Verwirrung in der Krise

Sagen wir mal so: es gab eine Zeit, in der ich Kommunikationsguerilla durchaus für ein cooles Konzept des politischen Aktivismus gehalten habe. Gemeint sind damit subversive Kommunikationen, um Verwirrung zu stiften, offizielle Maßnahmen zu delegitimieren und Leute dazu zu bringen, nachzudenken.

Trotzdem habe ich mich a. ziemlich geärgert und fühle mich b. eher ohnmächtig, nachdem ich gestern Abend einen Flyer aus dem Briefkasten gefischt habe, der auf den ersten Blick vorgibt, eine offizielle Mitteilung des Regierungspräsidiums Freiburg zu sein und ankündigt, in Treppenhäusern die Einhaltung der dort neu verhängten Maskenpflicht zu kontrollieren.

Auf den zweiten Blick stimmt fast nichts an diesem Flyer: zuständige Behörde wäre die Stadt, nicht das Regierungspräsidium, das Logo ist unscharf und verpixelt, das Format A5 (und schlecht abgeschnitten) für eine offizielle Mitteilung passt nicht, es gibt weder Datum noch Kontaktperson, die rechtlichen Begriffe stimmen nicht, und es wäre auch seltsam, jetzt eine Maßnahme für den 10.1. zu verkünden. Also: ziemlich klarer Fall eines Fakes. Für alle, die sich mit Verwaltungshandeln und Kompetenzabgrenzungen zwischen unteren und mittleren Verwaltungsbehörden auskennen.

Ich befürchte, dass relativ viele Menschen diesem Flyer Glauben schenken. Bisher gab es ab und zu die übliche »Schützt unsere Kinder«-Panikmache, aber da war zumindest der Absender klar. Das hier hat insofern eine neue Qualität. Und trägt dazu bei, das Vertrauen in die, die in dieser Krise so dringend wie notwendig handeln, zu senken. Deswegen mein Ärger. Ohnmacht? Weil ich gerne etwas dagegen unternehmen würde, aber nicht wirklich eine Möglichkeit habe. Ich habe das RP informiert (Update: das inzwischen auf seiner Website darüber informiert, dass es sich um eine Fälschung handelt), rege mich in sozialen Medien und hier in meinem Blog auf und habe den Aushang unten ins Treppenhaus gehängt. Ich befürchte aber, dass dieser Flyer relativ flächig verteilt wurde. Was also tun?

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