Kurz: Foren sind blöd!

Journey of waiting XXXVI: yellow phoneJörg Tauss mach­te mich in Kom­men­tar #99 zum vor­her­ge­hen­den Arti­kel gera­de dar­auf auf­merk­sam, dass die Grü­nen (kon­kre­ter übri­gens: die Bun­des­tags­frak­ti­on) ihr Forum abge­schal­tet haben. Ehr­lich gesagt: mir war gar nicht bewusst, dass wir als Par­tei noch eines betrei­ben. Es scheint tat­säch­lich von eini­gen noch genutzt wor­den sein (inso­fern haben die Pira­ten jetzt die Gele­gen­heit, dar­aus eine rie­si­ge Ele­fan­ten­mü­cke zu bas­teln und sich in ihrer Lieb­lings­ges­te zu zei­gen, die da lau­tet: »Wir hel­fen tech­nisch unter­ent­wi­ckel­ten Par­tei­en bei der Technik.«). 

Ich habe – das ist zwi­schen den Zei­len viel­leicht schon deut­lich gewor­den – aller­dings nicht den Ein­druck, dass es um die­ses Forum arg scha­de ist, und dass es einen gro­ßen Auf­schrei des­we­gen geben wird. Es gibt inzwi­schen in der Tat jede Men­ge ande­rer (elek­tro­ni­scher) Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge – von Twit­ter bis zur Kom­men­tie­rung in grü­nen Blogs, und auch die direk­te Mail ist wei­ter­hin mög­lich. Inso­fern sehe ich hier eher eine Wei­ter­ent­wick­lung als eine Abschaf­fung poli­ti­scher Kom­mu­ni­ka­ti­on. Ich könn­te das jetzt auch noch anhand der media­len Form begrün­den (Foren nei­gen zu Unüber­sicht­lich­keit, sind auf akti­ve Nach­fra­ge ange­wie­sen, statt Nut­ze­rIn­nen direkt zu errei­chen, ten­die­ren dazu, In-Groups mit eige­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­codes zu unter­stüt­zen usw.). Oder ist das nur ein Bias mei­ner kom­mu­ni­ka­ti­ven Sozia­li­sa­ti­on? (BBS, Mai­ling­lis­ten, Web 2.0?).

Egal. Es gibt einen ganz ein­fa­chen Test auf die Sinn­haf­tig­keit einer poli­ti­schen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­form im Netz. Der lau­tet: Hat die dort statt­fin­den­de Kom­mu­ni­ka­ti­on poli­tisch etwas bewirkt? Mein Ein­druck für das Forum der grü­nen Bun­des­tags­frak­ti­on: ein­deu­tig nein. Aber viel­leicht mag das ja jemand widerlegen.

Kurz: Bin ich ein Kanal?

twtwitterSeit kur­zem habe ich mehr als 1000 Fol­lower bei Twit­ter. Das freut mich natür­lich, aber gleich­zei­tig sind das sind schon ganz schön vie­le poten­zi­el­le Tweet-Lese­rIn­nen.* Zum Ver­gleich: so ein grü­ner Bun­des­par­tei­tag umfasst unge­fähr so vie­le Men­schen (inkl. Gäs­te und Pres­se), und die hören unge­fähr genau­so (wenig) auf­merk­sam zu wie die durch­schnitt­li­chen Ver­fol­ge­rIn­nen bei Twit­ter. Und die rich­tig gro­ßen Uni-Hör­sä­le umfas­sen so 400 bis 800 Leu­te. Heißt das jetzt, dass jeder Tweet iden­tisch mit einer Par­tei­tags­re­de, mit einer sehr gro­ßen Vor­le­sung ist? Bin ich ein Kanal?

Das wohl nicht, aber wenn ich schon als exem­pla­ri­scher grü­ner Par­tei­po­li­tik­blog­ger gehan­delt wer­de, und wenn ich bei jedem Tweet, den ich schrei­be, die­se Zahl an poten­zi­el­len Lesen­den sehe, dann bleibt das nicht ganz ohne Ein­fluss dar­auf, was ich twit­te­re. In wel­che Rich­tung die­ser Ein­fluss gehen wird? Dar­über bin ich mir selbst noch nicht ganz klar. Sicher ist jeden­falls: ganz unre­flek­tiert twit­te­re ich nicht (mehr). Hal­lo, Publikum!

* Wobei die Zahl in zwei Rich­tun­gen in die Irre führt. Zum einen sind unter den aktu­ell 1003 Fol­lo­wern garan­tiert auch eine gan­ze Rei­he an nicht mehr genutz­ten Accounts, Wer­be­ac­counts, Dop­pel­ac­counts usw., und zum ande­ren weiss ich, dass es Men­schen gibt, die mei­ne Tweets ver­fol­gen (zum Bei­spiel hier im Blog), aber Twit­ter selbst gar nicht nutzen.

Kurz: danah boyd zu Facebook

Ich hat­te ja da und da ein biß­chen was dazu geschrie­ben, wofür Face­book genutzt wird, und war­um es trotz aller Daten­schutz­be­den­ken wei­ter­hin von vie­len ver­wen­det wird. Mit den neus­ten Ent­wick­lun­gen bin ich mir da gar nicht mehr so sicher – dass »How to dele­te my face­book account« ganz oben unter den Goog­le-Such­an­fra­gen ran­giert, ist ein Zei­chen für eine gewis­se Trendwende. 

Wie dem auch sei: ges­tern und heu­te hat die Netz­wis­sen­schaft­le­rin danah boyd zwei lan­ge Blog­bei­trä­ge zu Face­book – sie hat u.a. dazu geforscht – ver­öf­fent­licht, die auf jeden Fall gele­sen wer­den müssen.

Face­book and »radi­cal trans­pa­ren­cy« (a rant)
The batt­le that is under­way is not a batt­le over the future of pri­va­cy and publi­ci­ty. It’s a batt­le over choice and infor­med con­sent. It’s unfol­ding becau­se peop­le are being duped, tri­cked, coer­ced, and con­fu­sed into doing things whe­re they don’t under­stand the con­se­quen­ces. Face­book keeps say­ing that it gives users choices, but that is com­ple­te­ly unfair. It gives users the illu­si­on of choice and hides the details away from them »for their own good.«

Face­book is a uti­li­ty; uti­li­ties get regu­la­ted
I hate all of the uti­li­ties in my life. Veno­mous hat­red. And becau­se they’re mono­po­lies, they feel no need to make me appre­cia­te them. Cuz they know that I’m not going to give up water, power, sewa­ge, or the Inter­net out of spi­te. Nor will most peop­le give up Face­book, regard­less of how much they grow to hate them.