Photo of the week: May rain

May rain

 
Der Mai brachte dann endlich den Regen (und etwas kälteres Wetter). Unabhängig davon faszinierten mich hier die eleganten landwirtschaftlichen Kurven.

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Die große Schaltkonferenz

Bildschirme  mit Twitter und Stream des Parteitags, Micha Kellner und Gesine Agena sind zu sehen

Vor ziemlich genau 20 Jahren fand der »Virtuelle Parteitag« der baden-württembergischen Grünen statt. Diese Pionierleistung habe ich damals in meiner Magisterarbeit (eine Zusammenfassung findet sich hier und – ganz knapp – hier) genauer angeschaut. Was macht einen Parteitag aus? Neben der parteiengesetzlich festgeschriebenen Aufgabe der innerparteilichen Meinungsbildung (und Wahlen und Abstimmungen) gehört dazu nach innen auch etwas, was ich als »innerparteiliche Sozialisation« beschreiben würde: das »Familientreffen«, Kontakte knüpfen, Netzwerke bilden. Und nach außen ist ein Parteitag immer auch mediales Event, eine Möglichkeit, Themen zu setzen, in der öffentlichen Wahrnehmung vorzukommen. Beides verknüpft sich, wenn Journalist*innen, die eine Partei beobachten, auf dem Parteitag direkt mit Delegierten sprechen und ein Gefühl für die Stimmung in der Mitgliedschaft entwickeln. Für Redner*innen auf der Bühne ist die Parteitagshalle Echoraum – es wird schnell klar, wo der Beifall tost und was eher auf müde Gesichter stößt. Die Partei erfährt sich selbst.

Ein Parteitag ist also eine vielschichtige Angelegenheit. Einen solchen vor 20 Jahren ins Netz zu verlegen, hieß damals in Baden-Württemberg: über mehrere Tage lang in verschiedenen Diskussionsforen inhaltlich argumentieren, um dann zu festen Zeitpunkten mit einem gesicherten Verfahren Abstimmungen unter den Delegierten durchzuführen und so am Schluss zu einer Positionierung zu kommen, damals zu Ladenöffnungszeiten. Als einer der ersten Gehversuche der Parteien im Netz war der Virtuelle Parteitag ein überregionales Medienereignis. Die Meinungsbildung erfolgte schriftlich, kein Platz für große Reden. Damit zumindest ein bisschen vom Kennenlernen der anderen Delegierten und Mitglieder übrig blieb, gab es eine »Kaffeeecke«, ein nicht thematisch festgelegtes Diskussionsforum. Das alles, wie gesagt, über einen längeren Zeitraum gestreckt, also eher asynchron, und definitiv textbasiert.

Ein paar Jahre später landete der Virtuelle Parteitag zwar in der baden-württembergischen Satzung, ein paar andere Landesverbände machten ähnliches, aber insgesamt blieb es beim einmaligen Versuch. Die Differenz zu dem, wozu Parteitage in einer Partei dienen, war dann doch zu groß. Zudem gibt es rechtliche Hürden (Wahlen sind nur in Versammlungen möglich), geheime Abstimmungen sind kaum sicher umzusetzen, die Kosten waren ähnlich hoch wie für die Anmietung einer Halle, und die Idee, dass sich jetzt plötzlich große Teile der Mitgliederschaft beteiligen, erfüllte sich auch nicht – ein großer Anteil der Beiträge kam von wenigen »Powerusern«. Über das Geschlechterverhältnis will ich jetzt gar nicht reden.

Kurzum: bis vor kurzen hätte ich gesagt, dass es sich nicht lohnt, das Format Parteitag im Netz nachzubauen.

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Photo of the week: Night walk III

Night walk III

 
Erst später am Abend spazieren zu gehen, hat Vor- und Nachteile. Vorteile: Es ist kühler, wobei es allgemein abgekühlt hat und gestern auch zum ersten Mal seit langem geregnet hat. Zudem sind die Lichtverhältnisse zumindest am frühen Abend schön, Grillen zirpen, ein paar Vögel sind auch noch zu hören, die Wege sind recht leer. Nachteil: Es ist dunkel, und das kann dann auch schon mal etwas unheimlich werden. Insbesondere, wenn dann noch die Signallichter an Funkmasten, Windrädern etc. in der Ferne dazukommen. Fast schon ein bisschen gruselig, so im Simon-Stålenhag-Stil.

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Photo of the week: April walk

April walk

 
Fantastische Sommerabende, lau und schön … und viel zu warm für den April, oder?

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Zeit des Virus, Update III

Flowers everywhere! - IX

Allmählich wird aus der hektischen Betriebsamkeit der ersten Wochen etwas, das sich lang zieht, etwas, das nach Ausdauer und Warten ruft. Etwas, das noch kein Ende kennt, ein Drittes neben Krise und Normalbetrieb.

In den letzten drei Wochen, seit ich zuletzt über die »Zeit des Virus« geschrieben habe, ist es gefühlt deutlich schwieriger und anstrengender geworden. Ostern hat ganz gut geklappt, Kernfamilienfeier, per Skype zugeschaltete Großeltern und Geschwister, gemeinsam verbrachte Zeit. Aber die Osterferien, die in Baden-Württemberg erst morgen enden, sind keine Ferien, weil die Kinder beide noch Schulstoff erledigen müssen, und weil auch die Fraktionsarbeit weitgehend »normal« weiterläuft.

Auch bei mir gibt es zunehmend das Gefühl, dass es doch mal aufhören müsste mit diesem Lockdown, mit den ganzen Beschränkungen. Ich kann mir noch nicht so ganz vorstellen, wie die Kinder damit klar kommen sollen, weitere Wochen im »Home-Schooling« zu verbringen. Für Montag sind die nächsten Aufgaben und Telefonate mit den Lehrer*innen angekündigt. »Macht doch mal was« bleibt trotzdem an den Eltern hängen, und klar: es gibt so etwas wie einen Rhythmus, aber es sind doch Tage, an denen deutlich weniger passiert als es in der Schule der Fall wäre. Und zumindest R. ist zunehmend frustriert davon, wenn draußen auf dem Hof Kinder spielen und ich nur sage, dass wir es nicht möchten, dass er dazu geht.

Gefühlt also Eile, trotz aller Introvertierheit der Wunsch, dass die Zeit des Virus mal vorbei gehen möge. Und gleichzeitig im Kopf das Wissen darum, dass wir noch längst nicht über den Berg sind, der Ärger darüber, dass allein die Debatte um »Lockerungen« bei einigen wohl dazu geführt hat, das alles nicht mehr ernst zu nehmen … ich möchte nicht wissen, was das für die Ansteckungszahlen in ein paar Tagen bedeutet.

Und wenn ich versuche, mir die verschiedenen Strategien, mit dem Virus umzugehen, vor Augen halte, dann wird klar: Herdenimmunität, der Aufbau eines natürlichen Schutzes bei einem großen Teil der Bevölkerung: das funktioniert nicht, jedenfalls nicht ohne eine Vielzahl an Toten in Kauf zu nehmen. Was jetzt passiert, ist das Senken der Weiterverbreitung auf ein Maß, mit dem das Gesundheitssystem klar kommt. Das sieht aktuell gut aus, die Neuinfektionen sind zurückgegangen und seit Tagen stabil, auch die Zahl der täglichen Todesfälle ist halbwegs stabil (zynisch, dass das eine gute Nachricht ist). Aber so weiter zu machen, heißt eben auch, einen Kern aus Kontaktvermeidung und harten Beschränkungen noch mindestens bis in den Herbst, vielleicht auch ins Frühjahr aufrecht zu erhalten. Und dann stehen sowohl Selbständige, die nichts verdienen, weil derzeit zum Beispiel niemand Auftritte von Künstler*innen bucht, vor einem Problem – genauso wie alle Eltern, die das Gewurstel der letzten Wochen bis weit in die Zukunft hinein weiterführen sollen. (Und nein, bei weitem nicht jeder Haushalt besteht aus Vater Alleinverdiener, der pädagogisch versierten Mutter Hobbylehrerin und den braven Kindern 1 und 2, die gerne mit dem Hund im Garten tollen). (Apropos: sehr gut dazu Annalena Baerbock in der taz).

Nahe liegende Lösungen für dieses Problem gibt es nicht, am besten wäre wohl eine Kombination aus echtem Teleunterricht für die Kinder (aber das muss technisch erst einmal klappen), einem rollierenden oder sonst irgendwie reduziertem System von Kita- und Schulöffnungen und Lohnersatzleistungen für alle, die so nicht arbeiten können. Und irgendwann dann die Impfung. Aber so oder so heißt dass, das es noch eine ganze Weile weitergeht mit dem Status quo.

Der kleine Hoffnungsfunke: die Zahl der Neuinfektionen und die Zahl der Infektionen pro Person nimmt so stark ab, dass wieder zu »Containment« als Strategie gegriffen werden kann. Das hat aber zwei nicht ganz einfache Voraussetzungen. Zum einen braucht es schnelle Tests, auch auf Immunität, und Wissen darüber, wie die Dunkelziffern aussehen. Also Tests und Strichproben. Und zum anderen braucht es eine Einhaltung sowohl der jetzt geltenden Kontaktbeschränkungen wie auch der dann weiter notwendigen Hygieneregeln durch einen großen Teil der Bevölkerung, also Einsicht. Bei den Tests und Stichproben bin ich halbwegs zuversichtlich, bei der Einsicht habe ich derzeit so meine Zweifel. Der Heinsberg-Coup von Laschet ist diesbezüglich, um es deutlich zu sagen, hochgradig kontraproduktiv.

In der Presse und in der Fraktion – genauso wie in den sozialen Medien – gibt es derzeit eigentlich nur ein Thema. Auch das trägt dazu bei, dass diese Tage sich strecken. Es geht immer um Corona. In der Arbeit. In der Freizeit. Am Wochenende. In den »Ferien«. Usw. Klar gibt es Fluchtmomente – Computerspiele, Filme, Bücher – aber eigentlich ist das Virus dauerpräsent. Und das seit Wochen. Auch das macht diese Zeit schwierig. Vielleicht brauchen wir hier andere Räume.

Gleichzeitig empfinde ich es als schwierig, die Pandemie auszublenden. Beispiel Wahlprogramm – im Frühjahr 2021 sind Landtagswahlen in Baden-Württemberg. Da jetzt ein Programm zu schreiben, das aussieht wie jedes andere, das wird nicht gehen. Nicht nur, weil die Wirtschaftslage und die Finanzlage des Landes eine andere sein werden, sondern auch deswegen, weil die Pandemie eine ganze Reihe von politischen Prioritäten umgeworfen hat. Das ist jedenfalls mein Eindruck. Jetzt auf Antworten aus dem Jahr 2019 zu setzen, hätte ähnliche Effekte wie die grandios daneben gegangene »Alle reden von Deutschland – wir nicht«-Kampagne, die die West-Grünen nach der Wende aus dem Bundestag kickte. Es braucht also Sensibilität dafür, wie die Stimmung im Land im Frühjahr 2021 aussehen wird. Nur weiß das jetzt noch niemand. Politik wie üblich funktioniert auch deswegen gerade nicht.

Arne Jungjohann hatte auf Twitter mit Bezug auf Carolin Emckes Corona-Tagebuch nach generationendefinierenden historischen Ereignissen gefragt. Bisher hätte ich da mit Tschernobyl geantwortet, vielleicht mit der Wende, mit der ersten rot-grünen Bundesregierung, mit 9/11 oder auch mit Fukushima und allen Folgen, auch in der baden-württembergischen Landespolitik. Gut möglich, dass das Jahr 2020 in vielen Biografien diese Ereignisse überstrahlen wird und in der Geschichte der Zukunft der Punkt sein wird, an dem das alte 20. Jahrhundert dann wirklich geendet hat.

P.S.: Apriltage mit fast 30° Celsius, viel zu wenig Regen, Dürrewarnung – die andere große Krise ist weiterhin da.

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