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So geht’s auch

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Balance, too

Weil ich das ab und zu gefragt werde, wie wir das machen, wollte ich mal was dazu aufschreiben. Was machen? Die Verantwortung für zwei Kinder zwischen zwei Erwachsenen, die kein Paar mehr sind, so aufteilen, dass es allen dabei gut geht. Nicht als Patentrezept, und ohne jede Garantie – wer weiß, wie das irgendwann bei uns aussieht –, aber vielleicht als Anregung.

Kurz zum Hintergrund: Vor etwa einem Jahr haben A. und ich uns nach einigen Jahren Zusammensein getrennt (wer etwas sucht, findet auf meinem Blog auch einen längeren Eintrag dazu). Wir haben das gemeinsame Sorgerecht für unsere beiden Kinder, und waren uns dann schnell einig, dass wir das auch weiterhin gemeinsam ausüben wollen, und dass wir kein Lebensmodell wollen, bei dem eine Person sich um die Kinder kümmert und die andere dafür Geld und Wochenenden gibt/kriegt.

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Streifzüge durchs Netz

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Dreisam bridge graffiti II

Wer mir z.B. auf Twitter folgt, wird sich nicht darüber wundern, dass ich durchaus einige Zeit »im Internet« (pdf) verbringen kann. Dass »das Internet« dabei eher den Charakter eines fortlaufenden Stromes hat, ist eine der netteren (und addiktiveren) Eigenschaften speziell dieses Medienbündels. Blogs, Twitter, Facebook – all das sind Medien, die alle paar Minuten wieder etwas Neues bieten. Oder – und dann macht sich eine gewisse Verzweiflung breit – eben nicht.

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Kurz: Multiple Heimatsdimensionen

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Ganz kurz, weil im Zuge des letzten Spiegels etc. mal wieder über Heimat etc. diskutiert wird, bis hin zur Heimat Internet: Ich glaube, vieles verwirrend Erscheinende wird klarer, sobald Stadt und Land, Realraum und Internet etc. etc. nicht mehr als Gegensatzpaare gedacht werden, sondern als orthogonale Kontinuume.

Soll heißen: in der globalisierten Informationsgesellschaft der Spätmoderne ist Heimat nicht einfach hier oder da, sondern beides, oder sogar alles drei. Bedingt sowohl durch die erhöhte physische Mobilität als auch durch neue Kommunikationsstrukturen überlagern sich plötzlich mehrere Netzwerke: Eines sozialer Beziehungen, in dem mehrere Orte (Herkunftsort, Wohnort, Arbeitsort, Freundesorte, Standardurlaubsorte) Rollen spielen – je nach Einkommen und Status auch transnational – und eines der sozialen Kommunikationen im Netz. Cloud, Wolke, beschreibt beide soziale Formen ganz gut. Migration und globale Bilderströme (da denke ich an Appadurai) tragen ein ihres zu diesen Netzwerkbildungen bei.

Wenn Heimat nicht mehr monogam gedacht ist, erscheinen scheinbar gegenläufige Entwicklungen plötzlich gar nicht mehr so seltsam: gleichzeitig regionaler und globaler zu werden, wieder mehr Wert auf den Ort samt genius loci zu legen und in allerlei große Diskurse eingebunden zu sein, sich sowohl bestimmten kleinteiligen, vielleicht sogar lokalen Stilen affin zu fühlen als auch großen Identitätsclustern heimatlich verbunden zu sein:

All das und viel mehr ist dann denkbar. Heimat der sozial vernetzten WeltbürgerInnen ist dann eben nicht alleine, sondern auch ein Teil des Internets.

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In der Hardware verborgene Ratlosigkeit

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Shimmering lights II

Es ist vermutlich uncool*, Sascha Lobo auf SPON zu zitieren, aber heute schreibt er was ziemlich Intelligentes zum Gefühl der Ratlosigkeit, das die (scheinbare) soziale Nähe des Netzes generiert – und die sich in der blutigen und lieber unsichtbar gehaltenen Hardware-Ebene der Infrastruktur unserer medial vermittelten sozialen Beziehungen noch einmal in ganz besonderer Weise verbirgt – und nur durch bewusstes Ignorieren aushaltbar scheint:

»Die digitale Ratlosigkeit hat dazu noch eine Metaebene, die in der Hardware verborgen liegt: Die Metalle in der Elektronik meines Handys befeuern einen Krieg im Kongo, der seit 1998 sechs Millionen Menschen ihr Leben gekostet hat. Ich empfehle an dieser Stelle dringend, nicht selbst weiterzurecherchieren und schon gar nicht nach unzensierten Fotos dieses Krieges zu suchen, die sich dank sozialer Medien finden lassen. Es wird sonst deutlich komplizierter, sich seine Unbeschwertheit im Umgang mit den schönsten neuen Smartphones zu bewahren. Weder weinerliche Betroffenheit noch akzeptierende Coolness kommt mir hier wie eine richtige Reaktion vor. Ich habe auch nicht vor, deshalb keine Handys mehr zu benutzen. Vielleicht gibt es so etwas wie einen automatischen Zynismus des digitalen Zeitalters, fast alle Fakten zu allen Missständen herausfinden zu können und sie anschließend ignorieren zu müssen.«

Und es ist ja nicht nur Coltan, sondern es sind genauso die Arbeitsbedingungen in den iPhone-Factories in China usw. Aber diese in der Hardware verborgene Grausamkeit ans Licht zu zerren, erscheint fast undenkbar. Was Sascha Lobo hier für sich selbst beschreibt – die Ratlosigkeit, eine brauchbare Haltung und Umgangsweise zu dieser Frage zu finden, den das »Fair-Trade-Handy« gibt es bis heute nicht, taucht auch in den von mir geführten Interviews immer wieder auf: ein diffuses Wissen darüber, dass unter der Oberfläche und am Ende der langen Produktionsketten Blut am Handy, am Netbook, am Smartphone klebt, das aber nicht handlungsrelevant wird und dem auch kaum Handlungsoptionen offen stehen.

Warum blogge ich das? Weil’s wichtig ist.

* Uncool z.B. deswegen, weil der selbe Sascha Lobo auch schon mal Werbung für den Mobiltelefondienstleister Vodafon gemacht hat …

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Neun Sätze zu Guttenbergs Rücktritt

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Meet the stapler II
Höchststapler, angeschlagen

Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg ist jetzt endlich, endlich als Verteidigungsminister* zurückgetreten.

Ich hoffe jetzt erstens, dass seine selbst in der Rücktrittsrede zu findenden Versuche, das ganze als eine Art mediales Mobbing darzustellen, nicht auf fruchtbaren Boden fallen. Guttenberg hat sein Amt nicht deswegen verloren, weil konservative und linke Zeitungen und ein paar verrückte WissenschaftlerInnen ihm eine kleine studentische Betrügerei übel genommen haben, sondern weil er sich in Lügen und den immer stärker zu Tage tretenden Unaufrichtigkeiten in seinem Lebenslauf verfangen hat.

Und zweitens finde ich es wichtig, festzuhalten, dass das Netz großen Anteil an diesem Rücktritt hatte. Dass die Plagiatsprobleme, die vor einigen Wochen von Prof. Fischer-Lescano öffentlich gemacht wurden, auf diese Resonanz gestoßen sind, und sehr schnell deutlich wurde, dass es um weit mehr geht als um acht »raubkopierte« Textstellen ist ein Phänomen, dass in dieser Weise nur in einer weitgehend vernetzten Gesellschaft möglich war. Ähnliches gilt für die rasant anwachsende Zahl an Unterschriften unter dem »Offenen Brief« an Merkel (gestern waren es schon über 33000). Und nicht zuletzt meine ich, dass Twitter und Facebook und ein paar Blogs ein starkes Gegengewicht zum Versuch der BILD dargestellt haben, Guttenberg zu halten. Ob es auch zu diesem Rücktritt gekommen wäre, wenn FAZ und NZZ nicht sichtlich verärgert gewesen wären, weiss ich nicht. Ohne Internet – und ohne eine inzwischen sehr politische Netzszene – wäre Guttenberg aber, da bin ich mir sicher, weiterhin Minister.

* Bzw. genauer, das war anfangs ein bisschen unklar: er ist von allen politischen Ämtern zurückgetreten.

P.S.: Wer es noch nicht kennt – mein vor zwei Wochen geschriebener langer Text zur Causa Guttenberg.

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