_​],

und es hagel­te Ant­wor­ten – die aller­meis­ten davon kon­struk­tiv, nur gan­ze weni­ge bestan­den dar­aus, dass mit Buz­z­words um sich gewor­fen wur­de. Erfreu­lich: nie­mand hat KI gesagt! 

Und auch mei­ne manch­mal viel­leicht etwas zu boh­ren­den Nach­fra­gen und Bit­ten um Kon­kre­ti­sie­rung wur­den ganz über­wie­gend kon­struk­tiv auf­ge­nom­men und beant­wor­tet. Schön auch, dass das aller­meis­te, was da kam, tat­säch­lich durch ein Land gere­gelt wer­den könnte.

Weil dabei doch eine gan­ze Men­ge guter Ideen auf­ge­schrie­ben wur­den – und sich her­aus­stellt, dass Twit­ter nicht wirk­lich ein gutes Medi­um ist, um den Über­blick zu bewah­ren -, möch­te ich das ohne Anspruch auf Voll­stän­dig­keit zusam­men­fas­sen, ord­nen und damit doku­men­tie­ren. Wenn ich etwas über­se­hen habe, ger­ne in den Kom­men­ta­ren ergänzen. 

Am ganz großen Rad drehen

Eini­ge weni­ge Ant­wor­ten gin­gen in Rich­tung »Grund­ein­kom­men«. Zum Bei­spiel wur­de ein Pilot­pro­jekt zum bedin­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­men vor­ge­schla­gen, um »in Zei­ten zuneh­men­der Auto­ma­ti­sie­rung & dau­er­haft hohem Stress-Pegel« die »Köp­fe frei zu machen für gute Netz­po­li­tik« – und als Teil eines Ansat­zes, bei jeder Tech­no­lo­gie auch sozia­le Inno­va­tio­nen mit zu beden­ken. [BGE­weil­Au­to­ma­ti, xoryps]

Eine Num­mer klei­ner: Kul­tur­wan­del, Men­ta­li­täts­fra­gen – »Der tech­no­lo­gi­sche Wan­del kommt so oder so – doch die damit in Kon­text ste­hen­de KULTURELLE Trans­for­ma­ti­on ist eine ganz eige­ne Dimen­si­on, die ger­ne über­se­hen wird.« [D_​Herrmann]

»ich habe jetzt ne gute Stun­de auf dei­nen Tweet geschaut.
Am Ende ist es kei­ne Tech­nik, kei­ne Platt­form, kei­ne Gesetzesänderung.
Imho ist es prä­gen eines Mind­sets in und außer­halb der Ver­wal­tung durch Reich­wei­te und eige­nes Vor­le­ben.« [reg_​nerd]

Und das ist natür­lich auch eine Fra­ge, wie Behör­den bzw. deren Mitarbeiter*innen den­ken [han­no]. Die eige­nen Mitarbeiter*innen »so zu begeis­tern und zu befä­hi­gen, dass sie das nach außen tra­gen kön­nen.« [zynic1]

Infrastruktur als Grundlage

Eine Rah­men­be­din­gung, die Län­der (mehr oder weni­ger gut) beein­flus­sen kön­nen, ist die Infra­struk­tur. Dabei geht es vor allem um den Breit­band­aus­bau. Bei­spiels­wei­se könn­te der zen­tral geplant wer­den [flu­e­ke]. Gefor­dert wur­de »flä­chen­de­ckend Glas­fa­ser« [Reski­Lab], und zwar so, dass bei­spiels­wei­se eine Stra­ße nicht mehr­fach auf­ge­ris­sen wer­den muss, son­dern bei (lan­des­ge­för­der­ten) Stra­ßen­er­neue­run­gen auch gleich (lan­des­ge­för­der­tes) Breit­band ver­legt wird. 

Dabei geht es nicht nur um Geld, son­dern auch um Kom­pe­tenz und Wis­sen beim Glas­fa­ser­aus­bau [patrick­hanft]. Emp­foh­len wird die Grün­dung eige­ner Stadtwerke/​kommunaler Unter­neh­men als Betrei­ber von Net­zen. Vor­bild ist hier ger­ne der Nor­den (Schles­wig-Hol­stein, Nie­der­sach­sen). [patrick­hanft]

Aber auch das Land selbst könn­te (mal von Bei­hil­fe­fra­gen etc. abge­se­hen …) eine »eige­ne, selbst­ver­wal­te­te Infra­struk­tur (Hard­ware) auf­bau­en« [levam­py­re], von der Glas­fa­ser bis zur Anten­ne. Ein lan­des­ei­ge­nes Back­bone-Netz (mir fällt da Bel­wue ein) könn­te mit Frei­funk auf lan­des­ei­ge­nen Dächern ver­bun­den wer­den. [ali­os]

Open Source als Grundprinzip – Wirtschaftsförderung durch das Land

Ein gro­ßes The­ma in den Ant­wor­ten auf mei­ne Fra­ge war Open Source – oder gene­rel­ler die Fra­ge, wie ein Land Auf­trä­ge im Soft­ware­be­reich ver­gibt, und was es tut, um hier ent­we­der inno­va­ti­ve, klei­ne Fir­men zu för­dern oder gleich dafür zu sor­gen, dass Pro­gramm­code mehr­fach nutz­bar ist:

»Offe­ne Stan­dards, Open Source und Open Data als Grund­vor­aus­set­zung bei jeder Aus­schrei­bung und För­de­rung« [the_​infinity]

Das »klingt erst­mal nerdig, ist aber v.a. ein Schritt zu mehr Qua­li­täts­kon­trol­le, weni­ger Pro­ble­men bei (Betriebssystem-)Updates und weni­ger Lock-In-Effek­ten, weil man man die Daten aus sei­nen eige­nen Pro­gram­men nicht mehr her­aus­be­kommt.« [the_​infinity], ins­be­son­de­re in Bezug auf Fach­an­wen­dun­gen. (Oder auch, um die Abhän­gig­keit von Micro­soft zu redu­zie­ren – nicht zuletzt aus Sicher­heits­grün­den [1_​punch_​mickey]).

Oder zuge­spitzt: Jeder aus öffent­li­chen Mit­teln finan­zier­te Pro­gramm­code soll freie Soft­ware wer­den – auch an Uni­ver­si­tä­ten. [mark­we­ge]. Oder anders­her­um: Lizenz­ge­büh­ren ein­spa­ren und dar­aus die Ent­wick­lung freie Soft­ware finan­zie­ren. [BGE­weil­Au­to­ma­ti]

Kon­kre­ter wird vor­ge­schla­gen, UX – also das Design der Benut­zer­schnitt­stel­le – bei frei­er Soft­ware durch das Land zu för­dern. [flu­e­ke] Oder einen Fokus auf Sicher­heit bei eigen­ent­wi­ckel­ter »FOSS« (frei­er und offe­ner Soft­ware) zu set­zen. [Joern­PL]

Hilf­reich könn­te hier­bei auch »eine Platt­form« für Land­krei­se und Kom­mu­nen sein, um Ver­wal­tungs­ver­fah­ren mit offe­nen Stan­dards zu ent­wi­ckeln. Bestehen­de kom­mu­na­le IT-Dienst­leis­ter könn­ten dabei eine Rol­le spie­len. [patrick­hanft]

Aber es geht im Bereich der För­de­rung nicht nur um Open Source als För­der­maß­nah­me für die loka­le Wirt­schaft [deb_​vortex]. Vor­ge­schla­gen wur­de auch, IT-Unter­neh­men güns­ti­ge Kre­di­te zu geben (oder gar die Steu­ern zu sen­ken), damit die­se fach­frem­de Arbeitnehmer*innen ein­stel­len und umschu­len kön­nen [pattern4]. Oder ganz generell:

»wäre schön wenn aus­schrei­bun­gen mal an jun­ge inno­va­ti­ve fir­men ver­ge­ben wür­den und nicht an die, die schon schon immer die soft­ware für die ver­wal­tung schrei­ben – big impact.« [Neologist85]

Offene Daten, Transparenz – allgemein und fachspezifisch

Nicht nur der offe­ne Quell­code wur­de wie­der­holt ein­ge­for­dert, in einer gan­zen Rei­he von Bei­trä­gen ging es um offe­ne Daten. Auch hier soll das Prin­zip gel­ten, dass das, was das Land aus öffent­li­chen Mit­teln finan­ziert hat, der Öffent­lich­keit zur Ver­fü­gung gestellt wird [Joern­PL]).

Dabei wur­de aller­dings auch kon­tro­vers dis­ku­tiert, ob wirk­lich pro­ak­tiv alle Daten, die ein Land so hat, maschi­nen­les­bar zur Ver­fü­gung gestellt wer­den müs­sen [nor­ber­t­hen­se], etwa im Sin­ne eines Trans­pa­renz­ge­set­zes – oder ob es aus­reicht, ein gutes Infor­ma­ti­ons­re­gis­ter im Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz ein­zu­bau­en und dann nach Bedarf Daten zur Ver­fü­gung zu stel­len [in die­se Rich­tung: salomon_​alex]. Eben­so kon­tro­vers dis­ku­tiert – ent­ste­hen aus offe­nen Daten nach­hal­ti­ge und lang­fris­ti­ge Lösun­gen, die sich selbst tra­gen (Bei­spiel »Baum­ka­tas­ter für Allergiker*innen«) – oder gibt der Staat hier Auf­ga­ben ab, die er eigent­lich selbst über­neh­men sollte. 

»Ich bin kein Anhän­ger davon, dass man Infor­ma­tio­nen in die Hän­de von »Wis­sen­den« legt (und dann abhän­gig davon ist, ob die­se ihre Erkennt­nis­se auch tei­len). Es ist Auf­ga­be des Staa­tes für alle Bürger*innen Infor­ma­tio­nen bereit­zu­stel­len, da man ansons­ten uU. Macht kon­zen­triert.« [salomon_​alex]

Gefor­dert wur­de wei­ter­hin ganz all­ge­mein, dass behörd­li­che Infor­ma­tio­nen lang­fris­tig ver­füg­bar sein sol­len, und Behör­den­in­fos auf mög­lichst ein­heit­li­chen digi­ta­len Wegen zur Ver­fü­gung gestellt wer­den sol­len. [bran­leb]

Kon­kre­ter wur­den die­se For­de­run­gen im Bereich Bil­dung (sie­he dort) und mit Blick auf den öffent­li­chen Nah­ver­kehr. Die Ideen rei­chen hier von »Open Live Data für den ÖPNV« und einer »API-Pflicht für Mobi­li­täts­an­bie­ter« [sba­mu­el­ler] bis zu der Fest­stel­lung, dass die Län­der »als Bestel­ler des Nah­ver­kehrs ein gro­ßer Play­er bei der Digi­ta­li­sie­rung des Schie­nen­ver­kehrs« sind [patrick­hanft]. Als posi­ti­ves Bei­spiel wur­de hier der Pro­zess rund um @digitalmobilBW genannt [_​stk], um die Zivil­ge­sell­schaft ein­zu­bin­den und offe­ne Daten/​APIs vom »Nut­zer­nut­zen« [seba­so] her zu den­ken. Nicht nur die Ver­kehrs­ver­bün­de könn­te über eine gemein­sa­me Open-Source-App und einen gemein­sa­men Daten­pool Geld spa­ren, auch das inte­grier­te, ver­bund­über­grei­fen­de und inter­mo­da­le Ange­bot für die Nutzer*innen wäre bes­ser. Zudem könn­ten Drit­te neue Ange­bo­te ent­wi­ckeln, wie das andern­orts – genannt wur­de Hel­sin­ki – bereits der Fall ist. [sba­mu­el­ler, lewo­to, kaff­ebei­mir]

Ein wei­te­res Anwen­dungs­feld für offe­ne Daten bzw. für die Zur­ver­fü­gung­stel­lung von (gro­ßen) öffent­li­chen Daten­men­gen für gemein­nüt­zi­ge Zwe­cke wur­de die For­schung genannt:

Als (health) data sci­en­tist haet­te ich den Wunsch, dass Daten jeder Art ein­fa­cher fuer gemein­nuet­zi­ge Zwe­cke zur Ver­fue­gung gestellt wer­den. Fin­land hat gra­de Fin­da­ta gegru­en­det, um die Nut­zung von Gesund­heits­da­ten zu ver­ein­heit­li­chen und zu ver­ein­fa­chen. Das waer mein Wunsch! [TSmies­zek]

Und auch, wenn es sich dabei um getrenn­te Fra­gen han­delt, und Open Source nicht auto­ma­tisch Open Data bedeu­tet, sind offe­ne Schnitt­stel­len und offe­ne Daten für vie­le Teil einer gemein­sa­men Kul­tur der Offen­heit, die ins­be­son­de­re von Ver­wal­tun­gen vor­ge­lebt und geprägt wer­den könnte. 

Um die Orga­ni­sa­ti­on der Lan­des­ver­wal­tun­gen und um das Rie­sen­the­ma Bil­dung geht es – eben­so wie um die Fra­ge öko­lo­gi­scher Nach­hal­tig­keit – dann in Teil II.