Kaffeefragebogen, ausgefüllt

Cafe LatteBlogs las­sen sich nicht nur als Kolum­ne mit inte­grier­ter Leser­brief­funk­ti­on ver­wen­den, son­dern auch im Sin­ne sozia­ler Netz­wer­ke. Da sind man­cher­lei Spie­le­rei­en denk­bar, z.B. die »Blog­pa­ra­de«, d.h. in einem bestimm­ten Zeit­raum schrei­ben vie­le Blogs was zum sel­ben The­ma. Fin­de ich meis­tens nicht so sinn­voll, den »Kaf­fee­fra­ge­bo­gen« hier muss­te ich dann aber doch ausfüllen.

Wie berei­test Du Dir Dei­nen Lieb­lings­kaf­fee zu und was muss für Dich in einen »per­fek­ten« Kaf­fee rein: nix, Milch(schaum), Zucker, Sirup …?

Wenn ich ihn selbst zube­rei­te: Per Per­co­la­tor (also das ita­lie­ni­sche Alu-Espress­o­känn­chen für die Herd­plat­te), mit Espres­so-Pul­ver. Dazu dann Milch­schaum (mit dem hand­be­trie­be­nen Glas­milch­schäu­mer zube­rei­tet); genau­er gesagt: erst (viel) Milch­schaum, dann Espres­so in die Tas­se, oben­drauf je nach­dem noch Zucker und/​oder Kakao.

Ansons­ten trifft kom­mer­zi­ell erhält­li­cher »Milch­kaf­fee« ohne wei­te­re Extras meist mei­nen Geschmack.

Kaf­fee ohne Milch trin­ke ich sehr ungern, und wenn, dann mit Zucker. Schwar­zen Kaf­fee ohne Zucker nur, wenn’s gar nicht anders geht.

Ach­test Du beim Kaf­fee­kauf auf bestimm­te Sie­gel (Bio, Trans­fair, UTZ Cer­ti­fied, Rain­fo­rest Alli­an­ce)? Wenn ja, warum?

Auf jeden Fall »Trans­fair« (weil ich das Prin­zip eines gerech­te­ren Welt­han­dels von unten sinn­voll fin­de). Und wenn auch das Bio­sie­gel mit drauf ist, grei­fe ich noch lie­ber zu.

Ist Kaf­fee Dei­ner Mei­nung nach ein Pro­blem für die Umwelt? War­um (nicht)? (CO2-Ver­brauch, Anbau, Pes­ti­zid- u. Her­bi­zid­ein­satz, Ener­gie­ver­brauch etc.)

Gute Fra­ge. Und wahr­schein­lich (Pes­ti­zi­de etc.) ein Grund mehr, auf Bio­sie­gel und ähn­li­ches zu ach­ten. Und vage erin­ne­re ich mich, auch schon mal was von Boden­pro­ble­men durch (Monokultur-)Kaffeeanbau gehört zu haben. Wie bei allen Import­wa­ren hängt an Kaf­fee – wenn ich mal drü­ber nach­den­ke – natür­lich ziem­lich viel trans­port­be­ding­tes CO2. Ande­rer­seits kann das pro Tas­se oder so nicht sehr viel sein, weil dafür ja nicht sehr viel Kaf­fee­pul­ver ver­wen­det wird. 

Ein Punkt, mit dem ich in mei­nen Kaf­fee­ge­wohn­hei­ten selbst nicht so glück­lich bin, ist der Herd­plat­ten-Per­co­la­tor (neben­bei bemerkt: ist gra­de in »Öko-Krei­sen« sehr beliebt, glau­be ich). Da bin ich mir ziem­lich sicher, dass die Ener­gie­bi­lanz nicht opti­mal ist. Gleich­zei­tig wür­de ich aller­dings ver­mu­ten, dass bei einer Gesamt­pro­dukt­be­trach­tung der Löwen­an­teil des Ener­gie­ver­brauchs (und der Kli­ma­emis­sio­nen) in Trock­nung und Trans­port steckt.

Neben­bei bemerkt: Kaf­fee eig­net sich gut, um über glo­ba­le Bezie­hun­gen nach­zu­den­ken. Wolf Göh­ring hat das bei oeko­nux mal gemacht. 

So. Und jetzt habe ich doch noch­mal bei Ryan/​Durning (1997) nach­ge­schaut – in einem net­ten klei­nen Buch namens Stuff, in dem für die ame­ri­ka­ni­sche »Nor­thwest Envi­ron­ment Watch« den glo­ba­len Bezie­hun­gen (unter Umwelt­ge­sichts­punk­ten) hin­ter All­tags­ge­gen­stän­den nach­ge­gan­gen wird. Ein paar Fak­ten­schnipp­sel aus die­sem Buch:

  • Bei zwei Tas­sen Kaf­fee pro Tag (das ist so etwa mein Kon­sum) liegt der Jah­res­ver­brauch bei 18 »pound« Kaf­fee­boh­nen, das sind etwa acht kg. Dem Buch zufol­ge ent­spricht dies der Ern­te von 12 Kaffeebäumen.
  • Ertrags­star­ke Kaf­fee­plan­ta­gen (in Kolum­bi­en) sind tat­säch­lich mono­kul­tu­rell, ver­fü­gen nicht mehr über Schat­ten­bäu­me und die ent­spre­chen­de Bio­di­ver­si­tät – und wer­den häu­fig mit Pes­ti­zi­den besprüht.
  • Die von Hand geern­te­ten Kaf­fee­boh­nen wer­den maschi­nell von dem sie umge­ben­den Frucht­fleisch getrennt. Pro Kilo­gramm Kaf­fee­boh­nen fal­len damit etwa zwei Kilo­gramm Fasern an, die Stuff zufol­ge (die dem Weg kolum­bia­ni­schen Kaf­fees gefolgt sind) ein­fach in einen Fluss gekippt wer­den, was die­sem Sauer­stoff entzieht.
  • Die son­nen­ge­trock­ne­ten Kaf­fee­boh­nen wer­den dann in Säcken zu 60 kg per Schiff wei­ter­trans­por­tiert und am Ziel­ort etwa eine Vier­tel­stun­de bei 200°C gerös­tet, ver­packt und wei­ter­trans­por­tiert (per Last­wa­gen). Mit die­sen Anga­ben lie­ße sich jetzt der direk­te CO2-Aus­stoß abschätzen.

Stuff emp­fiehlt, am bes­ten auf lokal ange­bau­ten Kräu­ter­tee umzu­stei­gen. Das habe ich nicht vor – die Hin­ter­grund­in­fos bestär­ken mich aber dar­in, wenn schon Kaf­fee, dann zumin­dest bio­lo­gisch ange­bau­ten zu ver­wen­den. Was im übri­gen beim Kaf­fee­trin­ken »aus­wärts« gar nicht so klar ist: die Kaf­fee­ma­schi­nen in der Cafe­te­ria der Uni wer­ben damit, orga­nisch ange­bau­ten Kaf­fee zu ver­wen­den. Wie das bei sons­ti­gen Loka­li­tä­ten aus­sieht, bleibt erst­mal unklar.

Fühlst Du Dich beim Kaf­fee­kauf genü­gend infor­miert (Anga­ben auf der Packung, Web­sei­te des Her­stel­lers etc.) oder wel­che Infor­ma­tio­nen vom Kaf­fee­an­bau bis zur Zube­rei­tung ver­misst Du?

Im Prin­zip fin­de ich die Labels (»Trans­fair«, Bio­sie­gel) da aus­rei­chend. Was ich ver­mis­se, ist viel­mehr das gera­de eben ange­spro­che­ne: Infos über den Hin­ter­grund beim Kauf zube­rei­te­ten Kaf­fees in Restau­rants und Cafes (oder auch am Arbeits­platz – also immer da, wo der Kaf­fee­ein­kauf durch jemand ande­res erfolgt). Wäre für mich jeden­falls durch­aus ein Grund, bestimm­te Cafes zu mei­den bzw. zu bevorzugen.

Was war bis­lang Dein schöns­tes Kaf­fee-Erleb­nis (Flirt am Kaf­fee-Auto­ma­ten, Dis­kus­sio­nen in der Espres­so­bar … was auch immer)?

Poli­ti­ker­ty­pisch wei­che ich der Fra­ge mal aus und erzäh­le lie­ber, dass ich lan­ge selbst kei­nen Kaf­fee getrun­ken habe. Das regel­mä­ßi­ge Kaf­fee­trin­ken – das ja dann, typisch Sucht­mit­tel, das Nicht­trin­ken von Kaf­fee mit Ent­zugs­er­schei­nun­gen ver­bin­det, sprich: Kopf­weh – also, das regel­mä­ßi­ge Kaf­fee­trin­ken habe ich erst auf poli­ti­schen und sons­ti­gen Kon­fe­ren­zen ken­nen­ge­lernt. Und im Arbeits­all­tag des u‑asta, also im Stu­di­um. Wäh­rend mei­ner Magis­ter­ar­beit dann exzes­siv, inzwi­schen mit etwa zwei Tas­sen Kaf­fee (oder Espres­so) pro Tag in einem wie ich fin­de eini­ger­ma­ßen sinn­vol­len Rah­men. Das dann aber schon!


Ryan, John C. /​ Dur­ning, Alan Thein (1997): Stuff. The Secret Lives of Ever­y­day Things. Seat­tle: Nor­thwest Envi­ron­ment Watch.

War­um blog­ge ich das? Weil ich die Fra­gen inter­es­sant fin­de. Aus­gangs­punkt des Gan­zen sind übri­gens Vital­ge­nuss und Mas­kal.

13 Antworten auf „Kaffeefragebogen, ausgefüllt“

  1. habe erst »Blogs las­sen sich nicht nur als Kolum­ne mit inte­grier­ter Lie­bes­brief­funk­ti­on ver­wen­den« gele­sen und mich echt gewun­dert. Gibt es auch sowas wie freud­sche Verleser?

    Auf jeden Fall war er sehr infor­ma­tiv dein Arti­kel. Danke.

    Pau­la.

  2. @Paula: Blogs als »Kolum­ne mit Lie­bes­brief­funk­ti­on« wäre aller­dings auch eine wit­zi­ge Beschrei­bung des Web 2.0.

    @Stefan: Ich habe mir erlaubt, die URLs in anklick­ba­re Links umzu­wan­deln, dan­ke für den inter­es­san­ten Hin­weis auf die Was­ser­be­rech­nun­gen (wobei das mit Kli­ma­ver­träg­lich­keit ja erst­mal nur bedingt etwas zu tun hat, oder?) – und auch auf das Umwelt­blog von Dir (das ich bis­her nicht kannte).

  3. Mal eine klei­ne Sam­mel­stel­le für’s öko­lo­gi­sche Kaf­fee­trin­ken in Freiburg:

    - Café Euro­pa (Uni, KG II – *nicht* zu ver­wech­seln mit dem Café Senk­recht, im KG III schräg gegen­über ist und auch vom Stu­den­ten­werk betrie­ben wird…)
    – Alt­stadt­ca­fé (Ger­berau 12)
    Natur­kost­bar Steller
    – ich glau­be: Moc­ca Cabana
    – Der umge­bau­te Kiosk Biosk (bei der neu­en »UB 1«)

  4. Spar­po­ten­ti­al durch Ersatz dei­nes Herdplatten-Perkolators?
    Die Ener­gie, die dein Herd braucht, um den Per­ko­la­tor hin­rei­chend zu erwär­men, ist mir natür­lich unbe­kannt und nicht so ein­fach zu ermit­teln. Hier trotz­dem mein tas­sen­spe­zi­fi­scher Strom­ver­brauch bei Kaf­fee­zu­be­rei­tung mit­tels halb­au­to­ma­ti­scher Espres­so­ma­schi­ne (gemes­sen, nicht aus tech­da­ta hochgerechnet):
    1 gro­ße Tas­se Cap­pu­ci­no (inkl. Mah­len und Milch­schäu­men): 0,03 kWh/​Portion
    Zube­rei­tungs­schrit­te in Rei­hen­fol­ge abneh­men­den Strom­ver­brauchs: Was­ser auf­hei­zen, Milch schäu­men, Brü­hen, Mah­len (letz­te­res fällt über­haupt nicht ins Gewicht). Übers Jahr gese­hen dürf­te sich mein Kaf­fest­rom­ver­brauch auf etwa 20 kWh belaufen.
    Jetzt bist du dran: Leis­tungs­auf­nah­me der frag­li­chen Herd­plat­te, benö­tig­te Heizdauer?

  5. Nun, die Fra­ge nach der Ener­gie-Effi­zi­ent des Herd­plat­ten-Per­co­la­tor ist inter­es­sant. Du hast recht, der ist in »Öko-Krei­sen« sehr beliebt. Ich per­sön­lich fin­de den Kaf­fee dar­aus nun ja… nicht sehr genießbar :)

    Aber wenn ich das ver­glei­che mit der Zube­rei­tung per Kaf­fee­ma­schi­ne (Fil­ter) oder per Press­känn­chen, dann wür­de ich bei dem typi­schen E‑Herd dar­auf tip­pen, dass die­se Metho­de am meis­ten Strom ver­braucht. Anders wür­de es aus­se­hen, wenn man den Per­co­la­tor auf einer Gas­flam­me erhitzt. Die­se hat ja deut­lich weni­ger »Vor­lauf­zeit«.

    Ich koche mein Kaf­fee-Was­ser im Was­ser­ko­cher und gie­ße es dann in das Press­känn­chen. Wei­te­re ener­gie-rele­van­te Schrit­te sind nicht nötig.
    Gruß, Manuel

  6. @Manuel: Wenn du mit Kaf­fee Kaf­fee meinst, kannst du recht haben. Espres­so aus dem Känn­chen ist m.E. jeden­falls sehr genieß­bar. Aber habe ich oben ja schon geschrieben.

    @Michael: natür­lich hängt an mei­nem Herd (Cer­an­feld, älte­res Modell …) kein Strom­zäh­ler. Nur so über den Dau­em gepeilt: 1,5 Liter Was­ser auf 90°C zu erhit­zen, ent­spricht auf einem nor­ma­len Glas­ke­ra­mik­feld ohne Schnick­schnack dem­nach 0,22 kWh. Das wäre eine obe­re Gren­ze für den Ener­gie­be­darf pro Tasse.

    Ich erhit­ze jetzt aller­dings kei­ne 1,5 Liter Was­ser, son­dern erwär­me einen Vier­tel­li­ter Milch und brin­ge unge­fähr einen Ach­tel­li­ter Was­ser zum Kochen. Und brau­che dafür unge­fähr drei bis fünf Minu­ten. Jetzt wirk­lich ganz über den Dau­men gepeilt, sagen wir ein Drit­tel des Wer­tes oben, das wären dann 0,073 kWh/​Portion, oder die dop­pel­te Men­ge Ener­gie (von der EWS Schö­nau, BTW). Macht bei unge­fähr 5 x Kaf­fee­ma­chen pro Woche (der Rest fin­det außer Hau­ses statt oder ist Tee) 19,0 kWh/​Jahr für Kaf­fee-Zube­rei­tung (mit bereits gemah­len gekauf­tem Kaf­fee­pul­ver). Mit dem Worst Case wären wir bei 57,2 kWh im Jahr.

    Fazit: der Herd­plat­ten­per­ko­la­tor ist ver­mut­lich schlech­ter als die halb­au­to­ma­ti­sche Kaf­fee­ma­schi­ne, aber gar nicht ganz so schlecht, wie ich das ver­mu­tet hät­te. Und auch die Fil­ter­kaf­fee­ma­schi­ne muss Was­ser erhit­zen, dürf­te damit also auch nicht viel bes­ser abschneiden.

  7. Also ich lie­be mei­nen Espres­so aus der Bial­et­ti. Über Ener­gie­ef­fi­zi­enz habe ich mir dabei noch kei­ne Gedan­ken gemacht. Mit dem Was­ser­ko­cher vor­zu­ko­chen, ist aber ein Ansatz…

  8. Es gibt ja auch die­ses Siegt »Rain­forst Alli­anc« jedoch was die wenigs­ten wis­sen womit da Star­Bucks und Tchi­bo mitt­ler­wei­le auch die Dis­cout Super­märk­te wer­ben. Es bedeu­tet zwar das der Kaf­fee Bio­lo­gisch ange­baut ist und das Geld soll auch dem Schutz des Kaf­fees die­nen der im Schat­ten der Regen­wäl­der wächst.
    ABER : es reicht schon wenn nur 10% der Kaf­fee­mi­schung mit die­sem Kaf­fee ver­kauft wer­den. Und das ist doch irgend­wo eine ver­ar­schung. Es wird groß gewor­ben und dann sind es doch nur 10% des Kaf­fees, aber damit soll gerecht­fer­tigt wer­den war­um er so teu­er ist. Und die Kaf­fee­bau­ern ver­die­nen wie­der nichts daran.

  9. Man muss aber auch berück­sich­ti­gen wie­viel Ener­gie ver­braucht wird um eine Kaf­fee­ma­schi­ne zu pro­du­zie­ren. Ein­fuhr von Grund­stof­fen, Pro­duk­ti­on usw. Ein Fil­ter- oder Espres­so­au­to­mat schnei­det da sicher schlech­ter ab.

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