Der Fluss ohne Form. Eine Kritik der Liquid Culture Declaration

River art I

Jörg Blum­tritt, Bene­dikt Köh­ler und Sab­ria David haben vor eini­gen Wochen eine Erklä­rung abge­ge­ben – die Decla­ra­ti­on of Liquid Cul­tu­re.

Dem Spiel mit dem Adjek­tiv liquid (flüs­sig, auch: liqui­de, zah­lungs­fä­hig; viel­leicht auch sowas wie das neue open) ent­spre­chend neh­men die AutorIn­nen als ihr Leit­mo­tiv das Bild des Flus­ses der Geschich­te, der jetzt – an den Marsch­lan­den der Post­mo­der­ne vor­bei – in die kon­tu­ren­lo­se offe­ne See der Gegen­wart fließt. Ori­en­tie­rung auf die­sem Meer – im Zusam­men­hang mit dem Inter­net kein neu­es Bild (Bickenbach/​Maye 1997) – geben nur noch die Sterne.

I. Orientierung im Fluiden

Das Ende des Flus­ses ist erreicht, jetzt fließt alles, und die­se Ver­flüs­si­gung aller Lebens­wel­ten wird von den AutorIn­nen auch ordent­lich durch­ge­spielt. Liquid Cul­tu­re, Liquid Iden­ti­ty, Liquid Demo­cray, Liquid Sci­ence – alles ist wackel­pud­ding­lich gewor­den. Mich aber beschleicht beim Lesen des Mani­fests ein Unbe­ha­gen, das mir bekannt vor­kommt: Ähn­lich ging es mir mit Sher­ry Turk­le (1984, 1997), wo sie Com­pu­ter­spie­le und spä­ter das Inter­net als Orte flu­ide gewor­de­ner Iden­ti­tät beschreibt. Ich habe dem (in mei­ner Magis­ter­ar­beit zum vir­tu­el­len Par­tei­tag) den »Wirk­lich­keits­ver­dacht« (Wes­ter­may­er 2003; vgl. Wes­ter­may­er 2012) gegen­über gestellt: Das Inter­net ermög­licht zwar das Spiel mit mul­ti­plen Iden­ti­tä­ten, da aber, wo es auf die exis­tie­ren­den gesell­schaft­li­chen Insti­tu­tio­nen tritt, etwa auf Poli­tik und Par­tei­en, hört die­ses Spiel auf. Das Han­deln im Netz wird jetzt zu einem Han­deln, das an den Erwar­tun­gen und Kon­ven­tio­nen der sozia­len Wirk­lich­keit ori­en­tiert ist – an die­sen ori­en­tiert sein muss, um in einem vor­wie­gend außer­halb des Net­zes ver­an­ker­ten Wirk­lich­keits­aus­schnitt ernst genom­men zu werden.

Die­ser Kipp­punk­te wird deut­lich sicht­bar, wenn Pira­tIn­nen in Spit­zen­äm­ter ihrer Par­tei gewählt wer­den. Aus dem Twit­ter-Nick­na­me, unter dem sie bis­her bekannt waren, wird dann schnell der in den wei­ter­hin wirk­mäch­ti­gen Mas­sen­me­di­en ver­brei­te­te Geburts­na­me. Aus »Afe­lia« wird in die­sem Dis­kurs wie­der »Mari­na Weisband«.

Aber es ist nicht nur Gami­fi­ca­ti­on, die Ver­wand­lung der Wirk­lich­keit in ein Rol­len­spiel, wenn das Spie­le­ri­sche zum Maß­stab des Net­zes gemacht wird, die mich irri­tiert. Die Auf­lö­sung und Ver­flüs­si­gung von Iden­ti­tä­ten und Insti­tu­tio­nen ist ja kein Netz­the­ma allei­ne, son­dern – mit Manu­el Cas­tells (2002a, 2002b) gespro­chen – ganz typi­scher Aus­druck der »Netz­werk­ge­sell­schaft«, der Ära des Infor­ma­ti­ons­ka­pi­ta­lis­mus, in der Raum und Zeit sich ver­flüs­si­gen, Iden­ti­tä­ten zu einer poli­ti­schen Res­sour­ce wer­den und Arbeits­be­zie­hun­gen fle­xi­bi­li­siert werden. 

Oder, um noch einen Schritt zurück­zu­tre­ten, und das Kom­mu­nis­ti­sche Mani­fest zur Hand zu nehmen:

»Die Bour­geoi­sie kann nicht exis­tie­ren, ohne die Pro­duk­ti­ons­in­stru­men­te, also die Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nis­se, also sämt­li­che gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se fort­wäh­rend zu revo­lu­tio­nie­ren. Unver­än­der­te Bei­be­hal­tung der alten Pro­duk­ti­ons­wei­se war dage­gen die ers­te Exis­tenz­be­din­gung aller frü­he­ren indus­tri­el­len Klas­sen. Die fort­wäh­ren­de Umwäl­zung der Pro­duk­ti­on, die unun­ter­bro­che­ne Erschüt­te­rung aller gesell­schaft­li­chen Zustän­de, die ewi­ge Unsi­cher­heit und Bewe­gung zeich­net die Bour­geoi­sepo­che vor allen ande­ren aus. Alle fes­ten ein­ge­ros­te­ten Ver­hält­nis­se mit ihrem Gefol­ge von alt­ehr­wür­di­gen Vor­stel­lun­gen und Anschau­un­gen wer­den auf­ge­löst, alle neu­ge­bil­de­ten ver­al­ten, ehe sie ver­knö­chern kön­nen. Alles Stän­di­sche und Ste­hen­de ver­dampft, alles Hei­li­ge wird ent­weiht, und die Men­schen sind end­lich gezwun­gen, ihre Lebens­stel­lung, ihre gegen­sei­ti­gen Bezie­hun­gen mit nüch­ter­nen Augen anzusehen.« 

In der eng­li­schen Fas­sung ist der letz­te Satz noch prä­gnan­ter, sein Anfang wur­de zu einem ste­hen­den Begriff: 

»All that is solid melts into air, all that is holy is pro­fa­ned, and man is at last com­pel­led to face with sober sen­ses his real con­di­ti­ons of life, and his rela­ti­ons with his kind.« 

Karl Marx und Fried­rich Engels beschrei­ben hier das kapi­ta­lis­ti­sche Grund­prin­zip schöp­fe­ri­scher Zer­stö­rung, wie es ein ande­rer Öko­nom benannt hat. Alles Fes­te ver­dampft – eine stän­di­ge Umwäl­zung von Inno­va­tio­nen und Moden treibt die kapi­ta­lis­ti­sche, moder­ne Gesell­schaft vor­an, nichts ist von Dauer. 

Bei Blum­tritt et al. tau­chen neben dem Fluss auch die Strö­me auf – das Cas­tells oder Appa­du­rai (1990) ent­lehn­te Bild des »Fluss­rau­mes« – der Strö­me, die in der Gegen­wart die fest ver­an­ker­ten Land­schaf­ten und natio­na­len Con­tai­ner, in denen Gesell­schaft sich abspielt, abge­löst haben. 

Das Inter­net als Netz­werk scheint die­sen Erneue­rungs­pro­zess zu beschleu­ni­gen und auf eine qua­li­ta­ti­ve neue Grund­la­ge zu stel­len. Gleich­zei­tig – und das ist die zen­tra­le Aus­sa­ge der Liquid-Cul­tu­re-Decla­ra­ti­on – ver­schwin­det der Fort­schritts­pfeil des »Flus­ses« der Geschich­te zuguns­ten eines offe­nen Oze­ans, an dem nur noch die Ster­ne den Weg weisen.

Dabei fehlt aller­dings die ande­re Sei­te der Medail­le: auch Netz­wer­ke bil­den Struk­tu­ren, auch tem­po­rä­re Pro­jek­te fin­den in Struk­tu­rie­run­gen statt. Die Abhän­gig­keit der Prak­ti­ken von Erwar­tun­gen und Res­sour­cen ist geblieben. 

Fluss­räu­me und Netz­wer­ke mögen kon­tin­gent sein, aber sie sind nicht belie­big, sie sind nicht macht­los, und sie sind nicht ohne wei­te­res wil­lent­lich ver­än­der­bar. Die Form des Flus­ses mag sich geän­dert haben, er mag jetzt wie eine brei­te, offe­ne Was­ser­ober­flä­che aus­se­hen, aber unter die­ser Ober­flä­che gibt es nach wie vor star­ke Strö­mun­gen, gibt es nach wie vor die Win­de, die ein Schiff hier­hin und dort­hin trei­ben mögen. Es gibt Orte, die nicht oder nur schwer erreich­bar sind, Untie­fen, ja, Zonen des Aus­ge­schlos­sen­seins aus dem Netz­wer­ke (vgl. zu den sich wie­der fes­ti­gen­den Struk­tu­ren im Inter­net auch Wes­ter­may­er 2012). 

Was aber pas­siert, wenn wir uns in das Meer hin­aus trei­ben las­sen? Viel­leicht wer­den wir an einer ande­ren Küs­te ange­spült. Viel­leicht gera­ten wir in einen Stru­del. Oder wir wer­den, Gum­mi­en­ten und Plas­tik­fla­schen gleich, von Stru­deln und Strö­mun­gen, von Gezei­ten und Win­den zu rie­si­gen künst­li­chen Inseln ver­wo­ben, in denen der Ster­nen­glanz des Kunst­stof­fes nur noch als Lebens­feind­lich­keit fortbesteht. 

In der Erklä­rung von Blum­tritt et al. sind es die Ster­ne, die den Weg wei­sen. Ein­mal vor­aus­ge­setzt, das Schiff lie­ße sich steu­ern, so ganz ohne exter­nes Maß, ohne Radar und wohl auch ohne Ruder – wel­che Ster­ne sind es denn, an denen in der Liquid Cul­tu­re eine Ori­en­tie­rung mög­lich ist? Die Stars der alten Medi­en? Die Stern­chen, die in Twit­ter und Flickr ver­ge­ben wer­den kön­nen – bei Face­book das Like – um sekünd­li­che Best­leis­tun­gen aus­zu­zeich­nen, und um dem wan­dern­den Fokus der Auf­merk­sam­keit eine Ersatz­wäh­rung bei­zu­ge­ben? Und was ande­res als die­se Stern­chen, Likes und Re-Tweets ist denn die Wäh­rung des Net­zes? Und die Votes und Votings – sind sie etwas anderes?

Ori­en­tie­rung an die­sen Ster­nen: Reicht das aus, um eine Rich­tung zu fin­den – oder ist es eine sich von Tag zu Tag erneu­ern­de Kunst­stoff­welt, die die eige­ne Form, also die sich ste­tig dre­hen­de Spi­ra­le der Moden (Sim­mel 2001) nicht zu erken­nen ver­mag, und die so im Glanz und Ver­lö­schen der Ster­ne sich im Kreis dreht?

II. Die Liquiditäten

Betrach­ten wir die von Blum­tritt et al. genann­ten bei­spiel­haf­ten Sphä­ren, die ver­flüs­sig – liqui­diert? – wer­den sol­len, noch ein­mal im Ein­zel­nen. Genannt wer­den Liquid Demo­cra­cy, Liquid Iden­ti­ty, Liquid Eco­no­my, Liquid Sci­ence, Liquid Art und Liquid Data­ism. Poli­tik, Iden­ti­tät, Wirt­schaft, Wis­sen­schaft, Kunst und Tech­nik, all die­se Sub­sys­te­me, Sphä­ren, Teil­be­rei­che der Gesell­schaft sol­len heu­te – das Mani­fest hat ja einen for­dern­den Cha­rak­ter – nur noch als liqui­de Gebil­de ver­ständ­lich und kom­mu­ni­zier­bar sein.

1. Liquid Demo­cra­cy: »Sprich mit uns, sprich nicht für uns« (Blum­tritt et al. 2012)

Das Mani­fest setzt hier das demo­kra­ti­sche Indi­vi­du­um an die Stel­le von Men­gen. Wei­ter­be­stehen­de Struk­tu­ren der Reprä­sen­ta­ti­on sei­en in Zukunft bedeu­tungs­los, die Demo­kra­tie soll durch Tech­nik eine durch und durch direk­te wer­den. Die flüs­si­ge Demo­kra­tie ist nach dem Grund­satz orga­ni­siert: »Jeder spricht mit glei­cher Stim­me, aber das nicht nur, um sei­ne Ver­tre­ter zu wäh­len, son­dern um direkt mitzugestalten.«

Sozio­tech­ni­sches Modell im Hin­ter­grund ist hier Liquid Demo­cra­cy, also die von den Pira­ten popu­la­ri­sier­te Idee einer Mischung aus direk­ter und reprä­sen­ta­ti­ver Demo­kra­tie: Jede/​r stimmt im gro­ßen Wahl­com­pu­ter direkt mit ab, setzt The­men – oder wählt eben doch eine the­men­be­zo­ge­ne VertreterIn.

Flüs­sig ist das gan­ze, weil Reprä­sen­tan­tIn­nen nicht für vier, fünf oder sie­ben Jah­re gewählt wer­den, son­dern jeder­zeit Dele­ga­tio­nen ent­zo­gen und neu ver­ge­ben wer­den kön­nen, wenn die Wel­len und Stru­del der Auf­merk­sam­keit ande­re Argu­men­te in den Vor­der­grund gespült haben. 

Eine sol­che ver­flüs­sig­te Demo­kra­tie müss­te tat­säch­lich ohne Par­tei­en und ohne Reprä­sen­tan­tIn­nen im her­kömm­li­chen Sinn aus­ge­stalt­bar sein. Wie jede Uto­pie ver­gisst sie die Wirk­mäch­tig­keit exis­tie­ren­der Struk­tu­ren (auch das ein Pro­zess, der am Bei­spiel der Pira­ten sehr schön zu beob­ach­ten ist). Der ide­al­ty­pi­sche End­punkt einer sol­cher­art auf­ge­tau­ten Demo­kra­tie sind diver­se Hive-Mind-Kon­zep­te der SF-Lite­ra­tur – von den Borg bis hin zur Demar­chy in Alas­ta­ir Rey­nolds »Reve­la­ti­on Space«, in der jede/​r per Gehirn­im­plan­tat stän­dig an poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen betei­ligt ist.

Wer aber ent­schei­det, was zur Ent­schei­dung ansteht, wann ein Dis­kus­si­ons­pro­zess, ein Voting abge­schlos­sen ist? Was pas­siert mit dem Hive Mind, wenn doch nicht alle gleich sind, son­dern sich Kas­ten- und Klas­sen­struk­tu­ren auch in poli­ti­scher Betei­li­gung abbil­den? Heu­te schon gibt es gro­ße Kri­tik dar­an, dass direkt­de­mo­kra­ti­sche Betei­li­gungs­for­ma­te eher auf die white male midd­le class abzie­len als auf jede ande­re mensch­li­che Kon­fi­gu­ra­ti­on. Es mag ein schö­ner Traum sein, dass jeder Mensch aktiv und pas­siv in glei­cher Wei­se sei­ne (bzw. ihre) Stim­me erhe­ben kön­nen wird. Solan­ge die­ser Traum nicht ver­wirk­licht ist, ist es fatal, poli­ti­sche Ver­fah­ren ohne Reflek­ti­on auf die­ser Grund­la­ge auf­zu­bau­en (das Gen­der-Pro­blem der Pira­ten) – denn dann wer­den damit bestehe­ne Ungleich­hei­ten festgeschrieben.

Ich hal­te es für eine letzt­lich empi­risch offen Fra­ge, ob die diver­sen Tools für Liquid Demo­cra­cy hier­an etwas ändern wer­den, aber ich habe gro­ße Zwei­fel dar­an. Dies gilt umso mehr, wenn Fra­gen der Nutz­bar­keit und der Ver­knüp­fung von Sach­fra­gen und Infor­ma­ti­ons­ge­win­nung hin­zu kommen. 

Die Infor­ma­tik eben­so wie die Luhmann’sche Sys­tem­theo­rie lehrt uns, dass sich letzt­lich alles in ein 1/​0‑Schema packen lässt. Ent­spre­chend kann jedes poli­ti­sche Pro­blem in ja/n­ein-Ent­schei­dun­gen – mög­li­cher­wei­se ver­äs­telt über Alter­na­ti­ven – ver­packt wer­den. Die fak­ti­sche Arbeit des Regie­rens – mit all ihrer Macht­be­last­etheit – besteht aber nur zu einem win­zi­gen Bruch­teil aus ja/n­ein-Ent­schei­dun­gen. Es geht bei­spiels­wei­se dar­um, Inter­es­sen­grup­pen anzu­hö­ren, es geht dar­um, juris­ti­sche Ver­äs­te­lun­gen auf Neben­wir­kun­gen abzu­klop­fen, es geht dar­um, Abwä­gungs­ent­schei­dun­gen zwi­schen unter­schied­li­chen Risi­ken und Model­len zu tref­fen – und das alles im Rah­men eta­blier­ter (und durch eine ent­spre­chen­de Rechts­spre­chung und deren Büro­kra­tie abge­si­cher­ter) Pfa­de und Schranken.

Auch aus die­ser Per­spek­ti­ve her­aus erscheint Liquid Demo­cra­cy als Unwahr­schein­lich­keit. Öff­nen wir doch lie­ber demo­kra­ti­sche Ver­fah­ren – aber eben immer auch mit den Struk­tu­ren und Neben­ef­fek­ten im Blick. Das wäre das »sprich mit uns« der Mani­fest-Über­schrift, das durch Liquid-Demo­cra­cy-Tools eben nicht ver­wirk­licht wird. Und es wäre eine kla­re Ori­en­tie­rung, eine Struk­tur. Ob das funk­tio­nie­ren kann, in den beschrie­be­nen Pfad­ab­hän­gig­kei­ten, pro­biert die grün-rote »Bür­ger­re­gie­rung« in Baden-Würt­tem­berg gera­de aus. Aus­gang offen.

2. Liquid Iden­ti­ty: Wir sind vie­le (Blum­tritt et al. 2012)

Hier lie­ßen sich jetzt lan­ge Erör­te­run­gen des Für und Widers post­mo­der­ner mul­ti­pler und flu­ider Iden­ti­täts­kon­zep­te ein­schie­ben. Wie sta­bil sind Lebens­sti­le, wie patch­wor­k­ar­tig Iden­ti­tä­ten? Men­schen han­deln in unter­schied­li­chen Kon­tex­ten unter­schied­li­chen Erwar­tun­gen gemäß – Prak­ti­ken, auch Prak­ti­ken der Selbst­sti­li­sie­rung und Ästhe­ti­sie­rung, sind kon­tex­tu­iert. Aber bleibt nicht, selbst in radi­ka­len Theo­rien, ein Kern der auf sich selbst bezo­ge­nen Eigen­wahr­neh­mung, ein Iden­ti­täts­kern für sich? 

Oder, wenn die pra­xis­theo­re­ti­schen Annah­men über die Rou­ti­ne­haf­tig­keit mench­li­chen Han­delns stim­men: Wer hält es denn aus, stän­dig eine ande­re, ein ande­rer zu sein? Wer kann zwi­schen mehr als einer Hand­voll Rol­len wech­seln, ohne sich kom­plett zu verlieren?

Iden­ti­tä­ten sind poli­ti­scher gewor­den, und sie sind wan­del­ba­rer gewor­den. In sozia­len Bezie­hun­gen blei­ben sie jedoch eine Not­wen­dig­keit, die ihrer Ver­flüs­si­gung Gren­zen setzt – sta­bi­le Kom­mu­ni­ka­ti­on funk­tio­niert nur, wenn ich mir über die Zeit trag­fä­hi­ge Erwar­tun­gen über mein Gegen­über machen kann, egal ob per Ava­tar, Nick­na­me oder sonst­wie als ein­deu­ti­ge Per­son gekennzeichnet. 

Iden­ti­tä­ten sind nichts natur­wüch­si­ges. Authen­tisch wer­den sie dadurch, dass sie in ihrem Gebrauch den selbst geschaf­fe­nen Erwar­tun­gen genü­gen. Aber Iden­ti­tä­ten sind auch nichts völ­lig belie­bi­ges, völ­lig frei wähl­ba­res – der gro­ße Irr­tum eini­ger post­mo­der­ner Lebens­stil­kon­zep­te. Sie haben bio­gra­phi­sche Hin­ter­grün­de, sie sind in imma­te­ri­el­len und mate­ri­el­len Res­sour­cen ver­an­kert, und sie ent­wi­ckeln sich weiter. 

3. Liquid Eco­no­my: Sharing is Caring (Blum­tritt et al. 2012)

Blum­tritt et al. schrei­ben hier:

»Tei­len ist das neue Haben. Güter sind nicht nur zum Besit­zen da, son­dern zum Tei­len, Tau­schen, Weiter­schen­ken und gemein­sam Nut­zen. Kon­sum ist kein Selbstzweck.« 

Das ist sicher­lich eine reso­nanz­fä­hi­ge Idee – nicht nur in Rich­tung der Open-Source-Bewe­gung, son­dern auch in Rich­tung von ganz mate­ri­el­len Com­mons und urba­ner Sub­sis­tenz­stra­te­gien, die mit der Nach­hal­tig­keits­de­bat­te ver­knüpft sind. War­um das hier als »liquid« bezeich­net wird, erschließt sich mir nicht.

Bei aller Sym­pa­thie bleibt die Fra­ge: Trägt es eine Wirt­schaft, wenn … 

»Wir arbei­ten, weil wir es wol­len und wo wir es wol­len. Wir arbei­ten ger­ne mit ande­ren zusam­men – auch wenn nicht immer am sel­ben Pro­jekt. Was uns wich­tig ist, bezah­len wir. Wir spen­den, wir betei­li­gen uns mit Geld oder mit unse­rer Arbeits­leis­tung. Wir ver­wal­ten nicht, wir han­deln. Was uns fehlt, das grün­den wir.« 

Oder ist Liquid Eco­no­my, so wie sie hier kon­zi­piert wird, nicht eher so etwas wie die Selbst­be­schrei­bung einer klei­nen, neu­en krea­ti­ven Klas­se? Die, die es sich – mate­ri­ell und von ande­ren Res­sour­cen wie Bil­dung und Zeit her – leis­ten kön­nen, zu spen­den, zu grün­den, Pro­jek­te anzu­fan­gen und Pro­jek­te abzu­leh­nen? Was ist mit der Selbst­aus­beu­tung der Kleinst­selbst­stän­di­gen? Was ist mit der unsicht­ba­ren Arbeit, die auch getan wer­den muss – wer erle­digt die, wenn die Wirt­schaft liqui­de gewor­den ist?

Inso­fern bleibt hier ein fah­ler Nach­ge­schmack – das, was den einen das gro­ße offe­ne Meer neu­er, ja unbe­grenz­ter Mög­lich­kei­ten ist, ist den ande­ren die Fra­ge, ob sie sich an das stin­ken­de Floß klam­mern müs­sen, um nicht zu ertrinken. 

4. Liquid Sci­ence: Was ist Wahr­heit? (Blum­tritt et al. 2012)

Ich muss das hier jetzt im Voll­text zitie­ren, weil es schön ist. Ob es wahr ist, weiß ich nicht. Aber erst ein­mal der Text:

Die Welt ist, was der Fall ist und nicht, wor­auf wir uns ver­stän­di­gen, dass sie zu sein hat. Es gibt kei­nen Kom­pro­miss. Wenn wir kei­nen Kon­sens fin­den, was wir für wahr hal­ten, dann blei­ben wir bes­ser uneins. Die Mei­nung der Mehr­heit hat kei­nen Anspruch auf Wahr­heit. Gleich­zei­tig steht alles Wis­sen in Fra­ge. Kein Kon­sens ist fest­ge­schrie­ben. Nur wenn unser Kon­sens das Behar­ren und Pro­vo­zie­ren der Trol­le über­steht, ist er sta­bil genug, die wirk­li­chen Her­aus­for­de­run­gen zu bestehen.

Unser Wis­sen fließt. Alles, was wir über die Welt wis­sen, ist im ste­ti­gen Fluss. Wir pas­sen unse­re Model­le der sich ver­än­dern­den Welt an – und nicht die Welt unse­ren Model­len. Wie sich unse­re Time­li­ne stän­dig erneu­ert, so flie­ßen neue Daten in unser Wis­sen und ver­än­dern unse­re Model­le von der Welt.
Unun­ter­bro­chen sind wir damit beschäf­tigt, die unter­schied­li­chen Schläu­che, durch die unse­re Daten zu uns flie­ßen, zusam­men­zu­füh­ren, die Strö­me zu ver­mi­schen und wei­ter­zu­lei­ten. Manch­mal wird ein Schlauch brü­chig. Bevor er platzt, las­sen wir ihn fal­len und neh­men sei­ne Daten aus unse­rem System. 

Wiki­pe­dia ist ein Ver­such, die­se Art der Wahr­heits­fin­dung zu insti­tu­tio­na­li­sie­ren. Im Ergeb­nis gibt es ein brauch­ba­res Nach­schla­ge­werk, und auf der Hin­ter­büh­ne har­te Kon­flik­te und macht­ba­sier­te Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen Admins. Wiki­pe­dia ist gut dar­in, das an ande­rer Stel­le erar­bei­te­te Wis­sen über die Welt zusam­men­zu­tra­gen, und – hier viel­leicht in der Tat liquid – in der Enzy­klo­pä­die anzu­pas­sen, wenn das Wis­sen sich verändert.

Wiki­pe­dia kann und will kein neu­es Wis­sen gene­rie­ren. Kon­flikt­haft wird es dort, wo unter­schied­li­che Wahr­hei­ten auf­ein­an­der­pral­len, und dort, wo wis­sen­schaft­li­ches Wis­sen mit Unsi­cher­heit behaf­tet ist. Wiki­pe­dia ist eine sta­bi­le Moment­auf­nah­me des expli­zi­ten Teils des kol­lek­ti­ven Hin­ter­grund­wis­sens bereithält.

Wiki­pe­dia ist ein Fil­ter. Was Wiki­pe­dia nicht ent­hält, ist nicht rele­vant – so die Selbst­be­schrei­bung. Der Ver­su­che, das nicht-rele­van­te Kom­ple­men­tär zur Wiki­pe­dia zu bil­den, gibt es vie­le, sie sind unüber­sicht­lich, und sie sind wenig erfolgreich. 

Das ist die eine Ebe­ne des Zwei­fels, der die Ver­mach­tung der Erkennt­nis­su­che und die feh­len­de Anschluss­fä­hig­keit wis­sen­schaft­li­cher Prak­ti­ken an die stan­dar­di­sier­te Dar­stel­lung von Wis­sen mitmeint.

Die ande­re Ebe­ne des Zwei­fels bezieht sich auf den zwei­ten Teil des Zitats: der Anspruch, das je eige­ne Wis­sen über die Welt immer auf dem neus­ten Stand zu hal­ten, und es gege­be­nen­falls umzu­wer­fen. Mensch­li­che Gehir­ne funk­tio­nie­ren nicht so, wis­sen­schaft­li­che Revo­lu­tio­nen erst recht nicht. Wir neh­men vor­wie­gend das wahr und für wahr, was uns in unse­ren Ansich­ten bestä­tigt. Unse­re sozia­len Kon­tak­te bil­den einen Kon­text, der uns bestä­tigt. Natür­lich besteht unse­re Time­li­ne zum grö­ße­ren Teil aus Men­schen, denen wir inhalt­lich fol­gen kön­nen, und nur zum klei­ne­ren Teil aus sol­chen, mit denen wir uns stän­dig strei­ten wol­len. Wer woll­te schon per­ma­nent getrollt wer­den? Der heh­re Anspruch an liquid sci­ence fällt dem All­tag zum Opfer. 

5. Liquid Art: Der Ein­zi­ge und sein geis­ti­ges Eig­en­t­hum. (Blum­tritt et al. 2012)

Sag­te ich schon, dass die Liquid-Cul­tu­re-Decla­ra­ti­on ein Mani­fest des Neo­li­be­ra­lis­mus ist? Wie anders wäre ein Satz wie der zu erklä­ren: »unse­re Gale­ris­ten und Samm­ler sind die Ven­ture Capi­ta­lists, die den Krea­ti­ven die Arbeit finan­zie­ren und sie bei Erfolg groß machen« – ich spit­ze zu: Kunst soll­ten neben­bei gesche­hen und öffent­lich gemacht wer­den, wenn sie gut ist, wird der Markt sie schon fin­den und zu gro­ßer Blü­te füh­ren. Dafür bedarf es dann kei­ner wie auch immer defi­nier­ten Hoch­kul­tur, kei­nen slow media, son­dern es »blü­hen die Volks­spra­chen«. Der Schöp­fer, die Schöp­fe­rin wird im Pop zur lee­ren Figur, inhalt­lich belie­big anzufüllen.

Wie war das mit der Liquid Eco­no­my, der Selbst­ver­wirk­li­chung in der täti­gen Arbeit. Fin­det die nicht erst in der Aus­sa­ge, »Sie­he, dies ist mein Werk?« ihre Befriedigung?

»Das flie­ßen­de Werk hat kei­nen Anfang und kein Ende, es lebt wei­ter. Es ist eine gesell­schaft­li­che Wert­schöp­fung. Kul­tur ist kei­ne Ware, son­dern ein Prozess.« 

Gera­de an die­ser Stel­le, gera­de da, wo es um ver­flüs­sig­te Kul­tur geht, fra­ge ich mich schon, wer von den drei AutorIn­nen wel­chen Satz geschrie­ben hat. Denn das gemein­sa­me Werk ist alles ande­re als ein­heit­lich. »Liquid« umhüllt hier ganz ver­schie­de­nes – Doc­to­rows Maker-Kul­tur eben­so wie die Selbst­be­züg­lich­keit der Netz­ge­mein­de (»Kul­tur ist unser Kult.«), den bil­dungs­be­flis­se­nen Ver­weis auf die sin­ken­de Bedeu­tung der Autoren­schaft eben­so wie den popu­lä­ren Remix des Ein-Bisschen-Mit-Content-Generators. 

Trot­zig schließt der Kul­tur­teil: »Es ist unser Kult. Nur wir selbst haben alles Recht dar­an.«, macht die Netz­ge­mein­de zur herme(neu)tischen Gemein­schaft, in der eige­nen Kul­tur­pro­duk­te frei zir­ku­lie­ren und gemischt wer­den. Die vor­han­de­nen Schnitt­stel­len zur Kul­tur­in­dus­trie, die außen­ste­hen­den Maschi­nen der Bil­der­pro­duk­ti­on und deren Strö­me, die Ver­wer­tungs­in­ter­es­sen der Ven­ture Capi­ta­lists – sie alle wer­den als Selbst­ver­ständ­lich­keit brav ignoriert. 

6. Liquid Data­ism: Nous­phe­re (Blum­tritt et al. 2012)

Das (Daten-)Netz als tech­ni­sche Erwei­te­rung des Kör­pers, des Gehirns – war­um nicht? Aber ein im Netz exis­tie­ren­des Daten­leib zu pos­tu­lie­ren – ist das »Liquid Data­ism« oder schon »Liquid Dadaism«?

Wie unse­re Kör­per sich im Raum bewe­gen, so auch unse­re Daten im Netz. Das Netz spannt uns neue Dimen­sio­nen auf, in denen wir leben. Unse­re Daten sind unser Leib im Internet. 

Im über­schwel­len­den Hype­ge­sang hilft es, wie es Blum­tritt et al. in den ers­ten Sät­zen die­ses Absat­zes auch machen, sich noch ein­mal dar­auf zu besin­nen, dass der extra­kor­po­ra­le Daten­ver­kehr kei­ne Erfin­dung des 21. Jahr­hun­derts ist. Wenn Goe­the mehr­mals täg­lich Brie­fe an sei­ne im Schat­ten­riß prä­sen­te Lieb­schaft ver­schick­te, dann war das eben­so eine Erwei­te­rung des Kör­pers, wie es Mails, Tweets und digi­ta­le Pro­fi­le sind. So viel hat sich hier gar nicht geän­dert – also kein Grund, gleich in das Netz über­sie­deln zu wol­len, und den Kör­per im Daten­leib zu tran­szen­die­ren. Und, nur zur Erin­ne­rung: auch hin­ter Bits und Bytes ste­cken Kup­fer­dräh­te und Rechen­zen­tren. Natio­na­le Gren­zen durch­zie­hen das Netz, eben­so wie die dig­ta­le Welt maß­geb­lich durch die Pro­fit­in­ter­es­sen ein­zel­ner Kon­zer­ne gestal­tet ist. Der unent­deck­te Kon­ti­nent der Frei­heit ist auch hier nur in den Nischen zu finden.

Nur wenn wir auf­hö­ren, dem Netz nahe­zu reli­giö­se Ver­eh­rung ent­ge­gen­zu­brin­gen und als Gegen­leis­tung Wun­der zu erwar­ten, wird es als das wahr­nehm­bar, was es ist.

III. LCD

Die Liquid Cul­tu­re Decla­ra­ti­on, kurz LCD, ver­mag mich nicht zu über­zeu­gen. Sie ist anre­gend, sonst hät­te ich kei­ne 3000 Wör­ter dazu geschrie­ben. Aber als Mani­fest, also im ursprüng­li­chen Sin­ne als Pas­sa­gier­lis­te für das Schiff, das die so harm­los in der Son­ne glit­zen­den Wei­ten des Oze­ans der Zukunft befah­ren soll, taugt es nicht – zu hete­ro­gen sind die Akteu­re, die hier auf einem Damp­fer mit dem stol­zen Namen ›Air Liqui­de‹ zusam­men­ge­bracht wer­den sol­len. Und über­haupt: Wozu Mani­fes­te, wenn doch alles im Fluss ist?

Literaturangaben

Appa­du­rai, Arjun (1990): »Dis­junc­tu­re and Dif­fe­rence in the Glo­bal Cul­tu­ral Eco­no­my«, in Theo­ry, Cul­tu­re & Socie­ty, Vol. 7 (1990), S. 295–310.

Bicken­bach, Mat­thi­as /​ Maye, Haran (1997): »Zwi­schen fest und flüs­sig – das Medi­um Inter­net und die Ent­de­ckung sei­ner Meta­phern«, in Gräf /​ Kra­jew­ski (1997): Sozio­lo­gie des Inter­net. Han­deln im elek­tro­ni­schen Web-Werk. Frank­furt am Main /​ New York: Cam­pus, S. 80–98.

Blum­tritt, Jörg /​ Köh­ler, Bene­dikt /​ David, Sab­ria (2012): »Decla­ra­ti­on of Liquid Cul­tu­re«, elek­tro­ni­sches Doku­ment, URL: http://memeticturn.com/declaration-of-liquid-culture/, Abruf Juni 2012. 

Cas­tells, Manu­el (2002a): Das Infor­ma­ti­ons­zeit­al­ter. Bd.1: Der Auf­stieg der Netz­werk­ge­sell­schaft. Opla­den: Leske+Budrich.

Cas­tells, Manu­el (2002b): Das Infor­ma­ti­ons­zeit­al­ter. Bd. 2: Die Macht der Iden­ti­tät. Opla­den: Leske+Budrich.

Marx, Karl /​ Engels, Fried­rich (1999) – Wer­ke. (Karl) Dietz Ver­lag, Ber­lin. Band 4, 6. Auf­la­ge 1972, unver­än­der­ter Nach­druck der 1. Auf­la­ge 1959, Berlin/​DDR. S. 459–493, ursp. 1848, hier: http://www.mlwerke.de/me/me04/me04_459.htm#Kap_I, die eng­li­sche Fas­sung zitiert nach http://www.marxists.org/archive/marx/works/1848/communist-manifesto/ch01.htm.

Sim­mel, Georg (2001): Phi­lo­so­phie des Gel­des. Köln: Park­land, Orig. 1920. 

Turk­le, Sher­ry (1984): Die Wunsch­ma­schi­ne. Vom Ent­ste­hen der Com­pu­ter­kul­tur. Rein­bek bei Ham­burg: Rowohlt. 

Turk­le, Sher­ry (1995): Life on the Screen. Iden­ti­ty in the Age of the Inter­net. New York: Simon & Schuster. 

Wes­ter­may­er, Till (2003): »Poli­ti­sche Online-Kom­mu­ni­ka­ti­on unter Wirk­lich­keits­ver­dacht: Der Vir­tu­el­le Par­tei­tag von Bünd­nis 90/​Die Grü­nen Baden-Würt­tem­berg«, in kommunikation@gesellschaft, Jg. 4, URL: http://www.soz.uni-frankfurt.de/K.G/B5_2003_Westermayer.pdf.

Wes­ter­may­er, Till (2012): »Fest, flüs­sig, flüch­tig: Aggre­gat­zu­stän­de des Poli­ti­schen im Netz«, diskurs.dradio.de, Debat­ten­por­tal des Deutsch­land­funk, 26.03.2012, URL: http://diskurs.dradio.de/2012/03/26/fest-flussig-fluchtig-aggregatzustande-des-politischen-im-netz/.

5 Antworten auf „Der Fluss ohne Form. Eine Kritik der Liquid Culture Declaration“

  1. Hi,
    bin auf Deinen/​Ihren Blog gesto­ßen. Hab ein biß­chen rum­ge­klickt und dann sofort die Lust am Wei­ter­le­sen ver­lo­ren, aber nicht wegen der Inhal­te, son­de­ren wegen des einem ent­ge­gen­schla­gen­den KEYWORD-TERRORS in der Arti­kel-Über­sicht. Wenn da als ers­tes ein genau­so lan­ger Absatz mit Key­words wie der Text-Anfang vom eigent­li­chen Arti­kel zu sehen ist, dann kommt nur eine Bot­schaft rüber: Goog­le ist mir wich­ti­ger als Du, Leser.
    Mann, mann, mann, kann man da nur noch sagen.

    1. Na, wenn’s nur das ist (und nicht mei­ne manch­mal blei­wüs­ti­gen lan­gen lan­gen Tex­te, selt­sa­me Begrif­fe und der eine oder ande­re Tipp­feh­ler): RSS exis­tiert, ein Voll­text-Feed für mein Blog – ganz ohne Key­words (die da übri­gens vor allem ste­hen, um im Blog ähn­li­che Arti­kel auf­find­bar zu machen) – exis­tiert, und RSS-Rea­der exis­tie­ren auch. Wohl bekomm’s!

  2. P.S.: Auf eine etwas freund­li­cher for­mu­lier­te Bemer­kung zur Usa­bi­li­ty hät­te ich ver­mut­lich auch freund­li­cher reagiert. Nach wie vor wun­dert mich an der Kri­tik, dass sie für die Ein­zel­ar­ti­kel­an­sicht gar nicht zutrifft – da ste­hen die Tags näm­lich ganz unten.

  3. Ach, war doch freund­lich genug (höchs­tens war ich etwas rüde…).

    Für die Ein­zel­an­sicht trifft es natür­lich nicht zu, aber eben für die Über­sicht und das wirkt, zumin­dest auf mich, ziem­lich abschre­ckend – und erin­nert an die­se vie­len »Blogs«, die nur zum Klicks­fan­gen geschrie­ben wer­den und die einen nur ner­ven, wenn man über Gool­ge auf sie kommt. Aber der hier ist ja nicht so einer, da ist es obers­te Bürger‑, äh, Sur­fer­pflicht, mal den Fin­ger in die Wun­de zu legen ;-) … selbst wenn’s für die meis­ten Blog­le­ser gar kei­ne sein sollte.

    Viel­leicht kann man mit der Blog­soft­ware die Key­words (oder sind’s Kate­go­rien?) ja auch ver­ber­gen oder in der Über­sicht nach unten packen. Oder nur rechts auf­lis­ten oder ins Menü packen, dann kann man näm­lich draufkli­cken und sie erge­ben auch für den Leser einen Sinn.

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