Ursula K. LeGuin: Always Coming Home

Always Coming HomeEine SF-Geschich­te, die in einer Zukunft spielt, die auf den Alt­las­ten von heu­te nach den Ritua­len von ges­tern exis­tiert. Traum­haf­te und traum­ar­ti­ge Beschrei­bun­gen der Ritua­le und der Mytho­lo­gie eines moder­nen India­ner­stam­mes, der noch nicht exis­tiert und eines Tages dort leben wird, wo heu­te noch San Fran­cis­co steht. Inklu­si­ve eige­ner Spra­che, Kul­tur, usw. Das Buch ist zum Teil sehr col­la­gen­ar­tig geschrie­ben. Fokus und Haupt­per­son ist eine Frau, die wir von ihrer Kind­heit bis zu ihrem Tod begleiten.

Der Stil des Buchs ist sehr eigen – viel­leicht trifft es am bes­ten, wenn er als »fik­tio­na­le Anthro­po­lo­gie« beschrie­ben wird.

Le Guin, Ursu­la K. (1987): Always Com­ing Home. New York u.a.: Ban­tam Books (orig.: 1985)
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Marcus Hammerschmitt: Wind /​ Der zweite Versuch

Zwei kur­ze, sprach­ge­wal­ti­ge, deutsch­spra­chi­ge Sci­ence­fic­tion-Roma­ne, die in einer eini­ger­ma­ßen rea­lis­tisch gezeich­ne­ten nicht ganz fer­nen deut­schen Zukunft spielen.

Wind: Eddie (men­schen­scheu etc.) bewacht einen Teil einer Off­shore-Wind­an­la­ge eines sehr, sehr gro­ßen Kon­zerns. Er erhält eine für das Wind­mo­no­pol poten­zi­ell gefähr­li­che Blau­pau­se einer Gezei­ten­ma­schi­ne – und eine Odys­see quer durch die Repu­blik (auf einem 200 kmh schnel­len Rad) und eini­ge Bolos (auto­no­me Gebie­te) beginnt.

Der zwei­te Ver­such: unter ande­rem von einer christ­li­chen Gen­tech-Sek­te tat­kräf­tig unter­stützt ver­su­chen die USA in einer Par­al­lel­welt, den Schmach der miss­glück­ten Apol­lo-Mond­mis­si­on eini­ge Deka­den spä­ter wie­der wett zu machen.

Ham­mer­schmitt, Mar­cus (1997): Wind. Der zwei­te Ver­such. Zwei Roma­ne. Frank­furt am Main: Suhrkamp.
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Hintergründe: A Few Notes on the Culture

One of the few rules the Cul­tu­re adhe­res to with any exacti­tu­de at all is that a person’s access to power should be in inver­se pro­por­ti­on to their desi­re for it.

»A Few Notes on the Cul­tu­re«, von Iain M. Banks 1994 ver­öf­fent­licht, ist eine umfang­rei­che Hin­ter­grund­be­schrei­bung zu Banks Cul­tu­re-Roma­nen; hier wird das uto­pi­sche Poten­zi­al der Cul­tu­re als einer Art raum­fah­ren­den Kom­mu­nis­mus /​ Anar­chis­mus /​ wha­te­ver ziem­lich gut beschrie­ben und phi­lo­so­phisch begrün­det. Und ein paar Anmer­kun­gen zur Tech­nik gibt’s auch.

Die gesetz­lo­se, von Sit­ten und Refe­ren­de gelei­te­ten Habi­ta­te der Cul­tu­re funk­tio­nie­ren, weil (a) der Welt­raum genü­gend Raum und Res­sour­cen bie­tet, (b) eine Koexis­tenz mit bewuss­ten Maschi­nen (und teil­wei­se sehr viel intel­li­gen­te­ren Maschi­nen) eine Art funk­tio­nie­ren­de Plan­wirt­schaft mög­lich macht, © damit eine Art mora­lisch fun­dier­te Anar­chie mög­lich wird, in der kein sen­tient being aus­ge­beu­tet wird (sprich lei­den muss) (non-sen­tient machi­nes wer­den aus­ge­beu­tet, das spielt aber kei­ne Rol­le …), und (d) der Link zwi­schen Gehirn und Genen es mög­lich macht, durch blo­ßen inten­si­ven Wunsch sein Geschlecht zu wech­seln (und Dro­gen zu pro­du­zie­ren, und …), und so Gleich­be­rech­ti­gung kein Pro­blem mehr darstellt.

Wer jetzt nach­le­sen will, was Banks sich noch so gedacht hat, als er sich die Cul­tu­re aus­ge­dacht hat, kann das z.B. hier tun.

Platznutzungen und Utopien (Update)

Der­zeit fin­det (noch bis zum 22. Juni) in Frei­burg der Akti­ons­mo­nat »Zusam­men die Uto­pie leben …« statt, an dem ein brei­tes Spek­trum von Grup­pen betei­ligt ist – von der auto­no­men Sze­ne und der KTS über Wagen­burg­le­rIn­nen bis hin zu Flücht­lings­in­itia­ti­ven und Green­peace Frei­burg. Ent­spre­chend gemischt fällt das Pro­gramm aus; eini­ge Ver­an­stal­tun­gen fin­de ich eher abschre­ckend, ande­re erschei­nen mir ganz span­nend. Mal schau­en, ob ich die Zeit fin­de, zu der einen oder ande­ren hinzugehen.

Zum Auf­takt die­ses Akti­ons­mo­nats fin­det heu­te ein »Uto­pi­scher Stadt­spa­zier­gang« statt, der wie­der­um mit einem aus­führ­li­chen Früh­stück auf dem Platz der Alten Syn­ago­ge ange­fan­gen hat. Ich bin da eher zufäl­lig vor­bei­ge­kom­men, habe aber trotz­dem ger­ne die Mög­lich­keit wahr­ge­nom­men, noch einen Kaf­fee und ein Stück Kuchen als zwei­tes Früh­stück zu mir zu neh­men. Abge­se­hen davon, dass mir auf­ge­fal­len ist, dass es in der Sze­ne in Frei­burg rela­tiv vie­le neue Gesich­ter gibt, hat mir die­se »uto­pi­sche« Platz­nut­zung noch ein­mal deut­lich vor Augen geführt, dass der Platz der Alten Syn­ago­ge mit sei­ner Wie­sen­flä­che letzt­lich auch eine kom­mu­ni­ka­ti­ve Funk­ti­on hat: genau hier ist einer der weni­gen Orte in Frei­burg, wo auto­nom-alter­na­ti­ve Sze­ne und »Nor­ma­los« mit­ein­an­der in Berüh­rung kom­men, weil der Platz in der Innen­stadt gele­gen ist, sich aber trotz­dem für Ver­an­stal­tun­gen wie das heu­ti­ge Früh­stück eig­net. Ich kann mir sehr schlecht vor­stel­len, wie das auf einer Stein­plat­te samt Gas­tro­no­mie funk­tio­nie­ren soll. 

Ich will der Stadt­ver­wal­tung jetzt gar nicht unter­stel­len, dass die Umbau­plä­ne für den Platz der Alten Syn­ago­ge unbe­dingt mit der Inten­ti­on erfol­gen, die­se und ähn­li­che unan­ge­mel­de­ten Platz­nut­zun­gen zu unter­bin­den; aber ein Stück weit ist es doch auch eine Pri­va­ti­sie­rung eines viel­fach nutz­ba­ren öffent­li­chen Raumes. 

War­um blog­ge ich das? Weil ich es schön fän­de, wenn die Stadt Frei­burg zu die­ser Raum­qua­li­tät ste­hen wür­de. Als ganz real­po­li­ti­sche Utopie.

Update: (18.5.2008) Bei fud­der fin­det sich ein sym­pa­thi­scher Bericht und eine etwas kon­fu­se Bil­der­ga­le­rie zu Brunch und den fol­gen­den Aktionen.