Iain M. Banks: Inversions

Aus zwei Per­spek­ti­ven (über einen Leib­wäch­ter und aus der Sicht eines Assis­ten­ten einer Ärz­tin) wird die Geschich­te einer frem­den Welt erzählt. Das gan­ze ist ein Cul­tu­re-Roman, in dem die Cul­tu­re so gut wie nicht auf­taucht, bzw. auf­taucht, aber nur ein klein wenig auf­fällt, weil alles aus der Sicht von Non-Cul­tu­re-Per­so­nen geschrie­ben ist – die noch nicht ein­mal wis­sen, dass sie es mit Außer­ir­di­schen zu tun haben … Hin­wei­se auf die Cul­tu­re geben eini­ge Sub­tex­te sowie »the Woman Vos­ill, a Roy­al Phy­si­can during the Reign of King Qui­ence […] but who was, without Argu­ment, from a dif­fe­rent Cul­tu­re …« (die oben erwähn­te Ärz­tin, S. 1), sowie »… the Doc­tor had been invi­ted to dine with the vessel’s capi­tain that evening, but had sent a note decli­ning the invi­ta­ti­on, citing an indis­po­si­ti­on due to spe­cial cir­cum­s­tan­ces …« (S. 341).

Eine for­mal sehr span­nend ange­leg­te Geschich­te, die durch­aus les­bar ist und über die tief in sie ver­pack­te Fra­ge, ob Ein­mi­schung in ande­re Kul­tu­ren erlaubt oder ver­bo­ten ist, durch­aus auch anre­gen­de Fra­ge­stel­lun­gen bie­tet – die aller­dings die Erwar­tun­gen, die per se erst­mal an einen Cul­tu­re-Roman von Banks gestellt wer­den, nicht erfüllt.

Banks, Iain M. (1998): Inver­si­ons. Lon­don: Orbit.
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Iain M. Banks: Feersum Endjinn

Ein wei­te­rer Cul­tu­re-Roman – dies­mal sind wir auf der Erde, zusam­men mit den Nach­kom­men der­je­ni­gen, die sich gewei­gert haben, in den Welt­raum zu gehen, in einer Welt vol­ler tech­ni­scher Wun­der – von der Makro­ar­chi­tek­tur bis zu den Daten­sys­te­men – aber ohne Men­schen, die damit wirk­lich etwas anfan­gen kön­nen. Die Son­ne ver­fins­tert sich, aber das scheint nie­mand wirk­lich zu inter­es­sie­ren. Zwi­schen dem König und dem Clan der Inge­nieu­re kommt es zu Krieg, und in der Kryp­to­sphä­re scheint das Cha­os auszubrechen.

Das alles erle­ben wir durch ca. vier ver­schie­de­ne, anschei­nend par­al­le­li­sier­te Cha­rak­te­re, die in zehn Kapi­teln jeweils nach­ein­an­der zu Wort kom­men. Bekannt gewor­den ist dabei vor allem Mr. Bas­cu­le, ein jun­ger ›Tel­ler‹ (jemand, der mit den in der Kryp­to­sphä­re vor­han­den Enti­tä­ten Kon­takt auf­nimmt) mit Leg­asthe­nie (er schreibt Tage­buch, aber lei­der pho­ne­tisch. Das sit dan so aus, oda noch etwaf sli­ma, wajl das eng­li­ze nok weni­ka fone­tix isd als dat dojt­ze.) Die Bas­cu­le-Kapi­tel sind ziem­lich schwer zu lesen, der Rest ist typisch Banks. Erfreu­lich, mit einer gro­ßen Über­ra­schung am Schluss, ein biß­chen lite­ra­risch, und über­aus unge­wöhn­lich. Ein net­tes Buch, aber lei­der feh­len ein biß­chen die gro­ßen neu­en Ideen, dafür sind sie schön beschrieben.

Banks, Iain M. (1995): Feer­sum End­jinn. Lon­don: Orbit (orig. 1994).
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Iain M. Banks: Excession

Ein neu­er Cul­tu­re-Roman von Iain M. Banks. Alles ist tech­no­lo­gisch wei­ter fort­ge­schrit­ten (Ter­mi­nals wer­den gra­de durch neu­ro­nets ersetzt, der Cul­tu­re-Idiran-War liegt lan­ge zurück), und ins­ge­samt auch sehr viel weni­ger düs­ter be/​geschrieben. In die­sem Buch geht es um ein Objekt, das die Cul­tu­re in einen Aus­nah­me­zu­stand ver­setzt, weil es die bis­her gül­ti­gen Geset­ze von Raum und Zeit zu durch­bre­chen scheint. Außer­dem kommt eine sehr selt­sa­me Lie­bes­ge­schich­te vor, sehr vie­le direk­te Schiffs­dia­lo­ge (loo­ks like eMail) und rela­tiv vie­le Aus­füh­run­gen zum sozia­len und kul­tu­rel­len Hin­ter­grund der Culture.

Banks, Iain M. (1996): Exces­si­on. Lon­don: Orbit 1997. Bei Ama­zon bestellen.

Iain M. Banks: Vor einem dunklen Hintergrund

Eine tur­bu­len­te Ver­fol­gungs­jagd quer durch ein frem­des Son­nen­sys­tem weit in der Zukunft. Erin­nert ein biß­chen an Ster­lings Schis­ma­trix-Uni­ver­sum, hat ein biß­chen Gala­xis-Soap drin­ne, mit Clans und Krams, ist amü­sant geschrie­ben und endet etwas abrupt und selt­sam nach 730 Sei­ten. Kein Culture-Roman.

Banks, Iain (1998): Vor einem dunk­len Hin­ter­grund. Mün­chen: Hey­ne. [engl. Orig.: Against A Dark Back­ground, 1993].
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Iain M. Banks: Look to Windward

Look to Windward

Ist es ein Wider­spruch in sich, von einem soli­den Cul­tu­re-Roman zu spre­chen? ›Look to Wind­ward‹ kann jeden­falls so bezeich­net wer­den – wie­der ein­mal haben wir es mit der Cul­tu­re, inter­es­sant gezeich­ne­ten Indi­vi­du­en und noch inter­es­san­te­ren jün­ge­ren und älte­ren Ali­en-Kul­tu­ren zu tun. Die Span­nung – gekop­pelt an die Fra­ge, ob ein Atten­tä­ter Erfolg haben wird oder nicht – hält bis zum Schluss, die Situa­ti­on ist fremd­ar­tig und über­zeu­gend zu gleich, und auch ein paar Exkur­se in fremd­ar­ti­ge Wel­ten und ein biß­chen Cul­tu­re im Schau­kas­ten feh­len nicht. Dazu eine Pri­se ›Schif­fe mit selt­sa­men Namen‹ (und ein wirk­lich wit­zi­ger Dia­log) sowie ein biß­chen ›Aus dem Tage­buch eines Orbi­tal-Hubs‹, Giga­de­ath-Kata­stro­phen und mensch­li­che Schwä­chen, Extrem­sport­ar­ten und die Debat­ten zur Fra­ge, ob Wie­der­ge­burt oder Tod mehr eine Mode oder eine Phi­lo­so­phie ist, und ob reli­giö­se Geset­ze noch gel­ten müs­sen, wenn der Him­mel selbst­ge­bas­telt ist.

Wer einen soli­den Cul­tu­re-Roman lesen möch­te, inter­es­san­te Cha­rak­te­re und Kul­tu­ren ken­nen­ler­nen will, sich span­nend und poli­tisch kor­rekt unter­hal­ten füh­len möch­te usw. usf. ist mit ›Look to Wind­ward‹ gut bedient, bes­ser jeden­falls als mit ›Play­er of Games‹ oder als mit ›Feer­sum End­jin‹. Aber irgend­et­was fehlt dem Buch etwas – trotz Span­nungs­bo­gen sind die gewich­ti­gen Rät­sel mit der letz­ten Sei­te ver­b­last, die Schlus­s­über­ra­schung ist zwar nett, aber – naja. Fast könn­te es nahe­lie­gen, Ver­glei­che mit der Cul­tu­re selbst anzu­stel­len: nett, unter­halt­sam, hedo­nis­tisch, extrem, am Spaß ori­en­tiert und durch­aus auch mal ris­kant – aber meh­re­re tau­send Jah­re lang die­ses Pro­gramm? Und dazu kommt der Ver­dacht, dass eini­ges doch etwas abge­schrie­ben wirkt – bei Banks selbst (etwa in der Art und Wei­se, wie die Cul­tu­re sich ver­gnügt, sich in ande­re Ent­wick­lun­gen ein­mischt, dabei Feh­ler begeht, wenn alles noch eine Spur älter, grö­ßer und gigan­ti­scher sein muss), wenn es um die Ali­ens geht, viel­leicht ein biß­chen bei Ver­nor Vin­ge, und auch ande­re Ideen sind anders­wo schon mal auf­ge­taucht, gigan­ti­sche bio­lo­gi­sche schwar­mar­ti­ge Staats­sys­te­me bei Bruce Ster­ling, ein eine Welt (na gut, hier »nur« ein Orbi­tal) umfas­sen­der Fluss bei Dan Sim­mons und in einem Daten­spei­cher mit­rei­sen­de Per­sön­lich­keits­mo­du­le erin­nern an Wil­liam Gibson. 

Damit wir uns nicht falsch ver­ste­hen: ›Look to Wind­ward‹ hat mir Spaß gemacht (auch wegen Banks Spra­che), und es hat sich durch­aus gelohnt, sich die jetzt als Taschen­buch erschie­ne­ne Aus­ga­be zu kau­fen. Aber das Gefühl des ganz Neu­en, das Über-das-Buch-Nach­den­ken nach der letz­ten Sei­te – das fehl­te irgendwie.

Banks, Iain M. (2001): Look to Wind­ward. Lon­don: Orbit. (orig. 2000).
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