heute-show angeschaut

Behind the surface

Auch als Reak­ti­on auf die­se sehr emp­feh­lens­wer­te Aus­ein­an­der­set­zung mit der zwi­schen Kli­schee und Kaba­rett schwan­ken­den heu­te-show habe ich mir deren letz­te Aus­ga­be (6. Juni 2014) mal etwas genau­er ange­schaut. Was pas­siert in der guten hal­ben Stun­de, in der Oli­ver Wel­ke die Poli­tik der ver­gan­ge­nen Woche aufs Korn nimmt?

Fest­stel­len lässt sich zunächst ein­mal, dass die Anzahl der The­men beschränkt ist. In der Aus­ga­be vom 6. Juni waren es, je nach­dem, wie gezählt wird, sechs oder sie­ben The­men, die zur Spra­che gekom­men sind. (Wobei die The­se, dass hier The­men bear­bei­tet wer­den, auch nicht ganz unter­hin­ter­fragt gelas­sen wer­den kann, aber dazu unten mehr). Die Sen­dung war jeden­falls wie folgt aufgebaut:

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Kurz: Bahn paradox (Update)

Wäh­rend Face­book sei­nen AGB-Super­gau gera­de noch ein­mal so über­stan­den hat (Rück­nah­me der strit­ti­gen Rege­lung, Ein­be­zug der Face­book-Nut­ze­rIn­nen in die Ent­wick­lung einer neu­en AGB), kann die Deut­sche Bahn AG unter Meh­dorn nur noch als Anlass für Kopf­schüt­teln die­nen. Über 12.000 Leu­te haben sich bis­her an der Akti­on von Cam­pact betei­ligt, Herrn Meh­dorn zum Rück­tritt aufzufordern.

Heu­te kam dann die Ant­wort­mail, der Absen­der »hartmut___mehdorn@bahn.de« ver­hei­ßungs­voll. Wenn’s kein Fake ist, ist die Bahn völ­lig über­ge­schnappt – und reagiert mit einer Stan­dard-Adress­fisch-Wer­be­mail auf die Pro­tes­te. Im Wort­laut heißt es im Ant­wort­schrei­ben nämlich:

Ant­wort: Es reicht, Herr Mehdorn!

Sehr geehr­te Dame, sehr geehr­ter Herr,

vie­len Dank für Ihr Inter­es­se an unse­rem Unternehmen.

Der Win­ter zeigt sich auf bahn.de die­ses Jahr von sei­ner ganz beson­de­ren Sei­te. Nicht nur mit tol­len neu­en Ange­bo­ten, wie z.B. dem Dau­er-Spe­zi­al mit Bahn­Card-Rabatt für alle Bahn­Card 25-Inha­ber oder auch dem Lon­don-Spe­zi­al ab 49,- Euro für Ihr ganz per­sön­li­ches Win­ter­wo­chen­en­de in der quir­li­gen Metro­po­le Groß­bri­tan­ni­ens. Auch eini­ge Tipps für Ihren Ski- und Win­ter­aus­flug haben wir für Sie parat. Wie wäre es bei­spiels­wei­se mit einem Win­tercan­yo­ning-Wochen­en­de in den All­gäu­er Hoch­al­pen?! Die Bahn bringt Sie hin. Viel Ver­gnü­gen bei Ihrer nächs­ten Bahn­rei­se wünscht Ihnen

die Deut­sche Bahn AG

Das erscheint mir nicht ganz als der rich­ti­ge Text­bau­stein. Anders gesagt: eine Frech­heit. Zumin­dest hät­ten ’se den Daten­be­stand ja mal abglei­chen kön­nen – als Bahn­Card-50-Kun­de im bahn-com­fort-Bereich soll­te ich ja schon in irgend­wel­chen Daten­ban­ken erfasst sein. Übri­gens: ich fah­re ger­ne Bahn – aber eigent­lich lie­ber nicht mit hun­der­ten von Spe­zi­al­an­ge­bo­ten, son­dern all­tags, zu güns­ti­gen Tari­fen und in kom­for­ta­blen und gut ver­tak­te­ten Zügen.

Update: Ich sehe gera­de, dass cam­pact schon vor ein paar Tagen dar­über gebloggt hat, dass ande­re Akti­vis­tIn­nen eine noch skur­ri­le­re Mail erhal­ten haben. Über dem Wer­be­block war da wohl noch die Zei­le »Ich wer­de ab dem 13.02.2009 bis zum 30.04.2009 außer Haus sein.« eingefügt.

Kurz: Virales Marketing für Bahnspionage (Update 6: Nachbesprechung)

2008/​09 ist das Dop­pel­jahr der Daten­schutz­skan­da­le. Nach Lidl und der Tele­kom kam die Bahn dran, die ihre eige­nen Mit­ar­bei­te­rIn­nen beschat­te­te. Natür­lich kann so ein The­ma an einem netz­po­li­ti­schen Blog nicht vor­bei­ge­hen. Mar­kus Becke­dahl hat des­we­gen auf netzpolitik.org u.a. ein ihm anonym zuge­schick­tes Doku­ment ver­öf­fent­licht, in dem es um ein Gespräch des Ber­li­ner Daten­schutz­be­auf­trag­ten mit der DB-Füh­rung geht. Der Bahn scheint die bis­he­ri­ge Auf­merk­sam­keit, die auf ihr Daten­schutz­pro­blem (und auf die Unein­sich­tig­keit von Har­mut »Ich wür­de es wie­der machen« Meh­dorn) gelenkt wird, nicht zu rei­chen. Was machen sie also? netzpolitik.org eine Abmah­nung schi­cken, die prompt zu der gewünsch­ten vira­len Auf­merk­sam­keits­ge­ne­rie­rung führt. 

Mei­ne Pro­gno­se: selbst wenn Mar­kus sich gew­zun­gen sieht, den Text zu ent­fer­nen – auf irgend­wel­chen Pfa­den wird das Memo garan­tiert bei Wiki­leaks auf­tau­chen. Erfolg für die Bahn im Sin­ne einer Kon­trol­le ihres öffent­li­chen Images also: keiner.

Update: Laut Riv­va berich­tet inzwi­schen (17:28) – gera­de mal gut zwei Stun­den nach dem Ori­gi­nal­pos­ting – min­des­tens 22 Blogs über Mar­kus‹ Abmah­nung, dazu kom­men mehr als hun­dert Tweets. Einen beson­de­ren Hin­weis ver­dient hat das Inter­view, das Julia See­li­ger mit Mar­kus dazu geführt hat. 

Update 2: Wei­te­re 15 Minu­ten spä­ter ist auch hei­se mit dabei.

Update 3: (4.2.2002) Mar­kus fasst zusam­men, was in den Stun­den nach der Ver­öf­fent­li­chung alles pas­siert ist – inkl. umfang­rei­chem Pres­se­spie­gel. Ein­drucks­voll auch die lan­ge, lan­ge Feed­back-Lis­te. Und eine Face­book-Grup­pe »Meh­dorn muss weg« gibt’s jetzt auch.

Update 4: Recht­li­che Bewer­tung der Abmahn­ak­ti­on bei Tele­me­di­cus, und Kopien des Doku­ments nicht nur bei Pira­te Bay etc., son­dern auch bei Toni Hof­rei­ter MdB und bei Vol­ker Beck MdB (bei­de Grü­ne). Sehr gut! (Auch, dass Vol­ker Beck es nicht beim The­ma­ti­sie­ren im Web belas­sen hat, son­dern gleich mal eine münd­li­che Anfra­ge an die Bun­des­re­gie­rung dazu gestellt hat.)

Update 5: (6.2.2009) Netz­po­li­ti­sche Soli­da­ri­sie­rung und die dadurch ver­ur­sach­ten Medi­en­be­rich­te bis hin zum taz-Titel­the­ma schei­nen gehol­fen zu haben – die DB AG möch­te »die Sache« wohl nicht wei­ter verfolgen.

Update 6: (8.2.2009) Auch wenn ich nicht jeden Punkt so tei­le, fin­de ich die post-mor­tem-Ana­ly­se von Ralf Bend­rath sehr lesens­wert. Ein biß­chen zu kurz kommt mir dabei aller­dings die Wür­di­gung der »Emer­genz eines Hin­ter­grundau­s­chens viel­fa­cher poli­ti­scher Empö­rung, dass das kon­kre­te – und auch in die­sem Fall letzt­lich poli­ti­sche – Han­deln erst glaub­wür­dig wer­den lässt«, wie ich in einem Kom­men­tar dazu schrei­be. Erst die Mög­lich­keit risi­ko­lo­sen Soli­da­ri­täts­ak­ti­vis­mus ermög­licht die rasan­te und schnel­le Akti­vie­rung des Web2.0‑Netzwerks – die wie­der­um zur Kulis­se wird, vor der sym­bol­po­li­tisch und in direk­ter Ver­hand­lung agiert wer­den kann.