Kurz: Reisekostenstreits

Span­nend, dass Kon­flik­te in der grün-schwar­zen Koali­ti­on sich ger­ne an schein­ba­ren Neben­säch­lich­kei­ten wie dem Rei­se­kos­ten­recht ent­zün­den. Unse­re grü­ne Finanz­mi­nis­te­rin will’s ver­ein­fa­chen, die CDU stellt sich quer und for­dert nicht nur höhe­re Kilo­me­ter­sät­ze für dienst­li­che Auto­fahr­ten, son­dern auch – so ist es zumin­dest der Pres­se zu ent­neh­men – gene­rell 1.-Klasse-Tickets für dienst­lich Zug fah­ren­de Lan­des­be­diens­te­te. Argu­ment: an Arbeit im Zug sei sonst nicht zu denken.

Fin­de ich lus­tig, weil das Pro­blem für Arbeit im Zug mei­ner Erfah­rung nach nicht 2. Klas­se heißt, son­dern über­füll­te Züge, rucke­li­ges Inter­net und spon­ta­ne Zug­aus­fäl­le. Gera­de bei Dienst­rei­sen las­sen sich durch­aus Sitz­plät­ze reser­vie­ren. Klar ist in der 1. Klas­se mehr Platz und Ruhe – aber zum Akten­stu­di­um oder zum Mail­le­sen reicht die 2. Klas­se völ­lig aus. Und gegen schlech­tes Manage­ment bei der DB hilft das Rei­se­kos­ten­recht des Lan­des lei­der nicht.

Wofür es tat­säch­lich einen Hebel bie­tet: kei­ne Anrei­ze für unnö­ti­ge Auto­fahr­ten, Erstat­tun­gen auch für Rad/​ÖPMV, und auch so Din­ge wie Kli­ma­schutz­ab­ga­ben und eine bes­se­re Fami­li­en­ver­ein­bar­keit bei beruf­li­chen Rei­sen wären regelbar.

Kurz: Fahrtzeitverlängerung

Nach mei­nem Urlaub bin ich wie­der im Dienst – und auch, wenn viel per Home Office geht, soll­te ich doch ab und zu in Stutt­gart sein. Also wie­der Pen­deln – mit einem zusätz­li­chen Pro­blem: ein Tun­nel­bau bei Ras­tatt hat dort die Glei­se zum Absen­ken gebracht, die Rhein­tal­stre­cke als eine der euro­päi­schen Haupt­ver­kehrs­adern ist auf unbe­stimm­te Zeit unterbrochen.

imageWäh­rend mir die DB-App am Wochen­en­de noch weiß machen woll­te, dass mei­ne Züge ganz nor­mal fah­ren, gab’s heu­te mor­gen eine rea­lis­ti­sche­re Ansa­ge: der Pend­ler-IC direkt nach Stutt­gart fällt aus, eben­so der Früh-ICE um 6.22 Uhr. Um 6.52 Uhr fährt – wie üblich – ein ICE nach Nor­den. Der endet aller­dings in Baden-Baden, dort Umstieg in Bus­se bis Ras­tatt, von da wei­ter mit dem RE nach Karls­ru­he, dann ein IC nach Stuttgart. 

Bis­her klappt das alles ganz gut. Die Züge sind pünkt­lich, es gibt Ansa­gen und Aus­kunfts­per­so­nen. Erstaun­li­cher­wei­se als unfle­xi­bel erwei­sen sich die digi­ta­len Anzei­gen in den Zügen – die zei­gen Unsinn oder schlicht gar nichts an. Man­ko 1: am Bahn­hof Baden-Baden ist der Weg vom Ankunfts­gleis (4) zu den Bus­sen (direkt vor Gleis 1) nicht aus­ge­schil­dert, zudem wird der Bahn­hof gera­de umge­baut, u.a. sind die Auf­zü­ge der­zeit außer Betrieb. Man­ko 2: in Ras­tatt und Karls­ru­he jeweils rund 20 Minu­ten War­te­zeit – zusam­men mit der Bus­fahrt und der im Ver­gleich zum übli­chen IC in Frei­burg spä­te­ren Abfahrt kom­men so gut eine Stun­de Ver­spä­tung (eine Rich­tung) zustan­de, im Ver­gleich zum 6.22-ICE sind’s sogar 1½ Stun­den. Das ist mir für Hin- und Rück­rei­se an einem Tag zu viel. Auf mei­ne Anfra­ge, ob die Bahn bereit ist, die zusätz­li­chen Über­nach­tungs­kos­ten zu über­neh­men, habe ich lei­der noch kei­ne Antwort …

Ins­ge­samt: zufrie­den­stel­len­des Kri­sen­ma­nage­ment – und die drin­gen­de Not­wen­dig­keit einer Bahn­in­fra­struk­tur­po­li­tik, die Aus­fäl­le mit ein­plant, statt Risi­ken zu ignorieren.

P.S.: Eben kommt die Mel­dung, dass die Stre­cke erst am 7. Okto­ber wie­der frei­ge­ge­ben wird. Das heißt, auch nach Ende der baden-würt­tem­ber­gi­schen Som­mer­fe­ri­en, wenn es für vie­le und vie­les so rich­tig los geht, bleibt es bei drei Stun­den pro Richtung …

Kurz: Klassenfrage

Als Bahn-Viel­fah­rer bin ich fast immer in der 2. Klas­se unter­wegs – weil mir die Bahn­Card 100 für die 2. Klas­se mit über 4000 Euro pro Jahr schon teu­er genug ist, aber auch, weil ich es ein­fach nie anders ken­nen­ge­lernt habe: Als Kind war es natür­lich immer die 2. Klas­se in IC und Nacht­zug, wenn wir von Süd- nach Nord­deutsch­land gefah­ren sind. Und spä­ter, als das anfing damit, zu Jugend­ver­bands­kon­gres­sen und Par­tei­ta­gen, noch etwas spä­ter: zu Uni­dienst­rei­sen, quer durchs Land zu fah­ren, war eben­so selbst­ver­ständ­lich, dass die Fahrt­kos­ten­er­stat­tung sich auf die 2. Klas­se bezog. 

Wenn ich, wie jetzt gra­de, dank eines Upgrade-Gut­scheins für treue Kun­den, dann doch ein­mal in der 1. Klas­se sit­ze, hat das was von frem­den Ter­rain. Ver­traut und zuge­hö­rig fühlt sich das nicht an. Beque­me­re Sit­ze und mehr Platz – das hät­te ich auch ger­ne bei mei­nem Pen­del­all­tag. Kos­ten­lo­se Zei­tun­gen, auch nett. Schwe­rer tue ich mich da schon mit der Ser­vice­kul­tur und der damit ver­bun­de­nen auf­ge­setz­ten Ultra­freund­lich­keit, der emsi­gen und stän­di­gen Sor­ge um das Wohl­be­fin­den der Rei­sen­den – Sie wer­den am Platz bedient, eine klei­ne Auf­merk­sam­keit viel­leicht, hät­ten Sie noch einen Wunsch? (Ähn­lich frem­delnd ergeht es mir, wenn ich in vielster­ni­ge Hotels gerate …).

Das ist schlicht nicht mei­ne Welt. Mit einer bour­dieu­schen Bril­le zu beob­ach­ten, wie die Ange­hö­ri­gen der 1. Klas­se die­ses Bedient­wer­den ganz selbst­ver­ständ­lich fin­den, ja über­haupt: wie sie sich geben, und dabei eine fei­ne, inkor­po­rier­te Ele­ganz aus­strah­len – das ist durch­aus inter­es­sant und zugleich ein schö­ner Beleg für milieu­spe­zi­fi­schen Habi­tus und für die Exis­tenz einer gewis­sen Klas­sen­ge­sell­schaft auch in Deutsch­land. Was weit über Fra­gen der Zuge­hö­rig­keit hin­aus Kon­se­quen­zen hat.

Zen des Pendelns

Regel­mä­ßi­ges Pen­deln mit der Deut­schen Bahn ist eine gute Übung in Gelas­sen­heit. Zwei oder drei­mal in der Woche zwei­ein­halb Stun­den in die eine Rich­tung und zwei­ein­halb Stun­den in die ande­re Rich­tung zu fah­ren, heißt auch, dass das oft Zeit ist, in der nichts wirk­lich sinn­vol­les geschieht. Ja, die lässt sich mit Twit­tern, mit dem Lesen eines Buches oder mit Arbeit überbrücken.
 
Manch­mal. Manch­mal auch nicht. Es gibt Tage, an denen im Zug sit­zen ein­fach nur bedeu­tet, zu war­ten. Ohne etwas sinn­vol­les tun zu kön­nen. Und das übt die Gelas­sen­heit und das Ver­trau­en dar­in, irgend­wann anzukommen.

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Datenbefreiung, oder: staatsmonopolistischer Netzkapitalismus

Goog­le räumt auf, und räumt dabei – zum Juli – auch den Goog­le Rea­der ab. Wer das nicht kennt: das ist ein Tool, um Blogs und ande­re Nach­rich­ten­quel­len, sofern sie RSS-Feeds haben, syn­chro­ni­siert zwi­schen meh­re­ren Gerä­ten zu lesen. Oder etwas weni­ger tech­nisch: ein Tool, mit dem ich auf einen Blick sehe, wel­che Arti­kel in mei­nen Lieb­lings­blogs und wel­che Nach­rich­ten von tagesschau.de ich noch nicht gele­sen habe, und zwar egal, ob ich auf dem PC, auf dem Smart­pho­ne oder auf dem Tablet nach­schaue. Zudem sehe ich auf einen Blick, ob mei­ne Lieb­lings­blogs neue Ein­trä­ge haben, muss also nicht der Rei­he nach durch­blät­tern, was es wo gibt.

Der Goog­le Rea­der war mal mehr (das habe ich aber nie genutzt), und er ist nicht uner­setz­bar. Tat­säch­lich set­ze ich ihn erst aktiv ein, seit ich ein Smart­pho­ne benut­ze. Auf dem PC war das fire­fox-inte­re Hand­ling durch­aus aus­rei­chend für mich, um die­se gera­de beschrie­be­ne Funk­tio­na­li­tät zu erfüllen.

Trotz­dem ärgert mich das Aus für den Goog­le Rea­der, und da bin ich nicht allei­ne, auch wenn man­che dem auch Gutes in Sachen Mono­pol­ver­mei­dung abge­win­nen können. 

Was ich kon­kret mache, mit wel­chem Tool ich mei­ne Lieb­lings­blog-Feeds in Zukunft lesen wer­de, das weiß ich noch nicht. Irgend­et­was wird sich finden. 

Aber ich muss­te doch wie­der an die Eisen­bahn denken. 

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