Acht statt zwölf

Wis­sen­schaft ist Defi­ni­ti­ons­sa­che. Und man­che wis­sen­schaft­li­che Defi­ni­ti­on hat auch einen erheb­li­chen Ein­fluss dar­auf, wie wir alle unse­re Wirk­lich­keit wahr­neh­men. Z.B. weiss doch jedes Kind, dass es neun Pla­ne­ten gibt. In den letz­ten Tagen wur­de inner­halb der inter­na­tio­na­len Astro­no­me­n­ver­ei­ni­gung dar­über dis­ku­tiert, eine Defi­ni­ti­on über den Pla­ne­ten­sta­tus fest­zu­le­gen, nach der meh­re­re in letz­ter Zeit ent­deck­te Objek­te eben­so wie der Aste­ro­id Ceres Pla­ne­ten­sta­tus erhal­ten hät­ten. Das wären dann zwölf bis ?? Pla­ne­ten gewe­sen. Doch – so berich­tet jeden­falls Spie­gel online – die end­gül­ti­ge Ent­schei­dung fiel anders aus: Plu­to ist ab sofort kein Pla­net mehr: zu klein und zu exentrisch.

Update: in der CNN-Mel­dung zu dem gan­zen gibt es einen schö­nen Satz zum Ver­hält­nis von Defi­ni­ti­on und Rea­li­tät. Da steht nämlich:

It was unclear how Pluto’s demo­ti­on might affect the mis­si­on of NASA’s New Hori­zons space­craft, which ear­lier this year began a 91/​2‑year jour­ney to the oddball object to unearth more of its secrets.

Wenn ich das rich­tig inter­pre­tie­re, dann mag die NASA mög­li­cher­wei­se ungern Din­ge anflie­gen, die kei­ne Pla­ne­ten mehr sind? Oder wie sonst ist »affect the mis­si­on« zu ver­ste­hen? Hat sich Plu­tos Anzie­hungs­kraft, Ent­fer­nung usw. mit der Ent­schei­dung geän­dert, so dass die NASA-Son­de jetzt – nach­dem Plu­to kein ech­ter Pla­net, son­dern nur noch ein »dwarf pla­net« ist – dran vor­bei­flie­gen wird?

> Mel­dung bei Spie­gel online über die IAU-Ent­schei­dung, Plu­to den Pla­ne­ten­sta­tus abzuerkennen
> Tele­po­lis von ges­tern: zwölf Planeten
> CNN-Mel­dung

Soziale Netzwerke patentiert?

Gera­de auf Boing­Bo­ing gefun­den: eine ame­ri­ka­ni­sche Fir­ma hat sich com­pu­ter­ge­stütz­te Dar­stel­lung sozia­ler Netz­wer­ke paten­tie­ren las­sen. Mich wun­dert, dass so ein gene­rel­les Patent über­haupt ein­ge­tra­gen wird. Das gan­ze zeigt jeden­falls, wie unsin­nig Paten­te auf Soft­ware bzw. auf Ver­fah­rens­ab­läu­fe sind. Wenn sich die Fir­ma mit ihrem Patent durch­setzt, dürf­te das für ziem­li­che vie­le Web‑2.0‑Websites zu einem Pro­blem werden.

> US Patent 7069308
> Update: Kur­zer Arti­kel dazu bei Tele­po­lis (Flo­ri­an Rötzer)

Schach?

Eine inter­es­san­te Spe­ku­la­ti­on fin­det sich im Hei­se-Forum zu einem Tele­po­lis-Arti­kel [1]: Nach­dem die CDU sich jetzt auf Mer­kel als Kan­di­da­tin für die Kanz­le­rin fest­ge­legt hat, muss Schrö­der nur noch her­aus­fin­den, dass sein Plan zu vor­zei­ti­gen Neu­wah­len lei­der nicht umsetz­bar ist und bis 2006 wei­ter­re­gie­ren … gegen eine dann ziem­lich dumm daste­hen­de CDU.

((Aller­dings glau­be ich nicht an der­art ver­we­ge­ne Schach­zü­ge – inter­es­sant wär’s.))

Altes aus Xanga, Teil XII

Wed­nes­day, Janu­a­ry 07, 2004

No tea for australia

In der News­group alt.fans.douglas-adams ist es guter Brauch, sich zu Weih­nach­ten (ech­te!) Kar­ten zu schi­cken. Dies­mal habe ich den Brie­fen noch einen Beu­tel lecke­ren indi­schen Tee bei­gelegt. Der kam auch über­all gut an – nur nicht in Aus­tra­li­en … (sie­he Links).

> Umschlag

> Brief


Mon­day, Decem­ber 22, 2003

Google-Sammlung, Teil V

Pünkt­lich zum Win­ter­an­fang ver­sinkt auch Goog­le im Schnee …


Wed­nes­day, Decem­ber 17, 2003

Google-Sammlung, Teil IV

Google feiert das Fliegen

Goog­le fei­ert das Flie­gen mit Links zu den Wright Bro­thers


Sunday, Decem­ber 14, 2003

Revolutionäres

Inzwi­schen ist auch der drit­te Teil der Matrix-Tri­lo­gie in den Kinos. Ers­ter Ein­druck: ziem­lich gewalt­tä­tig, aber deut­lich bes­ser als der zwei­te Teil. In der Eta­blie­rung einer durch­aus eigen­stän­di­gen Ästhe­tik knüpft Matrix Revo­lu­ti­ons an den ers­ten Teil an. Die gewalt­tä­ti­gen Sze­nen sind (mal abge­se­hen von eini­gem eher in Rich­tung Hor­ror ten­die­ren­dem) durch­kom­po­niert, rasant und pas­send exakt zum Soundtrack. 

Was lässt sich sonst dar­über sagen? Nach dem Besuch von Matrix II hat­te ich geschrieben:

Pro­gno­sen für Matrix III: Wenn’s schlecht läuft, noch mehr Akti­on, noch weni­ger Sinn hin­ter den Phi­lo­so­phielek­tio­nen, ein wun­der­sa­mer Wan­del des Musik­stils fürs ers­te Drit­tel und ein Mensch und Mensch gewor­de­ne Maschi­ne (Smith als Virus) beglü­cken­des Hap­py End. Oder noch schlim­mer: alles nur ein böser Traum oder (eXis­tenz) nur ein Com­pu­ter­spiel. Wenn’s gut läuft, kommt in der Syn­the­se alles anders, Cybor­gi­sie­rung, Macht­kämp­fe in der Matrix und Macht­kämp­fe in Zion, die zu neu­en Alli­an­zen füh­ren. Die Ent­schei­dun­gen sind längst gefallen.

Erfüllt hat sich bei­des. Es gibt einer­seits einen neu­en Musik­stil und eine Mas­sen­tanz­sze­ne (eine schick-scheuß­li­che Edella­tex­dis­ko) im ers­ten Drit­tel, und die Phi­lo­so­phie (Lie­be und Kar­ma, und ganz viel Gerau­ne über schein­ba­re Zufäl­le und Zusam­men­hän­ge) ist viel­leicht doch nicht so tief­grei­fend wie sie sein könn­te. Und zum The­ma Akti­on sie­he oben. Ande­rer­seits: Lösung nur in der Ver­ei­ni­gung von Mensch und Maschi­ne (in den Kampf­ma­schi­nen Zions genau­so wie in Neos Ende), Frak­ti­ons­bil­dung und Kon­stel­la­tio­nen in Matrix und Zion. Was rich­tig erscheint, kann auch falsch sein. Waf­fen­still­stand im Kampf gegen den gemein­sa­men Feind Virus Smith. Das gan­ze span­nend dar­ge­stellt (wobei mir das genaue Ende der Matrix plot­ho­le­ver­däch­ti­ges Kopf­zer­bre­chen berei­tet: läuft sie jetzt virus­be­freit wei­ter, und was genau wird aus den hori­zont­fül­len­den Men­schen­far­men – und aus den abtrün­ni­gen Pro­gram­men?), in kla­re Sym­bo­le gegos­sen (der geblen­de­te Seher etc.). Star­ke Frau­en, tra­gi­sche Tode, mul­ti­kul­tu­rel­le Bot­schaf­ten. Aber eben auch: Gewalt. Letzt­lich aber lei­der doch kla­re Lini­en zwi­schen abso­lut gut und abso­lut böse. Und Neo als Mes­sias­fi­gur, regen­bo­gen­strah­lend und glü­hend in den Him­mel geho­ben. So wer­den Reli­gio­nen begründet.

Fazit: I & (wenn auch nicht dran her­an­kom­mend) III sind stil­bil­dend, II war schwä­cher. Ins­ge­samt dürf­te der Matrix­my­thos sich inzwi­schen ins kol­lek­ti­ve Unbe­wuss­te ein­ge­gra­ben haben (sie­he auch den Mea­trix-Link unten, der schön damit spielt). Pro­gno­se: Das nächs­te in Rich­tung Matrix ist Zion als Set­ting für Vor­abend­se­ri­en a la Star Trek. Figu­ren und Wel­ten­buil­ding dafür gibt es mehr als genug.

> The Matrix
> The Mea­trix
> Veriss in Telepolis

P.S.: Der ande­re Win­ter­film – nein, nicht LOTR, son­dern Fin­det Nemo – ist tat­säch­lich sehr nied­lich und komisch, auch wenn er manch­mal für mei­nen Geschmack etwas unent­schie­den zwi­schen zei­chen­trick­ar­ti­ger und rea­lis­ti­scher CGI, zwi­schen Kin­der­film und Zita­ten­samm­lung für Erwach­se­ne pen­delt, und wenn ich das Mer­chan­di­sing sowie Wer­be­ak­tio­nen in Zoo-Geschäf­ten so unge­fähr exakt gegen­sätz­lich zur Bot­schaft des Fil­mes fin­de. Am bes­ten sind übri­gens die Schildkröten.


Fri­day, Octo­ber 31, 2003

Google-Kunst-Sammlung, Bd. III