Leserbrief zu Schulcontainer statt Biotop

Bezo­gen auf einen Arti­kel in der heu­ti­gen Badi­schen Zei­tung zur Situa­ti­on in der Kandelstraße:

Inter­es­sant, wie unter­schied­lich Din­ge wahr­ge­nom­men wer­den kön­nen. Auch wenn ich es nach­voll­zie­hen kann, dass der Platz benö­tigt wird: Als Anwoh­ner war ich sehr betrübt, als das auf dem jet­zi­gen Con­tai­ner­grund­stück ent­stan­de­ne Wäld­chen eines Tages gero­det wur­de – vor­ab infor­miert wur­den wir nicht, weder durch die Schu­le, noch durch Gemein­de oder Kreis. Ent­fernt wur­den nicht nur zwi­schen­zeit­lich hoch gewach­se­ne, star­ke Bäu­me. Auch Eich­hörn­chen und Igel und vie­le Vogel­ar­ten hat­te ich dort beob­ach­tet: ein Bio­top-Tritt­stein, der jetzt fehlt. 

Zustim­mung aller­dings dann dazu, dass die Kan­del­stra­ße oft zuge­parkt ist und der dicker und brei­ter gewor­de­ne Eltern­ta­xi-Ver­kehr ein Pro­blem dar­stellt. Hier bräuch­te es drin­gend eine muti­ge Lösung. Eine Ein­bahn­re­ge­lung für den Auto­ver­kehr könn­te eine sol­che sein.

Und über Archi­tek­tur mag man strei­ten. Es stimmt jedoch, dass die bei­den Erwei­te­run­gen der Schu­le und die Con­tai­ner eher nach Gewer­be­ge­biet aus­se­hen – die „Krö­nung“ wäre die ange­dach­te Lärm­schutz­mau­er der Bahn, die den letz­ten Blick auf Reb­berg und Roß­kopf ver­sper­ren würde.

Zeit des Virus, Update VII

Blue, blue Black forest

Wie etwas ist, wird ja oft erst hin­ter­her klar. Der Som­mer war eine gro­ße Erleich­te­rung. Doch jetzt sind wir unver­hofft und schlecht vor­be­rei­tet in die zwei­te Wel­le gestol­pert. Da mag die Sai­so­na­li­tät des Virus eine Rol­le gespielt haben. Und dar­über, ob es falsch war, die Gren­ze für har­tes, loka­les Ein­grei­fen erst bei 50 Neu­in­fek­tio­nen pro 7 Tage pro 100.000 Ew zu legen, kann rück­bli­ckend gestrit­ten wer­den. Die Zahl war das Ergeb­nis eines poli­ti­schen Rin­gens. Wenn ich mich recht erin­ne­re, stan­den nied­ri­ge­re Schwel­len im Raum, die aber nicht kon­sen­tier­bar waren in der Kon­fe­renz der Minis­ter­prä­si­den­tin­nen und Minis­ter­prä­si­den­ten (MPK), im Som­mer, als die loka­len Aus­brü­che klar umris­sen und nach­voll­zieh­bar waren.

Das ist jetzt anders. In den letz­ten Tagen färb­ten sich die Deutsch­land­kar­ten in einem Tem­po rot, als ob sie dem Herbst­laub Kon­kur­renz machen wollten. 

„Zeit des Virus, Update VII“ weiterlesen

Kurz: Bildungszeiten

Ein Pro­blem, dass der Bil­dungs­po­li­tik (und ein­ge­schränkt auch der Hoch­schul­po­li­tik) inhä­rent ist, ist die stark ver­zö­ger­te Akti­on – Wir­kung, bei gleich­zei­tig unmit­tel­ba­rer All­tags­be­trof­fen­heit für vie­le Men­schen. Inhalt­li­che Refor­men des Lehr­amtstu­di­ums wir­ken genau­so wie quan­ti­ta­ti­ve Ver­än­de­run­gen bei der Zahl der Lehr­amts­stu­di­en­plät­ze erst fünf, sechs oder sie­ben Jah­re nach den poli­ti­schen wirk­sam. Ein Stu­di­um dau­ert eben.

Ähn­lich sieht es aus, wenn zum Bei­spiel im Grund­schul­un­ter­richt etwas geän­dert wird – egal was, egal in wel­che Rich­tung. Es gibt einen rela­tiv lan­gen Vor­lauf – Ände­rung der Bil­dungs­plä­ne, Fort­bil­dun­gen, neue Mate­ria­li­en – und mög­li­cher­wei­se wer­den Fol­gen erst beim Über­gang in die wei­ter­füh­ren­de Schu­le oder gar erst im wei­te­ren Schul­ver­lauf sicht­bar. Auch hier reden wir also von zeit­li­chen Ver­zö­ge­run­gen zwi­schen Akti­on und Wir­kung von Jah­ren bis Jahrzehnten.

Poli­tik fin­det in Legis­la­tur­pe­ri­oden statt (vier oder fünf Jah­re), tages­ak­tu­ell wer­den noch viel kür­ze­re Zeit­ho­ri­zon­te ein­ge­for­dert – jetzt ist das Stu­di­en­ergeb­nis X da, jetzt muss sofort reagiert wer­den. Fak­tisch führt das zu einer per­ma­nen­ten Über­steue­rung in der Schul­po­li­tik, durch didak­ti­sche Mode­wel­len und Angst vor auf­ge­brach­ten Eltern noch ver­stärkt. Kon­train­tui­tiv wäre hier also zum einen lang­sa­me­res und gelas­se­nes – dafür breit auch über poli­ti­sche Lager hin­weg kon­sen­tier­tes – Han­deln sinn­voll, zum ande­ren – sagt mir der Blick auf die Arbeits­wis­sen­schaft – eine Stär­kung loka­ler Kom­pe­ten­zen, Ent­schei­dungs­spiel­räu­me, Res­sour­cen und „Puf­fer“, um Ver­wer­fun­gen kurz­fris­tig in den Schu­len auf­fan­gen zu kön­nen, ohne am gro­ßen Rad der Bil­dungs­po­li­tik zu drehen.

Photo of the week: R. erklärt, was mit dem Holz gemacht wurde

R. erklärt, was mit dem Holz gemacht wurde

 
Ges­tern haben hier die Som­mer­fe­ri­en ange­fan­gen. Und auch wenn die Kita noch ein paar Tage län­ger auf hät­te, heißt das für uns: Die Kin­der­gar­ten­zeit für R. ist jetzt zu Ende, im Herbst geht es in der Schu­le wei­ter. Das ist schon ein Ein­schnitt – schließ­lich war R. jetzt eini­ge Jah­re vor­mit­tags wie nach­mit­tags jede Woche in der städ­ti­schen Kita gewe­sen, anders als sei­ne älte­re Schwes­ter, die nur vor­mit­tags (im Wald­kin­der­gar­ten) war. 

Zum Abschied gab es unter ande­rem den Port­fo­lio-Ord­ner mit nach Hau­se (sowas hät­te ich ger­ne aus mei­ner eige­nen Kin­der­gar­ten­zeit), und beim Durch­blät­tern wird noch ein­mal deut­lich, wie viel­fäl­tig die Pro­jek­te waren, und wie sehr sich die Erzie­he­rIn­nen indi­vi­du­ell um jedes Kind geküm­mert haben. Auch, wie viel den Kin­dern zuge­traut wur­de. Apro­pos Pro­jek­te: Ein Allein­stel­lungs­merk­mal der Kita Rie­sel­feld sind die Kunst­pro­jek­te (einen Ein­druck geben die Fotos aus 2013, 2014 und 2015).

Ab Herbst dann also Schu­le – das wird anders, und ich bin gespannt, wie R. damit klar­kom­men wird.