Archiv der Kategorie: Hochschulpolitik

Zwanzig Jahre Campusgrün: ein Blick auf den Anfang

Website 2002

Allerorten finden derzeit grüne Jubiläumsveranstaltungen statt. Im September wurde die Landespartei vierzig, im März wird die Landtagsfraktion feiern, und auch die Bundespartei hat nächstes Jahr ihren vierzigsten Gründungstag. Halb so alt – und Zwanzig ist auch ein Grund für Feiern und Reflektionen – ist Campusgrün, das Bündnis grüner und grün-naher Hochschulgruppen.

Als Mitglied des Gründungsvorstands durfte ich gestern in Berlin bei der Bundesmitgliederversammlung dabei sein und ein bisschen was aus den ersten paar Jahren des Verbandes berichten. Ein gemeinsames Motiv der Exvorstände aus verschiedenen Jahrgängen, die gestern dabei waren (Patrick Luzina, Luisa Schwab, Philipp Bläss, Ricarda Lang), war übrigens der Weg in die Hochschulpolitik: ganz oft spielten Studistreiks dabei eine große Rolle – und wo das nicht der Fall war, politisierte die Hochschulgruppenarbeit und wurde zum Sprungbrett in grüne Politik hinein.

Thematisch zeigte sich eine interessante Debattenkontinuität – darauf wies auch Kai Gehring als hochschulpolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion hin. Er nannte zehn zentrale Hochschulpolitik-Themen – und zumindest Studiengebühren und Studienfinanzierung, Hochschulfinanzierung und Studienreform (Bologna, seit 1998!) sind Themen, die eben auch 1999 schon auf der Agenda standen.

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Photo of the week: Leipzig

Leipzig

 
Am Wochenende fand in Leipzig die Sitzung der grünen Bundesarbeitsgemeinschaft Wissenschaft, Hochschule, Technologiepolitik (BAG WHT) statt. Dabei konnte ich feststellen, dass Leipzig eine sehr bunte und vielfältige Stadt ist. Eingeladen hatte uns Claudia Maicher MdL, die ihr Wahlkreisbüro in Leipzig-Plagwitz im Südwesten der Stadt hat – zwischen frisch renovierten Häusern und zwischengenutzten Altbauten, Wohnungen und Geschäften, Industriegebäuden und Restaurants und Kneipen. Neben intensiven inhaltlichen Diskussionen, u.a. zur Autoritarismus-Studie und zu hochschulischen Arbeitsbedingungen, war ein Highlight unserer BAG-Sitzung eine Führung durch die Deutsche Nationalbibliothek.

Für mich war das die vorletzte Sitzung als Sprecher der BAG WHT. Im April oder Mai werden wir ein neues Sprecher*innen-Team wählen, und nach zwölf Jahren werde ich nicht wieder antreten; das hat vor allem damit zu tun, dass ich auch beruflich aus dem Bereich Hochschulpolitik gewechselt bin und seit 1.1.2019 »Parlamentarischer Berater Grundsatz und Strategie« in meiner Signatur stehen habe. Zwölf Jahre BAG-Sprecher, davor mindestens acht Jahre hochschulpolitisch engagiert – vielleicht sollte ich nach rund zwanzig Jahren Hochschulpolitik mal einen kleinen Rückblick versuchen …

In eigener Sache: Plädoyer für ein enges und kritisches Verhältnis zur Wissenschaft

Auf den ersten Blick denkt man: Grüne und Wissenschaftlichkeit – wo ist das Problem? Grüne laufen mit beim March for Science, wir geben Pressemitteilungen zur Verteidigung der Wissenschaftsfreiheit heraus und laden Wissenschaftler_innen zu unseren Bundesdelegiertenkonferenzen ein. Im Gespräch mit Wissenschaftler_innen merkt man aber sehr schnell, dass unser Verhältnis zu Forschung und Forscher_innen kein ganz unkompliziertes ist: Zwar haben viele Wissenschaftler_innen eine grundlegende Sympathie für einige Ansätze unserer Politik. Ökologische Fragen sind vielen wichtig, ebenso unser liberales und emanzipatorisches Gesellschaftsbild, unsere Vorstellung einer beteiligungsorientierten Politik. Bald taucht dann jedoch ein großes Aber auf – denn noch immer erscheinen wir als technikfeindlich: Grüne seien die, die in Talkshows die »Schulmedizin« verteufeln und öffentlich gegen Impfungen agieren.

So fängt ein Diskussionsbeitrag für den laufenden grünen Grundsatzprogrammprozess an, den ich gemeinsam mit Paula Louise Piachotta verfasst habe. Wer weiterlesen will, wie es um das Verhältnis von Grün und Wissenschaft bestellt ist, und wie eine zugleich enge und kritische Anbindung an Wissenschaftlichkeit für unsere Partei aussehen könnte, findet den kompletten Text auf gruene.de.

Wissenschaft in der wirklichen Welt

Zwischen OB-Wahlkampf in Freiburg und dem Besuch der re:publica in Berlin will ich doch noch die Gelegenheit nutzen, ein paar Eindrücke vom Reallabor-Symposium zusammenzufassen, das letzten Freitag in Karlsruhe stattfand.

Reallabore sind zumindest in bestimmten wissenschaftspolitischen Feldern und in der Nachhaltigkeitsforschung ein fester Begriff. Aufbauend auf Lehr-Lern-Projekten etwa an der ETH Zürich fand das Konzept »Reallabor« Eingang in die Empfehlungen der von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer eingesetzten Expertenkommission »Wissenschaft für Nachhaltigkeit« – und wurde dann auch prompt umgesetzt. Wenn ich mein Verständnis von Reallaboren (oder, im internationalen Diskurs: »real world laboratories«) zusammenfasse, dann geht es dabei um Forschungsprojekte, in denen konkrete (zumeist lokalisierbare) Probleme gelöst werden, indem Wissenschaft und Praxis – idealerweise auf Augenhöhe – diese zusammen definieren (Ko-Design), Lösungsansätze erproben (Realexperimente) und daraus entstehendes Wissen wieder in den wissenschaftlichen Diskurs einspeisen.

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Kurz: Merkels Minister*innen

Inzwischen hat Angela Merkel die CDU-Minister*innen für die mögliche Neuauflage der Großen Koalition vorgestellt, und es ist doch einiges anders, als vorher spekuliert wurde. Insgesamt beweist das Personalpaket, dass Merkel weiterhin über ein ausgeprägtes strategisches Geschick verfügt – das fängt bei Noch-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer aus dem Saarland als Generalsekretärin der CDU an und endet nicht bei der Einbindung von Jens Spahn in die Kabinettsdisziplin. Auch die Frauenquote ist positiv hervorzuheben.

Eine Personalie aber irritiert mich, weil ich sie nicht einordnen kann. Das ist die designierte neue Bildungsministerin Anja Karliczek. Die Bundestagsabgeordnete aus Nordrhein-Westfalen (nein, keine »Frau aus dem Osten«, wie BILD noch vor ein paar Tagen vermutete) war bisher im Finanzausschuss tätig und kommt aus einem als Familienbetrieb geführten Traditionshotel. Von ihrer Ausbildung her ist Karliczek Bankkauffrau, Hotelfachfrau und hat ein berufsbegleitendes BWL-Studium abgeschlossen.

Bildungs- oder wissenschaftspolitisch ist sie mir bisher nicht begegnet. Eine Promotion (Schavan) oder eine Professur (Wanka) sind aus meiner Sicht keine Voraussetzungen, um Bildungsministerin zu werden – Theresia Bauer zeigt das in Baden-Württemberg sehr erfolgreich. Aber gewisse Berührungspunkte zum Feld halte ich doch für sinnvoll, und seien sie aus der politischen Tätigkeit heraus erwachsen, etwa als Fachsprecherin für das Themenfeld. Eine gute Minister*in muss aus meiner Sicht Dinge einschätzen können (dazu ist fachliche Expertise notwendig) und politisch durchsetzungsfähig sein. Letzteres kann ich bei Karliczek nicht beurteilen, für ersteres sehe ich bisher keine Indizien.

Insofern bin ich gespannt und auch etwas besorgt, welches Gewicht Bildungs-, Forschungs- und Wissenschaftspolitik in der zukünftigen Bundesregierung einnehmen wird – erst recht, weil dieses Feld oft (meiner Meinung nach – Wissensgesellschaft, Innovationsland, … – zu Unrecht) als eines angesehen wird, das politisch nicht zentral ist, und in dem weder große Konflikte zu erwarten noch große Meriten zu ernten sind. »Hier kann mal experimentiert werden.«

(Andere Meinung, durchaus lesenswert: Georg Löwisch in der taz)

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