Experimenteller Technikoptimismus – Update 2017

Man with dog III

Judith Hor­chert, Mat­thi­as Kremp und Chris Stö­cker schrie­ben vor zwei Jah­ren über fünf Tech­no­lo­gien, die unse­ren All­tag rasant ver­än­dern wer­den. Ich war skep­tisch, ob Robo­tik, auto­no­me Fahr­zeu­ge, künst­li­che Intel­li­genz, VR und auto­ma­ti­sche Über­set­zun­gen »on the fly« sich wirk­lich so schnell durch­set­zen wer­den, wie Hor­chert, Kremp und Stö­cker das damals vermuteten.

Vor einem Jahr habe ich mir den dama­li­gen Ent­wick­lungs­stand ange­schaut. Mein dama­li­ges Fazit:

Vor einem Jahr war ich noch sehr skep­tisch, dass es hier tat­säch­lich zu Durch­brü­chen kommt und ent­spre­chen­de Tech­no­lo­gien – von den Robo­tern bis zur all­ge­gen­wär­ti­gen KI – Ein­zug in den All­tag fin­den und sich auch tat­säch­lich durch­set­zen. Gera­de was die Sprach- und Bil­d­er­ken­nung angeht, und alles, was dar­auf auf­baut, ist in den letz­ten Mona­ten extrem viel passiert. 

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Experimenteller Technikoptimismus – Update 2016

Deep Dream Dreamscope
Deep Dream Dreamscope, Jes­si­ca Mul­len, Public Domain

Vor einem Jahr schrieb ich eine kur­ze Aus­ein­an­der­set­zung mit einem Arti­kel, den Judith Hor­chert, Mat­thi­as Kremp und Chris­ti­an Stö­cker damals bei Spie­gel online ver­öf­fent­licht hat­ten. In dem Arti­kel sind fünf Pro­gno­sen dazu zu fin­den, wel­che Tech­no­lo­gien in naher Zukunft unse­ren All­tag ver­än­dern wer­den. Ich fand das damals alles arg unwahr­schein­lich, und hat­te ver­spro­chen, ein Jahr spä­ter (usw.) nach­zu­schau­en, wie es denn jeweils um den Stand der Tech­nik steht. Mit ein paar Tagen Ver­spä­tung hier nun mein ers­ter Blick auf den Stand der Dinge.

The­men­feld eins bei Hor­chert et al. war die Robo­tik. Dazu schrie­ben sie: »Künf­tig aber dürf­ten Maschi­nen, die schein­bar auto­nom einem oder gleich meh­re­ren Zwe­cken die­nen, sich zuneh­mend in unse­rem All­tag breit­ma­chen. Als schwei­gen­de Hel­fer in Kran­ken­häu­sern, als Lager­ar­bei­ter im Couch­tisch-For­mat oder als Ein­park­hel­fer. Vom Staub­sauger, Fens­ter­put­zer, über Lie­fer­droh­nen bis hin zu huma­no­iden Maschi­nen wie Bax­ter, die in Fabrik­be­trie­ben diver­se Auf­ga­ben übernehmen.«

In mei­nem All­tag sind noch kei­ne auto­no­men Robo­ter auf­ge­taucht. Aber ich gebe zu, dass Staub­saugero­bo­ter und Droh­nen in den letz­ten zwölf Mona­ten an Selbst­ver­ständ­lich­keit gewon­nen haben. Und Fil­me wie »Ex Machi­na« brach­ten im letz­ten Jahr die Aus­ein­an­der­set­zung um nicht­mensch­li­che, men­schen­ähn­li­che Maschi­nen auch in die Populärkultur.

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Experimenteller Technikoptimismus

Street art computer

Die Zukunft vor­her­zu­sa­gen, ist noto­risch schwie­rig. Den­noch wird es – die Geschich­te des Retro­fu­tu­ris­mus eben­so wie der apo­ka­lyp­ti­schen War­nun­gen zeugt davon – immer wie­der ver­sucht. Judith Hor­chert, Mat­thi­as Kremp und Chris Stö­cker ver­su­chen es heu­te auf Spie­gel Online mit einem Stück zu Fünf Tech­no­lo­gien, die unse­ren All­tag ver­än­dern wer­den.

Mit etwas tech­nik­so­zio­lo­gi­schem Bauch­ge­fühl aus­ge­stat­tet füh­le ich mich hier zum Wider­spruch ange­sta­chelt. Ich hal­te es für unwahr­schein­lich, dass sich die fünf von Spie­gel Online beschrie­be­nen digi­ta­len Tech­no­lo­gien in den nächs­ten sagen wir mal fünf Jah­ren weit in den gesell­schaft­li­chen All­tag hin­ein ver­brei­ten wer­den. Zu oft sind genau in die­sen Berei­chen schon Revo­lu­tio­nen aus­ge­ru­fen wor­den. Und trotz der Ver­wei­se auf das Moo­re­sche Gesetz, auf stei­gen­de Rechen­power, Durch­brü­che in Robo­tik und neu­ro­na­len Netz­wer­ken hal­te ich es für unwahr­schein­lich, dass es bei all die­sen fünf Tech­no­lo­gien nicht nur zu tech­ni­schen Durch­brü­chen kommt (Pro­to­ty­pen gibt es), son­dern auch gesell­schaft­lich durch­set­zungs­fä­hi­ge Anwen­dungs­mo­del­le gefun­den wer­den. Das Video­te­le­fon oder die Leucht­stoff­röh­re lie­fern hier inter­es­san­te Beispiele.

Aber viel­leicht ist das auch nur mein zuneh­men­der Kon­ser­va­ti­vis­mus – schließ­lich habe ich die für die Offen­heit für neue Tech­no­lo­gien magi­sche Gren­ze von 30 Jah­ren schon län­ger über­schrit­ten. Kurz­um: Wer recht hat, wird sich in den nächs­ten Jah­ren zei­gen. Des­we­gen habe ich eine Rei­he von lee­ren Erin­ne­rungs­ar­ti­keln ange­legt, die Wor­d­Press im Abstand von jeweils einem Jahr auto­ma­tisch pos­ten wird – mit der Auf­for­de­rung, mal nach­zu­schau­en, wie es um die Durch­set­zung der jewei­li­gen Tech­no­lo­gien bestellt ist.

Und weil nicht klar ist, ob es den SpOn-Arti­kel dann noch geben wird, lis­te ich die Pro­gno­sen von Hor­chert et al. hier noch ein­mal auf:

  1. Robo­tik: »Künf­tig aber dürf­ten Maschi­nen, die schein­bar auto­nom einem oder gleich meh­re­ren Zwe­cken die­nen, sich zuneh­mend in unse­rem All­tag breit­ma­chen. Als schwei­gen­de Hel­fer in Kran­ken­häu­sern, als Lager­ar­bei­ter im Couch­tisch-For­mat oder als Ein­park­hel­fer. Vom Staub­sauger, Fens­ter­put­zer, über Lie­fer­droh­nen bis hin zu huma­no­iden Maschi­nen wie Bax­ter, die in Fabrik­be­trie­ben diver­se Auf­ga­ben übernehmen.«
  2. Selbst­fah­ren­des Auto: »Dass man sich in sechs bis acht Jah­ren per App ein Taxi ohne Fah­rer wird bestel­len kön­nen, darf als sicher gel­ten. Und auf Lkw-Rast­plät­zen an Auto­bah­nen könn­te es mit­tel­fris­tig merk­lich lee­rer werden.«
  3. Vir­tu­el­le Rea­li­tät: »Schon in weni­gen Jah­ren wird man im Zug oder im Flug­zeug Men­schen mit VR-Gerät am Kopf statt mit Lap­top oder Tablet als Film­ab­spie­ler antref­fen. Und es wer­den Unter­hal­tungs­for­ma­te ent­ste­hen, die wir uns noch gar nicht vor­stel­len können.«
  4. Auto­ma­ti­sche Über­set­zung on the fly: »Schon bald dürf­te es nor­mal sein, dass Tou­ris­ten in Japan, Spa­ni­en oder Kroa­ti­en ein­fach die Sät­ze in ihre Smart­pho­nes spre­chen, die sie sagen möch­ten. Das Han­dy über­setzt die Ant­wor­ten dann ebenfalls.«
  5. Künst­li­che Intel­li­genz: »Die digi­ta­le Lebens­welt der Zukunft braucht noch ein Betriebs­sys­tem. Die­se Auf­ga­be wird aller Wahr­schein­lich­keit nach die Tech­no­lo­gie über­neh­men, die man heu­te Künst­li­che Intel­li­genz (KI) nennt. In eini­gen Jah­ren wird man ver­mut­lich nur noch ›Com­pu­ter‹ oder ›Tele­fon‹ zu ihr sagen.«

Soweit die Pro­gno­sen. Am 14. Febru­ar 2016 wer­de ich dann zum ers­ten Mal nach­schau­en, was jeweils der Stand die­ser Tech­no­lo­gien ist. Ich bin gespannt.

War­um blog­ge ich das? Als klei­nes Expe­ri­ment zum The­ma Lang­zeit­blog­gen und Techniksoziologie.