Datenbefreiung, oder: staatsmonopolistischer Netzkapitalismus

Goog­le räumt auf, und räumt dabei – zum Juli – auch den Goog­le Rea­der ab. Wer das nicht kennt: das ist ein Tool, um Blogs und ande­re Nach­rich­ten­quel­len, sofern sie RSS-Feeds haben, syn­chro­ni­siert zwi­schen meh­re­ren Gerä­ten zu lesen. Oder etwas weni­ger tech­nisch: ein Tool, mit dem ich auf einen Blick sehe, wel­che Arti­kel in mei­nen Lieb­lings­blogs und wel­che Nach­rich­ten von tagesschau.de ich noch nicht gele­sen habe, und zwar egal, ob ich auf dem PC, auf dem Smart­pho­ne oder auf dem Tablet nach­schaue. Zudem sehe ich auf einen Blick, ob mei­ne Lieb­lings­blogs neue Ein­trä­ge haben, muss also nicht der Rei­he nach durch­blät­tern, was es wo gibt.

Der Goog­le Rea­der war mal mehr (das habe ich aber nie genutzt), und er ist nicht uner­setz­bar. Tat­säch­lich set­ze ich ihn erst aktiv ein, seit ich ein Smart­pho­ne benut­ze. Auf dem PC war das fire­fox-inte­re Hand­ling durch­aus aus­rei­chend für mich, um die­se gera­de beschrie­be­ne Funk­tio­na­li­tät zu erfüllen.

Trotz­dem ärgert mich das Aus für den Goog­le Rea­der, und da bin ich nicht allei­ne, auch wenn man­che dem auch Gutes in Sachen Mono­pol­ver­mei­dung abge­win­nen können. 

Was ich kon­kret mache, mit wel­chem Tool ich mei­ne Lieb­lings­blog-Feeds in Zukunft lesen wer­de, das weiß ich noch nicht. Irgend­et­was wird sich finden. 

Aber ich muss­te doch wie­der an die Eisen­bahn denken. 

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Nexus 7 – Googles Vektor für die schöne neue Medienwelt

image Als das iPad her­aus­kam, habe ich sinn­ge­mäß geschrie­ben, dass so ein Tablet ja durch­aus reiz­voll ist, dass ich aber kei­ne Lust auf den ummau­er­ten Obst­gar­ten von Apple habe.

In der Zwi­schen­zeit tauch­ten eini­ge Android-Tablets auf. Die wirk­ten aber ent­we­der bil­lig oder waren teu­er (oder bei­des). Inso­fern blieb ich erst ein­mal tablet­los, und dach­te, ein Smart­pho­ne sei ja fast so etwas. Seit ges­tern ist nun alles anders: Goog­le hat sein (bzw. das für Goog­le von Asus gene­ral­un­ter­nom­me­ne) Nexus 7 auf den euro­päi­schen Markt gebracht. Für 200 Euro in der 8‑GB-Vari­an­te, für 50 Euro mehr auch mit 16 GB.

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Kurz: Google Kafka

Dar­an, dass die Face­book-App jedes zwei­te Mal, wenn ich sie öff­ne, irgend­wel­che Ände­run­gen am User Inter­face durch­ge­macht hat, habe ich mich ja schon gewöhnt. Trotz­dem: Es bleibt irgend­wie unheim­lich, die­ser Kon­troll­ver­lust. Nicht in dem Sin­ne, wie mspr0 das Wort ver­wen­det – also als Ver­lust der Kon­trol­le über das Nach­le­ben von Äuße­run­gen und Daten – son­dern als Ver­lust der Kon­trol­le über unse­re Rech­ner. Nicht nur in App­les wal­led gar­den, son­dern eben­so in der offe­nen Android-Umge­bung lau­fen im Hin­ter­grund stän­dig Updates. Und dann kann es pas­sie­ren, mor­gens auf­zu­wa­chen und fest­zu­stel­len, dass der ›Android Mar­ket‹ – die App, um Apps zu instal­lie­ren – sich in einen Käfer ver­wan­delt hat und jetzt ›Goog­le Play‹ heißt, neu aus­sieht und eine neue AGB mit­bringt. Oder dass die Such­leis­te plötz­lich anders aussieht.

Ich wür­de mich nicht wun­dern, obwohl es mich sehr irri­tie­ren wür­de, wenn eines Nachts das Betriebs­sys­tem auf Android 4.0 geup­dated wur­de und dann alles anders aussieht. 

War­um emp­fin­de ich das als Kon­troll­ver­lust, als klei­ne Ohn­macht? Weil PCs und auch Tele­fo­ne bis­her die­se schein­ba­re Eigen­in­itia­ti­ve nicht gezeigt haben. (Fir­men­netz­wer­ke las­se ich mal außen vor). Und weil ein Smart­pho­ne ein sehr per­sön­li­cher Gegen­stand ist, lie­be­voll per­so­na­li­siert. Aber einem eben dann doch nicht ganz gehört, was in sol­chen Momen­ten deut­lich wird.

P.S.: Alter­na­ti­ver Titel: das un/​heimliche Smartphone

P.P.S.: In der taz sehe ich gera­de ein pas­sen­des Inter­view zur Free-Android-Kampagne.

Kurz: Fakten über Google Street View, #1

Auch wenn die Poli­zei­ge­werk­schaft das anders sieht: die bei Goog­le Street View gezeig­ten Bil­der sind – genau­so übri­gens wie die hoch­auf­lö­sen­den Luft­auf­nah­men und Satel­li­ten­bil­der bei Goog­le Maps – nicht live, son­dern Archiv­auf­nah­men. Z.B. ein Jahr alt. Oder zwei Jah­re alt. Je nach­dem. Mit Goog­le Street View vir­tu­ell auf Strei­fe gehen zu wol­len ist damit eben­so unsin­nig wie das »aus­bal­do­wern« von Häu­sern. Das ist alles.

Irreführende Werbung bei Facebook

Im öffent­li­chen Dis­kurs taucht in letz­ter Zeit immer öfter der Ver­gleich zwi­schen Face­book und Goog­le auf. Das betrifft die Mög­lich­keit, über den sich im Netz aus­brei­ten­den Like-But­ton sowas wie per­so­na­li­sier­te Such­ergeb­nis­se zu gene­rie­ren, es betrifft aber – in klei­ne­rem Maße – auch die Tat­sa­che, dass Goog­le sein Geld mit Wer­bung ver­dient, und Face­book natür­lich eine noch genau­er auf per­sön­li­che Inter­es­sen abge­stimm­te Anzei­gen­ver­mark­tung betrei­ben kann. So ganz plau­si­bel fin­de ich die­sen Ver­gleich nicht, aber dar­um soll es jetzt auch gar nicht gehen.

Viel­mehr habe ich mich schon häu­fi­ger dar­über gewun­dert, wel­che Kon­tak­te bei Face­book von mir – angeb­lich – wel­che Pro­duk­te toll fin­den. In der Rand­spal­te steht dann unter der Wer­be­an­zei­ge sowas wie »XYZ likes this«. Auch die eige­nen Fea­tures bewirbt Face­book in die­ser Wei­se. Seit kur­zem gibt es den »friend fin­der«, eine Funk­ti­on, die aus Daten­schutz­sicht hef­tig kri­ti­siert wird. Letzt­lich geht es dabei dar­um, Face­book den Zugriff auf das eige­ne EMail-Adress­buch zu ermög­li­chen, um so dort gespei­cher­te Kon­tak­te – und indi­rek­te Ver­bin­dun­gen – bei Face­book zu fin­den (und sei­en es auch nur die ande­ren Pati­en­tIn­nen des eige­nen The­ra­peu­ten). Mit ande­ren Wor­ten: Face­book ver­sucht hier, auf pri­va­te Daten­be­stän­de zuzu­grei­fen, um mehr Men­schen dazu zu brin­gen, bei Face­book Mit­glied zu werden.

Umso mehr wun­der­te es mich, als ich vor ein paar Tagen eine erstaun­te Mail bekam, ob ich den die­sen zu kri­ti­sie­ren­den »friend fin­der« tat­säch­lich nut­zen wür­de. Tue ich nicht, Face­book wirbt aber bei mei­nen Kon­tak­ten damit:

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Screen­shot des »Freun­de­fin­ders« von Face­book – angeb­lich von mir empfohlen

Mal abge­se­hen davon, dass ene Nut­zung nicht unbe­dingt auch eine Emp­feh­lung bedeu­tet – zum Bei­spiel hät­te es ja sein kön­nen, dass ich mir das ange­schaut habe, um mir selbst ein Bild davon zu machen, wie pro­ble­ma­tisch die Umset­zung ist – wirbt Face­book hier mit fal­schen Tat­sa­chen. Dafür kann es zwei Erklä­run­gen geben.

1. Face­book sagt hier wis­sent­lich die Unwahr­heit und nimmt ein­fach irgend­wel­che Kon­tak­te als »Emp­feh­lung«.

2. Face­book und ich haben unter­schied­li­che Vor­stel­lun­gen davon, was ein »friend fin­der« ist und wie er genutzt wird. Mög­li­cher­wei­se gehört ja schon die all­ge­mei­ne Suche nach Per­so­nen oder ein Kon­takt, den ich ange­nom­men habe und der das Tool genutzt hat, aus Sicht von Face­book zur »Nut­zung«. Ich habe jeden­falls defi­ni­tiv noch nie Face­book den Zugang zu einem mei­ner Mail­ac­counts gege­ben – das ist es, was ich unter »Nut­zung des friend fin­ders« ver­ste­hen würde.

Das gan­ze hat jetzt zunächst ein­mal den Effekt, dass sich für mich die Ver­mu­tung, dass es bei den Wer­be­emp­feh­lun­gen durch Kon­tak­te nicht ganz mit rech­ten Din­gen zugeht, bestä­tigt. Mein Ver­trau­en in Face­book sinkt in die­ser Hin­sicht also. 

Gleich­zei­tig wird es aller­dings noch ande­ren Leu­ten so gehen wie Alex­an­der – dass ihnen vor­ge­gau­kelt wird, ich wür­de den Freun­de­fin­der emp­feh­len. Das wie­der­um hat Aus­wir­kun­gen auf mei­ne digi­ta­le Repu­ta­ti­on – und hier bin ich eher ratlos. 

War­um blog­ge ich das? U.a. aus dem zuletzt genann­ten Grund – als klei­ner Hin­weis dar­auf, dass die Emp­feh­lun­gen von Face­book »in mei­nem Namen« von mir in keins­ter Wei­se auto­ri­siert sind.