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Kurzeintrag: Hamburger MV mit Live-Chat (Update: MV stimmt für den Koalitionsvertrag)

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Wie ich gerade sehe, überträgt die Hamburger GAL ihre Mitgliederversammlung zum Koalitionsvertrag nicht nur live (mehr zur Technik), sondern ermöglicht es auch, begleitend zu chatten – derzeit sind 130 Leute dabei. Trägt Parteitagsatmosphäre, auch wenn die Stimmung im Saal (wohl eher pro) und im Chatroom (linke Kritik) wohl sehr unterschiedlich ist.

Update: (17:00) Soeben wurde der Vertrag in offener Abstimmung mit großer Mehrheit angenommen.

Die Chat-Debatte parallel zur Übertragung war ganz interessant – nicht nur wegen der offensichtlich unterschiedlichen Mehrheitsverhältnisse, sondern auch, weil so in Echtzeit deutlich wurde, wie wer auf wen reagiert – bspw. externe Superlinke, die sich dann plötzlich über grüne Frauenquoten aufregen und dergleichen mehr. Sollte bei mehr Parteitagen gemacht werden ;-)

In der Nachdebatte geht’s jetzt – parallel zur auf dem Bildschirm laufenden Ehrung von Wilfried Maier – um die Frage, ob in vier Jahren rot-rot-grün möglich sein wird oder nicht (wg. sturer Linken, sturen SPD oder GAL unter 5%; oder aus ideologischen Gründen bei den Liebesheiratsfans).

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Positionspapier linker Grüner zur CDU-Grünen-Koalition in Hamburg

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Als kleines Gegengewicht zu meinen eher optimistischen Beiträgen zum strategischen Potenzial von schwarz-grün möchte ich auf eine heute veröffentlichte Analyse (pdf) einer Gruppe grüner Linker (oder linker Grüner) verweisen (u.a. Robert Zion und Peter Alberts). Umfangreich wird dort der Koalitionsvertrag (pdf) durchgearbeitet. Bemängelt wird die große Zahl von Prüfaufträgen, gerade bei wichtigen grünen Projekten. Die generelle Einschätzung ist, dass die Grünen sich – bei wichtigen Punkten – gegenüber der CDU kaum durchsetzen konnten. Schwarz-grün wird sowohl konkret für Hamburg als auch abstrakt als problematisch dargestellt.

Während ich viele Punkte der Analyse teile, aber von anderen Maßstäben ausgehe, was sinnvollerweise erwartbar war, teilweise andere strategische Einschätzungen habe und vor allem optimistischer bin, was die Arbeit der grünen SenatorInnen und StaatsrätInnen angeht (z.B. glaube ich, dass eine grüne Umweltsenatorin ein Kohlekraftwerk rechtlich verhindern kann und wird, auch wenn sowohl Greenpeace als auch Vattenfall das anders sehen), ist es vor allem ein Punkt, der mich an dieser Ausarbeitung erheblich stört – nämlich die Vermutung, dass eine große Koalition für die tatsächliche Durchsetzung einiger wichtiger grüner Ziele (Schulreform, Moorburg) besser gewesen wäre. Und auch die Kritik am Verhandlungsstil halte ich nicht für angebracht, sondern für eine Projektion eines Projektes, dass es so aus grüner Perspektive nicht gibt. Aus dem Papier:

Gerade die ungewöhnliche Art der Verhandlungsführung (entgegen der gängigen und sinnvollen Praxis wurden zuerst die weniger stritten Punkte verhandelt, damit „die Stimmung“ stimmt) weist nicht nur auf den gewollten “Projektcharakter“ dieser Koalition hin – wohlgemerkt: der schwarz-grünen Koalition an sich, nicht der Konzeptionen und Inhalte –, sie hat auch dazu geführt, dass die GAL eine Fülle „weicher“ Themen setzen konnte (wenn auch zumeist nur als Prüfaufträge), sich in den für Grüne wirklich harten und im Wahlkampf bestimmenden Politikfeldern (Kohlekraftwerk, Elbvertiefung, Schule, Studiengebühren) aber am Ende kaum oder gar nicht durchsetzen konnte. Die Frage, ob eine Hamburger SPD bei etwaigen Koalitionsverhandlungen zu einer großen Koalition gerade bei diesen harten Themen nicht doch mehr hätte durchsetzen können, sollte sich daher ernsthaft stellen. Die Elbvertiefung würde – wie jetzt auch – wohl kommen. Das längere gemeinsame Lernen angesichts des SPD-Programms wohl auch, vielleicht wären es ein paar Jahre mehr geworden. Ob hinsichtlich des Kohlekraftwerkes Moorburg noch weniger als die Durchführung des Genehmigungsverfahrens herauskommen würde, darf bezweifelt werden. Ein offenes Bekenntnis der SPD in Hamburg zu Moorburg dürfte nicht erwartet werden. Zu eindeutig wird Moorburg im SPD-Programm abgelehnt und stattdessen ein Gaskraftwerk gefordert.

Da scheint mir das Gras auf der anderen Seite des Zauns doch deutlich grüner zu sein; jedenfalls kann ich zwar nachvollziehen, dass das SPD-Wahlprogramm entsprechend positiv abschneidet, kann mir aber kaum vorstellen, dass die SPD in Bildungs- und Umweltfragen in einer Koalitionsverhandlung mit der CDU erstens mehr Beharrlichkeit und zweitens mehr Verhandlungsmacht mitbringt. Warum? Weil nach meinen bisherigen Beobachtungen die SPD ihre Schwerpunkte in Verhandlungen anders setzt, und Umwelt- und Bildungsfragen gerne auf dem Verhandlungstisch opfert. Und weil da immer noch z.B. die Bundes-SPD mit »Kohle-Gabriel« als Umweltminister da ist.

Insofern kann ich mich dieser Stellungnahme nicht anschließen, sondern bleibe dabei, dass es – gerade wenn es mittelfristig darum geht, das linke Profil der Grünen zu schärfen – gar nicht so schlecht ist, am Einzelbeispiel Hamburg deutlich zu machen, dass wir nicht am Gängelband der SPD hängen, und dass es manchmal möglich – vielleicht sogar besser möglich – ist, grüne Inhalte auch mit einem politischen Gegner durchzusetzen, der auch deutlich als solcher sichtbar ist. Das bedeutet m.E. mehr Ehrlichkeit in Verhandlungen, und mehr Profilschärfe der Koalitionspartner. Wichtig ist, dass es es hier eben nicht um ein »historisches Bündnis« (FAZ) geht, sondern um eine aus einer bestimmten Situation heraus geborene Zusammenarbeit. An die sollten strenge Maßstäbe gesetzt werden, und wenn sich bis in einem Jahr zeigt, dass Prüfaufträge und grüne Zumutungen an die CDU im politischen Alltag nicht umsetzbar sind, dann halte ich es für ein Gebot politischer Hygiene, so eine Koalition auch wieder aufzukündigen. Aber jetzt schon Feuer zu schreien, ist aus meiner derzeitigen Sicht verfrüht und führt parteiintern nur dazu, Gestaltungsspielräume freiwillig abzugeben und einzuengen.

Warum blogge ich das? Nicht zuletzt deshalb, weil in der internen Diskussionsliste der Grünen Linken zwar mehrheitlich die im Papier dargestellte Position zu Wort kommt, durchaus aber auch andere Stimmen zu hören sind.

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Kapitel »Wissenschaft« unter der Lupe (Update)

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Seit gerade eben liegt ja der Koalitionsvertrag zwischen CDU und Grünen in Hamburg vor. Allgemein habe ich hier, hier und hier schon ein bißchen was zu den neuen Zweckbündnissen geschrieben. In diesem Blogeintrag will ich mir das Kapitel »Wissenschaft« näher anschauen, weil ich meine, da ein bißchen was von zu verstehen. Vielleicht noch ein wichtiger Disclaimer: ich bin zwar Sprecher der grünen Bundesarbeitsgemeinschaft Wissenschaft, Hochschule, Technologiepolitik, äußere mich hier aber als Privatperson und in keiner Weise in offizieller Funktion.

Eine nützliche Ressource zur Bewertung des Kapitels sind die grünen Forderungen, z.B. hier zusammengefasst.

Zuerst einmal ist vielleicht festzustellen, dass das Wissenschaftskapitel im Koalitionsvertrag relativ kurz ausgefallen ist (vier von etwa 65 Seiten). Das mag auch damit zusammenhängen, dass – abgesehen von der heißen Studiengebührenfrage – möglicherweise gar nicht so viel an Dissens da war. Ob das so war, weiss ich nicht. Interessant ist nebenbei auch, dass die Grünen keinen Anspruch auf die Wissenschaftsbehörde erhoben haben – in einer der letzten rot-grünen Koalitionen war die mal mit Krista Sager (1997-2001) besetzt, insofern hätte es da durchaus eine Tradition gegeben.

Gleich der erste inhaltliche Punkt entspricht einer Forderung aus dem grünen Wahlprogramm: es soll eine Wissenschaftsstiftung eingerichtet werden. Diese soll Stiftungen von Privatpersonen und Unternehmen bündeln, aber auch mit staatlichen Mitteln ausgestattet werden, um so langfristig Geld für Hochschulen bereitzustellen, und dieses aus den Haushaltsberatungen und Haushaltskürzungen herauszunehmen. Dies klingt als Forderung sinnvoller als die Umwandlung der Hochschulen in Stiftungsuniversitäten, wie dies z.B. in Niedersachsen zum Teil geschieht.

Das zweite Thema sind die Studiengebühren. Hier ist im Koalitionsvertrag ein detailliertes Modell nachlaufender Studiengebühren festgehalten. Im Vergleich zum Status quo finde ich das deutlich besser, im Vergleich zur Wahlkampfforderung, Studiengebühren abzuschaffen, ist es sicherlich nur ein kleiner Schritt. Wichtig ist, dass sich beide potenzielle Koalitionspartner einig sind, dass prinzipiell mehr Geld in die Hochschulen fließen soll. Das Gebührenmodell ist insofern pfiffig, als es eine gewisse soziale Komponente hat: zurückgezahlt wird nur, wenn innerhalb von zehn Jahren nach Verlassen der Hochschule eine Jahreseinkommensgrenze von 30.000 Euro brutto erreicht wird. In der Grundkonzeption ähnelt das Modell der australischen Variante. Wie die zu bewerten ist, ist politisch umstritten. Aus grüner Perspektive sind nachlaufende Studiengebühren nichts ganz Neues. Die Grüne Hochschulgruppe Tübingen hatte z.B. ähnliches schon Ende der 1990er Jahre als Erweiterung des BAfög-Ersatzes BAFF gefordert. Generell ist der Tenor in den letzten Jahren aber, dass Studiengebühren – auch wenn sie nachlaufend oder, was ich unter bestimmten Umständen präferiere, als AkademikerInnen-Steuer ausgelegt sind – abgelehnt werden. In der Bewertung des Koalitionsvertrags finde ich das Hamburger Modell einigermaßen akzeptabel. Ob es soziale Abschreckungswirkungen nach sich zieht (Doppelbelastung durch Bafög-Schulden und Studiengebührenschulden), wird sich letztlich wohl nur empirisch zeigen. Wichtig ist jedenfalls die Verbesserung gegenüber dem Status Quo, die ja auch der Hamburger AStA (dem Vernehmen nach durch den rechten Flügel der Jusos dominiert) sieht. Vom Ziel einer freien Wissensgesellschaft ohne Gebühren ist das allerdings trotzdem recht weit entfernt.

Ein Punkt, zu dem hinsichtlich der Studiengebühren nichts im Vertrag steht, ist die Frage, wie diese Mittel verwendet werden dürfen. Um beurteilen zu können, ob das ein Problem ist, fehlt mir allerdings der Detaileinblick in die Hamburger Verhältnisse.

Der dritte Themenschwerpunkt ist erfreulicherweise die Geschlechtergerechtigkeit, die ziemlich groß geschrieben wird. Ob die CDU das auch vor den Verhandlungen schon so wichtig fand, weiss ich nicht. Jetzt stehen jedenfalls verbindliche Quoten beim wissenschaftlichen Personal im Rahmen von Zielvereinbarungen, ein Programm für Frauenförderung, Berichte über die Gender-Effekte der BA/MA-Umstellung und Mittel für Gender Studies und Gender Mainstreaming drin. Auch das Thema Familienfreundlichkeit wird erwähnt. Soweit klingt das erstmal alles ziemlich grün. Interessant wird, wer diese Themen mit wieviel Elan dann auch umsetzt.

Zur Hochschulstruktur steht wenig konkretes und viel an Evaluationsaufgaben im Vertrag. Hochschulräte sollen wissenschaftsnäher und weiblicher besetzt werden, die Verteilung von Aufgaben zwischen zentraler Ebene und Fakultäten soll nach Evaluation nachgesteuert werden. Zwischen vermischtem (Polizeihochschule, HamburgMediaSchool, Studiengang Sozioökonomik (Ex-HWP?) …) steht auch der wichtige Satz, dass die »Masterkapazitäten […] so zu gestalten [sind], dass im Hinblick auf jeden Bachelorstudiengang ein Master erworben werden kann« (S. 19). Wenn sich das tatsächlich auf alle Hochschulen in Hamburg bezieht (ob, ist etwas unklar), ist das eine wichtige Forderung. Der Master wird damit nicht zum Eliteabschluss für wenige, sondern zum faktischen Regelabschluss. Zum Vermischten gehören auch Prüfauftrage zum Bildungssparen und zur Förderung des Technologietransfers.

Das Wissenschaftskapitel schließt mit dem Forschungsschwerpunkt Klima und Energie: Ausbau der Klima- und Klimafolgenforschung, ein Prüfauftrag für einen Cluster »Erneuerbare Energien« und Klimaschutz als Förderbereich der eingangs erwähnten Wissenschaftsstiftung. Auch das klingt jedenfalls erstmal alles ziemlich grün.

Unter dem Strich ist das Kapitel »Wissenschaft« positiv zu bewerten. Fehlstellen gibt es vor allem in Bezug auf studentische Mitbestimmung und zur Frage Zahl der Studienplätze. Auch der Punkt Autonomie bleibt weitgehend offen. Insgesamt könnte fast der Eindruck gewonnen werden, dass viele eher strittige Themen einfach ausgespart wurden. Kommentare – insbesondere auch aus Hamburg – dazu würden mich sehr interessieren.

Aus meiner Sicht wird – wenn es denn tatsächlich zur Koalition kommt, da müssen ja noch zwei Parteitage drüber abstimmen – viel davon abhängen, wer diese Punkte letztlich tatsächlich in der Wissenschaftsbehörde umsetzt – und ob die SenatorIn (wer die Nachfolge von Jörg Dräger antritt, ist wohl noch sehr offen) und die StaatsrätInnen dort rein durch die CDU besetzt werden oder ob ein grüner Staatsrat oder eine grüne Staatsrätin mitentscheiden kann. Genügen fitte Wissenschafts- und HochschulpolitikerInnen gibt es in Hamburg ja.

Warum blogge ich das? Weil ich den an Sachlichkeit orientierten Findungsprozess in Hamburg interessiert beobachtet habe und jetzt gespannt drauf bin, wie viele grüne Kröten die CDU in der Umsetzung tatsächlich schlucken wird.

P.S.: Vielleicht auch noch wichtig: ob ich den Koalitionsvertrag insgesamt gelungen oder »über-den-Tisch-gezogen« finde, hängt nicht nur vom Wissenschaftskapitel ab. Nur falls jemand mich da falsch verstehen möchte.

Update: Laut NDR wird die neue Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach heißen, bisher Staatsrätin in der Umweltbehörde.

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Kurzeintrag: CDU-Grüne-Koalition steht (vielleicht) (Update 7: taz)

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Jedenfalls meldet z.B. der NDR Details der Koalitionsvereinbarung und mögliche Personen für mögliche Ministerien. Wenn das ganze stimmt, frage ich mich, warum die Grünen bei der Wissenschaftsbehörde nicht zugegriffen haben. Wäre doch eigentlich der ideale Posten für Krista Sager, die hat das ja auch schonmal gemacht …

Miniblogschau dazu: Julia kommentiert das (ironisch? psycho-analytisch? ernstgemeint?) mit »Das Monster steht vor der Tür«, bei GrünesFreiburg gibt’s eine Erörterung der Vor- und Nachteile einer solchen Koalition, und mein Maßstab steht weiterhin hier.

Warten wir mal ab, was jetzt wirklich im Vertrag steht, und was die beiden Parteitage dazu sagen.

Update: (17.04.2008) Johnny Häusler von Spreeblick macht sich Sorgen um das nachlassende WählerInnen-Interesse an den Grünen, sollte es zur Koalition kommen. Robert ebenso (pdf). Henning sieht’s als Romanze. Für Dany ist’s eher ein Experiment als eine Ehe. Jürgen Trittin will mehr davon – bzw. auch nicht, war nur der trockene Humor der Norddeutschen. Ebenso geht’s der CSU. Und prompt findet Katja das Bayerische in Hamburgs Politik.
Soweit der heutige Pressespiegel.

Update 2: (17.04.2008) Julia weist darauf hin, dass der Koalitionsvertrag (pdf) inzwischen online ist. Vielleicht poste ich noch ein paar Gedanken dazu. Zumindest die Präambel finde ich ganz beeindruckend, wenn es dort heißt:

CDU und GAL legen mit diesem Vertrag ihr Regierungsprogramm für Hamburg vor, das sich auf die Schwerpunkte und neuen Akzente der gemeinsamen Regierungsarbeit konzentriert.
CDU und GAL sind durch unterschiedliche politische Erfahrungen und Ideen geprägt. Wenn sie dennoch zusammenarbeiten, müssen und wollen sie sich auf Neues einlassen. Unterschiede müssen nicht zu Widersprüchen zugespitzt werden, sie können auch zu Ergänzungen verbunden werden, die neue Lösungen ermöglichen.
[…]
In diesem Sinne werden die Koalitionspartner in den nächsten vier Jahren auf der Grundlage dieses Vertrages vertrauensvoll zusammenarbeiten. Ohne eigene Überzeugungen der beiden Parteien aufzugeben, wollen wir das Gemeinsame suchen und versuchen. Bei bestehenden Divergenzen werden wir entweder versuchen, diese zu überbrücken oder sie im fairen Umgang miteinander den Interessen der Stadt unterzuordnen.

Das ist zumindest mal eine klare Ansage. Und ein ganz anderer Tonfall als z.B. der Pathos des rot-grünen Vertrages von 19982002.

Personell heißt es ganz am Schluss des Vertrags, dass die SenatorInnen der Schulbehörde, der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt und der Justizbehörde von der GAL gestellt werden. Das entspricht den NDR-Spekulationen von gestern, die als konkrete Personen dafür (in dieser Reihenfolge) Christa Goetsch, Anja Hajduk und Till Steffen genannt haben.

Update 3: Die Personalien sind inzwischen bestätigt.

Update 4: (18.04.2008) Ario hat seinen Beitrag dann doch ironisch ironiefrei »Überraschung!« betitelt (und nicht »Es ist ein Mädchen«), schaut sich den Koalitionsvertrag an und findet zwar das eine oder andere grüne Haar in der schwarzen Suppe, kommt aber letztlich – wie geschätzt 75% der grünen Linken, aber möglicherweise weniger als 50% der grünen HamburgerInnen – zur zwischenzeilig doch deutlich herauslesbaren Einschätzung, dass jetzt nur eine Vertragsablehnung die Partei retten könnte. Etwas ernsthafter: vieles im Koalitionsvertrag sind Prüfaufträge, weithin sichtbare grüne Erfolge gibt es wenige, und die Krötenhaftigkeit für CDU und Handelskammer – da würde dann zumindest mal die metaphorische Farbe stimmen – muss sich auch erst noch zeigen.

Update 5: Der Tagesspiegel berichtet, dass 52 % der BürgerInnen, 73 % der Grünen-AnhängerInnen und immerhin noch 58 % der CDU-AnhängerInnen schwarz-grün sinnvoll finden.

Update 6: (19.04.2008) Das eine schwarz-grüne Koalition strategisch in einem Fünf-Parteien-System durchaus hilfreich sein kann – und nochdazu dazu beitragen kann, die dunkleren Seiten der SPD ins Licht zu zerren – zeigt sehr schön die Reaktion von Kurt Beck und Sigmar Gabriel auf Hamburg. Der eine spielt beleidigtes Arbeiterkind, der andere will das Klima durch Kohle retten und sieht Moorburg schon gefallen.

Update 7: Lesenswert die Einschätzung der taz hamburg – »Der schwarz-grüne Koalitionsvertrag in Hamburg ist unerwartet gut. Für die Elbvertiefung und die Innere Sicherheit akzeptiert die CDU viele grüne Positionen, die kürzlich noch als Teufelszeug galten.«

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Kurzeintrag: Grüne in Hamburg auf dem richtigen Weg

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Es scheint so, als würde es in Hamburg tatsächlich zu einer schwarz-grünen Koalition kommen, was so zu hören ist. Wenn ich gefragt werde, was ich davon halte, dann habe ich bisher gesagt, dass ein Koalitionsvertrag, der auf dem CDU-Parteitag nur eine knappe Mehrheit bekommt und denen richtig Bauchweh macht, ein klares Signal dafür wäre, dass die grünen VerhandlerInnen auf dem richtigen Weg sind, und eine solche Koalition inhaltlich tatsächlich was bringt. Beim Surfen bin ich jetzt auf diesen Kommentar in einem Blog der »Welt« gestoßen. Und der klingt nach genau den richtigen Weichenstellungen: schwarz-grün nicht als Wunschprojekt, sondern als geschickt nutzbare machtpolitische Option, um grüne Projekte voranzubringen. Vielleicht bin ich zu optimistisch – aber wenn die konservative Stimmung zu schwarz-grün so bleibt, dann läuft’s in Hamburg richtig.

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