Kurz zur Karfreitagsdebatte

Inspiring spring VIAn eini­gen Stel­len im Netz (z.B. hier) wird – aus aktu­el­lem Anlass – wie­der dar­über dis­ku­tiert, ob das Tanz­ver­bot für die Oster­fei­er­ta­ge noch zeit­ge­mäß ist, und ob die­je­ni­gen, die sich für eine Abschaf­fung ein­set­zen (z.B. hier), das dür­fen oder nicht, ohne gleich den gan­zen Fei­er­tag aufzugeben. 

Als Athe­ist mache ich es mir da viel­leicht zu ein­fach, aber ich neh­me Ostern nicht als christ­li­ches Fest wahr. Son­dern als säku­la­ri­sier­te (staat­li­che) Früh­lings­fei­er­ta­ge. Wie die began­gen wer­den, soll­te jedem und jeder selbst über­las­sen sein. Oder anders gesagt: zur Reli­gi­ons­frei­heit gehört für mich auch, dass die Anhän­ge­rIn­nen der domi­nie­ren­den Reli­gi­on es tole­rie­ren müss­ten, dass ande­re Men­schen an einem christ­li­chen Trau­er­tag (wie dem Kar­frei­tag) fröh­lich sind. Oder noch­mal anders gesagt: was ich an der Debat­te nicht ein­se­hen mag, ist die impli­zi­te Logik, dass die Ange­hö­ri­gen der domi­nan­ten Reli­gi­on in einem Staat ohne Staats­re­li­gi­on über das Han­deln ande­rer bestimmen.

31 Antworten auf „Kurz zur Karfreitagsdebatte“

  1. Eben.

    Aller­dings kann ich die Dis­kus­si­on schon des­we­gen nicht so recht nach­voll­zie­hen, weil ich es als Nord­licht eh nicht anders ken­ne. Lan­ges Wochen­en­de ist lan­ges Wochen­en­de und wird ent­spre­chend genutzt.

    (viel­leicht soll­ten wir mal dem Stif­ter des Fei­er­ta­ges dan­ken und ne Pila­tus-Par­ty machen?)

  2. Ich sehe die Sache als Grü­ner Christ ein wenig differenzierter.

    Ja, jeder soll­te die Frei­heit haben dür­fen, sein Reli­goin aus­le­ben zu kön­nen bzw. sei­ne Nicht-Religion.
    Aller­dings ist Ostern ein­deu­tig ein christ­li­cher Fei­er­tag und eben kein säku­la­rer wie der 3. Oktober.
    Wer also mit den bis­he­ri­gen Gege­ben­hei­ten bre­chen möch­te und an Kar­frei­tag fei­ern will, soll­te dies auch kon­se­quent durch­zie­hen und an Oster­mon­tag arbei­ten gehen. Wer kei­nen Grund hat am Frei­tag zu trau­ern, hat mei­ner Mei­nung auch kei­nen Grund am Mon­tag zu feiern.
    Ich spre­che mich nicht gegen die Abschaf­fung von Ostern als Fei­er­tag aus, ver­lan­ge aber von den Kri­ti­kern der »stil­len Fei­er­ta­ge« die ange­brach­te Kon­se­quenz. Sich nur die Rosi­nen her­aus picken zu wol­len ist scheinheilig.

  3. @Phillip: Ostern ist zunächst mal ein staat­li­cher (bzw. staat­lich gere­gel­ter) Fei­er­tag. Dass da Geschäf­te geschlos­sen haben etc., betrifft mich genau­so wie dich, ganz unab­hän­gig von reli­giö­sen Über­zeu­gun­gen. Die inter­es­san­te Fra­ge ist doch nun: »Gehört« der Fei­er­tag einer Grup­pe, die ent­schei­den darf, was da gemacht wird – auch für alle anderen?

  4. @Lars: Ach, so ein paar staat­lich gere­gel­te Fei­er­ta­ge sind schon gut – funk­tio­nier­ten in den letz­ten Jah­ren bei mir jeden­falls deut­lich bes­ser als »Urlaub nehmen«.

  5. Ich fin­de, mit ein wenig Rück­sicht­nah­me auf die Emp­fin­dun­gen Drit­ter liegt man eigent­lich nie falsch. Die Kar­frei­tags­ver­bo­te sol­len ja nun wirk­lich nicht bewir­ken, dass man am Kar­frei­tag als Nicht-Christ nicht fröh­lich(!) sein darf, son­dern ledig­lich den einen oder ande­ren Aus­wuchs wie etwa eine öffent­li­che Spaß- und Lach­pa­ra­de unter­bin­den, die man ja aber auch an 364 ande­ren Tagen im Jahr durch­füh­ren könn­te. An einem ein­zi­gen Tag im Jahr auf öffent­li­che Bespa­ßun­gen zu ver­zich­ten, soll­te ja in unse­rer spaß­ge­sät­tig­ten Gesell­schaft eigent­lich kein Pro­blem sein. Zumal es mir schon ein wenig selt­sam vor­kommt, wenn Leu­te das immer­hin ja durch eine reli­giö­se Tra­di­ti­on begrün­de­te »lan­ge Wochen­en­de« natür­lich nur zu ger­ne in Anspruch neh­men, der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft selbst dann aber unbe­dingt noch irgend­wie auf die Füße tre­ten wol­len. Ich hal­te es da mit Phil­lip: Wer am Kar­frei­tag unbe­dingt öffent­lich(!) einen drauf­ma­chen will, könn­te doch am Oster­mon­tag auch arbei­ten gehen…

    Aber klar, eigent­lich dürf­te es das Ver­bot nicht geben. So wie ich eigent­lich auch das Recht hät­te, das gro­ße Schwei­ne-Grill­fest am Aschu­ra direkt gegen­über der Moschee zu ver­an­stal­ten – aber wäre es wirk­lich nötig, soet­was auch durch­zu­zie­hen, nur weil man es theo­re­tisch kann oder kön­nen müss­te? Muss dass denn sein? Oder fah­re ich bes­ser, wenn ich hier und da auch mal auf ande­re Grup­pen Rück­sicht neh­me, und mir im Gegen­zug dann auch Rück­sicht­nah­me ein­for­dern kann, wenn es um mei­ne Inter­es­sen geht? Ich dach­te immer, gera­de die Grü­nen hät­ten da eigent­lich ande­re Vor­stel­lun­gen von zivi­lem Miteinander…

  6. @Christian: Es geht ja nicht um einen ein­zi­gen Tag – je nach Land ist es die gan­ze Oster­zeit, der Toten­sonn­tag wird ähn­lich gere­gelt – und, was ich auch bis­her nicht wuss­te, auch für die übri­gen Fei­er­ta­ge gel­ten gra­vie­ren­de Ein­schrän­kun­gen (z.B. kei­ne der Unter­hal­tung die­nen­den öffent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen wäh­rend des Haupt­got­tes­diens­tes an allen Fei­er­ta­gen außer 1. Mai und Ein­heits­tag, Fei­er­tags­ge­setz BaWü, §7). Zumin­dest for­mal wird da sehr viel mehr gere­gelt als ein Min­dest­maß an gegen­sei­ti­ger Rücksichtsnahme.

    Und noch­mal zur Rück­sichts­nah­me: eine Rege­lung, die z.B. im Umkreis um Kir­chen öffent­li­che Fei­ern an Fei­er­ta­gen ver­bie­tet, könn­te ich ja nach­voll­zie­hen. Aber war­um soll eine Dis­co in einem Indus­trie­ge­biet über Kar­frei­tag (und z.T., vgl. Hes­sen, über Ostern ins­ge­samt) ihren Betrieb ein­stel­len müs­sen, weil ganz ande­re Men­schen an ganz ande­ren Orten die­se Tage fei­er­lich bege­hen wollen?

    [P.S.: Die dies­be­züg­li­chen Geset­ze und Vor­schrif­ten sind hier nachlesbar.]

  7. ich fin­de es ja beson­ders absurd, dass es druch das tanz­ver­bot auch christ­li­che tra­di­tio­nen betrof­fen sind. denn nach stren­ger aus­le­gung sind vom tanz­ver­bot ja auch gos­pels & spi­ri­tu­als ver­bo­ten, die ja oft tän­ze­ri­sche ele­men­te enthalten.

    von daher nor­miert das tanz­ver­bot unser alt her­ge­brach­tes (=kon­ser­va­ti­ves) chris­ten­tum in deutsch­land und erschwert die öff­nung für neue­re christ­li­che strömungen.

  8. @Till: »Kei­ne der Unter­hal­tung die­nen­den öffent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen wäh­rend des Haupt­got­tes­diens­tes an allen Fei­er­ta­gen außer 1. Mai und Ein­heits­tag.« Da blei­ben, wenn ich §1 rich­tig inter­pre­tie­re, noch 9 Fei­er­ta­ge übrig, macht genau 9 von 8.760 Stun­den (bzw. 8.784 Stun­den im Schalt­jahr), an denen kei­ne öffent­li­chen Spaß­ver­an­stal­tun­gen durch­ge­führt wer­den dür­fen. Ist das jetzt wirk­lich eine so gra­vie­ren­de Ein­schrän­kung, dass sich die poli­ti­sche Dis­kus­si­on dar­über lohnt?

  9. Für mich gehört das ein­fach zur Kul­tur, im Netz wird doch auch auf Neti­quet­te geach­tet – und zwar in stei­gen­dem Maße. Doch ein Tanz­ver­bot soll­te sei­nem eigent­li­chen Zweck die­nen. In unse­rer schnell­le­bi­gen Zeit ist es ohne­hin schwie­rig zur Ruhe zu kom­men. Wenn man sich bei einer Andacht über Lärm in der Nach­bar­schaft beschwe­ren muss, ist das medi­ta­ti­ve Moment dahin und kann auch nicht wie­der­her­ge­stellt wer­den. Die Fra­ge ist, wie weit das auf Dis­ko­the­ken zutrifft. Dort herrscht meist ein sol­cher Höl­len­lärm, dass sie als unter­ir­di­sche Bun­ker am Stadt­rand gebaut wer­den und von außen unhör­bar sind.

    Das »Tanz­ver­bot« im eigent­li­chen Sinn bezieht sich auf die gesell­schaft­li­che Ver­an­stal­tung, sehen und gese­hen wer­den. Wer fehlt gehört eben nicht dazu. Pech für Chris­ten, die sich outen wenn sie Kar­frei­tags ver­hin­dert sind.

    Die Fei­er­ta­ge kom­men wie die Jah­res­zei­ten und geben dem Leben einen Rhyth­mus. Ich kann mich der Argu­men­ta­ti­on von Phil­lip Krass­nig voll anschließen.

    Noch etwas, unse­re Kir­che hat weder Turm noch Glo­cken, weil die Nach­barn beim Bau dage­gen geklagt haben (wie gegen Mina­ret­te). Doch einem Nach­barn reicht das noch nicht. Er ruft die Poli­zei, wenn bei gemeind­li­chen Ver­an­stal­tun­gen nicht die Fens­ter geschlos­sen wer­den, damit er auch garan­tiert nichts hört. Soviel zur Tole­ranz man­cher Atheisten.

  10. @Christian: Klar, ’ne poli­ti­sche Debat­te lohnt sich immer. Mal abge­se­hen davon, dass ich mir durch­us vor­stel­le, dass es Haupt­got­tes­diens­te gibt, die län­ger als eine Stun­de dau­ern, fin­de ich die Rege­lun­gen wei­ter­hin ana­chro­nis­tisch. So im 1000-Ein­woh­ner-Dorf mit Kir­che, Tanz­haus und Fuß­ball­club kann ich mir sogar vor­stel­len, dass sie Sinn machen. In einer Groß­stadt? War­um soll­te da eine Lesung im Thea­ter am zwei­ten Weih­nachts­tag zur Zeit des Haupt­got­tes­diens­tes ver­bo­ten sein? War­um eine Sport­ver­an­stal­tung erst um 11 Uhr beginnen? 

    Mir geht’s nicht um die paar Stun­den oder die zwei Tage – letzt­lich ist’s ein typi­scher Fall von Regu­la­ti­on an einer Stel­le, wo es abso­lut nicht not­wen­dig ist. Selbst im 1000-Ew.-Dorf nicht – wenn dort der über­wie­gen­de Teil der Fuß­ball­club-Mit­glie­der in die Kir­che gehen, wer­den sie kein Spiel an einem Fei­er­tag vor 11 Uhr anset­zen – wenn nicht, dann spricht nichts dage­gen. Usw.

  11. @Till: Dafür, dass eine Lesung im Thea­ter ver­bo­ten sein soll­te, gibt es natür­lich über­haupt kei­nen Grund – und falls dies tat­säch­lich so gere­gelt sein soll­te, wird es wohl Zeit für eine Änderung.

    Für wie wahr­schein­lich hältst Du es denn aber, dass die Leu­te, die nach einer Abschaf­fung der­ar­ti­ger Regeln rufen, dies tun, weil sie auch die­se eine Stun­de noch ger­ne nut­zen wür­den, um eine wei­te­re Lesung im Thea­ter zu orga­ni­sie­ren? Und wie wahr­schein­lich ist es dem­ge­gen­über, dass aus gewis­sen Krei­sen im Fal­le einer Locke­rung sofort die ers­te dezi­diert anti­kirch­li­che Par­ty als Gegen­ver­an­stal­tung mög­lichst par­al­lel zum Haupt­got­tes­dienst und mög­lichst nah an der Kir­che ange­mel­det wird? Um was wet­ten wir, dass es auch nicht lan­ge dau­ert, bis uns die »Geiz-ist-geil«-Discounter dann mit dem »Kar­frei­tags-Mega-Par­ty-Shop­ping-Day« beglü­cken? Wäre denn dann wirk­lich etwas Posi­ti­ves erreicht?

  12. Die inter­es­san­te Fra­ge hat ja noch gar nie­mand gestellt:
    Wird im jetzt grü­nen Baden-Würt­tem­berg dem christ­li­chen Fun­da­men­ta­lis­mus Ein­halt gebo­ten und das Fei­er­tagstanz­ver­bot abgeschafft?
    (und ja, ich benut­ze den Begriff Fun­da­men­ta­lis­mus hier sehr bewusst – denn der fängt exakt da an, wo Anhän­ger einer Reli­gi­on ver­su­chen, ihre Regeln nicht nur für sich selbst, son­dern auch für ande­re gel­ten las­sen zu wollen)

  13. @Christian:

    Ich wür­de an die­sem Punkt ger­ne mal dar­an erin­nern, dass es eben nicht irgend­wel­che »anti­kirch­li­chen« Krei­se waren, die fried­li­ches Mit­ein­an­der und Rück­sicht­nah­me auf­ge­kün­digt haben. Inso­fern führst du hier eine Stroh­mann-Debat­te. Es geht nicht dar­um, dass irgend­wer Chris­ten ärgern will, son­dern dass Chris­ten ihre pri­va­ten Nor­men gegen­über Leu­ten durch­set­zen wol­len, die ihnen über­haupt nichts getan haben.

  14. @Christian: Dem Geset­zes­text nach wäre auch die Lesung im Thea­ter betrof­fen. Und wie Lars schon sagt (konn­te das lei­der erst heu­te frei­schal­ten, war krank­heits­be­dingt nicht am Rech­ner) – das kommt nicht aus Athe­is­tIn­nen-Krei­sen, son­dern von Leu­ten, die ger­ne fei­ern wollen.

    @Hanno: Gehört lei­der zu dem Paket »Kret­sch­mann«, dass das eher kein The­ma wird, den­ke ich.

  15. @Lars: Wie­so schlie­ßen denn aber auch Clubs unter Kennt­nis der Geset­zes­la­ge nicht künd­ba­re Ver­trä­ge mit Künst­lern? Das scheint mir wirk­lich ziem­lich unver­nünf­tig zu sein. Ich fin­de ja auch nicht jedes Park­ver­bot rich­tig, aber wenn ich mei­ne Kar­re trotz­dem dort abstel­le… Das wür­de mich auch irri­tie­ren, wenn ich dort Ord­nungs­de­zer­nent wäre – auch wenn ich die unauf­ge­reg­te Posi­ti­on der CDU in die­sem Fall natür­lich sinn­vol­ler finde.

    @Till: »…son­dern von Leu­ten, die ger­ne fei­ern wol­len.« Und die haben echt kei­ne ande­re Chan­ce dies zu tun als am Kar­frei­tag. Ich ver­ste­he das nicht – ist denn ein ein­zi­ger Tag Rück­sicht­nah­me im gan­zen Jahr für man­che schon zuviel? Ist das wirk­lich die grü­ne Linie – und wäre sie es auch, wenn es um Rück­sicht­nah­me auf einen isla­mi­schen Fei­er­tag gin­ge? In vie­len evan­ge­li­schen Kitas und Schu­len wird bei­spiels­wei­se aus Rück­sicht­nah­me auf mus­li­mi­sche Fami­li­en zu bestimm­ten Zei­ten auf den Kon­sum von Schwei­ne­fleisch ver­zich­tet – das hat­ten die Grü­nen, soweit ich mich erin­ne­re, aus­drück­lich als Ges­te der reli­giö­sen Tole­ranz begrüßt. Also: Einen Monat kein Schwei­ne­fleisch für alle ist eine gute, da tole­ran­te Idee, aber einen Abend kei­ne Mega-Par­ty in der Dis­co ist nicht auszuhalten?

  16. @Christian: Wie gesagt, ich bezweif­le, dass die Stö­rung des stil­len Fei­er­tags durch die Groß­disdko am Stadt­rand für die Kirch­gän­ge­rIn­nen tat­säch­lich bemerk­bar wäre – da liegt auch der Haupt­un­ter­schied zur Rück­sicht­nah­me auf mus­li­mi­sche Fei­er­ta­ge in Kitas und Schulen.*

    * Zum The­ma Ernäh­rung in Kitas und Schu­len aus Sicht eines über­zeug­ten Vege­ta­rie­res ange­sichts extrem gerin­ger Wahl­frei­heit dort sage ich jetzt mal nichts.

  17. Pres­se­mit­tei­lung von MdB Sig­rid Beer:

    »Für mich als Chris­tin ist und bleibt der Kar­frei­tag ein Stol­per­stein in der Gesell­schaft. Und das ist auch gut so. In unse­rem gesell­schaft­li­chen All­tag neh­men Hek­tik und Kon­sum häu­fig viel Raum ein. Des­halb braucht die­se Gesell­schaft auch einen stil­len Fei­er­tag wie den Kar­frei­tag, an dem sie auf sich selbst zurück­ge­wor­fen wird. Die­ser Tag bie­tet allen die Gele­gen­heit, sich Zeit zur Besin­nung zu neh­men und über die Wer­te mensch­li­chen Zusam­men­le­bens nach­zu­den­ken. Ob dies aus christ­li­cher Moti­va­ti­on geschieht oder nicht, bleibt jedem selbst über­las­sen. Jede und jeder kann die­sen Fei­er­tag indi­vi­du­ell gestalten.

    Wir als Grü­ne begeg­nen den Chris­tin­nen und Chris­ten in Nord­rhein-West­fa­len mit der glei­chen Tole­ranz und dem glei­chen Respekt wie allen Anders- oder Nicht­gläu­bi­gen. Zu die­sem Respekt gehört auch die Ach­tung vor reli­giö­sen Fei­er­ta­gen. Am Fei­er­tags­ge­setz ist kei­ne Ände­rung vorgesehen.«

    http://www.ruhrbarone.de/karfreitag-grune-bleiben-fromm/

    Fall erle­digt (neh­me ich mal an). Jetzt kön­nen wir uns wie­der wich­ti­ge­ren The­men zuwenden :-)

  18. @Christian
    Sicher gibt es wich­ti­ge­re The­men, aber die gibt es immer. Mir scheint es so, dass es Gläu­bi­gen gar nicht auf­fällt, wie oft Nicht-Gläu­bi­ge mit reli­giö­sen Zwän­gen kon­fron­tiert wer­den. Mir geht es da ums Prin­zip: Ich wer­de weder am Kar­frei­tag trau­ern noch am Oster­mon­tag fei­ern, son­dern wohl am Com­pu­ter sit­zen und ver­su­chen mei­ne Habi­li­ta­ti­on zu Ende zu schrei­ben. Dass ich jetzt am Don­ners­tag Abend statt am Frei­tag ins Sta­di­on muss, ist da eigent­lich egal – einen trif­ti­gen Grund dafür sehe ich aber auch nicht. OK, von mir aus kann man das als Ges­te wer­ten an die­je­ni­gen, die ihren Glau­ben pfle­gen und trotz­dem nicht ein Spiel ver­pas­sen möchten.

    Es endet aber doch nicht damit, son­dern, das erfährt man als Eltern manch­mal ein­dring­li­cher als man möch­te, betrifft bei­spiels­wei­se die Schu­le. Ich fin­de es nicht in Ord­nung, dass ein Kreuz im Klas­sen­zim­mer hängt; ich fin­de es nicht in Ord­nung, dass außer­halb des Reli­gi­ons­un­ter­richts gebe­tet wird (und bei den Per­so­nen, die das prak­ti­zie­ren, soll­te man bes­ser nicht dage­gen aufbegehren)…

    Die Rege­lung der stil­len Fei­er­ta­ge ist für mich daher schlicht ein typi­sches Bei­spiel dafür, dass sich der Ein­fluss der Reli­gi­on (oder eher noch der Kir­chen) dort gel­tend macht, wo er nichts zu suchen hat: im Bereich staat­li­cher Insti­tu­tio­nen. Ich akzep­tie­re ja schon, dass ein gro­ßer Teil mei­ner frei­en Tage reli­gi­ös fest­ge­legt wird, dass ich am Sonn­tag nicht ein­kau­fen kann, aber aus dem Bett geklin­gelt wer­den darf, dass Pro­zes­sio­nen die Stra­ße blo­ckie­ren usw. Ungläu­bi­ge sind in die­ser Hin­sicht eher unsicht­bar und ver­lan­gen ande­ren im öffent­li­chen Raum – so wie ich es sehe – letzt­lich nie Tole­ranz ab, weil sie – obwohl eine immer grö­ße­re Men­ge – nicht als Grup­pe orga­ni­siert auf­tre­ten. Daher fin­de die For­de­rung, dass man hier Tole­ranz üben sol­le, letzt­lich grotesk.

  19. Ich wer­de mich dem öffent­li­chen Spaß hin­ge­ben, am Frei­tag im Kino den unver­gleich­li­chen Peter Sel­lers in »The Par­ty« vom eben­falls unver­gleich­li­chen Bla­ke Edwards zu genießen.

    »Bir­die Num Num«

  20. Aus mei­ner Sicht ist die Lage so:

    Die Fei­er­ta­ge sind zwar staat­lich. Aber sie sind nicht will­kür­lich, son­dern eben auf christ­li­che Fei­er­ta­ge gelegt und waren his­to­risch dafür gedacht, dass die Leu­te die Riten fei­ern kön­nen. Und dazu gehört eben die Trauer.

    Die Kon­se­quenz aus der Erlaub­nis müss­te sein: Alle Fei­er­ta­ge abschaf­fen und sinn­vol­ler über das Jahr verteilen ;)

    Abge­se­hen davon gibt es ja genü­gend Mög­lich­kei­ten, sich trotz­dem zu ver­gnü­gen, selbst wenn man nicht tan­zen kann. Es dürf­te eigent­lich nie­mand zu kurz kommen.

  21. @Lars Fischer, wenn man den Arti­kel in der Frank­fur­ter Rund­schau ließt, kommt einem schon die kal­te Wut hoch. Aus dem an sich, als Min­der­hei­ten­schutz gedach­ten Fei­er­ver­bot, macht der FDP Ord­nungs­de­zer­nent eine unsin­ni­ge Spaß­brem­se, die den Chris­ten mehr scha­det als sonst was. Das Ergeb­nis der Online­um­fra­ge zeigt, dass Athe­ist zu sein, zur Zeit hip ist, Haupt­sa­che Party.

    Schaut man sich die Umfra­ge genau­er an, wol­len dop­pelt so vie­le das Tanz­ver­bot auf weni­ge Stun­den am Kar­frei­tag begren­zen. Den rest­li­chen 9% geht es wohl weni­ger um christ­li­che Befind­lich­keit, son­dern dar­um, gegen den Main­stream zu sein. Denn aus christ­li­cher Sicht ist der Kar­sams­tag (und nicht etwa Oster­sams­tag) gar kein Fei­er­tag, wobei sich hier katho­li­sche und evan­ge­li­sche Kir­che deut­lich unter­schei­den und Ostern gilt als freu­digs­tes Fest über­haupt, wes­halb ein Fei­er­ver­bot absurd wäre.

    Um aber auf Tills Blog zurück zu kom­men, habe ich mir das The­ma bei Wiki­pe­dia ange­se­hen. Dort zeigt sich, dass die Bun­des­län­der ganz unter­schied­lich damit umge­hen. Es sind eigent­lich nur zwei Län­der, die etwas über das Ziel hin­aus­schie­ßen, Hes­sen und noch schlim­mer Baden Würt­tem­berg. In NRW ist eigent­lich nur der Kar­frei­tag betrof­fen, der sehr aus­gie­big ver­bo­ten ist (6 Stun­den am Don­ners­tag davor und 6 Stun­den am Sams­tag danach) und der Hei­li­ge Abend. Der aller­dings erst an 16:00 Uhr. Mal ehr­lich, wer ist an die­sem Tag nicht mit sei­ner Fami­lie zusam­men? Wei­ter gilt das Ver­bot nur an drei Tagen, Aller­hei­li­gen, dem Volks­trau­er­tag und dem Ewig­keits­sonn­tag, wobei der Volks­trau­er­tag kein kirch­li­ches Fest ist. Doch an die­sen Tagen gilt das Ver­bot nur bis 18:00. Wer bit­te­schön und wel­che Dis­co fei­ert schon tagsüber?

    Neben HE und BW dür­fen sich die Bay­ern zu Recht ärgern. Doch was Tra­di­ti­on und Kir­che anbe­langt, sind die Leu­te von süd­lich von Süd­deutsch­land eini­ges an Leid gewohnt.

  22. @Jens: Ich ver­ste­he ja die Grün­de der­je­ni­gen, die sich Kar­frei­tags­ver­bo­te kri­ti­sie­ren durch­aus, so rich­tig über­zeugt hat mich aller­dings noch nichts. Neh­men wir die Prin­zi­pi­en: Wie oben geschrie­ben hät­te ich prin­zi­pi­ell ver­mut­lich auch das Recht auf das gro­ße Schwei­ne­fleisch­gril­len am Aschu­ra direkt gegen­über der Moschee, trotz­dem käme es mir nie in den Sinn, die­ses Recht auch ein­zu­for­dern. Der Grund dafür ist ein­fa­che gesell­schaft­li­che Rück­sicht­nah­me, die für mich das »prin­zi­pi­ell dürf­te ich ja« ein­fach toppt. Ob man das in Geset­ze gie­ßen muss, ist eine ganz ande­re Fra­ge, dass jeman­dem durch den Weg­fall der abend­li­chen Dis­ko-Opti­on an einem von 365 Tagen im Jahr ein gro­ßer Scha­den ent­steht, sehe ich jeden­falls nicht.

    Oder neh­men wir die Kreu­ze im Klas­sen­zim­mer: Die sind nun wirk­lich durch alle Instan­zen hin­weg bekämpft wur­den, seit 2009 liegt nun ein end­gül­ti­ges, nicht mehr anfecht­ba­res Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te vor, dem­zu­fol­ge die Kreu­ze völ­lig in Ord­nung sind:

    http://diepresse.com/home/bildung/schule/hoehereschulen/642667/EGMR_Kreuz-im-Klassenzimmer-ist-rechtens

    Trotz­dem wird das The­ma nicht fal­len­ge­las­sen, son­dern immer wie­der behaup­tet, eigent­lich wäre es ja nicht rech­tens, dass da ein Kreuz etc. pp. Auch der Grund für die­sen stän­di­gen Kampf gegen die reli­giö­sen Pri­vi­le­gi­en ist mir ehr­lich gesagt noch immer schlei­er­haft; ich sehe auch nicht, wie sich durch ein »weg damit!« irgend­was in der Gesell­schaft ver­bes­sern würde.

    »…und bei den Per­so­nen, die das prak­ti­zie­ren, soll­te man bes­ser nicht dage­gen aufbegehren…«

    Und das in einem grü­nen Blog. Da stau­ne ich ja. Die meis­ten Ver­tre­ter der wohl ange­spro­che­nen Grup­pe kann man übri­gens durch­aus anspre­chen und offen kri­ti­sie­ren, ohne dass einem des­halb etwas Böses wider­fährt – zumin­dest mei­ner Erfah­rung nach. Extre­mis­ten fal­len nur – egal in wel­cher Grup­pe – ein­fach mehr auf.

    »Ungläu­bi­ge sind in die­ser Hin­sicht eher unsicht­bar und ver­lan­gen ande­ren im öffent­li­chen Raum – so wie ich es sehe – letzt­lich nie Tole­ranz ab.«

    Schwer zu sagen, da teil­wei­se der Stand­punkt ver­tre­ten wird, im öffent­li­chen Raum dür­fe von Reli­gi­on Null­kom­ma­nix zu sehen oder zu bemer­ken sein. Auch sol­che For­de­run­gen haben mei­nes Erach­tens nach etwas mit man­geln­der Tole­ranz zu tun – ich ertra­ge im öffent­li­chen Raum auch vie­le poli­ti­sche und welt­an­schau­li­che Sich­ten, die ich nicht tei­le – war­um kei­ne reli­giö­sen. Ich fin­de, das gehört zu einer plu­ra­lis­ti­schen Gesell­schaft ein­fach dazu…

  23. @Christian
    Dei­ne Posts zei­gen mir, wie wich­tig es ist, die­se Sache wei­ter zu dis­ku­tie­ren, da man als Christ offen­sicht­lich doch vie­le Din­ge als ’nicht so gra­vie­rend‹ ansieht, die man als Nicht-Christ erlebt.

    1. Zwi­schen den Zei­len stand es doch schon: Ich habe so mei­ne Erfah­run­gen mit dem Beten in der Grund­schu­le. Als ich dar­auf hin­wies, dass ich nicht will, dass mein Sohn auf­ste­hen und mit­be­ten soll, wur­de mir das baye­ri­sche Schul­ge­setz vor die Nase gehal­ten, das die Schu­le auf­for­de­re im christ­li­chen Sinn zu erzie­hen. Wie das Klein­ge­druck­te mit der Berück­sich­ti­gung der Inter­es­sen ande­rer aus­ge­legt wird, konn­te ich dann erle­ben. Das Pro­blem mit die­sem in der Schu­le aus­ge­stell­ten Glau­ben ist die zugrun­de­lie­gen­de Über­zeu­gung, dass man recht hat und das Recht hat, sei­ne Über­zeu­gun­gen auf ande­re zu über­tra­gen. Gera­de Grund­schu­len sind ein Raum, indem ver­sucht wird die Kin­der zu errei­chen, die zu Hau­se eben nicht mehr aus­rei­chend christ­lich erzo­gen wer­den. Kurz: Lei­der konn­te man auf die­ser Schu­le nicht län­ger blei­ben, wir muss­ten also umzie­hen. Im übri­gen: Genau­so­we­nig wie ich in durch mei­ne Steu­er­gel­der finan­zier­ten Insti­tu­tio­nen den Glau­ben ande­rer Leu­te ins Gesicht gedrückt bekom­men will, möch­te ich ihnen mein Nicht-Glau­ben erklä­ren. Das ist es, wor­um es geht. Und in wel­chem Glau­ben oder Nicht-Glau­ben Kin­der zu erzie­hen sind, hat der Staat mei­ner Mei­nung nach nicht vorzuschreiben.

    2. Dass der Euro­päi­sche Gerichts­hof gesagt hat, dass man kei­nen Anspruch auf ein Klas­sen­zim­mer hat, in dem kein Kreuz hängt, ist mir bekannt. Es han­delt sich dabei um eine juris­ti­sche Ent­schei­dung, zu der ich mich immer noch so oder so posi­tio­nie­ren kann. Ich hal­te sie für falsch. Es han­delt sich damit um ein per­sön­li­ches Bekennt­nis, das für mich im Klas­sen­raum nichts zu suchen hat. Da darf der Leh­rer oder die Leh­re­rin auch kein Por­trät von Marx oder ein Wahl­pla­kat der Grü­nen auf hän­gen. Und es wäre wahr­schein­lich auch nicht gedeckt, wenn dort ein Schild hin­ge, ich bin über­zeugt, dass es kei­nen Gott gibt. Das mei­ne ich mit der asym­me­tri­schen For­de­rung nach Toleranz.

    3. Ich habe nichts gegen Zei­chen des Reli­giö­sen im öffent­li­chen Raum. In Süd­ba­den, wo ich lebe, hängt (mit Aus­nah­me von Frei­burg) an jedem zwei­ten Haus ein Kreuz, das Frei­bur­ger Müns­ter soll blei­ben, ich habe auch gläu­bi­ge Freun­de und wenn mei­ne Stu­die­ren­den ein Kreuz tra­gen, dann sol­len sie das tun. Ich will bloß nicht, dass mir reli­giö­ses Han­deln vor­ge­schrie­ben wird. Wer ent­schei­det denn, ob ich in der Hek­tik des All­tags einen »Stol­per­stei­ne« oder einen »Tag der Besin­nung« brau­che? Das ist nicht Sache des Staates.

    4. Das Argu­ment, dass man ohne gesetz­li­che Ver­bo­te die Got­tes­diens­te stö­ren wür­de, geht nun wirk­lich völ­lig am Kern vor­bei. Into­le­rant wäre es tat­säch­lich, wenn ich absicht­lich am Kar­frei­tag vor die Kir­che zie­he, Par­ty mache und Fleisch bra­te, um die Got­tes­dienst­be­su­cher zu pro­vo­zie­ren. Da über­schätzt Du aber das Sen­dungs­be­wusst­sein sehr – mir fie­le wirk­lich kein Athe­ist oder Agnos­ti­ker ein, der sich das her­aus­neh­men wür­de. Dar­um geht es dem Gesetz ja auch nicht, sonst wäre es anders formuliert.

  24. @Jens: Vie­len Dank für die aus­führ­li­che Ant­wort. In der Tat emp­fin­de ich vie­le der dar­ge­leg­ten Din­ge als »nicht so gra­vie­rend«, was man natür­lich mei­ner Kir­chen­zu­ge­hö­rig­keit zuschrei­ben könn­te, eigent­lich aber Ergeb­nis mei­ner fes­ten Über­zeu­gung ist, dass man die Kon­fron­ta­ti­on mit ande­ren Ansich­ten und Welt­bil­dern eben irgend­wo aus­hal­ten muss – auch wenn sie einen in der Schu­le oder in ande­ren staat­li­chen Ein­rich­tun­gen trifft und an sich unwill­kom­men ist. Ins­be­son­de­re den­ke ich nicht, dass Eltern ein Anrecht dar­auf haben, dass die Schu­le die Kin­der ideo­lo­gisch in ihrem Sin­ne erzieht. Das betrifft die Evan­ge­li­ka­len, deren Kin­der in der Schu­le etwas von Evo­lu­ti­on hören eben­so wie die Athe­is­ten, deren Kin­der irgend­wo in der Schu­le ein Kreuz hän­gen sehen wie eben auch kon­ser­va­ti­ve AKW-Befür­wor­ter, die damit leben müs­sen, dass ein grün ange­hauch­ter Leh­rer ihren Kin­dern auch mal was von Fuku­shi­ma erzählt.…

    Will sagen: Es gibt in einer plu­ra­lis­ti­schen Gesell­schaft kein Recht dar­auf, nicht mit nicht geneh­men Welt­an­schau­un­gen und Ideo­lo­gien kon­fron­tiert zu wer­den – auch nicht von »oben«. Soll­ten etwa die Lin­ken hier in Sach­sen-Anhalt irgend­wann doch noch eine Mehr­heit bekom­men, könn­te ich es auch nicht ver­hin­dern, dass ein Minis­ter oder Staats­se­kre­tär sich öffent­lich über die gro­ßen Vor­tei­le des Sozia­lis­mus aus­lässt. Aus der Tat­sa­che, dass ich eine ande­re Sicht der Din­ge habe, kann ich mei­nes Erach­tens nach noch nicht das Recht ablei­ten, dass ich selbst oder mei­ne (hypo­the­ti­schen) Kin­der nie mit anders­lau­ten­den Ansich­ten behel­ligt wer­den, sei­en sie nun poli­ti­scher, reli­giö­ser oder phi­lo­so­phi­scher Natur…

    Zu den kon­kre­ten Bei­spie­len sei gesagt: (1) Kin­der in der Schu­le zum Beten zwin­gen ist natür­lich eine völ­lig unmög­li­che Maß­nah­me und mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit auch nicht durch das baye­ri­sche Schul­ge­setz gedeckt. Einen »Betzwang« christ­lich-theo­lo­gisch zu unter­mau­ern, stel­le ich mir völ­lig unmög­lich vor – in die­sem Punkt sind wir uns also völ­lig einig. Hat sich dies­be­züg­lich mal jemand beim ört­li­chen Kir­chen­ver­tre­ter beschwert? Der kann eine sol­che Pra­xis eigent­lich gar nicht gut heißen…

    (2) Die Sache mit dem Kreuz ist mei­nes Erach­tens nach eine ande­re, da es sich hier nicht um ein per­sön­li­ches Bekennt­nis des Leh­rers son­dern um ein tra­dier­tes Kul­tur­gut han­delt, das per se sicher­lich auch kein Kind in dem einen oder ande­ren Sin­ne beein­flusst. Ein Raum mit Kreuz macht mit so wenig gläu­big wie eine Gara­ge mich zum Auto macht – oder Coun­ter­strike-Spie­len zum Amokläufer. 

    (3) Mit einem »Tag der Ruhe« wird einem ja kein reli­giö­ses Han­deln vor­ge­schrie­ben, schließ­lich kann man sich pro­blem­los mit einem Kas­ten Bier auf der Couch flä­zen und sich den gan­zen Tag Sit­coms rein­zie­hen. Unter­sagt sind nur bestimm­te For­men des öffent­li­chen Fei­erns, die ande­re in ihrer Andacht stö­ren könn­ten – und da sind wir wie­der bei dem Punkt der gesell­schaft­li­chen Rück­sicht­nah­me. Wo jeman­dem eine reli­giö­se Hand­lung auf­ge­zwun­gen wird, sind natür­lich Gren­zen über­schrit­ten – ich kann aber nicht erken­nen, inwie­fern ein Kreuz im Raum oder ein Ver­bot lau­ter Fei­ern an einem Abend des Jah­res schon eine reli­giö­se Zwangs­hand­lung kon­sti­tu­ie­ren könnte…

    (4) Dass der orga­ni­sier­te Athe­is­mus kein Sen­dungs­be­wusst­sein hat, wage ich dann doch zu bezwei­feln ;-) Allein schon aus plu­ra­lis­ti­schen Gesichts­punk­ten steht ihm der übri­gens abso­lut zu, solan­ge gewis­se Gren­zen ein­ge­hal­ten wer­den. Die Bus­kam­pa­gne etwa war mei­nes Wis­sens nach doch recht erfolgreich…

  25. Fühl­te mich heu­te bei der Lek­tü­re eines der bekann­te­ren athe­is­ti­schen Blogs an die­sen Post erin­nert, daher sozu­sa­gen noch ein Nach-Kom­men­tar als post scrip­tum: Solan­ge die Grü­nen sich nicht bedin­gungs­los für PID aus­spre­chen und ver­mut­lich auch in allen ande­ren Fra­gen eine exak­te Gegen­po­si­ti­on zur Kir­che ein­neh­men, wer­den sie für Tei­le der athe­is­ti­schen Com­mu­ni­ty untrag­bar sein und blei­ben – selbst wenn sie das Tanz­ver­bot abschaffen:

    »Kein Wun­der, dass die Grü­nen mehr Mus­li­me in Deutsch­land haben wol­len, wenn die Umwer­tung aller Wer­te ihr Pro­gramm ist. Alles, was jahr­hun­der­te­lang als schlecht galt, das gilt auf ein­mal als ein „Aus­druck mensch­li­cher Viel­falt“. Egal, was es ist! Es wird nicht mehr lan­ge dau­ern, dann ver­lan­gen die Grü­nen die staat­li­che För­de­rung von Mor­den, denn auch Mord ist ein „Aus­druck mensch­li­cher Viel­falt“. Man stel­le sich eine Gesell­schaft ohne Mor­de vor. Wie lang­wei­lig, wie kon­ser­va­tiv, wie homo­gen und viel­falts­frei. Und Viel­falt als sol­che ist bereits gut. Kinderfi***n ist ein Aus­druck mensch­li­cher Vielfalt.«

    http://feuerbringer.com/2011/05/31/grune-wollen-behinderungen-fordern/

    Kann das wirk­lich eure Kli­en­tel sein, für die ihr gegen das Tanz­ver­bot mobil­ma­chen wollt…?

      1. @Till: Ich weiß nicht. Käme ich denn bei »Mos­lems sind Kinderf****r« bei Dir allein schon mit dem Ver­weis auf den »Mei­nungs­plu­ra­lis­mus inner­halb einer kon­ser­va­ti­ven Volks­par­tei« vom Haken…? Selbst in lin­ken Volks­par­tei­en gibt es für Ähn­li­ches ja schon mal (erfolg­lo­se) Aus­schuss­ver­fah­ren. Im Übri­gen hal­te ich ange­sichts sol­cher und ähn­li­cher Tex­te die hier wei­ter oben getrof­fe­ne Aus­sa­ge, es sei nicht zu erwar­ten, dass jemand die Auf­he­bung des Tanz­ver­bo­tes unbot­mä­ßig nut­zen könn­te, um die nächs­te Kar­frei­tags­par­ty direkt vor der Kir­che zu orga­ni­sie­ren, für mehr als fragwürdig…

  26. Es ist schon inter­es­sant, wie in Deutsch­land die Fei­er­ta­ge mit reli­giö­sem Hin­ter­grund ver­tei­digt wer­den. Nur so als Info: im katho­li­schen Ita­li­en ist Kar­frei­tag ein ganz nor­ma­ler Arbeits­tag, nur der Oster­mon­tag wird für Fami­li­en­aus­flü­ge genutzt. Auch im katho­li­schen Öster­reich ist der Kar­frei­tag kein Fei­er­tag. Ich fra­ge mich wirk­lich, war­um wir in Deutsch­land soviel Rück­sicht auf Befind­lich­kei­ten neh­men, die nicht mehr dem Mehr­heits­welt­an­schau­ung der Bevöl­ke­rung ent­spricht – oder wer glaubt ernst­haft, dass am Kar­frei­tag der fleisch­ge­wor­de­ne Gott gestor­ben ist? (plus die gan­ze Him­mel­fahrts­ge­schich­te danach) Aber wenn es dem Reli­gi­ons­frie­den im Lan­de dient und sich die Kir­chen sonst aus dem öffent­li­chen Leben raus­hal­ten, Ok. Ah, Moment… ;)

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