Photo of the week: Seenotrettung ist kein Verbrechen VIII

Seenotrettung ist kein Verbrechen VIII

 
Nachdem ich im Juli schon einmal ein Foto von einer Demo der #seebrücke in Freiburg gepostet habe, folgt hier ein Bild von der heutigen Demonstration. Leider sind die Zeiten so.

Erneut waren es etwa 2000 Leuten, bunt gemischt, von der antikapitalistischen Antifa bis hin zu engagierten Bürger*innen. Auch der neue Oberbürgermeister Martin Horn war mit einem Grußwort dabei – empathisch, solidarisch, aber leider nicht wirklich sehr konkret, was die Handlungsmöglichkeiten der Stadt anbelangt. Da geht noch mehr. Seenotrettung ist kein Verbrechen, sondern nach wie vor ein Gebot der Humanität. Wer Umfragen glaubt: nicht nur in Freiburg ist das auch das, was die große Mehrzahl der Menschen hier im Land denkt.

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Kurz: Fluss der Dinge

Es ist eine Nachricht, dass Twitter die chronologische Timeline wieder anbietet. Anders als bei Facebook war sie nie ganz weg, denn wer in den Tiefen der Einstellungen angegeben hat, nicht die »wichtigsten« Nachrichten zuerst sehen zu wollen, hat eine mehr oder weniger chronologisch geordnete Timeline angezeigt bekommen. Abgesehen von Hinweisen, was eine oder einer vielleicht verpasst haben könnte, oder was andere gesehen haben, oder … ich habe hier recht konsequent auf »weniger davon anzeigen« gedrückt und zuletzt dann einen fast ausschließlich chronologischen Nachrichtenstrom erhalten.

Das scheint mir neben den Unzulänglichkeiten der Auswahlalgorithmen auch der Hauptgrund für die Beliebtheit der Chronologie zu sein: Tweets sind hier ein endloser Strom von Nachrichten, der einen Moment im globalen kommunikativen Bewusstsein dokumentiert und dann wieder vergeht. Die Dinge sind im Fluss, und wichtig ist nicht, was gestern passiert ist, sondern das, worüber Menschen genau in diesem Moment reden. Ein bisschen lässt sich dieser Strom zurückverfolgen, aber was vergangen ist, entschwindet – wie in einem Gespräch, nicht wie in einer E-Mail-Debatte. Nur was wiederholt wird, überspringt diesen Anschein von Vergänglichkeit. Und darin liegt für mich der Reiz der Chronologie.

P.S.: Und natürlich signalisiert eine chronologisch geordnete Timeline – paradoxerweise – zugleich Kontrolle, insofern zumindest theoretisch die Möglichkeit besteht, so lange zurückzublättern, bis eine oder einer alles gelesen hat.

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Lexikonwissen

Ich mag ja Lexika. Als Jugendlicher stand die grünen Taschenbücher des rororo Lexikon in neun Bänden meiner Eltern in meinem Zimmer. Das muss damals – in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre – auch schon nicht mehr ganz taufrisch gewesen sein; im Netz finde ich v.a. eine Ausgabe von 1966; vielleicht war die, die wir hatten, aber auch etwas später erschienen. Und ich gebe es zu: ich habe das durchaus auch mal von A bis Z durchgelesen. Besonders spannend fand ich die Bildtafeln – ich erinnere mich an Vögel, Pflanzen, Trachten. Inzwischen gibt es für sowas ja die Wikipedia. Die hat den Nachteil, a. sich nicht von vorne bis hinten durchlesen zu lassen, und b. jedes Nachschlagen mit der Nutzung eines elektronischen Geräts zu verbinden, was dann möglicherweise zu internet- oder wikipediaspezifischen Ablenkungseffekten (Link, Link, Link … ganz woanders ankommen) führt.

Jedenfalls habe ich deswegen, vor allem auch mit Blick auf meine Kinder, vor ein paar Tagen ein kompaktes Lexikon gekauft. Die Auswahl fiel auf das Große Buch des Allgemeinwissens der Duden-Reaktion (aus dem Jahr 2015, das war auch mehr oder weniger das neuste der Kompaktlexika, die ich im Netz gefunden habe). Jetzt haben wir das Buch mal durchgeblättert, und ich bin nur so halbzufrieden. Das hat drei Gründe.

Der erste ist lexikoninhärent: die Einträge sind sehr knapp, gerade im Vergleich mit dem, was die Wikipedia liefert, und teilweise sehr verkürzt formuliert. Das erschwert das Verständnis bei meiner eigentlich recht klugen zwölfjährigen Tochter. Eine auf ein paar Sätze reduzierte Darstellung etwa des »Camp-David-Abkommens« setzt jede Menge Vorwissen voraus, um verstanden zu werden.

Und die Form der Behandlung ist noch nicht einmal konsistent: zu »Bayern« oder »Hessen« gibt es mehrere Absätze, »Baden-Württemberg« taucht einmal unter Politik und einmal unter Geografie auf, in beiden Fällen extrem knapp; »Baden« oder »Württemberg« fehlen ganz. Es findet sich auch ein Eintrag zum »Herr der Ringe« – ein Fantasybuch von Tolkien, in dem es um Gut gegen Böse geht, und dass sich dadurch auszeichnet, dass für die dort drin vorkommenden Hobbits eine eigene Sprache entwickelt wurde. Das stimmt … so halb.

Der zweite Grund für die mangelnde Zufriedenheit ist der Kanoneffekt. Das für die Allgemeinbildung relevant gehaltene Wissen (übrigens inkl. eines eigenen Unterkapitels zur Bibel! – liegt vielleicht am im Impressum erwähnten US-Vorbild) wirkt auf mich erstaunlich altmodisch. Bei historischen Themen oder Naturgesetzen ist es nicht verwunderlich, dass ähnliches in einem Buch aus dem Jahr 2015 und meiner Erinnerung an das Jugendlexikon aus den 1980er Jahren steht. Aber irgendwie hört es da auch auf: die jüngsten Autor*innen im Literaturkapitel scheinen mir die großen Figuren der Nachkriegsliteratur zu sein, Gruppe 47, Böll, etc. – als ob da nach 1970 nicht mehr viel passiert wäre. »Romeo und Julia« haben ebenso wie diverse Operetten eigene Einträge, »Star Wars« oder »Star Trek« nicht. Im Kapitel zu Philosophie, Anthropologie, Soziologie tauchen natürlich Adorno, Durkheim, Habermas und Luhmann auf. Latour oder Intersektionalität dagegen nicht. Und bei Naturwissenschaft und Technik begegnen mir Begriffe wie »Chaos-Theorie«, »Fuzzy-Logik«, »fraktale Geometrie«, die in den 1990er Jahren mal hip waren. »CRISPR« fehlt dagegen, war 2015 vielleicht auch noch nicht absehbar. Im Technikkapitel führen die Erklärungen zu »Mobiltelefon«, »Laptop« und »WWW« zum Schmunzeln.

Und drittens ist es nicht nur der sedimentierte Wissensbestand, der ein solches Lexikon suboptimal erscheinen lässt: in der Knappheit und Themenauswahl vermittelt das Buch ein bestimmtes Weltbild. Beispielsweise wird der Begriff »Indianer« nicht problematisiert, sondern völlig selbstverständlich verwendet. Dagegen steht selbst in der – diesbezüglich auch eher konservativen – Wikipedia im Eintrag Indianer auch eine ausführliche Darstellung, warum eine solche Gruppenbezeichnung aus heutiger Sicht schwierig ist.

Im Endeffekt ist ein kompaktes Lexikon ein Kompromiss. So richtig aktuell kann es nicht sein, und auch mein Jugendlexikon aus den 1960ern oder 1970ern war vermutlich wohl mit Weltdeutungen, die aus heutiger Sicht seltsam erscheinen würden. Was funktioniert: das Kind findet es interessant und blättert darin herum. Richtig hilfreich werden die Einträge aber erst, wenn darüber gesprochen, sie kontextualisiert und mit Hintergrundwissen versehen werden …

Warum blogge ich das? Weil es hier wohl leider keine perfekte Lösung gibt.

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Photo of the week: Rieselfeldmeile III

Rieselfeldmeile III

 
Letztes Wochenende fand hier die schon traditionelle Rieselfeldmeile statt. Sport ist ja nicht so meins, aber mein Kind ist mitgelaufen. Nett fand ich die schon einige Tage vor dem Rennen quer über die Straße hier im Stadtteil hängenden T-Shirts der letzten Meilen im Spätsommerlicht.

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Photo of the week: Early autumn lake III

Early autumn lake III

 
Heute morgen bin zum Opfinger See geradelt. Ins Wasser zu gehen, erschien mir angesichts der doch schon etwas herbstlichen Temperaturen dann nicht so richtig sinnvoll. Aber ein paar schöne frühherbstliche oder spätsommerliche See-und-Landschaftsfotos haben sich ergeben. Aufgefallen ist mir, wie grün – im Gegenlicht: neonleuchtend – nach ein paar Regentagen jetzt alles wieder aussieht, wie schnell sich die Landschaft hier von der sommerlichen Dürre erholt hat.

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