Weltherrschaft als Koppelprodukt

Watching the streetview car II

Das große G ist erneut in den Schlagzeilen: Chris Stöcker sieht im Spiegel Online schon den Griff von Google nach der Weltherrschaft (Gideon Böss in der WELT sieht das anders). Warum? Weil Google seine Suche inzwischen in Echtzeit und personalisiert anbietet, Produkte per Handy-Scan identifizieren können will, einen eigenen öffentlichen DNS-Server (siehe auch fefe) betreibt und überhaupt einen Haufen mehr anbietet (und natürlich Chrome, auch als Stand-alone-Betriebssystem, und Android, und Cloud Computing Applications, und und und.

Das kann jetzt als Griff zur persistenten Weltherrschaft verstanden werden. Kristian Köhntopp dagegen geht – schon vor einigen Wochen – von einem Missverständnis aus: es ist falsch, Google als Suchmaschine zu interpretieren. Für Köhntopp ist das, was Google macht, vielmehr folgendes:

Alles in allem wirkt der Ansatz von Google auf mich wie eine Firma von Physikern oder anderen Experimental-Forschern mit akademischem Background, die beschlossen haben, einmal ’so richtig‹ in die Wirtschaft zu gehen und ihre Methoden dort hin zu portieren. Man baut Modelle, identifiziert Abhängigkeiten und eliminiert sie konsequent und man hat keine Angst, dabei auch richtig groß zu denken und Neuland zu betreten.

Oder anders gesagt: eine Firma, die Abhängigkeiten auf der Input-Seite maximal reduziert (eigenes Netz, eigene Server-Farmen, eigener DNS-Server, …), die so entstandene Infrastruktur halböffentlich zugänglich macht (Open-Source-Varianten wichtiger Technologien, werbefinanzierte Zurverfügungstellung) und so – ob willentlich und strategisch oder nolens volens – immense soziotechnische Abhängigkeiten produziert. Google will nicht die Weltherrschaft, sondern will – so meine Synthese aus Stöcker und Köhntopp – die technisch beste Lösung zur Datenverarbeitung im Netz anbieten. Und erzeugt nebenbei ein bißchen Weltherrschaft (oder zumindest eine immense, personalisierte Datenhalde und Tools, um diese zu durchsuchen und möglicherweise auch profitabel zu machen).

Weltherrschaft als Koppelprodukt funktioniert auch deshalb, weil die Google-Lösung (Suchmaschine, GMail, …) meistens besser funktioniert als die Versuche anderer Anbieter oder gar staatlicher Innovationsprogramme (hallo, IT-Gipfel mit deinen Leuchtturmprojekten). Es gibt aber auch Ausnahmen – wave beispielsweise kommt gar nicht so toll an, und chrome ist bisher als Browser wie als Betriebssystem ein absolutes Nischenprodukt. Besser heißt hier vor allem: Google-Produkte und Dienstleistungen funktionieren, sind relativ fehlertolerant/wartungsarm, sind zumeist sehr einfach bedienbar – und sie sind schnell. Das hängt dann (siehe Köhntopp) wieder mit den eigenen Servern und Leitungen zusammen, und so schließt sich der Kreis zwischen technisch guten Angeboten und der Infrastruktur für die Weltherrschaft.

Bleibt die Frage nach den politischen Konsequenzen des techno-ökonomischen Interesses von Google. Verstaatlichen? Regulieren? Laufen lassen? Datenschutz neu denken? Google gar als Bündnispartner gegen Angriffe auf Netzneutralität und ähnliches einspannen? Die UNO an Google verkaufen?

Mein vorläufiger Eindruck ist der, dass das Netz hier eine Firma möglich gemacht hat, die bisher so nicht vorgesehen war (um mit Castells zu sprechen: die tatsächlich informationalen und netzwerkförmigen Kapitalismus auf globaler Ebene betreibt, und dabei Wissen auf Wissen anwendet). Was fehlt, ist eine ähnliche konzeptoffene und innovative globale Politikagentur. Dieser politische global player fehlt uns heute noch.

Warum blogge ich das? Weil ich die Debatten um Google spannend finde. Vielleicht auch deswegen, weil hier (in Variation der Köhntoppschen Argumentation) eine nerdige/technische Kultur zwar erfolgreich in Richtung Profit evolviert ist, trotz aller social responsibility (google.org usw.) dabei aber auch der für derartige nerd/technische Kulturen typische Autismus gegenüber der sozialen Einbettung und den sozialen und politischen Konsequenzen technischer Lösungen hochskaliert wurde.

9 Personen gefällt dieser Eintrag.

Dieser Beitrag wurde unter Digitales Leben, Politik und Gesellschaft abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

22 Kommentare zu Weltherrschaft als Koppelprodukt

  1. Thomas Wilk sagt:

    Ich denke politisch gesehen sollte man die passenden Leitplanken für Google & Co. bereitstellen um diese Entwicklung so abzusichern, dass auch ganz sicher kein Schaden entsteht. Von solchen Leitplanken sollte es m.E. einige geben. Die müssen dann gleichzeitig so gestaltet sein, dass das Entwicklungspotential nicht gestört wird. Die Google Buchdigitalisierung ist ein gutes Beispiel: der Nutzen des Projekts für die Gesellschaft ist sofort erkennbar. Aber auch der Schaden (Stichwort: Missachtung von geltenden Rechtsnormen). Hier und anderswo muss also ein Rahmen gefunden werden, in dem sich Google & Co. entwickeln können. Möglicherweise macht dies auch ein Umdenken, mit Konsequenzen für unsere Rechtsnormen, notwendig.

  2. Isotopp sagt:

    Leitplanken?

    http://www.youtube.com/watch?v=HqdJkFM3pSM
    Roads? Where we are going we don’t need… roads.

    Ich glaube, dieses Zitat aus »Zurück in die Zukunft« definiert Google ganz gut. Google ist eine Firma, die sich in der Tat vollkommen auf die korrekte Umsetzung bestimmter technischer Konzepte konzentriert.

    Dabei werden einige existierende gesellschaftliche Rahmenbedingungen gezielt ignoriert, und das ist gut so – daß es gut so ist, wird ›die Gesellschaft‹ aber erst hinterher erkennen können, nämlich dann, wenn sie sich angesichts der Möglichkeiten und Notwendigkeiten der neuen Technik klar macht, wie die neue Welt funktioniert und wie wenig zutreffend die Metaphern und Rahmenbedingungen der alten Welt in der neuen Umgebung sind.

    Bei der Digitalisierung des Straßennetzes ist das erst hinterher klar geworden – alle Welt hat sich über Google re Datenschutz aufgeregt und sich an Streetview und den Konsequenzen von ›ein Foto meiner Wohnungstür steht im Internet‹ hochgezogen, aber der wahre Nutzen der ganzen Aktion war eine komplette Umkrempelung des Navigationsmarktes – wie man erst 5 Jahre später hat erkennen können.

    Auch bei der Buchdigitalisierung sieht das ganz ähnlich aus – hier schreien wenige Urheber, diese aber dafür um so lauter und auf vielen Kanälen. Jetzt hat ihnen die Poltik den Wunsch erfüllt, und deutsche Bücher werden in Google Books derzeit nicht erfaßt.

    Die Folgen des Ganzen: diejenigen Autoren, die mit ihren Büchern Geld verdienen wollen statt dem haptischen und olfaktorischen Bucherlebnis nachzutrauern, sind ausgeschlossen und auf sich selbst gestellt. Die langfristigen Folgen sind noch viel schlimmer, denn es ist absehbar, daß diese ganze Aktion unserer Regierung den Bedeutungsverlust des Deutschen am Weltwissen besiegeln wird.

    Auch ein deutsches oder europäisches Buchdigitalisierungsprojekt wird da nichts dran ändern, denn wenn es nicht sowieso an urheberrechtlichen und nationalen Partikularinteressen scheitert (siehe auch http://www.heise.de/newsticker/meldung/OLG-Frankfurt-schraenkt-Nutzerrechte-in-Bibliotheken-ein-874742.html, noch so ein Urheberrechts-Kultur-Selbstmord), dann wird es am Ende halt doch nicht in den normalen Arbeitsfluß integriert sein und daher weitaus weniger bis gar keine Bedeutung in der Praxis haben. http://en.wikipedia.org/wiki/Metcalfes_Law ist da unerbittlich – Google baut da ein System von vernetzten Wissensobjekten und Deutschland hat sich da gerade ausgeschlossen.

    • Till sagt:

      @Isotopp/Kris: Die von dir hier nochmal an Beispielen klar gemacht Sichtweise finde ich durchaus spannend (… die Verlinkung oben im Blogartikel ist Ausdruck dafür), ganz so sicher, was ich davon letztlich halten soll, bin ich aber noch nicht.

      Das wird deutlich, wenn ich das folgende Zitat mal aus dem Zusammenhang reiße:

      Dabei werden einige existierende gesellschaftliche Rahmenbedingungen gezielt ignoriert, und das ist gut so – daß es gut so ist, wird ›die Gesellschaft‹ aber erst hinterher erkennen können, nämlich dann, wenn sie sich angesichts der Möglichkeiten und Notwendigkeiten der neuen Technik klar macht, wie die neue Welt funktioniert und wie wenig zutreffend die Metaphern und Rahmenbedingungen der alten Welt in der neuen Umgebung sind.

      Solange Technik »dem Guten« dient, macht das Sinn. Wenn jetzt aber obendrüber nicht steht »hier beschreibe ich Google«, sondern wenn Monsanto oder die RWE (bzw. entsprechende Garagenfirmen) mit der selben Haltung an gentechnisch manipulierte Organismen oder Atomenergie herangehen würden, was wäre dann? Also wir probieren mal aus, wir machen angewandte und ökonomisierte Grundlagenforschung, wir erfinden die Welt neu – und die Gesellschaft darf nachher sehen, wie sie mit den neu entstandenen Risiken und Optionen umgeht?

      Anders gesagt: wo ist in der Weltsicht bzw. Sicht auf Google der Platz fürs Politische bzw. für die ordnungspolitische Einhegung des technikgetriebenen freien Marktes?

  3. Thomas Wilk sagt:

    @Isotopp/Kris: wenn ich Deine Gedanken zuende spinne, dann lande ich unweigerlich bei fast derselben Frage, die mich auch als Wissenschaftler beschäftigt hat, nämlich: habe ich als Wissenschaftler nicht die Freiheit, jeden nur denkbaren Weg zu gehen? Nach Robert Oppenheimer und dem Bau der Atombombe ist die Sache doch klar: die Transparenz und gesellschaftliche Kontrolle sollte in bestimmten Bereichen gewahrt bleiben. In diesem Zusammenhang ist auch mein Hinweis auf die »Leitplanken« zu verstehen. Dies bedeutet aber auch, dass man als Gesellschaft Bedingungen schafft, innovative Entwicklungen -innerhalb der eingezogenen Leitplanken- zu befördern. Oder aber die Leitplanken neu setzt. Gerade bei der inhaltlichen Aufarbeitung der GBD müssen wir erkennen, dass die derzeitigen Regelungen für Urheberschutz nicht mehr ausbalanciert sind. Hier ist also die Gesellschaft bzw. die Politik aufgefordert die rechtlichen Rahmenbedingungen neu zu definieren, damit sich private Anbieter etablieren können und die Gesellschaft einen angemessenen Nutzen hat. Ich bin ebenso wie Du skeptisch, was die öffentlichen Projekte zur Digitalisierung angeht, insbesondere wenn diese nötig sind, um eine Beibehaltung des Urheberrechts in seiner jetzigen Ausgestaltung zu kompensieren.

  4. Isotopp sagt:

    »Hier ist also die Gesellschaft bzw. die Politik aufgefordert die rechtlichen Rahmenbedingungen neu zu definieren, damit sich private Anbieter etablieren können und die Gesellschaft einen angemessenen Nutzen hat.«

    Das wäre überhaupt nur möglich, wenn »die Gesellschaft« und »die Politik« mal nicht komplett rückwärtsgewandt denken würden und überhaupt eine Leitfunktion innehaben könnten oder können wollten. Das haben Gesellschaft und Politik aber spätestens mit der Ära Kohl aufgegeben (Die Frage für ein Essay wäre eher, ob die Komplexität der gesellschaftlichen Entwicklung die Politik zum Aufgeben und zur Reduktion auf reine Machtpoltik gezwungen hat, oder ob die Politik sich auf reine Machtpolitik reduziert hat und dabei ihre gesellschaftliche Leitfunktion vernachlässigt hat).

    Urheberrecht ist dazu noch ein sehr schlechtes Beispiel für ›Rahmenbedingungen‹ und ›Gesellschaft angemessenen Nutzen verschaffen‹. Weltweit, aber gerade auch in Deutschland ist das Urheberrecht seit zehn Jahren eine reine Klientelpolitik- für Klientel, die branchenweise den digitalen Umbruch verpennt haben und jetzt bei ihrer Politik angejammert kommt und gerne das Rad der Zeit zurückgedreht haben wollen an einen Punkt, an dem ihr Geschäftsmodell noch funktioniert hat. Erst war es die Musikindustrie, dann die Filmer, und jetzt halt die Buchverlage und Zeitungen.

    Wo ist denn das ›Klar könnt Ihr Geld haben, aber nur für neue Ideen‹ der Politik? Oder das ›Klar könnt Ihr Subventionen bekommen, aber nur für den Übergang zu etwas, von dem ihr zeigt, daß es auch unter den neuen Bedingungen Bestand haben kann‹?

    http://www.amazon.de/dp/0810996367
    Whatever happened to the world of tomorrow?

    Der Comic kontrastiert die Vorstellung von der Zukunft der 60er und 70er Jahre mit der Idee der Zukunft der 90er Jahre, die Idee einer Zukunft, wie sie eine letztendlich industriealisierte Agrargesellschaft entwickelt hat, mit einer Idee der Zukunft, wie sie eine forschungsorientierte Industriegesellschaft entwickelt. Die Idee der Zukunft für eine Gesellschaft, die im 21. Jahrhundert angekommen ist, sieht noch wieder anders aus: Kleine, agile, individualisiere Lösungen auf dem Substrat von sehr großen Infrastrukturanbietern und Netzbetreibern, Arbeitsteiligkeit und Kooperation, geringe Transaktionskosten erlauben viele gesellschaftliche Experimente und rapide Veränderungen, und dann schnelles Wachstum von erfolgreichen Ideen.

    Nichts davon ist in der Politik in Deutschland angekommen. Dort arbeitet man weiter auf dem Stand Siemens-Telekom-Microsoft mit Modellen und Organisationsstrukturen aus dem 70er Jahren.

    Wieso erwartet Ihr von dort irgendetwas Gutes oder irgendetwas, das irgendwem weiterhilft?

  5. Pingback: Die wunderbare Welt von Isotopp

  6. Thomas Wilk sagt:

    >Die Idee der Zukunft für eine Gesellschaft, die im 21. Jahrhundert angekommen ist, sieht noch wieder anders aus: Kleine, agile, individualisiere Lösungen auf dem Substrat von sehr großen Infrastrukturanbietern und Netzbetreibern, Arbeitsteiligkeit und Kooperation, geringe Transaktionskosten erlauben viele gesellschaftliche Experimente und rapide Veränderungen, und dann schnelles Wachstum von erfolgreichen Ideen.<:
    Da kann ich Dir nur zustimmen. Wir brauchen eine Matrix, innerhalb der solche von Dir beschriebenen Entwicklungen ermöglichen: aber bitte mit rechtlichen Leitplanken! In dieser Hinsicht ist das von mir erwähnte Urheberrecht durchaus ein gutes Beispiel: es zeigt nämlich gut auf, wo es hapert. Mit solchen Leitplanken ist die von Dir (oben) geschilderte experimentell geprägte Entwicklung in dem genannten Bereich nicht möglich. Dies bedeutet, dass wir die Leitplanken etwas versetzen müssen, um kulturelle Öffnung und Vernetzung zu ermöglichen. Auf rechtliche Regelungen möchte ich allerdings nicht verzichten. Ich bin der Ansicht, dass die Gesellschaft kontrollieren sollte was erwünscht ist bzw. was nicht. Wir können hier keine selbstkontrolle von Google et al. als einzigen Kontrollmechanismus akzeptieren, das reicht einfach nicht. Schliesslich geht es um Dinge wie Privatssphäre, da sind mir verlässliche, allgemein gültige Regeln einfach sehr wichtig!

  7. Isotopp sagt:

    »Ich bin der Ansicht, dass die Gesellschaft kontrollieren sollte was erwünscht ist bzw. was nicht.«

    Das zu beurteilen ist »Die Gesellschaft« und auch »Die Politik« im derzeitigen Zustand gar nicht in der Lage. Das ist ja genau der Knackpunkt. Schau Dir die vergangenen 15 Jahre an, an denen es preemptive Gesetzgebung gegeben hat.

    Beispiel Nummer 1: Das Signaturgesetz, insbesondere die qualifizierte digitale Signatur. Als das gebaut worden ist, hat »Die Politik« angenommen, daß E-Commerce überhaupt gar nicht stattfinden kann ohne so was – heute juckt das Signaturgesetz so im Mittel in etwa keine Sau und es wird in einer Folge eine Reihe von Großprojekten rausgehauen, damit sich »der Bürger« überhaupt mal eine Signaturkarte und einen Reader dafür zulegt.

    Weiter: Die Bedrohungsanalysen von damals und die tatsächlich stattfindenden Angriffe von heute haben auch in etwa eine leere Schnittmenge – die Angriffe von heute zielen nicht auf das Signatursystem und die Krypto darin, sondern auf die Plattform des windowsbenutzenden Bürgers, die im Mittel in ein bis drei Botnetzen verzombt ist.

    Die Technikfolgenabschätzung bzw. die Bedrohungsanalyze hier war eine lineare Fortsetzung des Standes der Diskussion zwischen den Diskursteilnehmern von damals – und das waren irgendwelche Kryptohansel aus einem nicht-weltlichen universitären Umfeld. Entsprechend das Diskussionsergebnis und deren Weltmodell, das mit der realen Welt von heute keine Überschneidungspunkte hat.

    Beispiel Nummer 2: Payment. Was hat man vor und während des Dotcom-Booms über Zahlungssysteme gefaselt und wie sie notwendig sind, um den ganzen Laden überhaupt ans Rennen zu bekommen.

    Das Resultat heute ist ein Mehrfach-Fail: Einmal verwenden alle die Kreditkarte, ausgenommen jene, die die AGB Ihrer Bank durch Inanspruchnahme von Sofortüberweisung verletzen und TANs an Dritte weitergeben (Man stelle dies zur Spaßmaximierung mal den Bedrohungs-Szenarien aus dem Signaturgesetz gegenüber). Das alles ist jedoch rein technisch genau gar keine Weiterentwicklung.

    Technische Weiterentwicklung hätte es geben können im Bereich Micropayments, und hier hätte der Staat in seiner Regulierungsfunktion tatsächlich mal Metcalfe’s Law für sich nutzen können und sein Geldsystem als Münzgeld nach Chaum oder mit einem primitiveren nicht anonymen System ins Netz ausdehnen können. Ein solches rein digitales staatliches Micropayment hätte vielleicht geholfen, Geschäftsmodelle von Musik-, Film- und Buchindustrie-Teilnehmerns schneller ins Internet zu heben. Aber genau auf diesem Gebiet hat sich der Staat, mithin »die Gesellschaft« und »die Politk« entschieden, nichts zu tun und den ganzen Markt richtungslos vor sich hin trudeln zu lassen.

    Ein weiterer klassischer Fall von linearer Technikfolgenabschätzung und fehlendem vernetzten Denken.

    Von Beispiel 3 geht es dann nahtlos weiter auf Beispiel 3: DRM. Das ist nun, im Jahre 10 nach Napster, endlich zunehmend kein Thema mehr. Lediglich einige Zurückgebliebenen glauben noch, sie würden mit DRM einen Blumentopf oder gar einen Markt gewinnen – oder, wenn sie besonders retardiert sind – das sei eine Vorraussetzung, um im Urheberrechtsgeschäft Markt, Werke oder sonst irgendwas zu sichern. Fakt ist – im Jahre 10 nach Napster – daß diejenigen, die im ganzen IP-Gedeale Gewinne machen, dies nicht wegen, sondern trotz DRM machen – oder weil sie sie mutig waren und den ganzen Interoperabilitätsverhinderungsscheiß rechtzeitig aufgegeben haben.

    Und das ist genau der Punkt, und warum ich hier wieder und wieder und wieder Metcalfe zitiere. Wir reden vom Netz. Netz ist nur wertvoll, wenn es integriert, verbindet, interoperiert. Die andere Formulierung von ›Metcalfe’s law states that the value of a telecommunications network is proportional to the square of the number of connected users of the system‹ ist ›Information wants to be free‹. Niemand hat jemals gefragt ›Why does Information want to be free‹? Metcalfe’s Law ist die Erklärung dafür.

    Der sich ergebenede Nutzen ist Vernetzungsnutzen. Er ist unerwartet in dem Sinne, daß er durch lineare Interpolation nicht antizipierbar ist. Das – lineare Interpolation – ist das aber das, was die ganze Technikfolgenabschätzung einer öffentlichen gesellschaftlichen Diskussion im günstigsten Fall zustande bringt, wenn sie es denn überhaupt mal schafft sich über allgemeines Bedenkentragen und Neuerungsablehnung zu erheben.

    Dasselbe gilt auch für die realen sich ergebenden Probleme und Konflikte – die finden genau nicht rechts und links dieser Leitplanken statt, weil wir nämlich plötzlich alle keine Straßen mehr verwenden. Entweder weil wir fliegen (das wäre aber die lineare Technikfolgenabschätzung und eine Welt a la Whatever happened to the world of tomorrow?) oder weil wir zur Arbeit via VPN und Internet telecommuten (das ist eher das, was tatsächlich passiert). Die Leitplanken stehen dann da rum und rosten vor sich hin.

    Was tatsächlich notwendig ist – statt Leitplanken – ist es, mutig zu sein, Veränderung zu umarmen, und vor allen Dingen, dabei zu sein und den ganzen Kram zu erfahren. Dann ergeben sich die realen Nutzwirkungen und die realen Probleme dieser Veränderungen und dann, nur dann, kann realer gesellschaftlicher Diskurs stattfinden – ›Ich habe gemacht und es ist scheiße, weil…‹ hat ungleich viel mehr Wert als ›Was wäre, wenn x machen dürfte – wäre das wünschenswert?‹.

  8. Thomas Wilk sagt:

    @Isotopp/Kris: niemand hat behauptet, dass Prozesse die gesellschaftliche Einflussnahme ermöglichen ebenso effizient sind, wie anarchische Prozesse. Hier geht Effizienz auf Kosten von Demokratie!

  9. Isotopp sagt:

    Effizienz unterstellt, daß sie überhaupt eine Richtung vorgeben können – wenn auch mit übermäßigem Aufwand.

    Wenn man sich die Sache mit den Zahlungssystemen anschaut, dann ist das klar nicht der Fall: Wir haben Signaturgesetz, weil politisch gewollt, und wir haben kein staatliches Micropayment/Netzgeld, weil politisch definitiv nicht gewollt, und wir bekommen die Sofortüberweisung, etwas das in einer gesellschaftlichen Nutzen/Wünschenswertigkeitsskala definitiv ein Schritt nach unten ist.

    Wenn man das als Normalfall ansieht und sich etwa als Unternehmer oder als Betroffener eine Strategie zurecht legen muß, dann kann man nur zu dem Ergebnis kommen, daß Politik, hm, weniger wichtig geworden ist und politisches Gestalten nicht mehr unbedingt in den Gremien stattfindet, die für diesen Zweck mal geschaffen worden sind (sondern vielmehr viel mehr in Normungsgremien und Entwicklerlabors stattfindet). Und kann dann seine Konsequenzen draus ziehen.

  10. Sven sagt:

    Vorwort:
    Ich weiß, der Eintrag ist nicht zu 100% so stringent, wie ich ihn mir gewünscht hätte. Dafür meine Entschuldigung. Mir ist es jedoch wichtig am Gespräch teilzunehmen, weil ich die Diskussion für sinnvoll und bedeutsam erachte.

    Grüße an die Disputierenden.

    Interessanter Weise kann ich beide Standpunkte gut nachvollziehen und verstehen. Die Gefahr einer deregulierten Ent-Demokratisierung ist nicht von der Hand zu weisen. Die Gefahr des Missbrauchs innovativer Technologien sollte nicht außer Acht gelassen werden.

    Mein Problem an der Meinung von Thomas ist, dass sie die Gefahren auflistet und einer verstärkt an Macht verlierenden politischen Elite nach dem Mund zu reden scheint. Und zwar ohne die Vorteile aufzuzählen.

    Ich möchte zwei Beispiele anführen:

    Proteste im Iran.
    Vor wenigen Jahren wäre das Thema – wenn überhaupt – nur einer sehr viel begrenzteren Zahl von Menschen zugänglich gewesen. Telefonleitungen der Journalisten wären im Notfall vergleichsweise einfach gekappt worden und die wenigen Informationen, die über die Niederschlagung der Proteste aus dem Land gekommen wären, hätten die Welt mit einer derartigen Zeitverzögerung erreicht, dass es keinen Sinn mehr gemacht hätte sich mit dem Thema zu befassen.
    –> Außer vielleicht aus einem (politik)wissenschaftlichen oder geheimdienstlichen Interesse heraus.

    Durch die Vernetzung erreichten die Bilder sehr viel mehr Menschen, wurden von den Massenmedien aufgenommen und erzeugten einen höheren politischen Druck (der sicherlich noch besser »nutzbar« zu machen wäre).

    Beispiel 2: Wikileaks/Blogs
    Dienste wie Wikileaks und die Berichterstattung in Blogs (und nur zum Teil klassischen Medien) erzeugt in vielen Fällen eine Öffentlichkeit, die es so nicht gegeben hatte vorher. »whistleblower« waren früher stärker darauf angewiesen Kontakte bei (Leit)medien zu haben,um möglicherweise Informationen loszuwerden.

    Die Geschwindigkeit der Veröffentlichung steigt, die Verbreitungsgeschwindigkeit steigt, die Chance steigt, dass Korruption, Machtmissbrauch etc. aufgedeckt werden. Eine an sich positive Entwicklung.

    Das Problem, das die »Gesellschaft« hat ist, dass sie noch keine Strategien entwickelt hat, mit den Möglichkeiten der neuen Medien zu leben und umzugehen. Es wurde in der Generation der politischen Entscheidungsträger nicht erlernt – um es mal flapsig zu sagen: Nicht mit der Muttermilch aufgesogen.

    Die meisten Menschen gehen noch online. Andere sind online.

    Was meine ich? Die Welt zwischen digitalem Netz und analoger Welt ist nciht so getrennt, dass ich mich einfach ein- oder ausklinken könnte. Was ich auch immer tue ich habe Spuren hinterlassen und bin auch im Funkloch noch teil des digitalen Netzwerkes. Ich bin ein Teil eines stetigen Stroms von Daten, die mich umfliessen, wahrgenommen und zum Teil modifiziert werden. Ich bin Sender, Verteiler und Empfänger in einer Instanz.

    Ein Großteil der Politiker denkt noch in analogen Kategorien. Geht online, nicht ist online. Außerdem denken viele Politiker nicht vernetzt, sondern aufgrund des gewählten »Berufs« zwangsläufig hierarchisch. Netzwerke kennen die meisten nur als Beziehungsgeflechte zum persönlichen Vorteil.

    Ja das ist eine zynische und pessimistische Weltsicht.

    Das Netz ist viel mehr ein Rhizom (trotz aller Kritik an utopischer Ausgestaltung des Gedankens durch die europäische Avantgarde: http://de.wikipedia.org/wiki/Rhizom_%28Philosophie%29), als eine klassisch hierarchische Struktur. Und genau hier liegt das Problem der Leitplanken. Denn Leitplanken sind einen hierarchische Begrenzung in einer zweidimensionalen Welt, die aber wie im Beispiel »Back to the Future« in einer dreidmensionalen Welt keinen Sinn besitzen.

    Viel mehr sollte eine entsprechende Transparenzdebatte geführt werden, so dass frühzeitig gesellschaftliche Bedrohungen durch Entwicklungen erkannt werden können und dann aufgrund des Auftrags durch eine (Achtung: Utopie) informierte Öffentlichkeit Entscheidungen von Politikern gefällt werden.

  11. blumentopf sagt:

    @Kris Köhntopp:

    Du suggerierst (*), dass Google es heimlich zu einer Art supranationalen Entität geschafft hat, der einzelne Staaten kaum etwas entgegenzusetzen haben. Da muss man bedenken, dass z.B. China sehr rigide eigene Interessen gegenüber Google durchgesetzt hat. Auch bspw. bei Kapitalverkehrskontrollen reguliert China sehr rigide und hat damit i.W. verhindern können, dass (wie in Deutschland) Banken sich im großen Stil mit toxischen Wertpapieren angelsächsischer Provenienz vollsaugen konnten.

    (* Quelle z.B.: »Unsere Politik ist noch nicht gewohnt mit Firmen-Entitäten umzugehen, die ein Budget haben, das ihrem eigenen gleich kommt oder es übertrifft und die zugleich mehr Planungskontinutität und genau gar keine territoriale Bindung haben.«)

    Die Beispiele die Du genannt hat – Signaturgesetz und Zahlungssysteme – zeigen halt, dass die Kompetenz der Bundesregierung bei solchen Dingen zum davonlaufen ist. Aber das ist ja nix Neues. In den 80ern haben die Schwarz-Gelben Millionen in Btx gepumpt, während überspitzt gesagt ein paar Informatiker in Karlsruhe und Dortmund im Alleingang dafür gesorgt haben, dass Deutschland den Anschluss ans Internet nicht verpasst.

    @Thomas Wilk:

    Ich bin immer spektisch, wenn es heißt wir brauchen neue Leitplanken. Widerspricht meinem links-liberalen Grundempfinden. Wir haben z.B. mit dem RIPE NCC eine Netzverwaltung in Europa, die null demokratische Legitimation hat, aber absolut geräuschlos, kostengünstig und zuverlässig ihre Sache macht. Solange es funktioniert, sollte die Politik von solchen Dingen ihre Finger lassen.

    Wir haben ja schon ganz brauchbaren Leitplanken, z.B. mit dem BDSG (vgl. Google Analytics).

    Bevor man über eine Verstaatlichung von Google nachdenkt, sollte man erstmal Banken und Ratingagenturen verstaatlichen.

    Was wurde für ein Bohai gemacht nach dem Platz der Dotcom-Blase über die ach so windigen Geschäftemacher am Neuen Markt. Verglichen mit dem was derzeit läuft war das Kindergarten-Niveau!

  12. Thomas Wilk sagt:

    Zum Thema »Google will nicht die Weltherrschaft«:

    Es ist doch so: niemand von uns will wirklich dem Gusto von Google vollständig ausgeliefert sein. Ich zumindest möchte über mich selber und frei entscheiden können und hierbei nicht auf die aktuelle Firmenpolitik von Google & Co. angewiesen sein. Hierbei möchte ich mich eher auf verbriefte Rechte einschließlich meiner Grundrechte verlassen können, die ich notfalls auch vor einem Gericht einklagen kann. Der Rechtsstaat hat -von einigen Unterbrechungen vielleicht abgesehen- mehr als 100 Jahre Evolution hinter sich. Nur weil es das Internet gibt, bin ich nicht bereit hierauf zu verzichten.

    Beispielsweise würde ich mir eine funktionierende Leitplanke wünschen, die es Google und Facebook versagt, mein im Internet verfügbares Foto ohne meine Zustimmung mit meinen weiteren persönlichen Daten (Anschrift, Geburtsdatum, Hobbys etc.) zusammenzubringen und öffentlich zu machen. Wenn Google das will, und so sieht es derzeit ja wohl aus, dann kann ich da möglicherweise recht wenig machen. Zumindest wenn das Urheberrecht und meine Persönlichkeitsrechte im Internet weniger zählen als in der realen Welt.

    Nein, so gefällt mir das Internet nicht und ich kann mir nicht vorstellen, dass Euch das so gefällt. Deshalb bin ich nicht damit einverstanden, dass das Netz den Googles dieser Welt überlassen wird.

  13. Azundris sagt:

    Thomas:

    Es leuchtet nicht unmittelbar ein, warum Du Dich vo, Deutschen(?) Staat besser behandelt fühlst. Das ist der Staat mit dem unsäglichen Meldegesetz. Das ist auch der Staat mit der Impressumspflicht (statt das in escrow zu packen und nur im tatsächlichen Fall einer Klage auf diese Info zuzugreifen). Das ist nebenbei auch der Staat mit Netzzensur, und der Staat der erwartet dass man GEZ für Leistungen zahlt die man nicht will, ohne dass man dann das Produkt das man da finanziert in die Public Domain hievt. Das ist offenbar auch der Staat der … naja, ich sage nur »G9″ zum Thema »Rechte« und »Klagen.«

    Entschuldige, aber in Deutschland würde ich mich vom Deutschen Staat *deutlich* schlechter behandelt fühlen als von Google.

  14. Isotopp sagt:

    »Beispielsweise würde ich mir eine funktionierende Leitplanke wünschen, die es Google und Facebook versagt, mein im Internet verfügbares Foto ohne meine Zustimmung mit meinen weiteren persönlichen Daten (Anschrift, Geburtsdatum, Hobbys etc.) zusammenzubringen und öffentlich zu machen.«

    Das ist doch ein unsinniges Verlangen aus den 90er Jahren. Wenn Google das nicht tut, dann schreibt eben jemand anders ein Programm, das so etwas tut und verkauft das Programm statt wie Google die Rechenergebnisse dieses Programmes. Der Punkt ist, daß die Daten da rumliegen und verknüpfbar sind – das Potential genügt. Rechenleistung in normierter Form, die solche Programme ablaufen lassen kann, existiert da draußen in der Cloud auch. Die Distanz zwischen Programm und Rechenergebnis ist mit AWS und anderen Diensten exakt in Euro bepreisbar und ich würde kleine einstellige Beträge dafür annehmen.

    Genau genommen sollte es Dir sogar lieber sein, daß jemand die Programmergebnisse verkauft statt der Programme, die sie verknüpfen – letzteres wäre für die Zwecke des Käufers flexibler und wäre für Deine Privatsphäre gefährlicher.

    Das Rechenergebnis eines solchen Verknüpfungsprogrammes ist nur besser anfaßbar und weniger abstrakt, daher richtet sich Deine Besorgnis gegen das Ergebnis, wenn die eigentliche Quelle Deiner Sorgen die Möglichkeit der Verknüpfung sein sollte. Logisch ist es falsch.

  15. Thomas Wilk sagt:

    @Isotopp: meine Einwand richtet sich weder auf die Rechenoperation, noch das Ergebnis. Vielmehr geht es mir darum, dass ich bestimmen möchte, was mit meinen Daten gemacht wird. Mit anderen Worten, wenn ich entscheide, dass meine Person nicht mit Bild, Geburtsdatum und Anschrift öffentlich gemacht werden soll, dann heißt das konkret: weder möchte ich an der nächsten Strassenkreuzung ein Plakat mit meinem Konterfei und entsprechenden Details auffinden, noch möchte ich eine vergleichbare Publikation bei Google oder sonstwo im Internet haben. Glücklicherweise gibt es klare Gesetze, die es Dritten verbieten das erwähnte Strassenplakat aufzustellen. Mir ist nicht ganz klar, wieso im Internet andere diesbezügliche Regeln gelten sollten, als auf der Strasse. Nur weil es technisch machbar ist, heißt das nicht, dass ich es wünschenswert finde.

  16. slowtiger sagt:

    @Thomas: Ich würde ja auch gern bestimmen, was mit meinen Daten geschieht, aber in der Praxis bin ich da schon seit meiner Geburt komplett hilflos. Damals wurden noch Melderegister und Telefonnummern samt Adresse in großem Stil verkauft, und im Briefkasten fand sich reichlich personalisiertes totes Holz. Ich habe noch Unterlagen eines damaligen »Direktmarketers«, der solche Datensätze anbot, und das war damals kaum weniger gut aufgeschlüsselt als es heute bei Google et.al. ist.

    Irgendwann wurden dann Gesetze gemacht und geändert, als im Zuge der Volkszählung mal deutlicher wurde, was so alles an Daten herumfliegt – und vor allem, wer sie nutzen konnte und wer nicht. Seitdem beobachte ich allenfalls Verschiebungen, aber kaum Verbesserungen in diesem Gebiet. Heute kann fast jeder Datamining betreiben, auf der Jagd nach einzelnen Personen genauso wie nach riesigen Gruppen. Es bedeutet aber immer noch nicht, daß alle Personen gleichermaßen sichtbar sind im Netz. Aber diese Balance möchte ich gerne haben: ich möchte einen Politiker, der lückenlose Überwachung fordert, bitte genauso mit Foto und Adresse finden können wie er (oder seine Handlanger) mich (andere Beispiele spar ich mir mal).

    Mein Foto kursiert dutzendfach im Netz, ich habe es für Filmkataloge und Teilnehmerlisten hochgeladen, es steht auf eigenen und fremden Webseiten, mitsamt Adresse. Ich kann schlichtweg nicht verhindern, daß zB die freundlichen Nazis aus der Nachbarschaft es in ein Zeckenjagdplakat montieren – weder technisch noch per Gesetz. Ich verlasse mich darauf, daß 1. wenig geschieht, weil kaum jemand daran Interese hat, und 2. ich in einem solchen Falle gleichermaßen zurückschlagen könnte. Wer das naiv nennt, bitte: aber dann ist es auch naiv, zu glauben, das bestehende Rechtssystem beschütze unbescholtene Bürger.

    Ich sehe das alles als ein Problem der Balance: einzelne gegen viele, Bürger gegen Staat, Verbraucher gegen Firmen, jedesmal ist da ein Ungleichgewicht der möglichen Information. Noch kann der Staat an diesem Punkt Schnittstellen schaffen: Auskunftsrechte festschreiben, Schadensersatz regeln, Informationsfreigabe fordern (zB bei Nahrungsmitteln – har har.) Eine mögliche Argumentation könnte sein: wenn Firmen schon Persönlichkeitsrechte bekommen haben und beleidigt sein dürfen, dann müssen sie aber auch ihre Informationen so offenlegen wie reale Personen. Klingt für mich sehr klassisch: der Staat/das Gesetz sorgt möglichst nur dafür, daß sich der Stärkere/Größere nicht seinen Pflichten entzieht.

  17. Pingback: uberVU - social comments

  18. Till sagt:

    Nur mal nebenbei: Ich finde es ja spannend, was sich aus meinem Aufschlag oben für eine umfangreiche Debatte entwickelt hat.

  19. Yep, tolle Diskussion, tolle Kommentatoren und eine tolle Überschrift :)

    Merry Christmas & a Happy New Year.

  20. blumentopf sagt:

    Eine interessante Wendung:

    Nach Hacker-Attacken auf E-Mail-Konten (chinesischer Menschenrechtsaktivisten): Google stellt China-Geschäft auf den Prüfstand

    Alle Achtung. Das ambivalente Bild von Google (Datenkrake vs. Don’t be evil) ist um eine Facette reicher.

  21. Pingback: Datenkrake Google (2/7): Naive Modelle « Erich sieht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.