Die Reproduktion der Geschlechterdifferenz im Lego-Club

Mei­ne Toch­ter ist der­zeit sehr an Lego inter­es­siert. Des­we­gen ärgert es mich ziem­lich, dass Lego seit eini­ger Zeit ange­fan­gen hat, »Mäd­chen­rei­hen« auf­zu­le­gen. Das Pro­blem sind nicht die Schlös­ser, Schön­heits­sa­lons oder rosa­far­be­ne Lego­stei­ne, son­dern die Tat­sa­che, dass ein weit­ge­hend geschlechts­neu­tra­les Spiel­zeug jetzt ent­lang des Rosa-Oliv­grün-Gra­bens ver­mar­ke­tet wird (und nach und nach immer stär­ker ent­spre­chend aus­ge­formt wird). 

Z. baut aus Lego-Stei­nen Häu­ser, Raum­schif­fe, Ali­ens, Schif­fe und Fahr­zeu­ge. Vor eini­gen Tagen haben wir ihren 7,5ten Geburts­tag gefei­ert (7,5, weil der eigent­li­che Geburts­tag zwi­schen Weih­nach­ten und Neu­jahr liegt, und es sich da so schlecht fei­ern lässt). Auf Z.s Wunsch­zet­tel stand auch Lego. Das habe ich diver­sen Eltern gesagt, ich habe auch gesagt, dass Z. an Pira­ten und Raum­schif­fen inter­es­siert sei. 

Bekom­men hat sie eine Kut­sche und ein rosa­far­be­nes Cabrio aus der Mäd­chen­se­rie (und ein klei­nes Raum­schiff von den Groß­el­tern). Mit allen drei Geschen­ken war sie durch­aus zufrie­den. Kut­sche und Cabrio wur­den bereit­wil­lig mit den vor­han­de­nen Bau­stei­nen (unter ande­rem ursprüng­lich mal mir gehört haben­den Raum­schiff­tei­len) kom­bi­niert, die Samm­lung der Lego­fi­gu­ren um Köni­gin (aus der Kut­sche) und Cabrio­fah­re­rin ergänzt. Lässt sich ja zum Glück wei­ter alles zusammenstecken.

Von einem ande­ren Hort­kind hat Z. davon gehört, dass es einen »Lego-Club« gibt. Weil Lego für sie gera­de wich­tig ist, will Z. da unbe­dingt dabei sein. Letzt­lich ist das ein Kun­den­bin­dungs­sche­ma der Fir­ma Lego – Kin­der erhal­ten mehr­mals im Jahr kos­ten­los eine Zeit­schrift, in der für neue Lego-Model­le gewor­den wird und eige­ne Bau­ten von Kin­dern prä­sen­tiert werden. 

Heu­te haben wir – oben abge­bil­det – eine Anmel­de­kar­te dafür gefun­den. Die mich ein biss­chen rat­los macht, denn das Heft die­ses »Lego-Clubs« erscheint in drei Fas­sung. »Juni­or« für Kin­der bis sechs (ver­mut­lich geschlechts­neu­tral gedacht), »Maxi« für Kin­der ab 7 Jah­ren – und »Mäd­chen«. Auf der Anmel­de­kar­te lässt sich nicht ankreu­zen, wel­ches Heft zuge­schickt wer­den soll, dafür gibt es aber das Feld »Jun­ge« /​ »Mäd­chen« und das Geburts­da­tum. Ich ver­mu­te, dass ab einem Alter von sie­ben Jah­ren dann von Lego fein säu­ber­lich dif­fe­ren­ziert wird – Jungs krie­gen das nicht als geschlechts­spe­zi­fisch aus­ge­wie­se­ne »Lego-Club Maxi-Heft« (Män­ner haben ja bekannt­lich kein Geschlecht), Mäd­chen selbst­ver­ständ­lich das »Mädchen«-Heft.

Z. wür­de, nach­dem wir uns beim Abend­essen dar­über unter­hal­ten haben, letzt­lich ger­ne bei­de Hef­te haben. Mal schau­en, viel­leicht müs­sen wir ein biss­chen trick­sen – mit zwei Wohn­adres­sen und etwas Fle­xi­bi­li­tät beim Vor­na­men lässt sich das mög­li­cher­wei­se arran­gie­ren. Toll fin­de ich die Not­wen­dig­keit, eine männ­li­che Iden­ti­tät vor­zu­täu­schen, um den Nor­mal­ka­ta­log zu bekom­men, jedoch defi­ni­tiv nicht. 

War­um blog­ge ich das? Weil mich ärgert, wie aus Plas­tik­bau­stei­nen und Figu­ren heu­te schnell ein Antrieb für die Auf­recht­erhal­tung und Stär­kung von Geschlech­ter­dif­fe­renz wird. »Sie erhal­ten auto­ma­tisch die pas­sen­de Aus­ga­be.« Nein, danke!

P.S.: Ste­phan Cle­mens hat mich noch auf die­ses Video hin­ge­wie­sen, in dem die Geschlechts­se­gre­ga­ti­on in der Lego-Welt in den letz­ten Jahr­zehn­ten sehr schön aus­ein­an­der­ge­nom­men wird (eng­lisch, dt. Unter­ti­tel einschaltbar).

6 Antworten auf „Die Reproduktion der Geschlechterdifferenz im Lego-Club“

  1. Ich wür­de ein­fach aus einem Kind ein gemischt­ge­schlecht­li­ches Zwil­lings­päär­chen machen, dann ist alles ganz sim­pel und zwei Hef­te sind kein Problem :-)
    LG

  2. Mich stört die­se Unter­tei­lung von Spiel­zeu­gen nach Geschlecht auch total. Ich habe drei Söh­ne und es ist ver­dammt schwer die­se offen für alles zu hal­ten, da ihnen über­all (Wer­bung, ande­re Kin­der, Erwach­se­ne) sug­ge­riert wird, dass Jungs gefäl­ligst nur mit »Jung­s­sa­chen« spie­len und sich nur in »Jungsfar­ben« klei­den sollen.
    Bei den Kla­mot­ten bleibt eigent­lich nur sel­ber machen, damit sie auch mal rot, oran­ge oder tür­kis tra­gen kön­nen, bei den Spiel­sa­chen ist es schwie­ri­ger, denn da haben sie die­se will­kür­lich gezo­ge­nen Geschlech­ter­gren­zen schon ver­in­ner­licht. Und wenn es nur ist, um kei­ne Außen­sei­ter zu sein.

  3. Hmm. Ich muss da spon­tan an die Bra­vo den­ken. Da gab’s ja dann auch die Bra­vo-Girl dazu – wobei ich mich immer gefragt habe, war­um die ande­re nichts für Girls sein sollte.

    Hast du eigent­lich mal mit den Eltern gere­det, die trotz gegen­tei­li­gem Wunsch so kli­schee­haft schen­ken? Oder hält dich der »geschenk­te Gaul« davon ab?

  4. Ich find das auch ganz schreck­lich. Mein klei­ner ist zwar erst 2 aber er wird jetzt schon teil­wei­se däm­lich ange­schaut wenn er mit sei­nem bug­gy und sei­ner Pup­pe drau­ßen ist. Ich fin­de das ganz schreck­lich. Von den Män­nern wird doch auch erwar­tet das sie sich spä­ter um ihre Kin­der küm­mern. Laßt doch die Kids spie­len mit was sie lus­tig sind.
    Was die Kla­mot­ten angeht bis auf rosa kriegt man alles für Jungs. Wir haben viel rot, lila und tür­kis im Schrank.

  5. Raphae­la: das gibt sich aber bald, das mit den Far­ben. Ich kauf‹ ger­ne mal in der Män­ner­ab­tei­lung ein, weil die Klei­dung mir vom Schnitt und manch­mal auch vom Preis her bes­ser gefällt (weni­ger Gedöns dran, nicht so flim­schig, halt­ba­rer, robus­ter, locke­rer, etc.). Aber bei den Far­ben und Mus­tern (Strei­fen. Fei­er­abend) krieg ich jedes mal die Krise.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.