In letzter Zeit gelesen

What I read

In Baden-Würt­tem­berg dau­ert es noch bis Ende Juli, bis die Som­mer­fe­ri­en anfan­gen. Anders­wo sind sie da fast schon wie­der vor­bei. Unab­hän­gig davon möch­te ich ein biss­chen was dazu schrei­ben, was ich in den letz­ten Mona­ten so gele­sen habe (Gen­re: Sci­ence Fic­tion & Fan­ta­sy). Viel­leicht ist ja was dabei, was sich als Feri­en­lek­tü­re eignet.

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Anfan­gen möch­te ich mit Ter­ry Prat­chetts Bro­me­li­ad, die bereits 1989/​90 erschie­nen ist (dt.: Tru­cker. Wüh­ler. Flü­gel. 1996). Wenn ich mich rich­tig erin­ne­re, bin ich auf die­ses Werk von Prat­chett, das aber über eini­ge hart­nä­cki­ge Fans ver­fügt, auf­merk­sam gewor­den, weil es in eini­gen der Nach­ru­fe aus Anlass sei­nes Todes eine pro­mi­nen­te Rol­le spiel­te. Die Bro­me­lia­de (die aus den drei ein­zel­nen Bän­den Tru­ckers, Dig­gers und Wings besteht) erzählt die Geschich­te der win­zig klei­nen (G)nome, deren Welt ein Kauf­haus ist. Eines Tages lee­ren sich die Rega­le, die tra­di­tio­nel­len Feind­schaf­ten zwi­schen den Stock­wer­ken kom­men ins Sto­cken, und erst ein Nome aus der sagen­um­wo­be­nen Außen­welt fin­det kurz vor der dro­hen­den Schlie­ßung des Kauf­hau­ses eine Lösung. Aber damit beginnt erst ein Odys­see unge­ahn­ten Aus­ma­ßes. Ein klei­ner spre­chen­der Wür­fel spielt auch eine Rolle. 

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Kurz: Bilder vom Rand des Sonnensystems

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New Hori­zons saust nach Jah­ren des Anflugs mit einer wahn­sin­ni­gen Geschwin­dig­keit an Plu­to vor­bei und lie­fert, von einer Atom­bat­te­rie gespeist, Bil­der (und Daten), die mich ernst­haft beeindrucken. 

So sieht es also auf einer Eis­ku­gel am Rand des Son­nen­sys­tems aus. Ein ver­schwom­me­ner Licht­punkt wird eine Land­schaft, deren Abbild mit 4000 Bit pro Sekun­de zu uns kommt, lang­sa­mer als die alten Modems, aber dafür über vier Licht­stun­den hin­weg. New Hori­zons (und die ande­ren Son­den, Dawn etwa) sen­den hoch­auf­ge­lös­te Bil­der von Orten, die – doch, da lege ich mich bei allem Stau­nen über die­se tech­ni­schen Leis­tun­gen dann doch fest – nie ein Mensch betre­ten wird. Und das sind vier Licht­stun­den – das nächs­te Son­nen­sys­tem ist eini­ge Licht­jah­re ent­fernt. Inso­fern schwingt in die­sen Bil­dern vom Rand unse­res Son­nen­sys­tems für mich das Gefühl einer uner­füll­ba­ren Sehn­sucht mit. 

(Foto: NASA, Public Domain)

Weltentraum

Zur Zeit sto­ße ich stän­dig auf den wun­der­schö­nen klei­nen Film von Erik Wern­quist, Wan­de­rers.

Wan­de­rers – a short film by Erik Wern­quist from Erik Wern­quist on Vimeo.

Die Pla­ne­ten sind wort­wört­lich die Wan­de­rer, aber in die­sem Film sind es auch wir Men­schen, die zwer­gen­klein vor den sie­ben Wun­dern des Son­nen­sys­tems ste­hen, die hier com­pu­ter­tech­nisch und den­noch ori­gi­nal­ge­treu nach­ge­bil­det wurden.

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Kurz: Teleobiologie

Vor eini­gen Tagen wur­de dar­über berich­tet, dass in unse­rer nächs­ten galak­ti­schen Nach­bar­schaft der Pla­net Glie­se 832c ent­deckt wor­den ist, der deut­lich grö­ßer als die Erde ist (fünf­fa­che Erd­mas­se), aber wohl so halb­wegs in einer bewohn­ba­ren Zone liegt, und eben auch ein Gesteins-(und-Wasser?)-Planet ist. Super-Erde, heißt das dann. 

Glie­se 832c liegt nur 16 Licht­jah­re von hier ent­fernt. Oder, anders gesagt, nur rund 150.000.000.000.000 km. Irgend­wo las ich, dass die der­zeit schnells­ten Raum­son­den für die­se 16 Licht­jah­re ein paar tau­send Jah­re brau­chen wür­den. Nähe ist also doch sehr rela­tiv – und selbst ein hypo­the­ti­sches Raum­fahr­zeug, das mit Licht­ge­schwin­dig­keit fliegt, wäre hin und zurück noch mehr als eine Genera­ti­on unter­wegs (muss ja auch beschleu­nigt und abge­bremst werden). 

Inso­fern ist es extrem unwahr­schein­lich, dass ein Pla­net wie Glie­se 832c je von Men­schen betre­ten wer­den wird. Was eher im Raum des Wahr­schein­li­chen für die nächs­ten Jahr­zehn­te liegt, ist der Bau eines extrem hoch­auf­lö­sen­den Tele­skops, mit dem direk­te Auf­nah­men die­ses Pla­ne­ten gemacht wer­den könn­ten. Span­nend fin­de nun die Fra­ge, was pas­sie­ren wür­de, wenn über der­ar­ti­ge Auf­nah­men (oder ande­re Metho­den) ein ein­deu­ti­ger Nach­weis erbracht wür­de, dass es auf Glie­se 832c intel­li­gen­tes Leben gibt. Besu­che sind unmög­lich, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­si­gna­le brau­chen eben­falls 16 Jah­re pro Stre­cke, Unter­hal­tun­gen füh­ren geht also auch nicht so ein­fach. Was wären die kul­tu­rel­len Kon­se­quen­zen hier auf der Erde, wenn wir ziem­lich sicher nach­wei­sen könn­ten, dass es anders­wo im All intel­li­gen­tes Leben gibt?

Flucht vom Planeten Erde

On a search for the falling star XII

Ana­tol Ste­fa­no­witsch reg­te sich heu­te über, sagen wir mal, die tech­nik­be­zo­ge­ne Ober­fläch­lich­keit der Mensch­heit auf. Also, dass z.B. sehr viel mehr Geld in Smart­pho­ne­schnick­schnack fließt als in z.B. die bemann­te Raum­fahrt. Ich fas­se sei­ne Tweets mal zusammen:

Wir könn­ten längst auf dem Mars sein. Statt­des­sen lesen wir atem­lo­se Nach­rich­ten von einer Fir­men­zen­tra­le namens „Space­ship Cam­pus“. Und zwar der Fir­men­zen­tra­le eines Kon­zerns für Unter­hal­tungs­elek­tro­nik, nicht etwa für Raumfahrt.

Dumm nur, dass die­se Fir­men­zen­tra­le längst Stahl‑, Glas- und Beton­schrott sein wird, wenn uns klar wird, dass wir auf der Erde fest­sit­zen. (Bzw., unse­re Nach­kom­men, die dann zum Trost mit Ber­gen unse­res Elek­tronik­mülls spie­len können.)

Aber viel wich­ti­ger: Das neue iPho­ne, es wird viel­leicht ein gekrümm­te Dis­play haben! Gekrümmt! Ist Wis­sen­schaft nicht wundervoll? 

Ich konn­te dann nicht anders, als ihm zu wider­spre­chen. Nicht, weil ich die Fra­ge der Dis­play­krüm­mung des neu­en iPho­nes beson­ders wich­tig fän­de, son­dern weil ich die Besied­lung ande­rer Pla­ne­ten für ein ziem­lich uto­pi­sches Vor­ha­ben hal­te. Also für eines, das sich gut für – lite­ra­ri­sche – Uto­pien eig­net (und natür­lich noch viel bes­ser für (New) Space Ope­ra), das mir aber als Ret­tungs­kon­zept für das Über­le­ben der Mensch­heit doch höchst unge­eig­net erscheint.

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