Gelesene Bücher Herbst/Winter

Diesen Herbst und Winter habe ich einiges an Science Fiction und ein wenig Fantasy gelesen. Anbei meine Kurzkritiken:

  • Charles Stross, Dead lies dreaming. In diesem Seitenast zu Stross’ Laundry Series spielt der Autor auf Peter Pan an – nicht auf die Disney-Variante, sondern das wohl etwas gruseligere Original. Daraus ergibt sich eine nicht-traditionelle Familiengeschichte mit einer magischen Tragödie in einem London, das nicht ganz von dieser Welt ist, gekreuzt mit einem transdimensionalen Heist in einem London, das noch weniger von dieser Welt ist. Wer die Laundry mag, wird das hier mögen.
  • K.J. Parker, Sixteen Ways to Defend a Walled City. Ein nicht ganz zuverlässiger Erzähler berichtet in leicht schelmischer Tonlage von den Verwicklungen und Zufällen, die ihn, den Außenseiter, erst zum Chef der Ingenieurbrigade gemacht und es dann ermöglicht haben, die führungslose Stadt – eine Art Rom unter anderem Namen – sicher durch eine scheinbar unaufhaltsame Belagerung zu bringen. Den Nachfolgeband (selbe Stadt, selbe second world fantasy, andere Hauptperson) mit dem Titel How to Rule an Empire and Get Away with it fand ich auch ganz nett, da fehlte mir allerdings der Erzähler aus Sixteen Ways …
  • Gardner Dozois / Michael Swanwick, The City under the Stars. Ein von Michael Swanwick vollendeter Roman des 2018 verstorbenen SF-Autors und Herausgebers Gardner Dozois, Teile davon stammen aus den 1970er Jahren, erschienen ist The City under the Stars allerdings erst 2020. Auf den ersten Blick wirkt dieser Roman wie klassische SF dieser Zeit, also der 1970er Jahre. Auf den zweiten Blick entpuppt er sich als tiefgründigere Meditation über die Natur des Menschen, über Macht und Fortschritt.
  • Christopher Paolini, To Sleep in a Sea of Stars. Eine solide Blockbuster-Space-Opera von Christopher Paolini, der durch die Eragon-Reihe bekannt geworden ist. In dieser Space Opera gibt es halbwegs plausible Faster-Than-Light-Technologie, eine Heldin wider Willen und interessante Außerirdische.
  • Elizabeth May, Seven Devils. Nochmal Space Opera, erinnert entfernt an She-Ra, spannende Geschichte, aber ein leider ziemlich inkonsistentes Worldbuilding (Zwei instantan besuchbare Galaxien? Lebensmittelknappheit als Kriegsgrund? Extrem fortgeschrittene medizinische Technologie, aber juckende Prothesen und keine Möglichkeit, fehlende Organe zu ersetzen? Ein unlogisches Bergwerk?). Wenn darüber hinweggesehen wird, ganz unterhaltsam.
  • Elizabeth Bear, On Safari in R’lyeh and Carcosa with Gun and Camera. Novelle, die mit dem einen oder anderen Lovecraft-Motiv spielt – und dem heimlichen Wunsch, vielleicht doch ein Alien zu sein. Online bei tor.com.
  • Elizabeth Bear, Machine. Der zweite Band in Bears White-Space-Universum (Band 1 war Ancestral Nights); die Heldin, die den ersten Band so gerade eben überlebt hat, wenn ich mich richtig erinnere, arbeitet jetzt für die größte Kranken- und Rettungsstation des Universums im Außeneinsatz, Seite an Seite mit ganz unterschiedlichen Lebensformen. Was wie ein Routineeinsatz für eine Notfallärztin beginnt, stellt das neu gewonnene Selbstbild von Dr. Jens in Frage. Und nicht nur das. Space Opera mal jenseits imperialer Kriege.
  • Andrew Bannister, Creation Machine. Erinnert ein bisschen an Banks Culture, ist aber leider weit weniger packend geschrieben.
  • Kim Stanley Robinson, The Ministry for the Future. Der letzte Eintrag in dieser Liste ist ein bisschen gemogelt, weil ich mit KSRs neuem Roman erst halb durch bin. Climate Fiction, wenige Jahrzehnte nach der Gegenwart, auf einer Erde, die von der vollen Wucht des Klimawandels getroffen ist. Harte Kost – die persönlichen Lebens- und Leidensgeschichten der Protagonist*innen werden immer wieder unterbrochen von eher sachbuchartigen Texten über Klimawandel, Klimawandelfolgen und mögliche Mitigations- und Adaptionsstrategien. Wie in früheren Romanen von KSR spielt der politisch-bürokratische Apparat eine große Rolle. Da ich SF/Fantasy in den letzten Monaten eher zur Ablenkung/Unterhaltung gelesen habe, habe ich The Ministry for the Future erst einmal bei Seite gelegt, werde ich aber bei Gelegenheit sicher wieder zur Hand nehmen und zu Ende lesen.
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