Der langsame Pendelschlag des Zeitgeists

Was haben digi­ta­le Demo­kra­tie, fahr­schein­lo­ser Nah­ver­kehr, das bedin­gungs­lo­se Grund­ein­kom­men und Umsonst­lä­den gemein­sam? All das sind Ideen, die schon ein­mal popu­lär waren. Und die­se vier sozia­len Erfin­dun­gen, um einen Begriff von Robert Jungk zu gebrau­chen, sind sicher­lich nicht die ein­zi­gen radi­ka­len For­de­run­gen, die in den letz­ten Jah­ren wie­der­ent­deckt oder neu erfun­den wer­den. Und zwar nicht im Span­nungs­feld von Far­ce und Tragödie.

Vor eini­ger Zeit habe ich die Pira­ten­par­tei – als Bewe­gung ver­stan­den – mit den dama­li­gen neu­en sozia­len Bewe­gun­gen der 1970er Jah­re ver­gli­chen und eine gan­ze Rei­he – ober­fläch­li­cher? – Ähn­lich­kei­ten gefun­den. Die Wie­der­gän­ger der radi­ka­len Ideen, aber auch der Cha­rak­ter der Pira­ten als einer gesell­schaft­li­chen Par­ti­zi­pa­ti­ons­be­we­gung wirft für mich die Fra­ge auf, was hin­ter die­sem peri­odi­schen Wie­der­auf­le­ben steckt, für das sich ver­mut­lich noch vie­le wei­te­re Bei­spie­le fin­den las­sen wür­den. Sei es Occu­py und die sozia­le Revol­te der 1960er, viel­leicht auch der Natur­schutz- und Öko­ge­dan­ke, der eben­falls in Wel­len­be­we­gun­gen immer wie­der auftaucht. 

Klar ist jeden­falls: linea­rer Fort­schritt ist das nicht. Eher schon eine zykli­sche Bewe­gung, ein lang­sa­mer Pen­del­schlag des Zeit­geists zwi­schen einem gesell­schaft­lich-soli­da­ri­schen und einem ego­zen­trisch-eigen­nüt­zi­gen Pol. Das ist jeden­falls das Bild, das mir aktu­ell am pas­sends­ten erscheint.* Sobald eine Denk­rich­tung gesell­schaft­lich mas­siv domi­nant wird – die neo­li­be­ra­len 1980er Jah­re Rea­gans, That­chers und Kohls, geis­tig-sozi­al gewen­det – beginnt es zu rumo­ren, fan­gen Gegen­be­we­gun­gen an, an Gewicht zu gewin­nen. Das Bild des Pen­del­schlags hat aller­dings den Nach­teil, Asso­zia­tio­nen zu einem har­mo­ni­schen, Yin und Yang zusam­men­füh­ren­den Kreis­lauf der Extre­me zu wecken. Ober­fläch­lich gibt es zudem Ähn­lich­kei­ten zum Sim­mel­schen Mode­be­griff (Sim­mel 1885, vgl. Gro­now 1993), zum ste­ten Wech­sel von lang und kurz, bunt und grau, ange­trie­ben durch den Motor der Abgren­zung. Anders als die Fra­ge der Haar- und Rock­län­ge geht es bei die­sem Pen­del­schlag hier jedoch um Substanzielleres.

Ich will also weder Har­mo­nie noch Ober­fläch­lich­keit sug­ge­rie­ren. Die Pen­del­be­we­gun­gen, die alte Ideen neu her­vor­brin­gen, sind, aus einer ande­ren Per­spek­ti­ve betrach­tet, immer hef­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zun­gen um Dis­kur­s­ho­hei­ten und gesell­schaft­lich domi­nan­te Ideen. Sie sind sozia­le Kämp­fe. Viel­leicht haben sie auch etwas mit den lan­gen Inno­va­tions- und Kon­junk­tur­wel­len zu tun, die die öko­no­mi­sche Situa­ti­on der Gesell­schaft prä­gen (vgl. Huber 1988).

Ob es die­se Pen­del­be­we­gun­gen tat­säch­lich gibt, ob es ande­re Grün­de für das Neu­ent­de­cken bestimm­ter sozia­ler Erfin­dun­gen gibt, oder ob der gan­ze Ein­druck, der sich mir auf­drängt, nur ein Arte­fakt mei­nes sub­jek­ti­ven Bli­ckes ist, in dem ich Din­ge bün­de­le, die nichts mit­ein­an­der zu tun haben, kann ich an die­sem Punkt nicht letzt­gül­tig entscheiden. 

Ver­bun­den damit ist die Fra­ge danach, war­um sich die­se immer wie­der auf­tau­chen­den sozia­len Inven­tio­nen und Inno­va­tio­nen letzt­lich nicht durch­set­zen. Um über die­se Fra­ge nach­zu­den­ken, erscheint es mir hilf­reich, kurz auf die vier ein­gangs genann­ten Bei­spie­le einzugehen.

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Bei­spiel 1 – Umsonst­lä­den – der erstaun­lich umfang­rei­che Wiki­pe­dia-Bei­trag zu Umsonst­lä­den beschreibt die­se als

[…] pri­va­tes, sozi­al oder poli­tisch moti­vier­tes Pro­jekt, wo neue oder gebrauch­te Gegen­stän­de zur kos­ten­lo­sen Mit­nah­me bereit­ge­stellt sowie tausch­frei mit­ge­nom­men wer­den können. 

Dahin­ter steckt eine theo­re­ti­sche und hier prak­tisch gewor­de­ne Debat­te um Kapi­ta­lis­mus­kri­tik, um Waren- und Tausch­wer­te, um die Mög­lich­kei­ten einer gemein­sa­men Öko­no­mie, aber auch um das öko­lo­gi­sche Unbe­ha­gen an der Weg­werf­ge­sell­schaft. So weit ich das sehe, sind Umsonst­lä­den in der deut­schen Alter­na­tiv­sze­ne seit etwa 1999 wie­der­ent­deckt wor­den. Laut Wiki­pe­dia-Arti­kel gibt es der­zeit etwa 60 sol­che Einrichtungen.

Ich habe selbst mal im Umsonst­la­den in Frei­burg mit­ge­ar­bei­tet, und mich damals auch ein biss­chen mit den Hin­ter­grün­den die­ser Idee beschäf­tigt. Dabei bin ich auf den mich zunächst erstau­nen­den Umstand gesto­ßen, dass Umsonst­lä­den eben kei­ne neue Idee sind. In der Wiki­pe­dia heißt es dazu:

Die Dig­gers waren Ende der 1960er Jah­re eine Akti­ons­grup­pe mit poli­tisch-künst­le­ri­schen Hin­ter­grund im Hai­ght-Ash­bu­ry District in San Fran­cis­co. Ob ihrer anar­chis­ti­schen Geld­kri­tik betrie­ben sie von 1966 bis 1968 u. a. eini­ge »Free Stores«. Einen in der 1762 Page Street, einen zwei­ten in der 520 Fre­de­rick Street sowie einen drit­ten in der Cole Street mit dem Namen »The Trip Without A Ticket«. Zusätz­lich ver­teil­ten sie täg­lich »free food« in Ber­ke­leys Civic Cen­ter Park. […] Auch in ande­ren Städ­ten gab es Free Stores der Dig­gers. Bei­spiels­wei­se in New York in der 264 East Tenth Street (Lower East Side). Die­sen Vor­bild fol­gend gab es in dem Ort Cota­ti in Kali­for­ni­en einen Free­s­to­re vom Ende der 60er Jah­re bis 1983. 

Mit etwas mehr Recher­che wür­den sich ähn­li­che Vor­läu­fer ver­mut­lich auch zu noch frü­he­ren Zeit­punk­ten fin­den las­sen, etwa in nach urchrist­li­chen Ideen leben­den Kom­mu­nen, oder, um noch wei­ter zurück­zu­ge­hen, in den All­menn­den von Subsistenzgesellschaften. 

Die Expe­ri­men­te der 1960er in den USA (vgl. Ander­son 1995) – hier die Idee Umsonst­la­den – wur­den in Deutsch­land durch­aus rezi­piert. So wird bei­spiels­wei­se das Schick­sal der Dig­ger-Shops (»nie­mand brach­te mehr, als er mit­nahm«**) im Ein­trag »Alter­na­ti­ve Öko­no­mie« im Band Neu­er Lebens­stil – ver­zich­ten oder ver­än­dern? als Argu­ment für eine bestimm­te Sicht auf die Mög­lich­keit bzw. Unmög­lich­keit gegen­öko­no­mi­scher Orga­ni­sa­ti­ons­for­men ange­führt (Wenke/​Zilleßen 1978, S. 392).

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Bei­spiel 2 – Bedin­gungs­lo­ses Grund­ein­kom­men. Das Bedin­gungs­lo­se Grund­ein­kom­men (BGE) wird in den letz­ten Jah­ren ver­mehrt dis­ku­tiert, popu­la­ri­siert vor allem durch Götz Wer­ners ent­spre­chen­de Talk­show-Auf­trit­te. Inner­halb von Bünd­nis 90/​Die Grü­nen gibt es in den letz­ten Jah­ren ein »Netz­werk Grund­ein­kom­men«, des­sen Akti­vi­tä­ten dazu führ­ten, dass 2007 immer­hin etwa 40 Pro­zent der Dele­gier­ten eines Bun­des­par­tei­tags für die­ses Modell stimm­ten, und dass zumin­dest fest­ge­hal­ten wur­de, dass mit dem Par­tei­tags­be­schluss für ein ande­res Sozi­al­mo­dell die inner­par­tei­li­che Debat­te um das bedin­gungs­lo­se Grund­ein­kom­men nicht abge­schlos­sen ist. Aktu­ell sind es vor allem die Pira­ten, die das Kon­zept eines BGE öffent­lich sicht­bar machen – allen vor­weg Johan­nes Pona­der, der aktiv sein »Recht auf schöp­fe­ri­sche Arbeits­lo­sig­keit« einfordert.

Aber wie schon beim zuge­ge­be­ner­ma­ßen eher Nischen­bei­spiel des Umsonst­la­dens ist auch beim BGE die Idee nicht neu. Das Zitat, das ich gera­de Pona­der zuge­schrie­ben habe, ist die Über­schrift eines Tex­tes von Ivan Illich aus dem Jahr 1979.

Sys­te­ma­ti­scher gehen Van­der­borght und Van Par­ijs (2005) der Geschich­te der Idee »Grund­ein­kom­men« nach. Sie fan­gen bei der Geschich­te der Sozi­al­sys­te­me an und fin­den in Tho­mas Pai­ne und Charles Fou­rier uto­pisch ori­en­tier­te Vor­läu­fer. In den USA der 1960er Jah­re kom­men dann aus neo­li­be­ra­ler Per­spek­ti­ve Mil­ton Fried­man (Nega­tiv­steu­er) und aus einer eher links­li­be­ra­len Linie James Tobin Vor­schlä­ge für ein Grund­ein­kom­men. Der Tobin-Vor­schlag eines »demo­grant« schafft es bis ins Wahl­pro­gramm des demo­kra­ti­schen Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten McGo­vern 1972. Mit­te der 1970er Jah­re wur­den die­se Ideen – Nega­tiv­steu­er wie Demo­grant – in den USA begra­ben. Dafür tauch­ten sie Anfang der 1980er Jah­re in Euro­pa wie­der auf – zuerst in den Nie­der­lan­den und Mit­te der 1980er Jah­re dann auch in Frank­reich und in Deutsch­land. Hier fin­det sich die Debat­te um das Grund­ein­kom­men im Umfeld der Öko­be­we­gung – samt Gegen­öko­no­mie­vor­stel­lun­gen – und in der Nähe der neu­en grü­nen Par­tei. (Vanderborght/​Van Par­ijs 2005, S. 29ff).

So ist es nicht ver­wun­der­lich, dass die Ideen eines »anders leben, anders arbei­ten, anders wirt­schaf­ten« sich auch in der grü­nen Pro­gram­ma­tik der Grün­dungs­zeit nie­der­schla­gen. Wer möch­te, kann dies in den dan­kens­wer­ter­wei­se vom Archiv Grü­nes Gedächt­nis in der Hein­rich-Böll-Stif­tung digi­ta­li­sier­ten und archi­vier­ten Pro­gramm­tex­ten seit 1980 nach­ver­fol­gen – auch wenn das Grund­ein­kom­men nicht direkt erwähnt wird, fin­den sich doch vie­le Anklän­ge an das dahin­ter ste­hen­de Wirt­schafts- und Men­schen­bild. [Update: Im Land­tags­wahl­pro­gramm NRW 1985 wur­de die For­de­rung expli­zit erho­ben, sagt Wolf­gang Strengmann-Kuhn].

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Bei­spiel 3 – kos­ten­frei­er Nah­ver­kehr. Ver­kehrs­po­li­ti­ke­rIn­nen vie­ler Par­tei­en betrach­ten mit Inter­es­se das Expe­ri­ment der Stadt Has­selt (Bel­gi­en), die 1997 ein kos­ten­lo­ses Bus­sys­tem ein­ge­führt hat. In der öffent­lich wahr­nehm­ba­ren Pro­gram­ma­tik der Pira­ten wird dar­aus der »fahr­schein­lo­se Nah­ver­kehr«, also die pau­scha­li­sier­te Finan­zie­rung des ÖPNV in den ein­zel­nen Kom­mu­nen. Und was steht, nach einer Rei­he öko­lo­gisch und sozi­al moti­vier­ter Ein­zel­for­de­run­gen, im bis 1993 gül­ti­gen Bun­des­pro­gramm 1980*** der GRÜNEN?

Statt einer rei­nen Ben­zin­kos­ten­rech­nung muß auch im Ver­kehrs­we­sen eine gesamt­ge­sell­schaft­li­che und öko­lo­gi­sche Kos­ten­rech­nung vor­ge­nom­men wer­den. Dar­aus folgt eine dras­ti­sche Redu­zie­rung der Fahr­prei­se für den Schie­nen­fern­ver­kehr und der Null­ta­rif für den Nah­ver­kehr. Als ers­te Maß­nah­me for­dern wir die sofor­ti­ge Ein­frie­rung der Fahr­prei­se für den öffent­li­chen Nahverkehr. 

Auch die Idee, den ÖPNV kos­ten­frei anzu­bie­ten, ist also nicht ganz neu. Aus die­ser Idee sind Din­ge wie die Frei­bur­ger Umwelt­kar­te, heu­te Regio­kar­te, ent­stan­den, die 1991 ein­ge­führt wur­de und damit gera­de ihr 20-jäh­ri­ges gefei­ert hat. Eine eini­ger­ma­ßen erschwing­li­che Monats­kar­te für einen grö­ße­ren Ver­bund ist nicht iden­tisch mit fahr­schein­lo­sem ÖPNV, ist aber, so möch­te ich das deu­ten, die real­po­li­ti­sche Umset­zung die­ser For­de­rung, bzw. das, was aus dem »Null­ta­rif« im grü­nen Bun­des­pro­gramm und ähn­li­chen Ideen in der poli­ti­schen Pra­xis gewor­den ist.

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Bei­spiel 4 – digi­ta­le Demo­kra­tie. Als letz­tes möch­te ich kurz auf die digi­ta­le Demo­kra­tie ein­ge­hen, die ja eben­falls mit Betei­li­gungs­platt­for­men, Tools wie »Liquid Feed­back« und ähn­li­chem gera­de wie­der en vogue ist. Die Idee, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik dazu zu nut­zen, die demo­kra­ti­sche Betei­li­gung zu erleich­tern, passt viel­leicht inso­fern nicht ganz in die Rei­he der drei vor­he­ri­gen Bei­spie­le, dass sie viel stär­ker tech­no­kra­tisch akzen­tu­iert ist als dass sie aus gro­ßen sozia­len Bewe­gun­gen stammt. 

Aber eben­so wie die vor­her genann­ten sozia­len Ideen ist »digi­ta­le Demo­kra­tie« eben kei­ne Neu­erfin­dung des begin­nen­den 21. Jahr­hun­derts, son­dern hat ideen­ge­schicht­li­che Vor­läu­fer (hier kann ich auf mich selbst ver­wei­sen: Wes­ter­may­er 1998). Auch Radio und Tele­fon wur­den schon ein­mal mit ähn­li­chem uto­pi­schen Geist gefüllt wie Ende des 20. Jahr­hun­derts der Com­pu­ter und heu­te die sozia­len Netz­wer­ke und Mobil­te­le­fo­ne. Den Dis­kurs über »elek­tro­ni­sche Demo­kra­tie« seit den 1960er Jah­ren bis 1984 beschrei­be ich da wie folgt:

Wäh­rend anfangs noch die mathe­ma­tisch-tech­ni­schen Fähig­kei­ten der »Elek­tro­nen­ge­hir­ne« – und ver­bun­den damit die Ängs­te vor der »Ver­da­tung« und vor der zen­tra­len Infor­ma­ti­ons­mo­no­po­li­sie­rung – die Debat­te bestim­men, ent­wi­ckelt sich aus ers­ten Ideen einer per Tele­fon­netz und Zen­tral­com­pu­ter durch­ge­führ­ten Mei­nungs­um­fra­ge par­al­lel zur zuneh­men­den Kon­ver­genz von Fern­se­hen, Tele­fon und Com­pu­ter – in einer ers­ten Instanz etwa in Form von BTX – die radi­ka­le­re Idee, auch tat­säch­li­che Abstim­mun­gen und Ent­schei­dun­gen mit Hil­fe elek­tro­nisch ver­mit­tel­ter Kom­mu­ni­ka­ti­on durch­zu­füh­ren. So soll die Poli­tik und die Betei­li­gung der Bür­ge­rIn­nen mit dem wirt­schaft­li­chen und wis­sen­schaft­lich-tech­ni­schen Stand der Ver­net­zung gleich­zie­hen und ein eben­bür­ti­ges Gegen­ge­wicht dazu bil­den. Damit ver­bin­det sich die Hoff­nung, die »Über­gangs­lö­sung« reprä­sen­ta­ti­ve Demo­kra­tie »end­lich wie­der« teil­wei­se oder ganz durch eine direk­te Betei­li­gung aller zu erset­zen – nach dem gro­ßen Vor­bild der athe­ni­schen Agora. 

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Soweit zu den vier Bei­spie­len für die gegen­wär­tig wie­der auf­tau­chen­den »neu­en« Ideen mit ihren Ursprün­gen in den 1960er oder 1980er Jah­ren, oder sogar mit noch viel wei­ter zurück­lie­gen­den Wurzeln. 

Viel­leicht muss ich an die­ser Stel­le noch auf ein mög­li­ches Miss­ver­ständ­nis ein­ge­hen: Mit der Fest­stel­lung, dass die­se Ideen nicht erst 2012 erfun­den wur­den, will ich sie nicht dis­kre­di­tie­ren. Ich hal­te ein bedin­gungs­lo­ses Grund­ein­kom­men bei­spiels­wei­se nach wie vor für eine gute Idee. 

Der Blick auf die ideen­ge­schicht­li­che Ver­gan­gen­heit – der bei der oft laut­star­ken Neu­ent­de­ckung viel­fach unter­geht – macht aber deut­lich, dass die­se vier radi­ka­len Ideen (neh­men wir den Umsonst­la­den mal stell­ver­tre­tend für ein öko­no­mi­sches Sys­tem jen­seits von staat­li­chem Zen­tra­lis­mus und Markt) zwar poli­tisch ein­leuch­tend erschei­nen mögen, aber eben bis­her Ideen geblie­ben sind. War­um ist das so? War­um tau­chen die­se Ideen im Pen­del­schlag des Zeit­geists wie­der auf, wer­den breit rezi­piert und als schö­ne, ein­fa­che Lösun­gen gra­vie­ren­der Pro­ble­me ent­deckt – um dann wie­der in der Ver­sen­kung zu verschwinden?

Auch auf die­se Fra­ge möch­te ich hier kei­ne Ant­wort geben, aber auf zwei Beob­ach­tun­gen hin­wei­sen, denen nach­zu­ge­hen sich mög­li­cher­wei­se loh­nen würde.

Das eine ist das Pro­blem des gesell­schaft­li­chen Wis­sens­trans­fers durch dis­kur­si­ve »Hun­ger­pha­sen« hin­durch. Wenn das Bild der Wel­len­be­we­gung stimmt, gibt es immer wie­der Zei­ten, in denen es maxi­mal klei­ne, nicht im Fokus der öffent­li­chen Auf­merk­sam­keit lie­gen­de gesell­schaft­li­che Nischen sind, in denen das Wis­sen über Erfah­run­gen mit dem Ver­such, die­se radi­ka­len Ideen umzu­set­zen, bewahrt und wei­ter­ge­ge­ben wer­den, in denen mög­li­cher­wei­se auch Akteu­rin­nen und Akteu­re »über­win­tern«. Das unter­schei­det die­se Ideen von radi­ka­len Ideen, die – aus wel­chen Ideen- und Akteurs­kon­stel­la­tio­nen und glück­li­chen Zufäl­len auch immer – rela­tiv dau­er­haft rea­li­siert und in den Wis­sens­be­stand der eigent­li­chen Gesell­schaft über­führt wer­den konn­ten. Ein Bei­spiel für eine sol­che radi­ka­le Idee, die erfolg­reich gesell­schaft­lich – in den sozia­len Erwar­tun­gen der Men­schen und Märk­te, aber auch im nor­ma­ti­ven Kodex der Geset­ze und Regel­wer­ke – ver­an­kert wur­de, ist die Ener­gie­wen­de mit dem Erneu­er­ba­re-Ener­gien-Gesetz und der Pho­to­vol­ta­ik-Indus­trie (vgl. Fuchs/​Wassermann 2012). Dazu noch­mal das grü­ne Bun­des­pro­gramm von 1980:

Zie­le grü­ner Energiepolitik

Durch die heu­te haupt­säch­lich genutz­ten fos­si­ler Brenn­stof­fe ist die »Erzeu­gung« von Ener­gie nur über Ver­bren­nungs­pro­zes­se mög­lich. Dabei wer­den umwelt­schäd­li­che Sub­stan­zen wie Schwe­fel- und Stick­oxi­de erzeugt. […] Eben­so ist Atom­ener­gie eine Ener­gie­quel­le, die gegen die Lebens­grund­la­gen gerich­tet ist. Des­halb ist ein radi­ka­ler Wan­del des Ener­gie­sys­tems not­wen­dig. Die »Ener­gie­er­zeu­gung durch Ver­bren­nungs­pro­zes­se« muß ersetzt wer­den durch die »Ener­gie­nut­zung aus umwelt­freund­li­chen, rege­ne­ra­ti­ven Ener­gie­quel­len« (Son­ne, Wind, Wasser). 

Eine zukunfts­ori­en­tier­te öko­lo­gi­sche Ener­gie­po­li­tik muß alle Mög­lich­kei­ten nut­zen, die zu einer Ver­rin­ge­rung des Ener­gie­be­darfs füh­ren und die opti­ma­le Ver­wen­dung bereits vor­han­de­ner Ener­gien gewährleisten.
[…]

Lang­fris­tig muß die gesam­te Ener­gie­ver­sor­gung aus erneu­er­ba­ren Ener­gie­quel­len erfolgen. 

Der Ver­gleich zwi­schen erfolg­rei­chen radi­ka­len Ideen und bis­her erfolg­lo­sen Ideen – gera­de im Hin­blick auf die Über­win­dung von Durst­stre­cken – die gab es auch bei der Ener­gie­the­ma­tik immer wie­der! – , die Wei­ter­ga­be von Wis­sen durch Nischen­ak­teu­re und die Fra­ge, wie der Über­gang aus der Nische in den Main­strem aus­sieht – ist also ein poli­tisch durch­aus loh­nen­des The­ma. Mit Blick auf die heu­ti­ge Radi­ka­li­tät eini­ger Ideen der Pira­ten ver­bin­det sich damit zugleich der Wunsch, die Ideen­ge­schich­te der eige­nen For­de­run­gen nicht zu igno­rie­ren: Wer hat’s erfun­den – und mit wel­chen Hür­den wur­den Vor­gän­ger­be­we­gun­gen schon kon­fron­tiert? Denn nicht jeder Feh­ler muss zwei­mal gemacht werden.

Das ande­re Pro­blem oder die ande­re Beob­ach­tung bezieht sich auf die Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen Insti­tu­tio­na­li­sie­rung einer Bewe­gung oder Par­tei einer­seits und das »Bekömm­lich­wer­den« von radi­ka­len Ideen ande­rer­seits. Eini­ge der heu­ti­gen radi­ka­len (Piraten-)Forderungen fan­den sich Ende der 1970er Jah­ren im Wis­sen der Alter­na­tiv­be­we­gun­gen und dann – mehr oder weni­ger deut­lich – auch in der Pro­gram­ma­tik der neu­ge­grün­de­ten Par­tei DIE GRÜNEN. Über die Jah­re ver­schwan­den die radi­ka­le­ren For­de­run­gen, um sich neue Nischen zu suchen (etwa in Posi­ti­ons­pa­pie­ren der Anfang dr 1990er Jah­re gegrün­de­ten Grü­nen Jugend, oder in den außer­par­la­men­ta­ri­schen Bewe­gun­gen …) und wur­den im Par­la­ments­be­trieb abge­schlif­fen (vgl. Tie­fen­bach 1998 zu eini­gen Hin­ter­grün­den die­ses Prozesses). 

Nicht jede Idee ließ sich abschlei­fen, und man­che hat­ten gif­ti­ge Ker­ne. Das hef­tigs­te Bei­spiel dafür ist ver­mut­lich Hartz IV, dem von grü­ner Sei­te aus immer die Idee einer Abschaf­fung der Sozi­al­hil­fe durch eine zwar beding­te, aber doch eman­zi­pa­to­risch gedach­te Grund­si­che­rung vor­an­ging. Irgend­wann waren die­se eman­zi­pa­to­ri­schen Ideen selbst­be­stimm­ten Lebens, von Zeit­sou­ve­rä­ni­tät und einer eigen­stän­di­gen Siche­rung für Frau­en usw. dann zu etwas gewor­den, das kom­pa­ti­bel mit der SPD-Idee »Agen­da 2010« war. 

Ande­re radi­ka­le Ideen sind im Klein-Klein des poli­ti­schen Betriebs und in der immer tie­fer­ge­hen­den fach­li­chen Aus­dis­zi­pli­nie­rung ver­streut wor­den, so dass sie nicht mehr als ein­heit­li­ches Gebil­de erken­nar sind. Statt wei­ter fahr­schein­lo­sen Nah­ver­kehr zu for­dern, geht es dann um Zuschüs­se, EU-Richt­li­ni­en, Gren­zen von Tarif­ver­bün­den, Tarif­sys­te­me, Monats­kar­ten und der­glei­chen mehr. Aus der radi­ka­len, eher abs­trak­ten ein­fa­chen Ideen wird im kon­kre­ten – und par­la­men­ta­ri­sche Poli­tik ist kon­kret – dann eine Viel­zahl an klei­ne­rer Initia­ti­ven, deren Zuge­hö­rig­keit zum gemein­sa­men Gan­zen nur noch zu erah­nen ist. Die radi­ka­le Idee ver­liert ihre Radi­ka­li­tät und ihre uto­pi­sche Gestalt.

Aber sie gewinnt auch etwas – Anschluss­fä­hig­keit. Fein zer­stäubt kann sie auch vom poli­ti­schen Geg­ner auf­ge­nom­men wer­den. Der Sinn der kon­kre­ten Ein­zel­maß­nah­me ist leich­ter zu ver­mit­teln als der gro­ße Schritt zum ganz Ande­ren. Wer wäre dage­gen, das Tarif­sys­tem zu ver­ein­fa­chen, und wer woll­te sich schon dar­über echauf­fie­ren, wenn irgend­wo eine neue Betei­li­gungs­web­site ein­ge­rich­tet wird?

Nicht jede Idee ist dafür geeig­net, in die­ser Art und Wei­se akzep­ta­bel gemacht zu wer­den. Man­che Ideen schaf­fen es, gesell­schaft­li­che Akzep­tanz und letzt­lich auch poli­ti­sche Durch­set­zungs­fä­hig­keit zu erlan­gen, ohne in par­la­men­ta­ri­schem Fein­staub zu enden. Aber auch die­se brau­chen eine fein zise­lier­te fach­li­che Unter­füt­te­rung, an der beharr­lich wei­ter­ge­ar­bei­tet wird. Und idea­ler­wei­se sind sie kei­ne binä­ren Ideen, für die es nur Entweder/​Oder gibt. Poli­tisch umsetz­bar ist eher das, wo auch schon der Weg mit sei­nen vie­len Ein­zel­schrit­ten – im Wett­lauf mit dem gro­ßen Pen­del­schlag – tat­säch­li­che und nicht nur rhe­to­ri­sche Erfol­ge mit sich bringt. 

War­um blog­ge ich das? Um eini­ge Ein­zel­be­ob­ach­tun­gen zusam­men­zu­brin­gen – Wolf­gang Streng­mann-Kuhn erwähn­te unlängst die frü­he Rezep­ti­on des Grund­ein­kom­mens, Timo­thy Simms mach­te mich auf den ÖPNV zum Null­ta­rif im alten grü­nen Pro­gramm auf­merk­sam, und @hulalena äußer­te ihre Begeis­te­rung für die Bereit­schaft der Pira­ten, radi­ka­le Ideen auf­zu­grei­fen. P.S.: Die Arti­kel­bil­der wur­den 2004 im dama­li­gen Umsonst­la­den Frei­burg aufgenommen.

* Auch das Bild des Pen­del­schlags ist so neu nicht. So schreibt Moberg: »Die Schaf­fung neu­er Model­le wur­de fer­ner beein­flußt von den Über­gän­gen im Leben, die so vie­le Ange­hö­ri­ge der Neu­en Lin­ken gemein­sam durch­mach­ten – ver­län­ger­te Durch­gangs­ri­ten (rites de pas­sa­ge) zum Erwach­sen­sein, bestehend aus einem ver­län­ger­ten Aus­ge­schlos­sen­sein von den nor­ma­len Struk­tu­ren der Gesell­schaft, das eine kom­mu­na­le Erfah­rung auf etwa die glei­che Wei­se unter­stütz­te wie die Durch­gangs­ri­ten in tra­di­tio­nel­len Gesell­schaf­ten. Dar­über hin­aus bot die Kon­fron­ta­ti­on mit dem selbst­ge­fäl­li­gen mono­li­thi­schen, libe­ral-kon­ser­va­ti­ven Estab­lish­ment […] wei­te­re Anre­gun­gen für Model­le: Das Gegen­teil von allem, was exis­tier­te, muß­te bes­ser sein (und war ver­mut­lich an sich schon revo­lu­tio­när). […] Und typi­scher­wei­se haben sol­che Bewe­gun­gen alle das Gefühl, außer­halb der his­to­ri­schen Zeit zu ste­hen, wobei sie oft die sozia­le Dia­lek­tik mit den exis­tie­ren­den Mäch­ten strei­fen, die nötig ist, um eta­blier­te Insti­tu­tio­nen zu ändern.« (Moberg 1981: 15).

** Mei­ne eige­ne Erfah­rung im Frei­bur­ger Umsonst­la­den war übri­gens eher gegen­tei­lig: Ganz vie­le brach­ten ganz viel, aber nur weni­ge woll­ten etwas davon mitnehmen.

*** Legen­där das Kapi­tel 5 »Steu­ern, Wäh­rung und Finan­zen« mit dem Inhalt »Die­ser Pro­gramm­teil wird noch überarbeitet«.

Lite­ra­tur
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4 Antworten auf „Der langsame Pendelschlag des Zeitgeists“

  1. Lie­ber Till,
    dan­ke dir für die Recher­chen und den alter­na­tiv­ge­schicht­li­chen Exkurs. Nur eine kur­ze Anmer­kung zu dei­nen Beob­ach­tun­gen gen Ende des Tex­tes: Wie Nischen sich Erhal­ten und Main­stream wer­den, ist Bestand­teil der Trans­for­ma­ti­ons­for­schung, die sich in den letz­ten Jah­ren aus den Nie­der­lan­den kom­mend immer wei­ter ver­brei­tet hat. Ein loh­nen­des Stich­wort ist die Dif­fu­si­ons­for­schung, die genau die­sen Pro­zess von der Nische in den Main­stream nach­zu­voll­zie­hen versucht. 

    Und bezüg­lich dei­ner Fest­stel­lung, dass es anschei­nend zu ihrer Durch­set­zung die Ver­brei­tung radi­ka­ler Ideen in Kom­pro­miss­form braucht: Ich glau­be, dass man dabei zwei Fäl­le von ein­an­der unter­schei­den muss. Die­je­ni­gen Ideen, die wie die Ener­gie­wen­de ein paar Vor­tei­le im klei­nen aber viel stär­ke­re im (voll­stän­dig umge­set­zen) gro­ßen Maß­strab brin­gen, kön­nen auf die­sem Weg rea­li­siert wer­den. Ideen wie der fahr­schein­lo­se Nah­ver­kehr aber erschöp­fen sich, wenn aus ihnen »nur« Regio­nal­ver­bün­de und Umwelt­ti­ckets ent­ste­hen. Der Sprung von da zum fahr­schein­lo­sen Ver­kehr könn­te ein­fach zu groß sein.
    Grü­ne Grüße
    Daniel

    1. Dan­ke für die Hin­wei­se, auch zur Sprung­haf­tig­keit der klei­nen und gro­ßen Ideen! 

      Gibt es zum The­ma Trans­for­ma­ti­ons­for­schung einen guten Ein­stiegs­text, den du emp­feh­len würdest?

  2. Ja poli­ti­sche Ent­wick­lun­gen lau­fen nicht line­ar. Es kommt öfters vor, dass man wie­der auf einen frü­he­ren Stand zurück kommt. Das soll­te man als Poli­ti­ker beach­ten wenn man sich den Weg über­legt, wie man sien Ziel errei­chen will. Denn je nach Weg ist eine Wen­de um 180° leich­ter oder schwie­ri­ger für nach­fol­gen­den Regie­run­gen. Die Grü­nen haben z.B. auch dafür gesorgt, dass es eine Indus­trie gibt, die mit Umwelt­schutz Geld ver­die­nen und Arbeist­plät­ze geschaf­fen haben. Das macht es CDU udn FDP schwe­rer da das Rad der Geschich­te zurück zu dre­hen. Gefähr­lich sind Kom­bi-Pro­duk­te, bei denen man nur zustimmt, weil einem ein Teil gefällt. Manch eine® bei SPD und Grü­nen wid den Harz-Geset­zen nur zuge­stimt haben weil er/​sie an das »För­dern« bei »För­dern und For­dern« geglaubt haben. Beim För­dern gab es aber prak­tisch kei­ner Vebesserungen.
    Das Bedin­gungs­lo­se Grund­ein­kom­men so wei es die Pira­ten fina­zie­ren wol­len ist auch so ein gefähr­li­ches Komb-Pro­dukt. Denn sie wol­len das durch Demo­na­ta­ge der bis­he­ri­gen Sozi­als­sys­te­me fina­zie­ren. Die bis­he­ri­gen Sozi­al­sys­te­me beru­hen zumin­dest im Bewuss­te­sein von vie­len Uni­ons- und SPD-Anhän­gern dar­auf, dass man durch sei­ne Arbeit einen Anspruch dar­auf erwor­ben hat. Da kön­nen also auch SPD und CDU nicht zu sehr strei­chen ohne befürch­ten zu müs­sen die Quit­tung dafür an der Wal­ur­ne zu bekom­men. Das BGE wür­de bei vie­len als Almo­sen auf­ge­fasst wer­den. Da lie­ße sich bei ent­spre­chen­der Stim­mungs­la­ge in der ver­öf­fent­lich­ten Mei­nung viel leich­ter kür­zen. Und man darf in einer Demo­kra­tie eben nicht anneh­men, dass man immer mitregiert.

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