Das Wochenende haben wir mit einem Städteausflug nach Marburg verbracht. Und weil wir auf dem Weg dahin in Frankfurt ein bisschen Zeit hatten, sind wir da noch Wolkenkratzer gucken gegangen (und haben einen Blick vom Maintower auf die Stadt geworfen). Irgendwo zwischen „Cities: Skylines“ und Metropolengefühl.
Photo of the week: Sunset colours, Gundelfingen
Letzten Donnerstag haben wir mit dem grünen Ortsverband eine Waldführung angeboten. Was wir vorher nicht wussten: dass es einer der heißesten Tage des Jahres werden würde, dass es genau zu Beginn leichten Regen und aufkommende Sturmböen geben würde, und dass es dann im Wald doch überwiegend angenehmen und trocken bleiben würde. Jetzt kenne ich mich noch etwas besser als vorher im „unteren Wald“ in Gundelfingen aus und weiß, wo Waldrefugien und wo Entwicklungszonen liegen.
Das Foto hier ist auf dem Nachhauseweg entstanden. Und gibt nur einen Teil der sommernächtlichen Sonnenuntergangsfarben am Rebberg wieder.
Science Fiction und Fantasy im Juli 2026 (der Rest)
Anfang Juli habe ich die Dandelion Dynasty zu Ende gelesen; dazu habe ich hier einiges aufgeschrieben. Den Restmonat habe ich mit fünf (teilweise kurzen) Romanen und einem, hm, Sachbuch verbracht.
Das Sachbuch heißt How To Build A Dragon Or Die Trying: A Satirical Look At Cutting-Edge Science (2019) und wurde von einem Vater-Tochter-Duo geschrieben (2021 auch als Drachenzucht für Einsteiger auf deutsch erschienen). Paul Knoepfler ist ein Professor für Zellbiologie, seine Tochter Julie Knoepfler hat sich die Frage, ob es möglich wäre, mit Hilfe von Gentechnik etc. zu züchten, in einem Schulprojekt in der 8. Klasse gestellt. Das Ergebnis ist ein Buch, das mal sehr nach Teenager-Vorstellungen eines Drachenhaustiers klingt und mal nach Wissenschaft. Hier und auch in einigen anderen Punkten hätte dem Buch ein etwas strengeres Lektorat gut getan; so gibt es doch den Eindruck vieler unnötiger Wiederholungen und Zwischenzusammenfassungen. Und Satire, die das Buch auch sein will, ist halt keine Satire, wenn vor jedem übertreibenden oder sarkastischen Satz erst einmal darauf hingewiesen wird, dass es sich hier um Satire handelt. Ein bisschen schwing da die Angst mit, dass irgendwer das tatsächlich als Anleitung lesen könnte. Ich fand das Buch trotz dieser sprachlichen Schwächen interessant zu lesen – von den Überlegungen, was wohl eine gute Grundlage wäre, um einen Drachen zu züchten – Eidechsen, Vögel, Komodo-Warane – über Wirbeltierbaupläne, die Genetik von Federn und Schuppen bis hin zur Frage, wie Flugfähigkeit (wenig Gewicht), Intelligenz (großes Gehirn) und Feuerspucken (komplizierte Mechanismen) in ein Tier passen könnten. Bei Wiederkäuermägen zur Methanherstellung (Feuer) fühlte ich mich an Ken Lius Silkpunk-Drachen erinnert. Gut gefallen hat mir der Abschluss des Buchs, der auslotet, welche ethischen Fragen eigentlich damit verbunden wären, einen Drachen in die Welt zu bringen – vom Blick auf das Wohlbefinden des Tiers über die potenzielle Waffentauglichkeit bis zu ökologischen Fragen. Dabei kommen auch die problematischeren Seiten von Crispr/Cas und Klonen als Hype-Technologien der 2010er Jahre nicht zu kurz. Realistischerer Fantasy-Weltenbau wäre eher ein Nebeneffekt der Lektüre, insgesamt geht des den Knoepflers wohl eher um die Aufforderung, mit zellbiologischen Techniken verantwortungsvoll umzugehen.
Drachen, äh, Dinosaurier, tauchten dann auch in der ersten Folge der vierten Staffel von Star Trek: Strange New Worlds (Paramount+) auf. Insgesamt habe ich diese Folge als Hommage an A Princess of Mars und ähnliche Pulp-Geschichten gelesen. Bonus: ein gigantisches Zeitreiseparadox. Weniger gut gefallen hat mir die zweite Folge der vierten Staffel – hier wird zum Stilmittel „Body Horror“ gegriffen. Das wird zwar gut umgesetzt, und genutzt, um die Psychologie einiger Hauptcharaktere auszuloten, aber ist erstens nicht meines und führt zweitens für meinen Geschmack viel zu viel an Übersinnlichkeit in den Star-Trek-Kanon ein. Geister? Wirklich?
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Photo of the week: Maracuja flower
Das C‑Wort – Chaos-Tage bei der CDU
Erst stürzt Jens Spahn. Nicht über Maskenverkäufe, nicht über Immobiliendeals, nicht über eine in den Sand gesetzte Wahl einer Verfassungsrichterin – nein, darüber, dass sein Mann ein Kind in den USA hat austragen lassen, aka „Leihmutterschaft“. Die Spahn politisch ablehnt, die die CDU/CSU politisch ablehnt, und die in Deutschland verboten ist. Das war dann selbst für die Union zu viel, oder, etwas weniger freundlich: das war der erste Jens-Spahn-Skandal, der mit dem christdemokratischen Wertegerüst unvereinbar war.
Spahns trat also als Fraktionsvorsitzender der Union zurück. Er bleibt Bundestagsabgeordneter, und es wird jetzt schon gemunkelt, dass er eigentlich nur Anlauf nimmt, um dann vielleicht 2029 für eine Koalition mit der AfD zur Verfügung zu stehen. Sein Rücktritt löste dann eine Kettenreaktion aus: Merz und Söder einigten sich darauf, dass Thorsten Frei neuer Fraktionschef wird. (Aus grüner Sicht bemerkenswert: wieso liegt das bei Merz und Söder – und nicht bei den Abgeordneten der CDU/CSU im Deutschen Bundestag?)
Der glücklose Kanzleramtsminister machte dort einen Platz frei, ihm folgt seine baden-württembergische Kollegin Nina Warken, nachdem sie als Gesundheitsministerin erfolgreich – gegen die Proteste unter anderem der Länder und Kommunen – eine GKV-Reform durchgesetzt hat, über die es bei uns im Land heißt, dass sie das Krankenhaussterben massiv beschleunigen wird. Gesundheitsminister wird nicht Jens Spahn, sondern Carsten Linnemann, der bisher eher nicht durch gesundheitspolitische Ambitionen aufgefallen ist. Entsprechend unterstricht Merz bei der Pressekonferenz die wirtschaftliche Bedeutung des Gesundheitssektors.
Bei der Pressekonferenz ebenfalls vorgestellt wurde der Wechsel von Philipp Amthor als Staatsminister für die Bund-Länder-Beziehungen ins Kanzleramt. Möglicherweise eine gute Nachricht aus Digitalisierungssicht/IFG-Sicht, möglicherweise auch nicht.
Das erstaunlichste an der Vorstellung war allerdings, was nicht gesagt wurde. Auch Verkehrsminister Patrick Schnieder soll wohl entlassen werden. Merz‘ neuer Ministerkandidat sprang aber kurzfristig ab, wohl, weil dieser dann doch realisierte, dass er eigentlich mit Verkehrspolitik nichts am Hut hat. Entsprechend verkündete der Kanzler nur, dass es weitere Umbesetzungen geben wird. Möglicherweise folgt Schnieder – bei dem nicht so ganz klar ist, warum er eigentlich gehen muss – mit Steffen Bilger ein weiterer baden-württembergischer Christdemokrat.
Ob das für Baden-Württemberg gut ist? Bisher ist von den angeblich so engen Drähten von Hagel zu Warken (und Frei) in dem, was politisch umgesetzt wird, wenig zu spüren. Siehe GKV-Reform.
In Berlin hat, das ist vielleicht noch relevant, schon die politische Sommerpause begonnen. Der Bundestag tagt erst wieder im September. Das heißt aber auch: aktuell ist unklar, ob die rochierten Minister*innen eigentlich überhaupt ihr Amt antreten können, oder ob dies erst nach der Vereidigung im September geschehen kann. Oder ob der Bundestag aufgrund des Spahn-Rücktritts aus der Sommerpause zurückgeholt wird.
Nicht ersetzt wird im Übrigen die Energiewende-Brems-Ministerin Reiche.
Da trifft das Wort Chaos-Tage dann vielleicht doch ganz gut auf den Zustand der C‑Partei zu – so richtig einen Plan sehe ich jedenfalls nicht. Im Hintergrund die Wahl Anfang September in Sachsen-Anhalt und die bisher ganz und gar nicht halbierte AfD. Danach die Wahl in Berlin mit einem eilig ernannten Ersatz-Spitzenkandidaten der CDU, nachdem Wegener über angebliche Telefongespräche und Tennisspiele stürzte. Die Pressekonferenz endete mit der Ankündigung – nach einem Herbst und einem Frühjahr der Reformen -, dass nach der Sommerpause dann aber wirklich geliefert wird. Wobei: wenn damit die Umsetzung des zwischen den beiden Regierungsparteien vereinbarten Reformpakets gemeint ist, dass das IFG massiv einschränkt, unter dem Stichwort „Bürokratieabbau“ die Kettensäge rausholt, vorsieht, dass kranke Arbeitnehmer*innen bereits am ersten Tag eine Krankschreibung vorweisen müssen – und diese nicht mehr telefonisch erfolgen kann -, von den ganzen Kürzungen im Sozialbereich ganz zu schweigen … dann bin ich nicht so sicher, ob ich hier einen „Herbst der Reformen“ haben möchte.
Was mich schließlich zu der Frage bringt, ob Merz – der ja ganz anders als die Ampel regieren wollte – ein erfolgreicher Kanzler ist. Bisher gibt es wenig, was darauf hindeutet. Die Umfragewerte sind miserabel, die persönlichen Zustimmungswerte sind miserabel, die wirtschaftliche Lage ist weiter schlecht – und der Kanzler beschwert sich wie eh und je darüber, dass sein Volk nörgelt, zu wenig Arbeit und unzufrieden ist. Vermutlich hat er sich das mit dem Regieren auch anders vorgestellt. Und schuld ist diesmal nicht die SPD, sondern die CDU/CSU ganz alleine.




