2020/​2021 – ein Fragment

Winter sky VII

Düs­te­rer, leicht lila gefärb­ter Him­mel. Die Wol­ken bewe­gen sich im Zeitraffer. 

Ein Mann holt einen Brief aus sei­nem Brief­kas­ten. Es ist das erwar­te­te Schrei­ben einer luxem­bur­gi­schen Immo­bi­li­en­hol­ding, die den beschau­li­chen Wohn­block von dem deut­schen Groß­kon­zern über­nom­men hat, der vor eini­gen Jah­ren den klei­ne­ren Kon­zern geschluckt hat. Er hat die­sen Brief schon erwar­tet. Aus Daten­schutz­grün­den müs­sen die Mieter:innen eine neue Last­schrifter­mäch­ti­gung ertei­len – auf Papier. Der Mann kratzt sich am Kinn. Das ist ein Ana­chro­nis­mus. Sowas lässt sich doch inzwi­schen digi­tal regeln, über eine kur­ze Nach­richt. Über­haupt – er hat in den letz­ten Wochen kein Bar­geld mehr ver­wen­det, seit selbst bei den Bäcke­rei­en kon­takt­lo­se Kar­ten­le­ser auf­ge­stellt sind. Aber wenn der Kon­zern es so will, dann wird es wohl das bes­te sein, dem zu folgen.

Der Mann bringt den mit einem alt­mo­di­schen Füll­fe­der­hal­ter aus­ge­füll­ten Brief zum Post­kas­ten. Er zieht sich eine Mas­ke an, bevor er die Woh­nung ver­lässt. In die­ser Wohn­zo­ne ist der Ver­kehr auf 30 km pro Stun­de redu­ziert. In vie­len Stra­ßen fah­ren gar kei­ne Autos mehr. Die, die er doch noch sieht, sind zuneh­mend elek­tri­sche. Elon Musk von Tes­la ist inzwi­schen der reichs­te Mann der Welt. Oder es han­delt sich um die ganz gro­ßen Wagen, die halb­au­to­ma­tisch durch die Städ­te fah­ren. Übli­cher­wei­se haben Autos im Jahr 2020 ein Dis­play an der Kon­so­le, auf dem jeder­zeit der aktu­el­le Stand­ort ange­zeigt wird. Eine Com­pu­ter­stim­me gibt Anwei­sun­gen, um das Ziel zu errei­chen. Aber er geht zu Fuß. Für län­ge­re Stre­cken wür­de er nor­ma­ler­wei­se die Stra­ßen­bahn neh­men, die alle paar Minu­ten ver­kehrt. Es lohnt sich gar nicht mehr, in die Fahr­plan-App zu schau­en, die Anzei­ge an der Hal­te­stel­le ver­rät, wann die nächs­te Bahn zu erwar­ten ist. 

In die­sen Mona­ten ver­sucht der Mann aller­dings, auf die Nut­zung der öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­tel zu ver­zich­ten. Lie­ber bucht er ein Fahr­rad in der App. Die Pan­de­mie. Er ver­folgt jeden Tag besorgt die Fall­zah­len. In Deutsch­land ster­ben täg­lich über tau­send Men­schen an der Pan­de­mie. Inner­halb von einer Woche über­schrei­ten die Todes­zah­len die der Ver­kehrs­to­ten, und inner­halb eines Monats kommt eine Klein­stadt zusam­men. Und das nur in Deutsch­land. Das Virus wütet über­all auf der Welt. Es wird über klei­ne Tröpf­chen in der Atem­luft über­tra­gen. Jeder län­ge­re Kon­takt erhöht das Risi­ko. Noch hat die Warn-App, die Kon­tak­te regis­triert, bei ihm nicht rot geblinkt, aber er ist lie­ber vor­sich­tig. Bis der in Win­des­ei­le dage­gen ent­wi­ckel­te mRNA-Impf­stoff des Kon­zerns – ein Tri­umph der Wis­sen­schaft – alle erreicht, wird es noch etwas dauern.

Immer neue Ver­ord­nun­gen wer­den erlas­sen. Das ist in allen Län­dern so. Egal, ob die Christdemokrat:innen oder die Sozialdemokrat:innen, die Lin­ken oder die Grü­nen die Regierungschef:innen stel­len. Regel­mä­ßig tref­fen die­se sich zu Kri­sen­sit­zun­gen mit der Kanz­le­rin. In der Kri­se zeigt sich wah­rer Charakter. 

Vie­le Geschäf­te sind geschlos­sen, in ande­ren ist der Auf­ent­halt streng regle­men­tiert. Auch die Schu­len wur­den zuge­macht. Teil­wei­se fin­det der Unter­richt digi­tal statt. Manch­mal ver­brin­gen die Kin­der den Tag aber auch in Computerspielewelten. 

Sei­ne Kolleg:innen hat der Mann seit einem hal­ben Jahr nur noch per Video­kon­fe­renz gese­hen. Sei­ne Aus­rüs­tung funk­tio­niert unab­hän­gig von dem Ort, an dem er ist. Kon­fe­ren­zen, Bespre­chun­gen, Doku­men­te – alles ist inzwi­schen digital. 

Da, wo vie­le Men­schen sich auf­hal­ten, tra­gen alle Mas­ke – fast alle, bis auf die Spinner:innen, die lie­ber an ihre Ver­schwö­run­gen glau­ben. Auf den vie­len tau­send Kanä­len des Netz­werks gibt es Bil­der von Spinner:innen, die sin­gend über Plät­ze tan­zen. Sie leben in einer abge­schot­te­ten Welt, und glau­ben, was ihre Sektenführer:innen ihnen erzäh­len. Die Pan­de­mie sei eine Erfin­dung, in Wahr­heit gehe es dar­um, dass Bill Gates an das Blut unschul­di­ger Kin­der wolle. 

Viel­leicht gehört auch der US-Prä­si­dent dazu. Der ist gera­de abge­wählt wor­den. Die Wahl­aus­zäh­lung zog sich über Tage hin, in eini­gen Bun­des­staa­ten dran­gen Bewaff­ne­te in die Wahl­lo­ka­le ein und ver­such­ten, die Wähler:innen ein­zu­schüch­tern. In einer her­un­ter­ge­kom­me­nen Gegend hat der Prä­si­dent sei­nen Anwalt ver­kün­den las­sen, dass er die­se Wahl nicht aner­ken­nen wird, dass sie ihm gestoh­len wur­de. Vor Gericht hat er damit aller­dings kei­nen Erfolg. Den­noch erzählt er sei­nen Anhänger:innen immer wie­der über das Netz­werk, dass er der recht­mä­ßi­ge Wahl­sie­ger sei. 

Am Drei­kö­nigs­tag kommt es schließ­lich zum Putsch­ver­such. Ex-Mili­tärs, Polizist:innen und selbst­er­nann­te Patriot:innen aber auch selt­sa­me Gestal­ten mit bemal­ten Gesich­tern und Scha­ma­nen-Kos­tüm drin­gen gewalt­sam in das nor­ma­ler­wei­se gut geschütz­te Kapi­tol ein, wo gera­de der neue Prä­si­dent bestä­tigt wird. Es dau­ert Stun­den, bis die Herz­kam­mer der ame­ri­ka­ni­schen Demo­kra­tie wie­der unter Kon­trol­le ist. Die Senator:innen und Abge­ord­ne­te wer­den in Sicher­heit gebracht und müs­sen aus­har­ren. Es kommt zu Kämp­fen. Es gibt Tote. Es gibt Bil­der. Das alles lässt sich im Netz­werk mehr oder weni­ger live mit ver­fol­gen. Spä­ter gibt es Gerüch­te, dass Tei­le des Sicher­heits­ap­pa­rats den Putsch woll­ten. Dass die Auf­stän­di­schen eigent­lich das Ziel hat­ten, Gei­seln zu nehmen.

Der Mann macht sich Sor­gen. Noch hat der US-Prä­si­dent Zugriff auf die Nukle­ar­codes. Der evan­ge­li­ka­le Vize-Prä­si­dent hat zwar fak­tisch die Macht über­nom­men, aber wer weiß, was da noch passiert.

Inzwi­schen ist eine Muta­ti­on des Virus auf­ge­taucht. Stär­ker anste­ckend. In eini­gen Län­dern sind die Fall­zah­len schon hoch­ge­gan­gen. Auch in Groß­bri­tan­ni­en, das nicht mehr zur Euro­päi­schen Uni­on gehört und sei­ne Gren­zen dicht gemacht hat.

Um sich davon abzu­len­ken, holt der Mann sich ein Buch auf einen der vie­len Bild­schir­me. Oder er schaut Seri­en und Fil­me an. Die Aus­wahl ist rie­sig. Vie­les ist brand­neu, obwohl die Pan­de­mie auch das Film­ge­schäft hart unter­bro­chen hat. Oder er führt hef­ti­ge Debat­ten im Netz­werk. Mög­lich­kei­ten, sich abzu­len­ken, gibt es jeden­falls genug. 

Der Jah­res­wech­sel fand weit­ge­hend ohne Feu­er­werk statt. Nie­mand woll­te den über­las­te­ten Kli­ni­ken auch noch abge­ris­se­ne Hän­de und Brand­ver­let­zun­gen zumu­ten. Es war ein selt­sa­mer Jah­res­wech­sel. Heim­lich hat­ten vie­le gehofft, das nach dem Jahr 2020 mit sei­nen Wald­brän­den und Tor­na­dos, mit dem Kome­ten und der Kli­ma­kri­se, den Flüch­ten­den und der Pan­de­mie wie­der Ruhe ein­keh­ren wird. Wenn es doch nur zu Ende gin­ge. Doch das hier ist jetzt unse­re Zukunft. 

Spätsommer

all­mäh­lich fan­ge ich an

den som­mer zu vermissen

.

noch ein­mal weht ein hei­ßer wind

noch ein­mal hat es drei­ßig grad

.

jedoch

.

das licht ist nicht mehr das helle

flir­ren hel­ler tage

ein schat­ten schwingt mit

.

die luft riecht anders, bedächtiger

.

das was­ser im see fröstelt

bereits eine handbreit

unter­halb der oberfläche

.

die lan­gen war­men tage

sind gezählt

Stern der Nordermark

Letz­tes Jahr hat­te mei­ne Toch­ter sich einen selbst geschrie­be­nen Advents­ka­len­der gewünscht. Zum Glück nur für zwölf Tage, die ande­ren zwölf Tage war ihre Mut­ter dran. Dabei ist bei mir eine Geschich­te ent­stan­den, die irgend­wo zwi­schen Fan­ta­sy und Sci­ence Fic­tion chan­giert und für eine Kurz­ge­schich­te zu lang und für einen Novel­le zu lang­wei­lig gewor­den ist. Sprich: so ganz zufrie­den bin ich mit dem Ergeb­nis nicht. Nun denn – wer möch­te, kann den »Stern der Nor­der­mark« jetzt hier lesen.

> Der Stern der Nordermark

25 Jahre Deutsche Republik

Wir erin­nern uns. 1989, Mon­tags­de­mons­tra­tio­nen in Leip­zig und Ber­lin, der Ruf »Wir sind das Volk!« ertönt auf der Stra­ße. Die eiser­nen Zügel von Par­tei und Sta­si lockern sich lang­sam. In Kir­chen und Umwelt­zen­tren tref­fen sich die Mit­glie­der des Neu­en Forums und des Demo­kra­ti­schen Auf­bruchs. Immer lau­ter wird auch der Ruf aus den Block­par­tei­en nach Eigen­stän­dig­keit und Unab­hän­gig­keit von der SED. Im Herbst 1989 wer­den in der Bun­des­re­pu­blik Begehr­lich­kei­ten laut – kön­nen die Unru­hen in der DDR genutzt wer­den, um die­se zu annek­tie­ren? Hel­mut Kohl und Hans-Diet­rich Gen­scher ver­han­deln mit den Frie­dens­ga­ran­ten, nut­zen auch die per­sön­li­chen Bezie­hun­gen zum sowje­ti­schen Gene­ral­se­kre­tär Michail Gor­bat­schow. Nada – die Sowjet­uni­on, die Ver­ei­nig­ten Staa­ten, ins­be­son­de­re aber Groß­bri­tan­ni­en und Frank­reich leh­nen eine Ver­grö­ße­rung des Staats­ge­biets der Bun­des­re­pu­blik strikt ab. Eine Ver­ei­ni­gung ist ausgeschlossen. 

Es kommt zum his­to­ri­schen Frie­dens­schluss, der das Ende des kal­ten Krie­ges mar­kiert. Bei­de deut­schen Staa­ten ver­zich­ten gegen­über den Garan­tie­mäch­ten förm­lich und fei­er­lich auf das Ziel der Wie­der­ver­ei­ni­gung und erhal­ten dafür ihre vol­le Sou­ve­rä­ni­tät. Die fran­zö­si­schen, bri­ti­schen und ame­ri­ka­ni­schen Trup­pen in der Bun­des­re­pu­blik zie­hen sich weit­ge­hend zurück, auch in der DDR beginnt der Rück­zug der sowje­ti­schen Freun­de. Ent­lang der Elbe und der Havel wer­den Flä­chen an die Bun­des­re­pu­blik abge­ge­ben, um West­ber­lin an das bun­des­re­pu­blia­ni­sche Staats­ge­biet anzu­schlie­ßen. Wenig spä­ter baut die Bun­des­bahn in die­sem dünn besie­del­ten Tran­sit­be­reich Gleis­an­la­gen für ihren Hochgeschwindigkeitszug. 

Die Ber­li­ner Mau­er und die »inner­deut­schen« Grenz­an­la­gen wer­den in einem geord­ne­ten Ver­fah­ren ent­mi­li­ta­ri­siert und bis auf weit­ge­hend sym­bo­li­sche Grenz­zäu­ne zurückgebaut. 

Erich Hon­ecker tritt zurück, ihm folgt sein Kron­prinz Egon Krenz, der aber die Macht der Par­tei nicht hal­ten kann. In dem nun Deut­sche Repu­blik genann­ten Staat wer­den unter der Auf­sicht der OSZE nach lan­gen Ver­hand­lun­gen im März 1991 die ers­ten frei­en Volks­kam­mer­wah­len abge­hal­ten, zu denen neben der SED-PDS auch der neu gegrün­de­te Demo­kra­ti­schen Auf­bruch, die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche SDP sowie die drei ehe­ma­li­gen Block­par­tei­en CDU, die frei­de­mo­kra­ti­sche LDP und die natio­nal­li­be­ra­le NLPD antre­ten. Sabi­ne Berg­mann-Pohl, die Spit­zen­kan­di­da­tin der CDU, wird mit einer rela­ti­ven Mehr­heit von 46,3 Pro­zent ers­tes Staats­ober­haupt der Deut­schen Republik. 

25 Jah­re spä­ter, 2016, unter­hal­ten die Bun­des­re­pu­blik, nach wie vor von Bonn aus regiert, und die Deut­sche Repu­blik gute Bezie­hun­gen. Gemein­sam mit ande­ren ehe­ma­li­gen Ost­block­staa­ten ist die Deut­sche Repu­blik der Erwei­ter­ten Euro­päi­schen Han­dels­zo­ne bei­getre­ten und damit zwar nicht Teil Kern­eu­ro­pas, aber doch Teil des euro­päi­schen Pro­jekts. Mit Sor­ge aller­dings schau­en lin­ke und pro­gres­si­ve Intel­lek­tu­el­le auf die Ent­wick­lung der letz­ten Jah­re in die­sen Staa­ten. In Ungarn herrscht der Rechts­po­pu­list Orbán, in Polen die auto­ri­tä­re PIS, die gera­de erst Abtrei­bun­gen kom­plett ver­bo­ten hat, und auch in der Deut­schen Repu­blik kann die CDU – die seit 1991 regiert – ihre Mehr­heit inzwi­schen nur noch ver­tei­di­gen, indem sie mit der stark gewor­de­nen NLPD und der neu­en For­ma­ti­on »Alter­na­ti­ve: Deutsch­land« (letz­te­rer wer­den heim­li­che Wie­der­ver­ei­ni­gungs­be­stre­bun­gen unter­stellt) in einer doch recht fra­gi­len Drei­er­kon­stal­la­ti­on koaliert. 

Im Ver­gleich zur Bun­des­re­pu­blik zeich­net sich die Deut­sche Repu­blik immer stär­ker durch eine staat­lich ver­ord­ne­te Leit­kul­tur aus. Preu­ßen wird als wich­ti­ger Bezugs­punkt der Geschich­te wie­der­ent­deckt, und in der Auf­ar­bei­tung des sozia­lis­ti­schen Regimes wird immer häu­fi­ger die Fra­ge gestellt, wie ehr­ba­re Hand­wer­ker und Bür­gers­leu­te den Auf­stieg der SED zulas­sen konn­ten, statt sich wehr­haft auf deut­sche Tugen­den zu bezie­hen. Schul­uni­for­men, der Fah­nen­ap­pell und die obli­ga­to­ri­sche Wehr­pflicht – all das wird in der Deut­schen Repu­blik hoch gehal­ten. Ja, man­che sagen hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand, inzwi­schen aber auch immer öfter ganz offen in Leser­brie­fen und Netz­fo­ren, dass die Deut­sche Repu­blik ja eigent­lich der wah­re Erbe des Deut­schen Reichs sei, wäh­rend die Bun­des­re­pu­blik unter dem Ein­fluss der West­mäch­te und der 1968er-Gamm­ler zu einem »links­ver­si­ff­ten« Land gewor­den sei, dass sich schä­men müs­se, sich deutsch zu nen­nen. Dass die Bun­des­re­pu­blik auf Drän­gen der an der Regie­rung betei­lig­ten GRÜNEN eini­ge hun­dert­tau­send Flücht­lin­ge aus Syri­en auf­ge­nom­men hat, wird hier nicht als gro­ße huma­ni­tä­re Leis­tung ange­se­hen, son­dern als Bedro­hung emp­fun­den. Kei­nes­falls dür­fe die Deut­sche Repu­blik sich die­sem Akt der »Völ­ker­mi­schung« anschlie­ßen, heißt es, das dann auch ger­ne auch von Regie­rungs­mit­glie­dern der Deut­schen Repu­blik in offi­zi­el­len Ver­laut­ba­run­gen, vor dem Leip­zi­ger Völ­ker­schlacht­denk­mal in Sze­ne gesetzt. 

Inzwi­schen – machen sagen: noch – reicht ein Per­so­nal­aus­weis eines der bei­den deut­schen Staa­ten, um die gemein­sa­me Gren­ze zu über­que­ren. Ins­be­son­de­re West­ber­lin und Ber­lin sind zusam­men­ge­wach­sen und ver­ste­hen sich – zusam­men mit Tei­len des Bezirks Pots­dam – als eine libe­ra­le euro­päi­sche Metro­po­le, die Krea­ti­ve und Frei­den­ken­de anzieht. Vie­le Bür­ge­rin­nen und Bür­ger der Deut­schen Repu­blik leben dau­er­haft im Wes­ten. Anders sieht es im Harz, an der Ost­see und im Erz­ge­bir­ge aus. Wer hier die fal­sche Haut­far­be hat, die fal­schen Per­so­nen küsst, ja selbst, wer die fal­sche Klei­dung trägt, wird nicht nur schief ange­schaut, son­dern ange­gan­gen und immer wie­der auch kör­per­lich bedroht. Im Bezirk Dres­den wür­den NLPD, Alter­na­ti­ve: Deutsch­land und Poli­zei und Gericht unter einer Decke ste­cken, wird gemun­kelt – ent­spre­chend ver­lau­fen Ermitt­lun­gen im San­de, und ent­spre­chend wer­den bei Auf­mär­schen und Aus­schrei­tun­gen bei­de Augen zugedrückt. 

Das muss­ten bei den Fest­ak­ten zum deutsch-deut­schen Frie­dens­schluss in Dres­den heu­te nicht zuletzt die Kanz­le­rin und der Bun­des­prä­si­dent selbst erle­ben, die aus­ge­pfif­fen wur­den und mit ihrer Dele­ga­ti­on aus aller­lei Per­sön­lich­kei­ten der Bun­des­re­pu­blik kaum zur Sem­per-Oper kamen, weil immer wie­der Akti­vis­ten der mili­tan­ten Patrio­ti­schen Ein­heits­be­we­gung, aber auch der Alter­na­ti­ve: Deutsch­land ver­such­ten, die »Vater­lands­ver­rä­ter« zu blo­ckie­ren. Im Lage­be­richt der Dresd­ner Par­tei, par­don, Poli­zei war davon aller­dings nichts zu lesen – das Volk habe die Gele­gen­heit zum Mei­nungs­aus­tausch mit den Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­kern genutzt, was ja wohl nie­man­den zu ver­weh­ren sei.

War­um blog­ge ich das? Als nicht ganz den Fak­ten ent­spre­chen­der Deu­tungs­ver­such zum heu­ti­gen Tag der Deut­schen Einheit.

Photo of the week: Autumn in Gundelfingen III

Autumn in Gundelfingen III

 
Noch ein Herbst­bild, auch schon wie­der ein biss­chen her, dann reicht es aber auch ;-). Ges­tern mor­gen weh­ten mir schon die ers­ten Schnee­flo­cken ins Gesicht, lan­ge kann es nicht mehr dau­ern, bis der Win­ter auch in Frei­burg wirk­lich, wirk­lich Ein­zug hält.

Bei der Gele­gen­heit, weil es ja irgend­wie nahe liegt, noch der Hin­weis auf eine klei­ne Kurz­ge­schich­te – Win­ter­schlaf. Oder eigent­lich ist es mehr der Anfang und das Ende eines Buches, das irgend­je­mand mit mehr Zeit schrei­ben könnte …

Von Tag zu Tag ist es dunk­ler gewor­den. Der nachts gefal­le­ne Schnee schmilzt jetzt tags­über nicht mehr. Bald wird ganz Jolan­do ein­ge­schneit sein. Es sind die letz­ten Wochen vor der Win­ter­ru­he. wei­ter­le­sen