Kurz: Das kann’s ja wohl nicht sein, Flickr! (P.S.: Workaround)

Flickr (gehört zu Yahoo, wie neuerdings auch Tumblr) hat gerade eben eine ganze Reihe von Neuigkeiten angekündigt. Die Ankündigung klingt grandios: mehr Speicher, schönere Darstellung, eine tolle Android-App. Letztere habe ich noch nicht ausprobiert, aber der Rest ist Frechheit.

1. Mehr Speicher für alle – ein Terabyte pro Account. Klingt super. Bis auf den klitzekleinen Umstand, dass es bisher freie Accounts (mit einer Begrenzung auf 100 oder 200 Fotos) und Pro-Accounts gab. Letztere waren vom Speicherplatz her unlimitiert, werbefrei – und kosteten etwa 25 $ pro Jahr. Ich habe das seit Jahren genutzt und war sehr zufrieden damit. Diese Pro-Accounts laufen jetzt aus. Jede/r bekommt genügend Speicherplatz für Unmengen an Fotos – aber dafür soll es auch Werbung geben. Gerade die Werbefreiheit war einer der großen Vorteile des Pro-Accounts. Das hat auch Yahoo erkannt. Für knapp 50$ gibt es in Zukunft den »ad free«-Account. Der kann alles, was der freie Account auch kann, nur das er keine Werbung zeigt. Anders gesagt: Wer Werbefreiheit möchte, zahlt doppelt so viel wie vorher! Und wer mehr als ein Terabyte an Fotos speichern möchte, zahlt mal eben 20 mal so viel wie vorher … [Nachtrag: Evtl. besteht für existierende Pro-User die Möglichkeit, für wie bisher 25$ das bisherige Angebot zu bekommen.]

2. Eine schönere Darstellung? Das sind Windows-8-Tiles. Vorher war Flickr schlicht und übersichtlich. In der Standardansicht. Daneben gab es die Möglichkeit, einzelne Fotos groß zu präsentieren. Jetzt wird ein endloser, jeden älteren Rechner lahm legender Strom an Fotos als »Kacheln« präsentiert. Ist gerade modern, ist aber absolut unpraktisch, um mit den Fotos zu arbeiten. Zum Beispiel, um auf einen Blick zu sehen, welches Foto wie oft aufgerufen wurde. Um sich einen schnellen Überblick zu verschaffen und durchzublättern. Gibt es nicht mehr. Dafür einen Proteststurm im Flickr-Forum.

Bisher war Flickr trotz aller Wirrnisse rund um das Thema Jugendschutz und trotz der Übernahme durch Yahoo vor einigen Jahren eine Plattform, die das Gefühl vermittelte, sich an Photo-EnthusiastInnen zu richten. Eine Gemeinschaft. Ich habe ungefähr 15.000 Fotos bei Flickr liegen; die meisten Fotos in diesem Blog sind live eingebunden. Das heißt, dass ein Wechsel weg von Flickr für mich mit extrem viel Aufwand verbunden wäre. Aber nach diesem Update fange ich ernsthaft an, darüber nachzudenken.

P.S.: Als Workaround, um das alte Design wieder zu haben, hilft es – wer weiß, wie lange? – ?details=1 an die URL dranzuhängen. Das sieht dann so aus wie hier gezeigt.

P.P.S.: Und nur der Vollständigkeit halber, es gibt auch viel positivere Stimmen – etwa die des langjährigen, prominenten Flickr-Users Thomas Hawk, der das Angebot von Flickr als »game changer« im positiven Sinne begreift.

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4 Kommentare zu Kurz: Das kann’s ja wohl nicht sein, Flickr! (P.S.: Workaround)

  1. @macava sagt:

    Interessant. Ich war allerdings nie Pro-User. RT @_tillwe_: Wut über das @Flickr-Update: http://t.co/u77Idyculi

  2. Robin sagt:

    ah, wunderbar. ich hatte nur die mail von flickr überflogen und mich gewundert was denn die negativen seiten all dieser tollen neuen versprechungen seien.

  3. Marks sagt:

    Als Nutzer eines Pro-Accounts blick ich da auch noch nicht ganz durch…. In meinen persönlichen Einstellungen ist derzeit noch vermerkt: »Sie haben einen Flickr Pro Account. Es wird am 11. September 2014 verlängert. «

    In den FAQs bei Flickr finde ich widerum diesen Hinweis zum Auslaufen der Pro-Accounts.

    Kann ich nun in 2014 nochmals (autom.) verlängern oder wird mein Pro-Account dann autom. in einen kostenlosen umgewandelt? Fragen über Fragen….

    • Till sagt:

      Hi, ist wohl so, dass alle, die jetzt noch Pro-Accounts haben, diese (möglicherweise) beliebig oft verlängern können (gegen die üblichen 25$). Sobald das nicht mehr getan wird, hört die Verlängerbarkeit auf, und es gibt mehr Speicherplatz, aber dafür Werbung (neuer »free account«).

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