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Kurz: Krass, aber richtig

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Heute haben sowohl die Grünen als auch die Linke ihre Kampagnen für die Bundestagswahl 2017 vorgestellt. Letztere sieht aus wie Werbung für Corel-Draw-Clipart. Unsere Kampagne fällt auf und wirkt erst einmal ziemlich krass: auf grünem Hintergrund dominiert unsere Zweitfarbe Pink. Dargestellt sind freigestellte und verfremdete Motive – der Erdball, eine Friedenstaube für Europa, der letzte Eisbär. Darüber ziemlich viel Text (in der serifigen Hausschrift, in Großbuchstaben, und dann auch noch mit Witz …), darunter die Sonnenblume und der Claim »DARUM GRÜN.«.

Ich bin nicht mit jedem Teil der Kampagne gleich glücklich. Die Großplakate (insbesondere »Umwelt ist nicht alles, aber ohne Umwelt ist alles nichts. Darum grün.«) finde ich sehr gut gelungen. Auch die Plakate von Cem und Katrin sind richtig gut. Bei den kleineren Themenplakaten wirkt der Text manchmal arg gedrängt, ist manches Motiv erst auf den zweiten Blick zu erkennen.

Insgesamt aber ist die Kampagne ein Paukenschlag. Jedes einzelne Plakat gibt eine Antwort auf die (dämliche) Frage, wozu es Grüne eigentlich noch braucht. Wer den Kohleausstieg in die Hand nimmt, wer an Europas Zukunft glaubt, wer für Integration und gegen Kinderarmut kämpft – der braucht grün. Und darum ist das die richtige Kampagne zum richtigen Zeitpunkt. Wohlfühlwahlkampf mit schönen Plakaten: das war gestern. Heute kommt es drauf an. Und dafür braucht’s auch einmal einen optischen Paukenschlag.

P.S.: Statt Logo nur das Sonnenblumensymbol? Ja, auch das finde ich gut – denn unser Logo ist ein wenig unhandlich. Und klar erkennbar ist’s auch so.

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Freiburger Kommunalwahloptik 2014 (mit Nachträgen)

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ep_IMG_9575Es ist Wahlkampf, und in Freiburg gleich ein doppelter. Das eine, was nicht so sehr auffällt, ist die Wahl zum europäischen Parlament, das andere, was sich im Straßenraum doch durch einige Plakate mehr sichtbar macht, ist die Wahl des Stadtrates. Beides findet am 25. Mai statt, und weil sich seit 2009 doch einiges getan hat, möchte ich gerne ein bisschen was zu den Plakaten sagen.

Das eine, was mir – bevor ich auf Plakate der einzelnen Listen eingehen möchte – auffällt, ist die Tatsache, dass die inzwischen doch recht häufig verwendeten Hohlkammerplakate (also die aus Plastik) zu Vandalismus einladen. Jedenfalls sind doch recht oft zerfetzte und zertretene Plakate zu sehen, und zwar ganz egal, um welche Partei es sich handelt.

Dann habe ich einen (subjektiven) Unterschied im Plakatierverhalten ausfindig gemacht (der möglicherweise erklärt, warum ich eine Zeit lang davon ausgegangen bin, dass FDP, FW und CDU kaum plakatieren) – die einen plakatieren nämlich im »Fußgängerraum« (also z.B. an den Plätzen und Haltestellen des Rieselfeldes), die anderen sind dagegen auf Straßen fixiert. Ob das ein Artefakt der verwendeten Bringtechnik (Auto vs. Fahrrad) ist, oder ideologische Gründe hat, oder Zufall ist, muss offen bleiben.

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Plakat, verkanntes Medium der Bundestagswahl 2013

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Bundestagswahl 2013, I

Wahljahr für Wahljahr stellen WahlkämpferInnen vor Ort sich wieder die Frage, ob das mit dem Plakatieren den wirklich sein muss. Bringt das überhaupt was?

Der Konsens ist wohl der, dass es nichts bringt, nicht plakatieren aber schadet. Es geht nicht darum, eine tiefgreifende Botschaft zu vermitteln, es geht nicht darum, Unentschlossene über ein besonders gut gestaltetes Plakat zur Wahl zu bewegen (das erklärt auch die FDP), sondern es geht schlicht darum, darauf hinzuweisen, dass a. Wahlen anstehen, und b. die bevorzugte Partei zur Wahl steht.

Und wenn es gut läuft (das hat dann was mit guter Gestaltung zu tun), dann gibt es zusätzlich zu den Plakaten im Straßenraum noch den einen oder anderen Medienbericht über das eine oder andere Plakat. Manchmal reicht es dann schon, das in Stückzahl 1 zu produzieren.

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Empowerment statt Angst – eine erste Einschätzung zur grünen Plakatkampagne für die Bundestagswahl 2013

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Heute morgen wurden die Plakate für die grüne Kampagne zur Bundestagswahl 2013 vorgestellt. Mir gefallen sie gut, auch wenn’s natürlich einiges herumzukritteln gäbe (da fehlen Themen, vieles bleibt unkonkret, da geht’s dann doch auch um Schönheitsideale und Heteronormativität, manches Wortspiel ist arg an den Haaren herbeigezogen …).

Aber, was ich wichtig finde, und was so ein bisschen das Thema der diesjährigen grünen Kampagne zu werden scheint, das wird von diesen Plakaten ganz massiv getragen: Empowerment. Am augenfälligsten ist das »Und du?«, das in diesem Wahlkampf unser Parteilogo ersetzt. Da steckt eine ganze andere Botschaft drin als im kollektivistischen »Das Wir entscheidet« der SPD. Wir sprechen dich, liebe Wählerin, dich, lieben Wähler, ganz individuell an, und fragen, wie du bestimmte Dinge siehst.

Und dahinter steht ja noch mehr – dahinter steht, deswegen Empowerment, eben auch die Aufforderung, selbst aktiv zu werden. Was machst du eigentlich? Der Mitgliederentscheid und die Wahl der Spitzenkandidatinnen durch die Basis passt dazu. Visuell wird das durch »normale Menschen« auf den Plakaten getragen. Menschen wie du*, deine Kinder, deine Eltern oder Großeltern.

Diesen Ton der Kampagne finde ich gut, weil es eben nicht das »Wir regeln das schon«-Versprechen ist, sondern ein ziemlich ehrliches Dialogangebot. Und weil zwar ernste Themen angesprochen werden – unbezahlbare Mieten, prekäre Löhne, Schuldenberge, globale Ungerechtigkeit, usw. – aber die Antwort weder eine Angstkampagne ist (Botschaft: »Wenn du uns nicht wählst, wird alles schlimmer«, ich denke da an die schwarz-weiß-roten Plakate der LINKEN), noch eine SPDCDU-Kampagne a la »Mit uns wird alles gut, Kreuz her, fertig«, sondern Menschen angesprochen werden. »Und du?« heißt auch: Ohne dich schaffen wir das nicht, diese großen Probleme zu lösen.

Mutig finde ich den weitgehenden Verzicht auf Logo und Parteiname auf den Plakaten. Das »Und du?«-Symbol enthält eine kleine Sonnenblume, auf den Plakaten sind themenbezogene URLs mit »gruene.de« abgedruckt, aber auf den ersten Blick tritt die Partei in den Hintergrund. Auch das trifft eine Stimmung, glaube ich – und führt, hoffe ich, letztlich doch zu Wahlentscheidungen.

Mutig finde ich auch, dass wir – und das ist momentan mein Lieblingsplakat – offensiv das Thema Freiheit aufnehmen. Angriff auf die FDP, und klare Abgrenzung zur SPD. Das ist auch eine Aussage zu Bürgerrechten, letztlich auch zur Netzpolitik. Ich bin froh, in einer Partei zu sein, die es meistens gut schafft, Geschlossenheit und das Eintreten für Meinungsfreiheit und individuelle Ideen zu verbinden.

Um die Frage »Wir freuen uns auf den Wahlkampf – und du?« zu beantworten: Ja, mit dieser Kampagne freue ich mich auf den Wahlkampf. Und wenn wir es nicht schaffen, an die Regierung zu kommen, dann ist das doch zumindest eine massenhaft plakatierte Einladung, bei uns mitzumachen. Gut so!

* Zielgruppenbezogen auf die grünen Hauptwählerinnengruppen.

Warum blogge ich das? Um meine erste Reaktion auf die Kampagne und ein paar bei Twitter andiskutierte Ideen loszuwerden.

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Plakatkritik: CDU und Fortschritt

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Fortschritt voraus

Dieses Plakat der CDU zur Landtagswahl 2011 in Baden-Württemberg konnte ich nicht unfotografiert lassen. Ich finde, dass es sich auf drei Ebenen wunderbar subversiv deuten lässt. (Eine lesenswerte generelle Plakatkritik zu BaWÜ findet sich übrigens im Designtagebuch von Achim Schaffrinna). Also, die drei Ebenen:

1. Ganz aktuell stellt sich Mappus hinter Guttenberg. Die aus Baden-Württemberg stammende Bundesforschungsministerin Schavan schämt sich zwar, unternimmt sonst aber auch nichts weiter. Da passt ein gezielt auf Wissenschaft setzendes Plakat nur so bedingt. Aber das konnte die CDU ja vielleicht noch nicht wissen, als sie das Plakat in Auftrag gab. Das Plakat steht in Freiburg übrigens genau dem Unirektorat gegenüber und liegt quasi auf dem Weg von der Innenstadt ins Institutsviertel.

2. Dann natürlich Fortschritt: hier ist es – ganz im Einklang mit der Innovations- und Forschungsförderungspolitik des Landes, das ja durchaus massiv Geld beispielsweise in die biowissenschaftlichen Exzellenzbewerbungen gepumpt hat – offensichtlich etwas, das in Labors erforscht wird, was mit Chemie oder vielleicht auch mit »Life Science« zu tun hat. Ist schon etwas intelligenter als ein z.B. bei der SPD gerne noch vorzufindender Fortschrittsbegriff, bei dem die Großindustrie ganz vorne steht, aber so richtig das Wahre ist auch der CDU-Fortschritt für mich nicht, der hier bildnerisch auf Naturwissenschaft verkürzt wurde. Cui bono? Und welche Probleme soll dieser Fortschritt lösen?

3. Damit aber schließlich zu dem Punkt, der mich eigentlich dazu gebracht hat, das Ganze zu fotografieren. Denn wen sehen wir auf dem Bild? Eine jovial-hechtige Vaterfigur mit einer gewissen raumerfüllenden Körperlichkeit, der die Laborarbeit an eine junge, adrett lächelnde Zuarbeiterin delegiert hat (was ja auch schön den Status quo wiedergibt). Das Spektrum unterschwellige Gender-Botschaften reicht von »in der Wissenschaft überragen die grauhaarigen Männer weiterhin alles« bis hin zu »Aussehen und Jugendlichkeit ist für die Karriere wichtig«. Oder war das anders gemeint?

Warum ich das blogge? Weil Wahlkampf ist – und weil die ja sehr bewusst zusammengestellten Bildmotive der CDU doch gerade bei einem zweiten Blick einiges darüber aussagen, für welche dumpfen Selbstverständlichkeiten ein Ministerpräsident Mappus steht.

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