Wovon PolitikerInnen träumen

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In der Süddeutschen Zeitung werden junge Bundestagsabgeordnete nach ihren Erfahrungen ein Jahr nach der Bundestagswahl befragt. Ist ganz interessant – vor allem im Vergleich der Antworten. Die auf die letzte Frage – »Wovon träumen Sie?« – habe ich hier mal zusammengestellt (alles Zitate aus den SZ-Interviews).

  • Verrat ich nicht. (CDU, w)
  • Von einem langen Urlaub. (CSU, m)
  • Ich träume nur nachts und dann meistens sehr gut. (CSU, m)
  • Ich träume von einer Welt ohne Hunger und ohne Krieg. (GRÜNE, m)
  • Irgendwann will ich noch mal in New York leben. Und mal zusammen mit Mehmet Scholl Platten auflegen. (SPD, m)
  • Dass die Welt sozialer, gerechter und friedlicher wird und ich vielleicht einen kleinen Beitrag dazu leisten kann. (LINKE, m)
  • Dass sich mehr Menschen politisch einbringen und zwar nicht nur, um ihre persönlichen Interessen zu vertreten, sondern um die Gesellschaft als Ganzes positiv zu verändern und gerechter zu machen. (SPD, w)
  • Tugenden wie Offenheit, Toleranz, Verlässlichkeit, Respekt und Verantwortung sollten unsere Gesellschaft stärker prägen. Der Sinn für die Allgemeinheit muss wieder an die Stelle von Egoismus und Anspruchsdenken gesetzt werden, die Politikverdrossenheit in aktive Teilnahme verwandelt werden. (CDU, m)
  • Ich kämpfe nicht politisch für Bürgerrechte und Privatsphäre, um dann öffentlich darüber zu plaudern, wovon ich nachts träume. Im übertragenden politischen Sinne »träume« ich von einer Gesellschaft, die sich traut, dem Einzelnen wieder mehr Freiheit und Eigenverantwortung zu übertragen und in der sich dieses Mehr an Eigenverantwortung und ein Mehr an Solidarität nicht ausschließen. (FDP, m)
  • Von einem abbezahlten, denkmalgeschützten Häuschen mit einer schönen Aussicht, einem kleinen Grillfest im großem Garten mit Eltern und Freunden und Blick auf den Fernseher mit der Tagesschau: Ohne Katastrophen, Kriege, Attentate, einem positiven Wetterbericht für die darauf folgende Urlaubswoche und dann Sportnachrichten mit dem Satz »unser Club ist jetzt auch Sieger in der Champions League – Franken feiert immer noch!«. (FDP, m)
  • Auch wenn das in den Augen einiger Pessimisten und Zyniker naiv klingt: Von einer friedlichen, solidarischen und gerechten Welt. Aus dieser Vision, mag sie noch so weit von der Wirklichkeit entfernt sein, hat sich schon immer mein leidenschaftliches Engagement in der Politik gespeist. Und wenn der Weg dahin lang ist, gilt es nicht zu verzweifeln, sondern gerade deshalb heute mit vielleicht mühsamen und kleinen, aber doch wichtigen Schritten zu beginnen. (GRÜNE, w)
  • Schon sehr früh, als ich in der Kommunalpolitik Mitverantwortung tragen durfte, bin ich von der Realität überholt worden. Volker Kauder sagt: »Politik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeiten.« Er hat recht! Es geht heute darum, für gute Lebensverhältnisse der Menschen zu sorgen, aber nicht auf Kosten kommender Generationen. Das ist die große Herausforderung unserer Zeit, der wir uns bereits stellen. Wichtig scheint mir dabei, die Rückbesinnung auf ein gemeinsames Fundament, dass unsere Gesellschaft trägt! (CSU, m)

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5 Antworten auf Wovon PolitikerInnen träumen

  1. blumentopf sagt:

    Mit großem Abstand die besten Antworten gibt der Lars Klingbeil von der SPD, finde ich. An zweiter Stelle Sven-Christian Kindler.

    Komisch: Mit 34 gilt man noch als jung?!

  2. Till sagt:

    Mir schwirrten da so Dinge wie »visionslose Karriereorientierung« – »Materialismus/Postmaterialismus« – »Tradition/Moderne/Postmoderne« durch den Kopf.

  3. Silke sagt:

    Auch wenn ich die Solidaritätskomponente anders integrieren würde, finde ich die Antwort von Florian Bernschneider am besten.

    »Ich kämpfe nicht politisch für Bürgerrechte und Privatsphäre, um dann öffentlich darüber zu plaudern, wovon ich nachts träume. Im übertragenden politischen Sinne »träume« ich von einer Gesellschaft, die sich traut […]«

    Köstlich!

    • Till sagt:

      @Silke: Der Link zwischen nachts träumen und politisch träumen ist da in der Tat ganz elegant. Inhaltlich finde ich ein Verständnis von Privatsphäre, das es ausschließt, öffentlich über die eigenen Träume zu reden, ein bißchen seltsam. Aber immer noch besser als das konservative Traumverbot.

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