Kurz: Manche Männer meinen, Macht mache man so

Aus einer Mail, die ich gera­de in mei­ner Eigen­schaft als Kreis­vor­stands­mit­glied der hie­si­gen Grü­nen erhal­ten habe, nach­dem der Kreis­vor­stand vor­ge­schla­gen hat, einen par­tei­in­ter­nen Kon­flikt kom­mu­ni­ka­tiv lösen zu wollen:

Bist Du nicht Mann’s genug, [XYZ] wegen die­ser offe­nen, nach­hal­ti­gen und nur zum eige­nen Wohl betrie­be­nen Par­tei­schä­di­gung, […], den Stuhl vor die Tür zu set­zen? Das wäre das ange­mes­se­ne Ver­hal­ten als Kreis­par­tei­vor­sit­zen­der, nicht Dein und Euer Rumgeeiere. 

Ich las­se sowohl den kon­kre­ten Kon­flikt als auch den Absen­der mal anonym; wer hier vor Ort aktiv ist, weiss ver­mut­lich, um wen es sich han­delt. Inter­es­sant fin­de ich die allein schon aus die­sen weni­gen Zei­len durch­schim­mern­de Vor­stel­lung, dass ein »Kreis­par­tei­vor­sit­zen­der« (den wir so gar nicht haben) vor allem Män­ner­macht zei­gen muss. Durch­grei­fen (auch da, wo’s nichts zum Durch­grei­fen gibt), bas­ta, den Schrö­der geben. Nö, dafür bin ich nicht »Mann’s genug«. 

10 Antworten auf „Kurz: Manche Männer meinen, Macht mache man so“

  1. Unde­mo­kra­ti­sche Vor­stel­lun­gen von Füh­rung sind in Deutsch­land lei­der immer noch rela­tiv weit ver­brei­tet. Vie­le Deut­sche haben noch nicht ver­stan­den, dass Füh­rung in einer Demo­kra­tie grund­sätz­lich nur anders funk­tio­nie­ren kann als hier­ar­chi­sche Füh­rung z. B. beim Mili­tär. Lei­der scheint auch man­chen (Spitzen-)Politikern die­ser Irr­tum zu unter­lau­fen. Auch ent­spricht das klas­si­sche Bild des Bun­des­kanz­lers vom star­ken Mann, der ein­sam die rich­ti­gen Ent­schei­dun­gen fällt, die­sem Bild.

  2. Sol­che Vor­stel­lun­gen fin­den sich wirk­lich in allen Par­tei­en. Neu­lich woll­te mir auch jemand erklä­ren, war­um »Füh­rung« als Vor­sit­zen­der so wich­tig ist und war­um dann gefäl­ligst alle die Klap­pe hal­ten müssen.

    Ich hab dann erst­mal von Mehr­heit­ent­schei­den, die der Vor­sit­zen­de tra­gen muss begon­nen.… dann war es wie­der ruhig.

    Aber dein Bei­spiel ist echt herrlich ^^
    So vol­les Klischee :)

  3. Mei­ne Güte Till, genau­so hab´ ich mir das vor­ge­stellt: weich­ge­spül­te Sozio­lo­gen­ana­ly­se zur Kaschie­rung von per­sön­li­cher Unfä­hig­keit. Win­del­wei­cher Oppor­tu­nis­mus ist halt gfüh­li­ger als über­fäl­li­ge Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, die ande­re Par­tei- und Frak­ti­ons-Mit­glie­der aus ihrer Bedräng­nis ent­las­sen wür­den.… Das ich noch mal so berühmt wer­de und auf Dei­ner Web­site als Pro­jek­ti­ons­flä­che her­hal­ten darf, davon hab› ich immer schon geträumt;-)) Bezeich­nend, wie Du in Freud´scher Pro­jek­ti­on mit drei Fin­gern auf Dich zurück zeigst. Über den Hin­ter­grund die­ser Aus­ein­an­der­set­zung schreibst Du wohl­weis­lich gar nichts. Auch nicht, dass keine/​r der Ange­spro­che­nen Inter­es­se an Dei­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fer­tig­kei­ten hat. Ist ja auch so ein­fach, mit einem mali­ziö­sen Lächeln von der War­te des wis­sen­schaft­li­chen Sozio­lo­gen aus das Han­deln der ach so ein­fäl­ti­gen Akteue­re und »Macher« zu kom­men­tie­ren. Ich bin halt nicht mehr an der Uni – und hat­te in Dei­nem Alter u.a. schon einen öko­lo­gi­schen Unter­neh­mer­ver­band gegrün­det. Bin mal gespannt auf (Dei­ne) weitere/​n Kom­men­ta­re.… Enjoy !
    Ulrich Mar­tin Dre­scher, drescher@umd.de , http://www.umd.de, +49 700 drescher

  4. Nett, mal wie­der vor­ge­führt zu bekom­men, dass ein aus­ge­präg­tes Bedürf­nis nach »Ent­schei­dern« und ein aggres­si­ver Anti-Intel­lek­tua­lis­mus (nicht nur, aber doch beson­ders in Deutsch­land) oft Hand in Hand gehen.

  5. Der­lei Halbanony­mes (und damit zu Spe­ku­la­tio­nen anre­gen­des) hat mei­nes Erach­tens nichts im Netz zu suchen. Oder ist zumin­dest schlech­ter Stil. Wenn man so etwas ver­öf­fent­licht, soll­te man schon Manns genug sein, auch Ross und Rei­ter zu nen­nen. Womit ich zum inhalt­li­chen kom­men: Es han­delt sich um eine däm­li­che Rede­wen­dung, die man viel­leicht in einem emo­tio­nal­auf­ge­la­de­nen Kon­flikt nicht auf die Gold­waa­ge legen soll­te. Indem das gemacht wird und in Gegen­stel­lung zu einem kom­mu­ni­ka­ti­ven Pro­zeß gebracht wird, hat man fast den Ein­druck, dass Till hier einem Essen­tia­lis­mus das Wort redet, dass da kom­mu­ni­ka­tiv-kon­sen­sua­les posi­tiv-weib­lich kon­no­tiert und ent­schei­dend-durch­grei­fen­des eher nega­tiv-männ­lich. Ich dach­te, gera­de bei Sozio­lo­gIn­nen wird anders gedacht.
    Im Übri­gen bin ich der Ansicht, dass man­che Kon­flik­te in der Tat auch eher durch­grei­fend-ent­schei­dend als kom­mu­ni­ka­ti­ve-kon­sen­su­al ent­schie­den wer­den sollten,insbesondere sol­che für die z.B. Par­tei­sat­zun­gen eine ein­deu­ti­ge Ver­fah­rens­wei­se vorsehen.

  6. Hal­lo Tim, ehr­lich gesagt ver­ste­he ich dei­nen Kom­men­tar in bei­den Punk­ten nicht. Mei­ne Ziel­set­zung beim Anony­mi­sie­ren war es, einen par­tei­in­ter­nen Kon­flikt nicht in die Öffent­lich­keit zu tra­gen, aber trotz­dem – anhand, nicht jedoch auf­grund – eines mar­kan­ten Zita­tes eine Debat­te über poli­ti­sche Sti­le zu eröffnen. 

    Zur Geschlech­ter­kom­po­nen­te: nein, natür­lich ist das nicht essen­tia­lis­tisch gemeint. Viel­mehr spie­le ich auf tra­dier­te Geschlech­ter­rol­len­er­war­tun­gen an – und sage letzt­lich, dass ich in die­sem Fall »Durch­grei­fen« für die fal­sche Hand­lungs­mög­lich­keit hal­te (durch­aus sat­zungs­kon­form übri­gens), und dass es lach­haft ist, wenn z.B. der Herr Dre­scher meint, mit Ver­wei­sen auf tra­dier­te Männ­lich­keits­bil­der (oder auch, sie­he sei­nen Kom­men­tar, mit Infra­ge­stel­lung mei­ner Kom­pe­tenz) ande­re Ver­hal­tens­wei­sen erzwin­gen zu kön­nen. Da spie­le ich nicht mit.

  7. Ums ver­ständ­li­cher zu machen: Hin­ter dem »Mann’s genug« gleich Ver­wei­se auf tra­dier­te Männ­lich­keits­bil­der zu sehen, hal­te ich für etwas hoch­ge­grif­fen – anders aus­ge­drückt: Die Geschlech­ter­kom­po­nen­te wird mE erst durch dei­nen Bei­trag kon­stru­iert – und das in einer Art und Wei­se, die ich für nicht son­der­lich sinn­voll hal­te und über das »Mann’s genug« weit hinausgeht.

    Und zum Anony­men: Wenn man den par­tei­in­ter­nen Kon­flikt nicht in der Öffent­lich­keit haben möch­te, dann schreibt man bes­ser gar­nichts, auch anony­mi­sie­wrt bringt man ihn in die Öffent­lich­keit und ver­liert damit jeg­li­che Kon­trol­le dar­über, ob es sich ent­an­ony­mi­siert… was es ja durch das Mail von Herrn Dre­scher schon getan hat (Und der Neu­gie­ri­ge weiß nun gar­nicht, wie er das gan­ze bewer­ten soll, weil er die Hin­ter­grün­de nicht kennt).

  8. @Tim: mit dem Fehl­schla­gen der Anony­mi­sie­rungs­stra­te­gie hast du ver­mut­lich recht. 

    Zu »Mann’s genug« – wenn’s nur ein­mal die­ser Aus­druck wäre, wür­de ich es nicht schrei­ben – aber es ist ein­fach ein prä­gnan­ter Aus­schnitt einer von inzwi­schen drei oder vier Mails und etli­cher ande­rer Kom­mu­ni­ka­tio­nen in ähn­li­chem Stil. Also, kei­ne qua­li­ta­ti­ve Text­ana­ly­se, son­dern ein illus­trie­ren­des Bei­spiel für einen umfas­sen­der rekon­stru­ier­ten Typus.

  9. Naja, Till, das kann ich ja nicht ahnen. Oben wars ja noch »die allein schon aus die­sen weni­gen Zei­len durch­schim­mern­de Vor­stel­lung, dass ein »Kreis­par­tei­vor­sit­zen­der« (den wir so gar nicht haben) vor allem Män­ner­macht zei­gen muss«.
    Dass es sich nun nur um ein illus­trie­ren­des bei­spiel aus einer grö­ße­ren Kon­ver­sa­ti­on han­delt, geht jeden­fall­s­aus dem ers­ten Post nicht hervor.

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