Wie ich verlernte, Zeitung zu lesen, und warum die Wochenend-taz das nicht änderte

The newspaper

Seit meiner Schulzeit – vielleicht mit zwölf oder mit fünfzehn, so genau weiß ich das nicht mehr – habe ich regelmäßig Zeitung gelesen, bis auf den Sportteil täglich ziemlich komplett, teilweise fast mit einer gewissen Manie. Ich habe Dinge aus Zeitungen ausgeschnitten und Zeitungsausschnitte gesammelt. Auf die Wochenendausgaben habe ich mich immer besonders gefreut. Ich habe mir intensiv eine Meinung gebildet und Leserbriefe geschrieben.

Das ist heute anders. Oder geht es nur mir so?

In meinem Elternhaus gab es immer die Badische Zeitung, später meist auch die taz. Die taz war die Zeitung meiner Wahl, sie war die Zeitung, die ich nach dem Auszug aus dem Elternhaus als Student las und an der ich einen Genossenschaftsanteil kaufte. Sie war die Zeitung, die meine Partnerin und ich gemeinsam abonniert hatten. Nach der Trennung stand ich ohne Zeitung da, die nahm meine jetzige Ex-Partnerin mit – und blieb zunächst einmal (mal abgesehen von der wöchentlich erscheinenden Jungle World) in diesem Zustand.

I. Die virtuelle Patchworkzeitung

Das hat – neben anfangs auch finanziellen Fragen – vor allem mit zwei Dingen zu tun. Das eine ist die Online-Verfügbarkeit. Paywalldebatten hin oder her: Ein großer Teil wichtiger (gedruckter) Zeitungsartikel ist heute eben online frei – also werbefinanziert – verfügbar. Dazu kommen die Online-Texte, die das Angebot ergänzen. Ich lese regelmäßig die Online-Ausgabe der Badischen Zeitung, um über lokale Ereignisse informiert zu sein. Zumeist aber stoße ich via Twitter oder Facebook auf interessante Texte und lese diese auf dem Smartphone, auf dem Tablet und manchmal auch auf dem PC. Die Süddeutsche und die FAZ beispielsweise geraten – ebenso wie ZEIT online – so regelmäßig in meinen Browser, und auch Spiegel online existiert. Oder die großen internationalen, auch die lese ich häppchenweise gerne – von der NZZ bis zu Guardian und New York Times.

Was online bedeutet, ist bekannt: schnelle Verfügbarkeit, entsprechend aktuell sind die Nachrichten. Und letztlich ein personalisierter Zuschnitt »meiner« Tageszeitung – auf NutzerInnen-Seite, nicht auf der Seite der Verlage; das ist anders, als manche sich das mal gedacht haben! Und ich gebe es zu: Das ganze geschieht weitgehend im Modus der Kostenloskultur. Statt einer Tageszeitung lese ich also auf meinen Zugfahrten, auch mal im Büro oder bei allen möglichen Wartegelegenheiten auf dem Mobiltelefon eine Patchworkzeitung, bestehend aus den für mich interessantesten Artikeln aus ganz unterschiedlichen Quellen, zumeist von den etwa 800 Menschen ausgewählt und empfohlen, denen ich auf Twitter folge. Das ganze geschieht nicht auf einmal, als tägliches, routinisiertes Zeitungslesen, sondern als osmotisches Nachrichten- und Hintergrundbad, den ganzen Tag über. Ich fühle mich informiert.

Nebenbei bemerkt: Diese Texte sind mir um einiges wichtiger als die 15-Minuten-Wahrheit am Abend. Die Tagesschau habe ich erst schätzen gelernt, seit sie als Textnachrichtenangebot ins Netz und in ihre App gegangen ist. Dabei behandele ich sie wie andere Zeitungen auch. Wenn es interessant ist, lese ich gerne den einen oder anderen Kommentar und Bericht auf tagesschau.de (oder lokal dann bei SWR.de).

Wie überhaupt aus meiner persönlichen Sicht die Grenzen zwischen Tageszeitungen, Blogs, Wochenzeitungen und anderen Textquellen begonnen haben, zu verschwimmen. Klar macht es für mich einen Unterschied, ob ein Text aus dem Feuilleton der FAZ, aus deren Blogs, aus einem meiner Lieblingsblogs, aus einer linken Wochenzeitung oder von unsäglichen Quellen wie den »Mittelstandsnachrichten« stammt. Aber dieses Bewusstsein dafür, aus welchem Kontext der Text kommt, ändert nichts an meinen Lesegewohnheiten.

Und all diese Texte sind flüchtig. Manchmal kommt es vor, dass ich mich ein paar Tage später an ein »da war doch was« erinnere, und den einen Tweet mit dem Link noch einmal suche. Aber zumeist lese ich und lege den Text dann beiseite – oder schicke selbst eine Empfehlung, einen Retweet oder ähnliches. Nur in seltenen Fällen – meist dann, wenn es direkt beruflich etwas mit mir zu tun hat – maile ich mir online gelesene Artikel, um sie aufzubewahren.

Vielleicht wäre es anders, wenn ich noch ein Abo laufen hätte. Aber wenn ich mir anschaue, wie schnell sich ungelesene Zeitungen stapeln – auch die Jungle World lese ich seltener, als ich es eigentlich gerne möchte – glaube ich nicht, dass es so einen großartigen Unterschied machen würde. Ich würde die abonnierte Zeitung beim Frühstück oder beim Pendeln überfliegen, aber ich würde auch – dazu sage ich in Teil III. noch etwas – einen großen Teil der Artikel als bekannt oder uninteressant ungelesen beiseite legen, um dann nach vielleicht 20 Minuten die Zeitung ausgelesen zu haben.

Merry lettuce snails VII

II. Berufsrisiko Pressespiegel

Der zweite Grund dafür, warum ich verlernt habe, Zeitung zu lesen, ist ein berufliches Risiko. Als Parlamentarischer Berater habe ich das Privileg, den Pressespiegel des Landtags lesen zu können. Zudem hat die Fraktion nahezu alle baden-württembergischen Zeitungen abonniert, und unsere Pressestelle versorgt uns mit Tickermeldungen.

Ein Pressespiegel ist eine praktische Sache: Irgendwer sucht aus den großen Zeitungen die wichtigsten Meldungen und Kommentare zur Landespolitik aus, und jeden morgen um 9 Uhr weiß der ganze Landtag, was das Land denkt. So jedenfalls in der Theorie. Zumindest wird klar, wie die wichtigsten Zeitungen was kommentiert haben, wie Landtagsdebatten wahrgenommen worden sind, und wo Ungemach droht. Und es wird deutlich, welche Themen als dominant auftreten, und welche wenn überhaupt eine gewisse Randständigkeit mit sich bringen. Im Schnitt sind von den 50-60 Seiten Landtagspressespiegel vielleicht drei oder vier Artikel an jedem Tag direkt relevant für mich. Diese lese ich intensiv. Die meisten anderen überfliege ich, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie das Land »tickt«.

Pressespiegel und der dpa-Ticker für Baden-Württemberg sorgen – zusammen mit Twitter – dafür, dass die großen Nachrichten mir sehr schnell bekannt werden. Immer, wenn ich meine Mailbox aufmache, finde ich dort mindestens eine Handvoll Hinweise auf den dpa-Ticker – das meiste davon hat wiederum mehr mit Synchronisation und einer allgemeinen Einschätzung der politischen Stimmung zu tun als mit Hochschulpolitik oder Medien- und Netzpolitik.

Damit fühle ich mich extrem gut mit Informationen versorgt. Manches Mal sogar eher überversorgt. Ich habe gelernt, anhand der Überschriften und der ersten Sätze zu entscheiden, ob ich Artikel oder Tickertexte lese oder als für mich irrelevant ignoriere.

Fachlich kommt dann noch der eine oder andere Verteiler dazu – etwa einige Verteiler des idw-Dienstes für Wissenschaftsmeldungen – und damit ist die informationelle Grundversorgung dann mehr als gesichert.

III. Zeitungen neu erfinden?

Mit diesem Hintergrund ist die aktuelle Zeitung oft voll mit Schnee von gestern. Was interessant ist – aber das kriege ich online mit – sind bundesweite Entscheidungen, und insbesondere die Kommentierungen und Bewertungen. Die stehen dann aber auch im Pressespiegel. Oder eben das Lokale, sofern es noch einen tatkräftigen und recherchierenden Lokaljournalismus gibt.

Ein anderer Weg aus der Zeitungskrise scheint die Neuerfindung als Wochenendzeitung zu sein. Die taz behauptet seit einigen Ausgaben, sich neu erfunden zu haben, und hat auch ein Probe-Wochenendabo angeboten. Angesichts nostalgisch verklärter Vorstellungen des Sonntagsfrühstücks mit gemütlicher Zeitungslektüre (neben der taz ist auch die Gratis-Zeitung Der Sonntag bei uns ganz lesbar) habe ich dieses Probeabo abgeschlossen. Faktisch sieht mein Alltag am Wochenende aber anders aus – mit Kindergarten- und Schulkind ist das mit dem gemütlichen langen Sonntagsfrühstück als Einzelelternteil nicht so richtig optimal organisierbar. Und dann ist da ja noch die Konkurrenz zum gemütlichen Tablet, das ebenfalls viele spannende Texte bereithält.

Insofern ist meine erste Zwischenbilanz des Wochenendprobeabos die, dass mich die Wochenend-taz (offiziell »taz.am wochenende«) noch nicht wirklich wieder auf den Pfad des Zeitungskonnoisseur geführt hat. Und ich befürchte, dass das auch nicht so schnell geschehen wird. Einen Teil der Schuld tragen die oben dargestellten Entwicklungen. Dann gibt es das Thema »Geschichte wiederholt sich« – was vor zehn oder zwanzig Jahren noch aufregende Neuigkeiten waren, lässt sich heute schnell als mehr vom immergleichen schulterzuckend überlesen. Vielleicht hat sich auch die Meinungsmacht der taz verändert – es gibt einige Autoren, die ich definitiv nicht lesen kann.

Und schließlich bin ich auch noch nicht wirklich überzeugt vom Konzept der taz.am wochenende.

Dazu habe ich mir die letzte Ausgabe mal genauer angeschaut und zum – in letzter Zeit in diesem Blog beliebten – Instrument des Diagramms gegriffen.

Das erste Diagramm zeigt grob die Verteilung der Inhalte auf die 40 Seiten taz vom letzten Wochenende (ohne die Beilage Kontext: Wochenzeitung). Was als Hintergrund zu bewerten ist, mag dabei variieren – etwa bei der Besprechung politischer Bücher, die ich anders als die Besprechung von Filmen dieser Kategorie zugeordnet habe.

Sichtbar wird, das ein gutes Viertel des verfügbaren Platzes für die Bebilderung genutzt wird. Das ist zum Teil hübsch anzusehen, zum Teil wirkt es fast schon verschwenderisch. Werbung, Kleinanzeigen und Eigenwerbung (plus Impressumskasten etc.) machen nur etwa ein Sechstel der Zeitungsfläche aus – das ist relativ wenig. Der größte inhaltliche Anteil entfällt tatsächlich auf Hintergrundberichte und Kommentare, zusammen etwa ein Drittel der Ausgabe. Der Rest ist »Geplauder« und Service, Sport, die Wahrheits-Seite – und ein kleines bisschen Nachricht, die allerdings in der taz.am wochenende tatsächlich sehr knapp ausfällt.

Insofern passt die Verteilung der Texte schon zum Konzept, am Wochenende eher längere Stücke anzubieten. Das »Geplauder« (manches davon lese ich auch gerne, manche Produkttests etc. sind grenzwertig unnötig) macht weniger Anteil an der Zeitung aus, als ich das gefühlt vermutet hätte.

Der Blick auf die verschiedenen Kategorien ist das eine. Demnach müsste mir die taz gut gefallen und ich sie regelmäßig (am Wochenende) lesen. Wie sieht es mit der Relevanz aus? Dazu bin ich die Zeitung nochmal durchgegangen und habe für jede Seite einen Wert zwischen 0 (kannte ich schon, interessiert mich nicht) und 1 (superspannend, superwichtig, superschön) vergeben. Extrem subjektiv, aber vielleicht weiterführend.

Dabei kommt im Mittel dann ein Wert von 0,28 heraus. Einige Seiten (Sport, leere Titelseiten, Fernsehprogramm, Kleinanzeigen) landen bei 0,0. Interessant für mich sind letztlich vor allem zwei lange Texte: ein Portrait über den Umweltminister Peter Altmaier (wobei ich da das Gefühl hatte, dass das auch mindestens das fünfte Portrait ist, das die taz über ihn schreibt – oder vielleicht stand der Text schon online, und ich kannte ihn von daher) und ein längeres Interview mit dem Zeitforscher Karlheinz Geißler. Beide hatte ich mit 0,7 bewertet. Nice, aber nicht must have. Anderes (v.a. die hintergründigen Auslandstexte, aber auch das Stück über Altersheime und der Kommentar zur SPD) erscheint mir wichtig, interessiert mich aber ehrlich gesagt nicht. Und vieles ist entweder (für mich) belanglos (wenn auch, wie die Reihe der Portraits von LeserInnen, nett) oder (mir) bekannt (etwa der Text zu Nanotechnologie – für mich nichts Neues).

Die Kontext-Beilage hatte ich aus der Bewertung herausgenommen, die hätte aber gute Werte bekommen – naturgemäß allein schon deshalb, weil es Kontext um einen kritischen Blick auf die baden-württembergische bzw. Stuttgarter Landespolitik geht. Und der immer sinnvoll ist.

Vielleicht verlange ich ein bisschen viel von Zeitungen: Auch mich, den langjährigen Leser, sollen sie noch überraschen. Und zwar nicht nur da, wo es tatsächlich Neues gibt (und wo die Nachricht mich schon über Twitter und Ticker erreicht hat, und wo der schnell recherchierte Hintergrund oftmals doch oberflächlich bleiben muss), sondern sie sollen auch dem, was längst bekannt und immer wieder in den Zyklen der Mode kreisend zu finden ist, neue Aspekte und interessante Perspektiven abgewinnen. Dass das nicht einfach ist, kann ich gut nachvollziehen.

(Ähnlich ging es mir im Übrigen mit der brand eins – nach einigen Jahren hatte ich den Eindruck, nur noch die Wiederholung zu lesen und ließ es dann.)

IV. Persönliches Fazit

Bis zum Interview mit dem Zeitforscher wäre ich nicht vorgedrungen, wenn ich nicht systematisch die ganze taz durchgeblättet hätte. Auch wenn vorne groß das Thema »Zeit« anmoderiert wird. Die gemütliche, langsame Wochenendausgabe schneidet vermutlich nach »meinen« Kriterien besser als, als es eine Wochentagsausgabe täte. Aber da wie dort sind es eigentlich nur wenige Texte, die mich wirklich interessieren: ein paar Kommentare, ein paar Reportagen und Hintergrund-Stücke, die Artikel, die einen ganz konkreten Bezug zu meinem politischen Alltag haben – und das eine oder andere zufällig gefundene Juwel.

Mein soziales Netzwerk ist ein guter Filter, um genau diese Texte wahrzunehmen. Den Sportteil brauche ich nicht, das Fernsehprogramm nicht, und auch die Aktienkurse und Motorbeilagen anderer Zeitungen würden mich nicht interessieren. Vielleicht stehen die Texte, die mich ansprechen, irritieren, hintergründig informieren dann nicht alle in der taz (der ich durchaus auch auf Twitter folge), sondern auch in anderen Zeitungen. Oder eben in Blogs.

Sie fallen mir zu. Oder, wenn ich wirklich auf der Suche nach Informationen bin, kann ich anfangen, zu recherchieren und muss nicht warten, bis die Zeitung darüber schreibt. Ein großer Teil der Quellen ist demokratisiert worden und steht allen offen – von Parlamentsprotokollen über wissenschaftliche Bibliotheken und die in der Wikipedia kristallisierte Expertise bis hin zu den Archiven der Zeitungen selbst.

Das heißt auch: die alte Vision der »als Ganzes« personalisierten Zeitung (1998!), die tatsächliche Instanzierung meiner Patchwork-Zeitung – das ist nicht meines. Auch die entsprechenden Google-News-Dienste passen mir nicht, wenn schon, ist es eher der Google Reader, den es aber nun ja nicht mehr lange geben wird. Flip.it überzeugt mich bisher ebenfalls nicht.

Wie ist mein Leseverhalten nun zu bewerten? Aus individueller Sicht wäre der einzige Grund, vielleicht doch wieder eine Tageszeitung zu abonnieren, ein erzieherischer, meinen Kindern gegenüber. Aber dafür gibt es genug beschriebenes Papier in ihren Haushalten. Abgesehen davon brauche ich derzeit keine Zeitung auf Papier.

Medienpolitisch ist mein Zeitungsleseverhalten dagegen skandalös. Aber, was soll ich machen? Aus Solidarität täglich große Mengen Papier (oder diverse Megabyte) kaufen, die so oder so herumliegen, entsorgt werden müssen – und mich nur auf vielleicht zehn Prozent der Seiten wirklich interessieren? Einzele Artikel einzeln bezahlen (Flattr für taz-Texte scheint mir noch nicht wirklich mehr als eine Spielerei zu sein)? Eine Art Rundfunkgebühr, die dann an Printmedien verteilt wird? (Mal abgesehen von allen praktischen und verfassungsrechtlichen Problemen, die dieser Weg mit sich brächte?)

Ich hätte gerne eine Zeitung, die ich täglich oder wöchentlich tatsächlich lesen will. Bei der ich den Eindruck habe, dass sie zu einem großen Teil für mich relevant ist. Die Stachel enthält, aber auch Perlen. In Konkurrenz zum »best of« aus allen Blogs, Zeitungen und Zeitschriften kann derzeit keine bestehen. Ohne gibt es aber kein »best of« – das ist das Dilemma.

Warum blogge ich das? Weil ich überlege, ob ich zumindest das taz-Wochenendsabo weiterlaufen lassen soll. Aus individueller Sicht bringt es mir derzeit nicht viel, übergeordnete Motive sprechen dafür, es trotzdem zu tun. Wie geht ihr damit um?

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5 Kommentare zu Wie ich verlernte, Zeitung zu lesen, und warum die Wochenend-taz das nicht änderte

  1. blumentopf sagt:

    Hatte ab 2000 das Schwäbische Tagblatt im Abo, habe es ab 2009 dauerhaft pausieren lassen wegen Zeitmangel und weil die dümmlich-konservative Berichterstattung des Ulmer Mantelteils (Südwest-Presse) insbesondere zu Wirtschaftsthemen einfach nur noch genervt hat. Ich hatte seit Beginn der Finanzkrise Mitte 2007 begonnen, intensiv Blogs zum Thema zu lesen um zu verstehen was da vor sich geht. Wenn man merkt, dass in den Blogs Entwicklungen Monate im voraus diskutiert werden, die in der Zeitung dann erst im Nachhinein stehen, wird die Zeitung überflüssig. Der Einzige der das damals geschnallt hat war der Schirrmacher, der sich sofort den Blogger Thomas Strobl (weissgarnix.de, mittlerweile eingestellt) ins Feuilleton geholt hat.

    Ende April habe ich das Abo dann schweren Herzens ganz beendet. Just am gleichen Tag erschien ein Hammer-Artikel in der Kontext Wochenzeitung. Hätte das gar nicht erfahren wenn Boris Palmer den Link nicht auf Facebook gepostet hätte. Das hat mir bestätigt, dass mein Entschluss richtig war. Aus rein idealistischen Gründen ein Abo zu haben macht zumindest in diesem Fall keinen Sinn, weil das Geld nicht den Autoren zugute kommt sondern nur den Verlegern. Man würde ein System unterstützen, das ohnehin kaputt ist.

  2. Erbloggtes sagt:

    »Aber, was soll ich machen?«

    Aus medienpolitischen Gründen überflüssiges Papier kaufen kann’s ja nicht sein. Eine »Rundfunkgebühr« ist auch nichts, was man individuell machen kann. Bleibt Flattr. (Wobei das, wenn ich richtig informiert bin, das Rundfunkgebühr-Feature hat, dass man einen Monats-Betrag festlegt und der dann auf die Geflatterten verteilt wird?) Das ist auch die beste Option, um die Durchsetzung des »best-of«-Modells tatkräftig zu unterstützen.

    Falls das schlechte Gewissen der dann gekündigten taz gegenüber Dir keine Ruhe lässt, kannst Du auch weitere Anteile von denen kaufen und/oder das gesparte Geld regelmäßig im tazshop ausgeben. Das müsste man mal erfragen, ob der tazshop-Handel ebenso (un)rentabel ist wie das taz-«Kerngeschäft« Zeitungen.

  3. #Lesetip
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