Aus dem Hinterwald

Green before the storm V

Baden-Würt­tem­berg, ach je. Über die libe­ra­len Groß- und Uni­städ­te, die grü­ne Stär­ke und die vie­len span­nen­den Pro­jek­te auf dem Land gerät die die­sem Land inne­woh­nen­de Pro­vin­zia­li­tät leicht ins Ver­ges­sen. Und es ist eine dop­pel­te Pro­vin­zia­li­tät, die nicht nur aus dem tie­fen länd­li­chen Raum gespeist wird, son­dern eben­so etwas mit der vor allem im würt­tem­ber­gi­schen Lan­des­teil weit zurück­rei­chen­den pie­tis­ti­schen Tra­di­ti­on zu tun hat. Die Orte, in denen 60 bis 70 Pro­zent der Bevöl­ke­rung CDU oder schlim­me­res wäh­len: klar gibt es die weiterhin. 

Das fällt viel­leicht nicht auf den ers­ten Blick auf, weil es auch dort hübsch modern aus­sieht, inklu­si­ve Pho­to­vol­ta­ik-Anla­ge auf den pro­per reno­vier­ten Häus­chen (lohnt sich schließ­lich). Aber das sind Äußer­lich­kei­ten. Sobald es dar­um geht, was »nor­mal« ist, und was nicht, wird es fins­ter. Bes­ter Beleg dafür sind die gera­de hoch­ko­chen­den Debat­ten um die Auf­nah­me der Akzep­tanz unter­schied­li­cher Lebens­for­men (ja, inklu­si­ve sexu­el­ler Viel­falt) in den Bil­dungs­plan 2015 (Leit­prin­zi­pi­en hier als PDF abruf­bar; dazu gene­rel­le Infor­ma­tio­nen zur Reform).

Bei der lau­fen­den baden-würt­tem­ber­gi­schen Bil­dungs­plan­re­form wer­den eini­ge Fächer neu struk­tu­riert, zudem kom­men fünf über­ge­ord­ne­te Leit­prin­zi­pi­en hin­zu, näm­lich Bil­dung für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung, Medi­en­bil­dung, Ver­brau­cher­bil­dung, Prä­ven­ti­on und Gesund­heits­för­de­rung sowie Beruf­li­che Ori­en­tie­rung. Die­se sol­len über das gan­ze Schul­le­ben hin­weg in unter­schied­li­chen For­men in den ver­schie­de­nen Fächern immer wie­der auf­tau­chen. Ergänzt wer­den die­se fünf Leit­prin­zi­pi­en jeweils um das The­ma »Akzep­tanz sexu­el­ler Viel­falt«. Mir ist, neben­bei gesagt, nicht ganz klar, war­um die sexu­el­le Viel­falt auf die­sem Weg Ein­gang in die Leit­prin­zi­pi­en fin­det und nicht als eige­nes The­ma (»Diver­si­tät«?) auf Augen­hö­he zu Nach­hal­tig­keit, Medi­en­bil­dung usw. durch­struk­tu­riert wurde. 

Falls es die Inten­ti­on hin­ter die­ser Anord­nung der The­men war, die Akzep­tanz sexu­el­ler Viel­falt mit Blick auf die im Land exis­tie­ren­de Pro­vin­zia­li­tät ein biss­chen zu ver­ste­cken, dann ist das defi­ni­tiv nicht gelun­gen. Mög­li­cher­wei­se wäre hier von vor­ne­her­ein ein offen­si­ve­rer Ansatz bes­ser gewe­sen. Aber nun ist es, wie es ist. Immer­hin ver­tei­di­gen bei­de Regie­rungs­frak­tio­nen eben­so wie Kul­tus­mi­nis­ter Stoch ganz klar die Auf­nah­me der Akzep­tanz sexu­el­ler Viel­falt in die Leit­prin­zi­pi­en des Bil­dungs­plans. Mei­ne Befürch­tung, dass eini­ge in der Regie­rung sich hier von den Kir­chen (sie­he dazu auch Ant­je Schrupp) ins Bock­horn jagen las­sen könn­ten, scheint sich glück­li­cher­wei­se nicht zu bestä­ti­gen. Was nicht selbst­ver­ständ­lich ist, schließ­lich ist die Lan­des­ver­fas­sung lei­der alles ande­re als reli­gi­ös neu­tral, und dass der Minis­ter­prä­si­dent ein akti­ver Katho­lik ist, ist auch kein Geheimnis.

Ich fin­de ja, dass die Posi­tio­nie­rung der Kir­chen in die­ser Debat­te eigent­lich ein guter Grund wäre, noch ein­mal über das Fach Ethik in Baden-Würt­tem­berg nach­zu­den­ken. Zwar steht dazu eini­ges im Koali­ti­ons­ver­trag, die Aus­wei­tung des Ethik­un­ter­richts ist aber ein Vor­ha­ben mit nied­ri­ger Prio­ri­tät und wird ver­mut­lich in die­ser Legis­la­tur­pe­ri­ode nicht mehr in Angriff genom­men. Was ich bedau­er­lich fin­de – gera­de wenn die katho­li­schen und evan­ge­li­schen Lan­des­kir­chen mal wie­der mei­nen, die Leit­li­ni­en des­sen bestim­men zu kön­nen, was Wer­te­bil­dung heißt.

Womit wir end­gül­tig bei der Peti­ti­on wären, die die Debat­te aus­ge­löst hat. Sie kommt aus rechts-evan­ge­li­ka­len Krei­sen, und ist in ihrem Geist klar homo­phob. In gera­de­zu vor­bild­lich bigot­ter Wei­se heißt es dort nach eini­gen schö­nen Wor­ten zum The­ma Dis­kri­mi­nie­rung unter anderem:

In »Ver­an­ke­rung der Leit­prin­zi­pi­en« fehlt die ethi­sche Refle­xi­on der nega­ti­ven Begleit­erschei­nun­gen eines LSBT­TIQ-Lebens­stils, wie die höhe­re Sui­zid­ge­fähr­dung unter homo­se­xu­el­len Jugend­li­chen, die erhöh­te Anfäl­lig­keit für Alko­hol und Dro­gen, die auf­fäl­lig hohe HIV-Infek­ti­ons­ra­te bei homo­se­xu­el­len Män­nern, wie sie jüngst das Robert-Koch-Insti­tut ver­öf­fent­lich­te, die deut­lich gerin­ge­re Lebens­er­war­tung homo- und bise­xu­el­ler Män­ner, das aus­ge­präg­te Risi­ko psy­chi­scher Erkran­kun­gen bei homo­se­xu­ell leben­den Frau­en und Männern. 

Im Klar­text bedeu­ten die oben zitier­ten Sät­ze: In den Schu­len soll vor Homo- und Bise­xua­li­tät gewarnt wer­den, weil das ja Lebens­stil­ent­schei­dun­gen wären, die nega­ti­ve Kon­se­quen­zen nach sich zie­hen. Das igno­riert nicht nur, dass es eben nicht um Lebens­stil­ent­schei­dun­gen geht, son­dern um vor­han­de­ne sexu­el­le Ori­en­tie­run­gen. Zudem scheint den Unter­stüt­ze­rIn­nen die­ser Peti­ti­on nicht in den Sinn zu kom­men, dass die von ihnen auf­ge­führ­ten Pro­ble­me mög­li­cher­wei­se etwas damit zu tun haben, dass nicht der kirch­li­chen Norm ent­spre­chen­de Lebens­for­men bis heu­te gesell­schaft­lich nicht akzep­tiert sind. Ent­sprecht ent­fällt auch der nahe­lie­gen­de logi­sche Schluss, dass ja z.B. die Schu­le als wich­ti­ger Sozia­li­sa­ti­ons­ort zur Akzep­tanz der Viel­falt sexu­el­ler Ori­en­tie­run­gen bei­tra­gen könnte. 

Wäh­rend die Peti­ti­on selbst noch ver­sucht, sich als harm­los dar­zu­stel­len, kommt in den Argu­men­ten der Unter­stüt­ze­rIn­nen der homo­pho­be Klar­text zum Vor­schein – Akzep­tanz für die Viel­falt sexu­el­ler Ori­en­tie­run­gen wird mit einer »Umer­zie­hung zu Les­ben und Schwu­len« gleich­ge­setzt, es ist von »Gesell­schafts­zer­set­zung«. Nur »Fami­li­en aus Mann, Frau und Kin­dern« wer­den akzep­tiert, zudem wird ver­mu­tet, dass die Auf­nah­me sexu­el­ler Viel­falt in die Bil­dungs­plä­ne zur früh­zei­ti­gen sexu­el­len Ver­füh­rung der Kin­der füh­re. All das ger­ne auch nach dem Mus­ter »Ich bin nicht homo­phob, aber …«. 

Bei die­sen Kom­men­ta­ren kann einem tat­säch­lich Angst und Ban­ge um das baden-würt­tem­ber­gi­sche Abend­land wer­den. Anders gesagt: Was eini­ge hier an Beden­ken äußern, macht doch deut­lich, wie tief Vor­ur­tei­le und Ängs­te sit­zen. Es fin­det kei­ne Aus­ein­an­der­set­zung damit statt, was in den Leit­prin­zi­pi­en tat­säch­lich gefor­dert wird. Viel­mehr wird ein sehr schrä­ges Bild von Schwu­len, Les­ben, Trans- und Inter­se­xu­el­len auf den Bil­dungs­plan projiziert. 

Und was macht die Oppo­si­ti­on? Dass die CDU Ver­ständ­nis für die­se Peti­ti­on äußert, ver­wun­dert nicht. Es gibt durch­aus CDU-Abge­ord­ne­te im Land­tag, die ganz ähn­li­che Posi­tio­nen ver­tre­ten. Aber dass auch die FDP – zumin­dest in Form des Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den Rül­ke – sich auf die­se Sei­te stellt, irri­tiert. Das passt zu Rül­ke – aber eben nicht zu einem libe­ra­len Men­schen­bild. Immer­hin schei­nen Tei­le der FDP das anders zu sehen. Wer sich da am Ende durch­setzt, bleibt abzu­war­ten. Im Land­tag, an den die Peti­ti­on sich ja rich­tet, scheint die FDP der­zeit jeden­falls auf der Sei­te derer zu ste­hen, die die Akzep­tanz unter­schied­li­cher Lebens­for­men für gesell­schafts­zer­set­zend halten.

Was tun? Inzwi­schen – nach der Win­ter­pau­se des baden-würt­tem­ber­gi­schen Poli­tik­be­triebs – hat die Peti­ti­on ja eini­ges an media­ler Auf­merk­sam­keit erfah­ren. (Nele Tabler hat­te bereits Ende Dezem­ber dar­auf hin­ge­wie­sen, aber da lag das Land im Win­ter­schlaf). Über­wie­gend gab es in den Medi­en deut­li­che Kri­tik an der Peti­ti­on. Zumin­dest die jour­na­lis­ti­sche Öffent­lich­keit scheint auch in Baden-Würt­tem­berg wei­ter zu sein. Ent­schie­den wird letzt­lich im Land­tag und in der Lan­des­re­gie­rung. Ich hof­fe auf Standhaftigkeit.

Und dann gibt es noch die Gegen­pe­ti­ti­on, seit weni­gen Tagen online, und seit­dem auf über 35.000 Unter­zeich­ne­rIn­nen gekom­men. Man­che hal­ten das für kei­ne gute Idee, ins­be­son­de­re nicht auf der sel­ben Platt­form openpetition.de, auf der auch die durch­aus men­schen­ver­ach­tend zu nen­nen­de Peti­ti­on gestar­tet wur­de. (Inzwi­schen läuft dort übri­gens auch eine mit dem Ziel, Bünd­nis 90/​Die Grü­nen zu ver­bie­ten – unter­stützt von allem, was Rang und Namen zwi­schen Deut­schem Reich, Frei­geld und Ver­schwö­rungs­theo­rie hat …). 

Ich habe die Gegen­pe­ti­ti­on trotz gewis­ser Beden­ken unter­zeich­net (und dabei fest­ge­stellt, dass openpetion.de nicht wirk­lich gut dar­an ist, Orte und Bun­des­län­der ein­an­der zuz­ord­nen). Ich habe sie unter­zeich­net, weil auch die Gegen­pe­ti­ti­on im Licht der Öffent­lich­keit steht, und eine gro­ße Zahl an Unter­stüt­ze­rIn­nen ein­fach ein deut­li­ches Zei­chen dafür setzt, dass Baden-Würt­tem­berg wei­ter ist, als ich es in den ers­ten Absät­zen oben skiz­ziert habe. Ob das der rich­ti­ge Weg ist, mag jede und jeder für sich selbst entscheiden.

Letzt­lich zeigt die Debat­te um die Auf­nah­me der Akzep­tanz der viel­fäl­ti­gen sexu­el­len Ori­en­tie­run­gen, dass Baden-Würt­tem­berg ein Land ist, in dem rechts­kon­ser­va­ti­ve Posi­tio­nen noch immer auf ein star­kes Echo sto­ßen und schein­bar domi­nie­ren. Ich bin über­zeugt davon, dass vie­le Men­schen im Land – auch auf dem Land – in ihren Hal­tun­gen im 21. Jahr­hun­dert ange­kom­men sind, sich aber oft nicht trau­en, offen dazu zu ste­hen. Was rich­tig und falsch ist, was nor­mal und was abar­tig zu sein hat, das ist – gera­de auf dem Land – lei­der all­zu­oft son­nen­klar und selbst­ver­ständ­lich. Zu einer ande­ren Hal­tung auch zu ste­hen, erfor­dert Mut. Umso wich­ti­ger ist es, dass Grün-Rot die­sen Men­schen einen Anknüp­fungs­punkt bie­tet. Es geht nicht dar­um, eine bestimm­te Ideo­lo­gie durch­zu­set­zen – aber dar­um, Raum zur Ent­fal­tung auch da zu schaf­fen, wo bis­her die vor­herr­schen­de Ideo­lo­gie dies ver­wehrt. Und das ist ein wich­ti­ger Moder­ni­sie­rungs­auf­trag für Grün-Rot.

Gleich­zei­tig erklärt die Mei­nungs­füh­rer­schaft der Kon­ser­va­ti­ven an vie­len Orten in Baden-Würt­tem­berg mög­li­cher­wei­se auch das für Men­schen aus ande­ren Bun­des­län­dern oft lang­sam und wenig mutig erschei­nen­de Vor­ge­hen der Lan­des­re­gie­rung. Das Bild vom Tan­ker, der gewen­det wird, was eben sei­ne Zeit braucht, gilt auch hier. Was aus Ber­li­ner Sicht ein klei­ner Schritt ist, mag an man­chem Ort im Schwarz­wald oder auf der Schwä­bi­schen Alb ein fast schon revo­lu­tio­nä­rer Sprung sein. Das Mot­to der »Bür­ger­re­gie­rung« bedeu­tet eben auch, die Men­schen mit­zu­neh­men. Nicht über­stürzt, aber stand­haft. Das ist das Para­dox, in dem der Wan­del in Baden-Würt­tem­berg gestal­tet wer­den kann.

War­um blog­ge ich das? Um ein paar der Gedan­ken zu #idpet etc., die ich mir in den letz­ten Tagen gemacht habe, mal zusam­men auf­zu­schrei­ben. Inter­es­sie­ren wür­de mich aber auch, ob mein Bild vom Land, wie es hier durch­scheint, zu schwarz gefärbt ist.

19 Antworten auf „Aus dem Hinterwald“

  1. Es ist nun­mal so, daß unter dem Deck­man­tel der Reli­gi­on men­schen­ver­ach­ten­de Homo­pho­bie gepflegt wird. Nicht umsonst kommt die­se Peti­ti­on von einem evan­ge­li­ka­len Leh­rer. Evan­ge­li­ka­le Krei­se stu­fen Homo­se­xua­li­tät als frei­wil­lig gewähl­ten Lebens­stil ein und ver­wei­gern sich der Erkennt­nis, daß es sich dabei um eine Ver­an­la­gung handelt.
    Erfreu­li­cher­wei­se gibt es aber auch eine stark wach­sen­de Gegen­pe­ti­ti­on, die nach drei Tagen bereits 37.000 Unter­zeich­ner hat.
    Ich wür­de mir wün­schen, daß der Bun­des­nach­rich­ten­dienst ein­mal die­se evan­ge­li­ka­len Krei­se genau­er unter die Lupe nimmt, denn wer ein 3000 Jah­re altes Buch mit selt­sa­men und wider­sprüch­li­chen Inhal­ten über eine demo­kra­tisch ent­stan­de­ne Ver­fas­sung mit ihren Grund­rech­ten stellt, bei dem ist anzu­zwei­feln, ob er noch auf dem Boden die­ses Grund­ge­set­zes steht. Und noch frag­wür­di­ger ist, ob er im Staats­dienst auf Schü­ler los­ge­las­sen wer­den darf.

  2. Der ent­schei­den­de gute Satz steht am Ende: »Nicht über­stürzt, aber stand­haft.« – Ein wenig Unge­duld ist aller­dings schon ver­ständ­lich, denn es gibt doch eini­ge, die den Weg in eine offe­ne Gesell­schaft bewusst ver­wei­gern. Wenn man das War­ten auf die­se auch mit »nichts über­stür­zen« begrün­den wür­de, hät­te sie bereits gewon­nen. Ein wenig Mut nach vor­ne muss also bei allem »Nicht über­stürzt, aber stand­haft.« schon sein.

  3. Also ich muss sagen, dass die Grü­nen in Deutsch­land zwar viel gutes bewirkt haben, aber gesell­schafts­po­li­tisch lei­der nach wie vor total dane­ben lie­gen. Ich las­se jedem sei­nen Lebens­stil und »Du schwu­le Sau« habe ich noch nie gesagt, aber ich will es ehr­lich gesagt auch nicht, dass mei­nen Kin­dern Homo­se­xua­li­tät als »nor­mal« und mei­net­we­gen »nach­ah­mens­wert« ver­kauft wird. Daher habe ich auch schon mehr­mals Grün gewählt, die Peti­ti­on gegen die neu­en Richt­li­ni­en aber auch unter­schrie­ben. Und den Grü­nen, kann ich nur emp­feh­len, dass die­se sich gesell­schafts­po­lisch zurück­hal­ten, ansons­ten wer­den die­se auch in Baden-Würt­tem­berg sehr schnell auf den har­ten Boden der Beliebt­heit bei den Wäh­lern zurück­ge­wor­fen werden.

    1. Sehr geehr­ter Herr Nym, mög­li­cher­wei­se liegt eine Ver­wechs­lung vor – zwi­schen »Lebens­stil« und »sexu­el­ler Ori­en­tie­rung«. Was genau stört Sie dar­an, wenn in Schu­len Auf­klä­rung und Tole­ranz auch in Bezug auf Schwu­le und Les­ben vor­kom­men soll?

    2. Das mit dem Nach­ah­mens­wert habe ich jetzt nicht ver­stan­den, da muss ich noch­mal nach­fra­gen. Wie soll das gehen? Kind hört über Homo­se­xua­li­tät in der Schu­le und denkt sich: »Ei sub­ba, das pro­bier ich auch mal aus.« Und dann ist das Kind drei Wochen spä­ter les­bisch oder schwul. So in etwa? Funk­tio­niert das umge­dreht auch? Muss ich jetzt anneh­men, dass ich in all den Schul­stun­den gefehlt habe, wo es in Gesell­schafts­kun­de um Mama+Papa+Kind ging; ich die Mathe­auf­ga­ben nicht gelöst habe, wo Mama und Papa als Bei­spie­le her­hiel­ten und ich in Bio­lo­gie bei mensch­li­cher Fort­pflan­zung geschwänzt habe? Kann man das nach­ho­len? Wie? Wer­de ich jetzt Hete­ro, wenn ich mir nur lang genug das Mädel auf BILD Sei­te 1 anschaue? Oder brauchts da schon den Gang in die P18 Sek­ti­on der ört­li­chen Videothek?
      Wie bit­te soll etwas nach­ge­ahmt wer­den, was nicht nach­ge­ahmt wer­den kann, weil es natür­lich zur jeden ein­zel­nen Per­son gehört? Oder anders gefragt: An wel­chem Punkt in ihrem Leben haben sie ange­fan­gen, hete­ro­se­xu­el­les Ver­hal­ten nachzuahmen?

      1. Dann sag ichs deut­li­cher: Es ist zunächst mal Ihre höchst­per­sön­li­che Ent­schei­dung, wenn Sie ein in mei­nen Augen sozi­al­schäd­li­ches und ekel­haf­tes Sexu­al­le­ben haben wol­len. Aber ver­lan­gen Sie von ande­ren nicht, dass die­se das als »nor­mal« und »gut« emp­fin­den und ver­lan­gen Sie schon gar nicht, dass deren Kin­der ent­spre­chend umer­zo­gen wer­den. Ich ver­lan­ge von Ihren Kin­dern ja auch nicht, dass die­se Dro­gen gut fin­den sollen.

        1. Sozi­al­schäd­li­ches Sexu­al­ver­hal­ten? Ehr­lich jetzt? Sie haben nur Sex, wenn Sie sich ver­meh­ren wol­len? Cha­peau. Hochachtung.

          Und nein: Ich erwar­te nicht, dass sie mein Leben und mei­ne sexu­el­le Ori­en­tie­rung nor­mal und gut emp­fin­den. Was sie emp­fin­den, ist mir gelin­de gesagt von gan­zem Her­zen wursch­te­gal. Ich erwar­te, dass sie sie akzep­tie­ren; dass sie akzep­tie­ren, dass für LSBTTI die glei­chen Rech­te gel­ten, wie für alle ande­ren auch.

  4. Die sexu­el­le Ori­en­tie­rung wür­de ich schon auch als Teil des Lebens­stils sehen. 

    Ich gehe jetzt ein­fach mal von mir aus. Mir ist die sexu­el­le Ori­en­tie­rung zunächst mal egal. Ich tole­rie­re das. Aber ich hei­ße das nicht gut. Sei es aus reli­giö­sen Grün­den oder auch aus gesell­schafts­po­li­ti­schen Grün­den. Letzt­end­lich muss das jeder sel­ber wis­sen, was er gut fin­det und was nicht – aber trotz­dem gibt es Lebens­sti­le, die ich nicht gut fin­de und bei denen ich wüsche, dass die­se mei­nen Kin­dern auch nicht als »gut« ver­kauft werden.

    1. Ach ja. Und mit Beschimp­fun­gen »Hin­ter­wäl­der« wer­den Sie mit Sicher­heit kei­ne Ver­bes­se­rung für die Homo­se­xu­el­len und Ihre Wahl­er­geb­nis­se erhal­ten. Sie kön­nens auch unter dem Gesichts­punkt sehen: Ist es pro­du­kiv oder ist es kon­tra­pro­duk­tiv für die Sache der Grü­nen, was Sie da machen. Ant­wort: Es ist sehr kon­tra­pro­duk­tiv. Denn allein nur mit den Lin­ken, den Athe­is­ten und den Homo­se­xu­el­len wer­den die Grü­nen zur 5% Par­tei mutieren.

      1. Und noch etwas: Sie for­dern zurecht Tole­ranz ein und bezeich­nen gesell­schafts­po­li­tisch anders­den­ken­de als »Hin­ter­wäl­der«. Das ist höchst intolerant.

    2. Wie gesagt, da liegt ein Miss­ver­ständ­nis vor. Sexu­el­le Ori­en­tie­rung ist kein Lebens­stil. Infor­mie­ren Sie sich. 

      (Und zu den Kom­men­ta­ren bzgl. »Hin­ter­wäld­ler« – manch­mal mag ich in mei­nem Blog auch Iro­nie. Manch­mal sogar Selbstironie.)

  5. Es bringt der Gesell­schaft im gan­zen m.E. nichts, wenn Sie Spass am Sex haben. Wenn aller­dings ein Kind gezeugt wur­de, bringt das der Gesell­schaft sehr viel, zunächst mal egal, obs Spass gemacht hat oder nicht. Ich wüss­te im Übri­gen nicht, wel­che nen­nens­wer­ten Rech­te Ihnen vor­ent­hal­ten werden.

    1. Ich fas­se (mal abge­se­hen von der unfass­ba­ren Aus­sa­ge zu den vor­ent­hal­te­nen Rech­ten) mal zusam­men: Wer Spaß an Sex haben will, soll­te Ihrer Mei­nung nach auch bereit sein, Ver­an­wor­tung für ein Kind zu über­neh­men. Logisch folgt dar­aus, dass Sie Ihren Unmut über den Kampf gegen Homo­pho­bie sofort ein­stel­len wür­den, wenn schwu­le bzw. les­bi­sche Paa­re in nen­nens­wer­tem Umfang Kin­der groß­zie­hen wür­den – ob adop­tiert oder auf ande­ren Wegen in die­se Part­ner­schaf­ten gekom­men, sei dahingestellt?

  6. Gesen­det: Diens­tag, 4. Febru­ar 2014 23:20
    An: STUTTGART.PP
    Betreff: Abbruch der Demons­tra­ti­on von Geg­nern des neu­en Bil­dungs­pla­nes letz­ten Samstag

    Sehr geehr­te Damen und Herren,

    gera­de im Moment lese ich eini­ge Berich­te zur Demons­tra­ti­on letz­ten Sams­tag. Ich woll­te bei Ihnen nach­fra­gen, wes­halb das grund­ge­setz­lich gewäh­leis­te­te Demons­tra­ti­ons­recht nicht gegen die Chao­ten durch­ge­setzt wor­den ist. Des Wei­te­ren habe ich Bil­der gese­hen, bei denen Trans­pa­ren­te von Demons­tran­ten von Gegen­de­mons­tra­ten zer­stört wor­den sind – letzt­end­lich unter den Augen Ihrer Beam­ten. Es wur­den ein­deu­tig Sach­be­schä­di­gun­gen began­gen. Ich woll­te nun nach­fra­gen, ob die­se Sach­be­schä­di­gun­gen ver­folgt wer­den oder ob es eine Kas­te in Deutsch­land gibt, die qua­si kraft sexu­el­ler Aus­rich­tung hier­zu berech­tigt ist.

    Mit freund­li­chen Grüßen

    1. Am 06.02.2014 10:07, schrieb STUTTGART.PP.VW.REDAS:
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      >
      > Sehr geehr­ter Herr ,
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      >
      > Ihre E‑Mail vom 4. Febru­ar 2014 ist beim Poli­zei­prä­si­di­um Stutt­gart eingegangen.
      >
      >
      >
      > Bit­te haben Sie dafür Ver­ständ­nis, dass der Sach­ver­halt erst recher­chiert wer­den muss, bevor die Ange­le­gen­heit abschlie­ßend bewer­tet wer­den kann. Hier­für kann es z. T. auch erfor­der­lich sein, meh­re­re Stel­len einzubinden.
      >
      >
      >
      > Bis dahin bit­te wir Sie um Geduld. In jedem Fall wer­den Sie über das Ergeb­nis der Unter­su­chung so bald als mög­lich infor­miert werden.
      >
      >
      >
      > Wir ver­sen­den kei­ne Beschei­de per E‑Mail. Aus die­sem Grund bit­ten wir Sie, uns Ihre Post­an­schrift zuzusenden.
      >
      >
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      >
      >
      > Mit freund­li­chen Grüßen
      >
      >
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      >
      >
      >
      >
      > Poli­zei­prä­si­di­um Stuttgart

      1. Sehr geehr­te Damen und Herren,

        ich möch­te noch­mals auf mei­ne Mail vom 4. Febru­ar ver­wei­sen und auf mei­nen Hin­weis, dass von mei­ner Sei­te nichts gegen eine Ant­wort per E‑Mail spricht. Ich fra­ge mich in der Zwi­schen­zeit, wo denn das Pro­blem bei mei­nen Fra­gen lie­gen könn­te und wor­an es liegt, dass deren Beant­wor­tung so lan­ge dauert.

        Noch­mals mei­ne Briefadresse:

        Mfg

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