Archiv der Kategorie: sf|lib

Aus meinem alten Blog sf|lib importiert

Lost in space

BoingBoing hat einen Wettbewerb um eine 100-Wörter-Kürzestgeschichte zum Thema »Lost in space«. Hier mein Eintrag:

Communication is slow in space. Years after the event, the fast-fading light of the explosion reached the ship. Communication stopped.

Some of them had become blasé about this possibility. Are you still an earthling, even if your grandparents never set foot on the planet? But now they felt lost.

The voting in the steering committee was unanimously. Slowly, ever so slowly, the behemoth turned around. A new commitment filled the halls and valleys of the arc ship. Investigation, and, if possible, revenge, that was their hope now.

Almost thirty years later, Lucy, then a toddler, now captain-at-large, announced their mistake.

Geeks in Space: Weltraumfilme im Kommunalen Kino Freiburg

Posters and informationFür alle Freiburgerinnen und Freiburger mit Interesse an a. Science Fiction im Film, b. den 1970er Jahren, c. politischen Utopien, insbesondere in der realsozialistischen Ausprägung, oder d. Weltraumfahrt lohnt sich in den nächsten Tagen ein Besuch des Kommunalen Kinos in Freiburg. Seit gestern läuft dort – noch bis zum 9. Oktober – die »Retrospektive in die Zukunft«. Neben Weltraumfilmen aus den 1960er und 1970er Jahren der DDR und der BRD gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm und eine kleine Ausstellung.

Introduction IIIIch war gestern bei der gut besuchten Vernisage der Retrospektive, und fühlte mich gut aufgehoben – »Geeks in space« fiel mir als erstes zu Publikum und Setting – mit stilvoll zeitgenössischen Möbeln und Astronautennahrung – ein. Timothy Simms und Lisa ??? erläuterten das Konzept der Reihe und stellten kurz die Ausstellung vor.

Manual wikipedia like system for timelineEin interessantes Moment der Ausstellung ist die interaktive Weltraumfahrt/SF-Timeline. Zur Ergänzung in Wikipedia-Manier steht ein manuelles Eingabegerät (siehe Bild) bereit. Diese Möglichkeit wurde bereits am Eröffnungsabend genutzt – die Geburtsstunde des »Star Trek«-Imperiums fehlte noch an der Wand.

Timeline with EOLOMEA posterNeben der interaktiven Timeline gehören zur Ausstellung weiter Weltraumfotos aus dem Planetarium, Filmplakate (hier zu »Eolomea« von 1972) sowie vier erläuternde Poster zum utopischen Film der DDR allgemein und zu den drei DEFA-Filmen »Eolomea«, »Signale« und »Im Staub der Sterne«, die auch in der Filmreihe gezeigt werden.

Both modelsDen Mittel- und Höhepunkt bilden jedoch zwei Original-DEFA-Modelle aus den Filmen »Signale – Ein Weltraumabenteuer« (1970) und »Im Staub der Sterne« (1976). Am Premierenabend wurde »Signale – Ein Weltraumabenteuer« gezeigt, den ich mir dann auch gleich angesehen habe. Er wird am 4.10. um 21.30 Uhr wiederholt.

Model No. 2 "PZ-5" from "Signale - Ein Weltraumabenteuer"In der KoKi-typischen Einführung verwies Timothy Simms vor allem auf die hier eingesetzte Tricktechnik, und auf die optischen und inhaltlichen Anleihen an »2001 – Odysee im Weltraum«. »Signale« spielt in einem durchweg realistisch gehaltenen Setting, soweit es die Raumfahrttechnik und die damit verbundenen Abläufe, Gefahren und Konflikte betrifft. Der Umgang mit Schwerelosigkeit und die Darstellung der Raumfahrzeuge erinnert in der Tat stark an »2001″; auffällig fand ich auch die Innenausstattung der Raumschiffe und der Kommodozentrale sowie die Kleidung der (multikulturellen) KosmonautInnen. Neben »2001″ schien mir hier auch eine Spur »Star Trek« erahnbar. Ungewohnt, aber dennoch interessant dagegen die im wörtlichen und übertragenen Sinne zeitweise an sozialistische Gemeinschaftserholungen erinnernde Grundstimmung des Filmes. Hier wie in der offensiv vertretenden Lehrmeinung, dass eine überlegende, technisch fortgeschrittene Spezies nur friedfertig und kommunistisch sein kann, schimmert die spezifische Deutung des Utopischen durch.

Insgesamt ein interessanter Abend. Der Besuch der Retrospektive kann – wie eingangs schon gesagt – allen in der einen oder anderern Weise an diesen Themen Interessierten nur empfohlen werden.

Politische Unterhaltung

Grüne 1 Mio., LINKE 2 Mio, SPD 4 Mio. Was ist das? Genau, Steinmeiers persönlicher »Deutschlandplan«. Passend dazu gibt’s heute drei Urlaubslesetipps aus dem Bereich politischer Science-Fiction.

Kim Stanley Robinson schreibt eher literarisch orientierte Science-Fiction. In der Trilogie Science in the Capital (Forty Signs of Rain (amazon), Fifty Degrees Below (amazon)und Sixty Days and Counting (amazon)) spielen wie schon in früheren Werke Umweltfragen eine große Rolle – hier gekoppelt mit dem Blick auf Verquickungen zwischen Politik und Wissenschaft. Die Trilogie zeichnet den Aufstieg des US-Senators Phil Chase zum globalen Ökopräsidenten nach – geschrieben vor dem Obama-Wahlkampf!

Der zweite Tipp ist eher netzpolitisch spannend: Charles Stross widmet sich in seinem Thriller Halting State (amazon) einer Welt in naher Zukunft, in dem das organisierte Verbrechen innerhalb von Online-Welten stattfindet, und die Computerspiele auf der Straße – und koppelt das mit dem Seelenleben von FinanzjongleurInnen. Ähnlich, nur noch etwas wilder und in Südafrika statt Großbritannien angesiedelt, Lauren Beukes Moxyland (amazon).

Zum Schluss noch was deutschsprachiges: Alien Earth (1, 2, 3 bei amazon)- drei dicke Bände des Freiburger Perry-Rhodan-Autors Frank Borsch (hatte übrigens für die Grünen kommunal kandidiert). Vor dystopischem Hintergrund (Deutschland treibt Hartz-IV auf die Spitze, Gedankenverbrechen werden bestraft, die Großmacht heißt Vereinigte Staaten von Amerika und Arabien) entwickelt Borsch eine packende Geschiche um gentechnische Mutanten und geheimnisvolle Außerirdische.

Erstveröffentlichung: blog.gruene-bw.de>

Im Rosengarten

Pastel Cabbages
Foto: Sister72, Lizenz: CC-BY

Dr. Wrolem summte die Parteihymne. Er ließ seinen Blick über die Beete der Anlage schweifen. Er versuchte, tief einzuatmen, und den Duft der Rosen wahrzunehmen. Es war trocken und heiß. Bei Wetter wie diesem spürte er seinen Körper, und das war ihm nicht angenehm. Noch vor einigen Jahren waren es Stangenbohnen gewesen, und Kohl, immer wieder Kohl, auf den Beeten, auf denen jetzt die Rosenstöcke standen. Erst allmählich sind die letzten Spuren der weltweiten Depression verschwunden. In den Jahren direkt nach der Jahrtausendwende, in der Zeit der Großen Koalition, da hatte man Angst gehabt. Die Risikogesellschaft hatten sie es genannt. Er war damals noch jung und fit gewesen, aber auch an diese Angst konnte er sich noch genau erinnern.

Schon vor einem Jahr habe ich eine Kurzgeschichte zur Aktualität von Zensur- und Überwachungsdystopien geschrieben. Leider hat sie an Aktualität nichts eingebüsst. Deswegen gibt es sie jetzt online:

Im Rosengarten (pdf)

Viel Vergnügen! Die Geschichte steht unter der Lizenz CC-BY-SA-NC, d.h. sie darf für unter ähnlichen Lizenzen stehende nichtkommerzielle Werke bei Namensnennung frei kopiert und weitergegeben werden (den »Quelltext« gebe ich bei Bedarf gerne weiter – bitte einfach bei mir melden).

Sieben Sieben-Wort-Geschichten

Bei sixwordstories.net gibt es auch sehr kurze Science-Fiction-Geschichten, einige davon aus einem WIRED-Artikel. Dirk van den Boom macht daraus auf deutsch Sieben-Wort-Geschichten. Und weil meine dort im Kommentarfeld eingegebenen irgendwie aufgefressen werden (»Gefrässiges Monster im Netz: Text ist weg«), archiviere ich sie einfach hier:

Sieben Siebenwortgeschichten, zweiter Versuch

»Frühstück in Tokyo, mittags zum Mariannengraben, Mondnacht«

»Hrrg greifen an, schwache Wechselwirkung setzt aus«

»Informationsüberflutung, neurales Netz überlastet – sein Gehirn ausgebrannt«

»Zum Glück zu dritt fehlt noch Hermaphrodit«

»SF-Autor wird US-Präsident: Aliens kommen endlich frei«

»Klon schlägt zu, Original tot, wird freigesprochen«

»Klon schlägt Klon tot, Original wird freigesprochen«

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