Kurz: Genug auf die Bahn geschimpft

Inzwi­schen neh­me ich es recht gleich­gül­tig hin, dass der mor­gend­li­che Zug umge­kehrt gereiht ist, dass die Reser­vie­rungs­an­zei­gen aus­ge­fal­len sind (»uns fehlt lei­der der Mas­ter-Wagen, von dem aus die­se gesteu­ert wer­den«) oder dass es ein paar Minu­ten Ver­spä­tung gibt. Das ist schlicht der aktu­el­le Nor­mal­zu­stand geworden.

Auf der ande­ren Sei­te: vie­le mei­ner letz­ten Fahr­ten, auch wei­ter weg, nach Ber­lin zum Bei­spiel, waren pünkt­lich. Das Zug­per­so­nal ist meis­tens freund­lich. Wenn nicht gera­de drau­ßen alles Funk­loch ist, oder alle strea­men, kom­me ich mit dem ICE-WLAN klar. Und ich neh­me wahr, dass die Bahn ver­sucht, attrak­ti­ver zu wer­den. Dazu gehö­ren auch neue Spar­an­ge­bo­te und zuletzt nur mode­ra­te Preis­stei­ge­run­gen. Eine Bahn­card 100 ist teu­er, aber Leu­te, die sich ein Auto hal­ten, zah­len auch nicht so viel weniger.

Die Bahn könn­te noch sehr viel bes­ser sein. Das ist eine Fra­ge auch der Poli­tik. Stre­cken abzu­bau­en, Infra­struk­tur ver­fal­len zu las­sen, das Trim­men auf Ren­di­te – auch das hat viel kaputt gemacht, gera­de wenn es um Puf­fer und Reser­ven geht. Aber die sind nötig, damit Sys­te­me, bei denen Stö­run­gen in der Sache lie­gen, funk­tio­nie­ren. Hier wür­de ich mir kla­re Ansa­gen vom Bund als DB-Eigen­tü­mer wün­schen. Kri­tik an zu bil­li­gen Fahr­kar­ten ist dage­gen bes­ten­falls welt­fremd, wahr­schein­li­cher jedoch schlicht ein Ablenkmanöver.

Brief an die VAG: Straßenbahn-Verspätung in der Rushhour

Sehr geehr­te Damen und Herren,

ich nut­ze das Ange­bot der VAG inten­siv und ger­ne, und bin ins­ge­samt sehr zufrie­den damit. Heu­te mor­gen aller­dings ärger­te ich mich, da ich auf­grund einer Stra­ßen­bahn-Ver­spä­tung den ICE und damit einen Ter­min in Stutt­gart ver­passt habe.

Kurz zur Sach­la­ge: Ich bin heu­te um 7.28 Uhr mit der Linie 5 ab Maria-von-Rud­loff-Platz gefah­ren, an der Hal­te­stel­le Am Lin­den­wäld­le in die Linie 3 umge­stie­gen und hät­te um 7.48 Uhr auf der Stadt­bahn­brü­cke sein sol­len. Wie zu die­ser Uhr­zeit üblich, waren bei­de Bah­nen bis zum Bers­ten gefüllt, was zu ent­spre­chen­den Ver­zö­ge­run­gen beim Ein- und Aus­stieg an ver­schie­de­nen Hal­te­stel­len führ­te. Dazu kam noch eine defek­te Tür – bei bei­den Bah­nen han­del­te es sich um das ganz alte Wagen­ma­te­ri­al – die wei­te­re Ver­zö­ge­run­gen nach sich zu zog, da die Fah­re­rin erst zur Tür lau­fen, dort etwas reparieren/​schalten muss­te und dann wie­der vor­ne ein­stei­gen muss­te, bevor die Bahn los­fah­ren konn­te. Letzt­lich erreich­te die Bahn die Stadt­bahn­brü­cke um 7.54 Uhr, hat­te aller­dings zunächst kei­ne Ein­fahrt. Der ICE fuhr pünkt­lich um 7.55 Uhr los – ich konn­te ihm eben­so wie min­des­tens fünf wei­te­re Fahr­gäs­te der Bahn, die eben­falls dort mit­fah­ren woll­ten, nur noch hinterherwinken. 

Da ich mei­ne Kin­der zur Schu­le brin­gen muss­te, war es mir nicht mög­lich, »sicher­heits­hal­ber« eine frü­he­re Bahn zu neh­men. Zudem soll­te der Fahr­plan (wenn nicht Unfäl­le wie heu­te mor­gen auf der Linie 1 dazwi­schen­kom­men) ver­läss­lich sein. Eine Umsteigs­zeit von plan­mä­ßig 6 Minu­ten am Haupt­bahn­hof erschien mir machbar.

Als Ursa­che für die Ver­zö­ge­run­gen mache ich vor allem zwei Din­ge aus: zum einen die Tat­sa­che, dass im Zeit­fens­ter zwi­schen 7.00 und 8.00 Uhr natur­ge­mäß sehr vie­le Men­schen zu Schu­len und Arbeits­plät­zen wol­len, und dafür die Bahn neh­men – was ja auch gut ist – zum ande­ren das alte Wagen­ma­te­ri­al mit gerin­ge­rem Platz­an­ge­bot und stör­an­fäl­li­gen Türen (nicht das ers­te Mal, dass eine im vol­len Zug nicht rich­tig öffnende/​schließende Tür für Pro­ble­me sorgte).

Des­we­gen habe ich zwei Fragen/​Anregungen:

1. Wäre es nicht mög­lich, in der »Rush­hour« die Tak­te noch stär­ker zu ver­dich­ten oder mög­li­cher­wei­se auch zusätz­li­che Ent­las­tungs­bus­se ein­zu­set­zen? Gera­de die 7.xx Uhr-Bah­nen sind immer randvoll.

2. Ich habe den Ein­druck, dass auf der Linie 3 und der Linie 5 ver­stärkt die ältes­tens Model­le ein­ge­setzt wer­den, die weni­ger Platz bie­ten, kei­nen nied­rig­schwel­li­gen Ein­stieg haben und – sie­he oben – stör­an­fäl­lig sind. Stimmt die­ser Ein­druck, und wenn ja, ist geplant, hier etwas zu ändern?

Da ich schon am Schrei­ben bin, noch eine neu­gie­ri­ge drit­te Fra­ge: Was ist der Hin­ter­grund dafür, dass in den neus­ten Zügen die Türen erst mit Ver­spä­tung von eini­gen Sekun­den öff­nen? Das führt näm­lich immer wie­der zu Irritationen …

Ich stel­le die­ses Schrei­ben auch in mei­nen Blog (http://blog.till-westermayer.de) und wür­de mich freu­en, mit Ihrer Ant­wort eben­so ver­fah­ren zu dürfen.

Mit freund­li­chen Grüßen

Till Wes­ter­may­er

Minus zwei Minuten

Symbolbild ICENeu­er­dings gibt es ja eine gesetz­li­che Ver­an­ke­rung dafür, dass die Bahn bei Ver­spä­tun­gen Tei­le der Fahrt­kos­ten erstat­tet. Ab 60 Minu­ten Ver­spä­tung am Ziel­ort müs­sen – auf Antrag, d.h. nach dem Aus­fül­len eines recht lang­wie­ri­gen For­mu­lars – 25 Pro­zent des Fahr­prei­ses erstat­tet werden.

Vor kur­zem war ich mit der Bahn in Bonn. Auf der Rück­fahrt hat­te der Inter­ci­ty von Bonn nach Mann­heim Ver­spä­tung, so dass wir den Anschluss­zug dort ver­pass­ten. Die eigent­lich ange­dach­te Ver­bin­dung wäre um 18:59 Uhr in Frei­burg gewe­sen. Den ICE, den wir dann in Mann­heim neh­men konn­te, hat­te laut Fahr­plan 19:59 Uhr als Ankunftszeit. 

Im ver­spä­te­ten Zug von Bonn ver­teil­te der Zug­be­glei­ter von sich aus Ent­schä­di­gungs­for­mu­la­re. Nach­dem es eine pri­va­te Rei­se war, waren kei­ne Kon­flik­te zwi­schen der insti­tu­tio­nel­len Rei­se­kos­ten­er­stat­tung und der Deut­schen Bahn um Ori­gi­nal­fahr­kar­ten zu erwar­ten. Des­we­gen habe ich das mit der Ent­schä­di­gung mal aus­pro­biert, also das umfang­rei­che For­mu­lar ausgefüllt. 

Heu­te kam nun Post vom »Ser­vice­cen­ter Fahr­gast­rech­te«. Weil kurz vor Frei­burg noch mal mäch­tig beschleu­nigt wur­de, war der Zug zwei Minu­ten zu früh in Frei­burg. Sprich: 19:57 Uhr. Gefühl­te Ver­spä­tung: eine Stun­de. Fak­ti­sche Ver­spä­tung laut »Ser­vice­cen­ter«: 58 Minuten. 

»Wir bedau­ern die Ihnen ent­stan­de­nen Unanehm­lich­kei­ten und bit­ten Sie gleich­zei­tig um Ver­ständ­nis, dass in Ihrem Fall kei­ne Ent­schä­di­gung gezahlt wer­den kann, da wir die gesetz­li­chen Rege­lun­gen zu den Fahr­gast­rech­ten gegen­über allen Kun­den in glei­cher Wei­se anwen­den müssen.« 

Ein klei­nes biß­chen Ver­ständ­nis habe ich ja sogar. Viel­leicht ist es ein blö­der Zufall, dass der ICE gera­de hier mal ein biß­chen zu früh war. Und klar, recht­li­che Gleich­be­hand­lung – das ist schon ein Argument.

Trotz­dem bleibt der Ein­druck haf­ten, dass die recht­li­che Fest­le­gung der Zah­lungs­gren­ze von 60 Min­un­ten als Neben­ef­fekt alle Kulan­zen aus­ge­löscht hat. Zudem gibt es jetzt im Stun­den­takt Anrei­ze, Ver­spä­tun­gen unter die magi­sche Stun­den­gren­ze zu drü­cken, um nur bloß nicht zah­len zu müs­sen. Der rela­tiv büro­kra­tisch Pro­zess der Ent­schä­di­gungs­be­an­tra­gung trägt ein übri­ges zu dem Ein­druck bei, dass die »Fahr­gast­rech­te« von der Bahn weni­ger als Ser­vice den als poli­ti­sches Zuge­ständ­nis gese­hen wer­den, dass es mög­lichst zu umge­hen gilt.

Was bedeu­tet das nun umge­dreht? Tole­ran­te­re War­te­zei­ten, rea­lis­ti­sche Fahr­plä­ne, die auch tat­säch­lich ein­ge­hal­ten wer­den – und ein Halb­stun­den­takt auf den hoch­fre­quen­tier­ten ICE-Stre­cken, beispielsweise.

War­um blog­ge ich das? Weil mich das Ver­hal­ten der Bahn nicht so rich­tig glück­lich macht. Selbst wenn hier völ­lig geset­zes- und regel­kon­form gehan­delt wurde.