Kurz nach Bayern

Das Ergeb­nis der Bay­ern­wahl ist mit 8,x% 8,6% und einem in abso­lu­ten Zah­len etwa gleich­blei­ben­den nur leicht gestie­ge­nen Anteil grü­ner Wäh­le­rIn­nen ent­täu­schend. Natür­lich wäre es jetzt span­nend, über mög­li­che Ursa­chen zu spe­ku­lie­ren. Aber wir ste­hen eine Woche vor der ent­schei­den­den Bun­des­tags­wahl. Da ist eine – womög­lich nach Flü­geln auf­ge­stell­te – öffent­li­che Stra­te­gie­de­bat­te alles ande­re als hilf­reich. Die wird es nach der Wahl geben, etwa am 27.9. beim Län­der­rat. Bis dahin wer­de ich zumin­dest mich mit Äuße­run­gen zurück­hal­ten, und hof­fe, dass ich damit nicht allein ste­he (nur soviel: ich sehe Feh­ler gar nicht so sehr bei uns).

Statt des­sen hal­te ich es für wich­tig, über zwei ande­re Punk­te zu spre­chen. Bei­de kann ich nicht bele­gen, beim einen möch­te ich das nach­her noch versuchen.

1. Gefan­gen­schaft im Nar­ra­tiv, oder: Was tun, wenn der poli­ti­sche Geg­ner wis­sent­lich die Unwahr­heit sagt (oder zumin­dest sehr schrä­ge Inter­pre­ta­tio­nen lie­fern), Medi­en das dank­bar auf­grei­fen (manch­mal auch anders­her­um), und alle Rich­tig­stel­lun­gen, Fak­ten­checks und sons­ti­gen Äuße­run­gen ver­puf­fen? (Und juris­ti­sche Schrit­te wg. legi­ti­mer Zuspit­zung im Wahl­kampf dane­ben gehen). Ich emp­fin­de das als eine extrem unfai­re Form des Wahl­kampfs – auch als Bestand­teil einer Ent­po­li­ti­sie­rung von Poli­tik, wenn’s nur noch um die gute Sto­ry und die Geschich­te geht, und kaum noch dar­um, was wel­che Par­tei eigent­lich will. Viel­leicht war das schon immer so. Zu einer kla­ren, demo­kra­ti­schen Ent­schei­dung zwi­schen inhalt­li­chen Alter­na­ti­ven trägt es jedoch nicht bei, wenn statt des­sen über hege­mo­nia­le Deu­tun­gen und Bil­der abge­stimmt wird, ganz egal, ob sie zutref­fen oder nicht.

2. Das Irr­lich­tern der Demo­gra­fie: Auch hier die Mög­lich­keit, dass es nur gefühlt so ist, und nicht signi­fi­kant anders aus­sieht als vor zehn oder zwan­zig Jah­ren – aber zumin­dest in mei­ner Wahr­neh­mung lie­gen Mei­nungs­um­fra­gen vor der Wahl erschre­ckend oft weit weg von den Pro­gno­sen und end­gül­ti­gen Ergeb­nis­sen. Im Lauf des Som­mers schwank­ten die grü­nen Umfra­ge­er­geb­nis­se in Bay­ern zwi­schen 10 und 15 Pro­zent – selbst mit einem Feh­ler von 2 bis 3 Pro­zent­punk­ten sind rund 8,5 Pro­zent dann doch erstaun­lich wenig. Und ähn­li­ches fällt mir zumin­dest auch vor ande­ren Wah­len immer wie­der auf. Wor­an liegt’s? (Viel­leicht kommt ich nach­her dazu, das mal für eini­ge Wah­len der letz­ten Zeit auszurechnen …). 

P.S.: Empi­risch bestä­tigt sich letz­te­res nicht.

P.P.S.: Inter­es­sant sind die mas­si­ven regio­na­len Dif­fe­ren­zen in Bay­ern. In Nie­der­bay­ern, Schwa­ben und der Ober­pfalz wur­de das mit­tel­präch­ti­ge Ergeb­nis gehal­ten, in Fran­ken gab es teils kräf­ti­ge Zuge­win­ne (+3 Pro­zent­punk­te in ein­zel­nen Stimm­krei­sen) – und in Ober­bay­ern (inkl. Mün­chen) durch­gän­gig Ver­lus­te von 2 bis 4 Pro­zent­punk­ten, teils noch deut­lich mehr (sie­he Visua­li­sie­rung beim Lan­des­wahl­lei­ter). Weil Ober­bay­ern etwa ein Drit­tel des Lan­des umfasst, schlägt das deut­lich auf das bay­ri­sche Gesamt­ergeb­nis durch. Als Erklä­rung wer­den das schwa­che Abschnei­den der CSU 2008 in Ober­bay­ern (See­hoferBeck­stein als Fran­ke, und jetzt See­hofer als Ober­bay­er), der Tod von Sepp Daxen­ber­ger sowie Ude als ehe­ma­li­ger Mün­che­ner OB als Minis­ter­prä­si­den­ten­kan­di­dat der SPD genannt.

4 Antworten auf „Kurz nach Bayern“

  1. Der Fran­ke heißt natür­lich Beck­stein. Auf­fäl­lig waren für mich auch die star­ken Schwan­kun­gen zwi­schen den ein­zel­nen Stimm­krei­sen. Der Fak­tor »Per­so­na­li­sie­rung«, die in Bay­ern ja bei­de Stim­men betrifft, scheint mir da eine erheb­li­che Rol­le zu spie­len. Der posi­ti­ve Aus­rei­ßer Günz­burg mit Maxi­mi­li­an Deisen­ho­fer ist mir da ges­tern spon­tan auf­ge­fal­len, auch die bei­den Ans­ba­cher Stimm­krei­se, wo Sina Doughan im ent­spre­chen­den Gebiet für den Bun­des­tag kan­di­diert, ste­hen ziem­lich gut da.
    In Ober­bay­ern gibt es dann aber auch noch Zonen, wo weder Daxen­ber­ger noch Ude noch See­hofer den Aus­schlag gege­ben haben kön­nen. Der Ansatz »Steu­er­del­le im Wohl­stands­gür­tel« steht auf töner­nen Füßen, weil da das Nürn­ber­ger Umland und das Rhein-Main-Gebiet nicht mit­spielt. Bleibt die Demo­gra­phie mit dem Zuzug Älte­rer am Alpen­rand und unter Umstän­den das Olympiathema.

    1. Oder eben doch der lands­mann­schaft­li­che Minis­ter­prä­si­den­ten-Bonus/­Ma­lus. Der Beck­stein (ist kor­ri­giert!) zog in Fran­ken (dafür dort jetzt Gewin­ne), der See­hofer in Oberbayern.

    2. Nicht min­der dürf­te auch das im Ver­gleich zu Ans­bach-Süd noch­mals kräf­ti­ge­re Plus um 3% (und damit der größ­te Zuwachs aller Stimm­krei­se) in Ans­bach-Nord ein Ver­dienst von Mar­tin Stümp­fig sein, der vor Ort ver­wur­zelt ist und der schon davor in der Lokal­po­li­tik sehr gute Arbeit geleis­tet hat. Beson­ders freue ich mich dar­über, dass Grün in ganz Mit­tel­fran­ken durch die Bank weg zuge­legt hat und wir somit dies­mal den das letz­te Mal knapp ver­fehl­ten drit­ten Sitz geholt haben. Als Nürn­ber­ger bin ich natür­lich beson­ders froh, dass wir Grü­nen trotz einer Mate­ri­al­schlacht von CSU und SPD, trotz einer schwie­ri­gen Lokal­pres­se, trotz Wäh­ler­be­stechungs­ver­su­che durch Mar­kus Söder mit Geld­ver­spre­chen für Nürn­berg in allen 4 Stimm­krei­sen zuge­legt haben: Unse­re mit­tel­frän­ki­sche Spit­zen­kan­di­da­tin Vere­na Osgyan im für uns immer schwa­chen Nürn­berg-West direkt gegen Mar­kus Söder, Til­man Kuhl im extrem schwie­ri­gen Stimm­kreis Nürn­berg-Süd (Kunst­ge­bil­de aus Schwa­bach – der kleins­ten kreis­frei­en Stadt Bay­erns – und der Tra­ban­ten­stadt Nürn­berg-Lang­was­ser), Mar­kus Gan­se­rer im schon immer star­ken Nürn­berg-Nord gegen den Zwei­kampf zwi­schen CSU und SPD (In Nord hat die SPD dop­pelt so viel Geld allein für den Zwei­kampf auf­ge­wen­det, wie wir in ganz Nürn­berg für die ins­ge­samt 8 Bezirks‑, Lan­des- und Bun­des­tags­kan­di­da­ten zusam­men) und Elmar Hayn, der in Nürn­berg-Ost den Stimm­kreis unse­rer nicht nur lokal sehr bekann­ten und geschätz­ten schei­den­den Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Chris­ti­ne Stahl über­nom­men hat und ihr gutes Ergeb­nis noch­mals stei­gern konn­te. Ähn­li­ches kann man von Roth, Fürth, Erlan­gen usw. sagen.

  2. zu 1.: es überascht ja schon wie sehr sich eigent­lich politsch bzr kri­tisch Den­ken­de von Sprin­ger ver­ein­nah­men las­sen und am Ende kri­ti­sie­ren, die Grü­nen sei­en mit Zwangs­er­näh­rung und Steu­er­erhö­hung für alle ins Feld gezo­gen – statt­des­sen wär ein Blick auf das Ver­sa­gen der Mas­sen­me­di­en ange­bracht; Stich­wort: Mei­nungs­bil­dung statt Informationsvermittlung.

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