SF im Sommer 2022

Almost there

Der Som­mer ist zwar noch nicht zu Ende – hier in Baden-Würt­tem­berg haben die Som­mer­fe­ri­en gera­de erst vor ein paar Tagen ange­fan­gen – aber den­noch haben sich bereits eine gan­ze Rei­he von gele­se­nen und ange­schau­ten Wer­ken der SF ange­sam­melt, auf die ich ger­ne hin­wei­sen möchte.

Audio­vi­su­ell: ich höre ja kei­ne Pod­casts, habe aber fest­ge­stellt, dass es im SF-Fan-Bereich eini­ges gibt (Geek’s Gui­de to the Gala­xy, Retro Rocket, …) – mal sehen, viel­leicht wird da doch noch das eine oder ande­re regel­mä­ßig gehör­te For­mat dar­aus. Wobei ich auch immer wie­der fest­stel­le, dass das typi­sche Pod­cast-For­mat »Zwei Leu­te reden« nicht unbe­dingt meins ist. Eine Per­son, die mit wenig drum­her­um – und ohne Radio­fea­ture­per­fek­ti­on – etwas erzählt, gefällt mir meist bes­ser. Falls da irgend­wer Emp­feh­lun­gen im SF-Bereich hat, ger­ne her damit.

Noch ein Abo­ser­vice, Apple TV, dann läuft’s noch nicht mal auf dem gro­ßen Bild­schirm. Trotz­dem hat mir die Serie For All Man­kind (2019 ff.) bis dato gut gefal­len; ich bin jetzt etwa bei der Hälf­te der 2. Staf­fel. Die ers­te Staf­fel erin­ner­te da und dort stark an Mary Robi­net­te Kow­al Lady-Astro­naut-Rei­he. Wir star­ten in den 1960ern, im Unter­schied zur rea­len Geschich­te set­zen hier die Sowjets den ers­ten Fuß auf den Mond. Dar­aus ent­wi­ckelt sich ein space race, dass viel mäch­ti­ger wird, als es in unse­rer Welt je war, mit Mond­ba­sis und Plä­nen für den Mars. Die­ses Ren­nen um die »Erobe­rung« des Welt­alls – als har­te, rea­lis­ti­sche SF gezeigt – bie­tet jedoch nur den Hin­ter­grund für die Lebens­ge­schich­ten von fünf, sechs oder sie­ben Personen/​Familien mit allen Dys­funk­tio­na­li­tä­ten und Pro­ble­men. Neben einem Hauch Dallas/​Denver Clan kommt viel Poli­tik und Zeit­ge­schich­te vor – Eman­zi­pa­ti­on, Ras­sis­mus, eine aus begrün­de­ter Angst nur im ver­bor­ge­nen statt­fin­den­de les­bi­sche Lie­bes­ge­schich­te usw. Die ers­te Staf­fel spielt in den spä­ten 1960ern/​frühen 1970ern vor dem Hin­ter­grund des Viet­nam-Kriegs, die zwei­te dann Mitte/​Ende der 1980er Jah­re, mit einer ent­spre­chend ange­pass­ten Ästhe­tik und – dank einer guten Mas­ke – rea­lis­tisch geal­ter­ten Figu­ren sowie nach und nach immer mehr Abwei­chun­gen von unse­rer Zeit­li­nie (klar, dass der Fokus auf den Welt­raum auch in ande­re Berei­che ausstrahlt).

Ganz anders die SF-Komö­die Big­Bug (2022) – ein Film von Jean-Pierre Jeu­net, der mit Die fabel­haf­te Welt der Amé­lie bekannt wur­de. Statt in eine ver­klär­te fran­zö­si­sche Ver­gan­gen­heit geht es hier in eine absurd über­dreh­te Zukunft, in der Robo­ter und Andro­ide für die durch­ge­styl­te Klein­fa­mi­lie min­des­tens so wich­tig sind wie flie­gen­de Autos und voll­au­to­ma­ti­sier­te Ein­fa­mi­li­en­häus­chen. Wer eine ernst­haf­te Aus­ein­an­der­set­zung mit KI oder ähn­li­chem erwar­tet, ist hier fehl am Platz; wer sich auf bun­te Kos­tü­me, absur­de Cha­rak­te­re und einen immer wil­der wer­den­den Plot ein­las­sen kann, wird sich vergnügen.

Wie­der gele­sen habe ich Samu­el Dela­neys Babel 17 (1966), nach­dem ich zufäl­lig – auf Twit­ter, wo auch sonst – auf eine Rezen­si­on von Jo Walton aus dem Jahr 2009 gesto­ßen bin, in der sie her­vor­hebt, wie modern die­ser Roman ist – mit einer weib­li­chen Haupt­per­son, einem gegen die Gewohn­hei­ten der Mili­ta­ry SF rea­lis­tisch gezeich­ne­ten Krieg zwi­schen zwei Mäch­ten, vie­len Ideen über den Zusam­men­hang zwi­schen Spra­che, Erkennt­nis und Pro­gram­mie­rung, lin­gu­is­ti­schen Expe­ri­men­ten, Drei­er-Lie­bes­be­zie­hun­gen als ein stan­dard­mä­ßig not­wen­di­ger Bestand­teil von Raum­schiff­be­sat­zun­gen und der­glei­chen mehr. Für heu­ti­ge Ver­hält­nis­se ein dün­nes, schnell gele­se­nes Buch, das völ­lig zu recht wei­ter erhält­lich ist. Und ein Anlass, über die Pen­del­be­we­gung der Geschich­te und nie enden­de Kämp­fe um gesell­schaft­li­chen Fort­schritt nachzudenken.

Eben­falls lei­der nur ein dün­nes Buch, aber dafür sehr gegen­wär­tig, ist Becky Cham­bers A Pray­er for the Crown-Shy (2022). Der Titel bedarf viel­leicht einer Erläu­te­rung – kro­nen­scheu bezieht sich hier auf die Bäu­me, die neben­ein­an­der wach­sen, sich aber nie berüh­ren. Das Buch ist der zwei­te Band ihrer Monk-and-Robot-Rei­he. Wäh­rend im ers­ten Teil Dex in die Wild­nis gegan­gen ist und dort dem Robo­ter Mos­s­cap begeg­ne­te – einem Über­bleib­sel einer ver­ges­se­nen indus­tri­el­len Zeit die­ser post­in­dus­tri­el­len Zivi­li­sa­ti­on -, geht es nun den ande­ren Weg: Dex wird zu Mos­s­caps Reiseleiter*in/Weggefährt*in/Anthropolog*in auf dem Weg durch Pan­ga. Die­ser Kunst­griff im Sin­ne Gar­fin­kels ermög­licht es Cham­bers, uns zu zei­gen, wie Pan­ga – viel­leicht eine Uto­pie? – funk­tio­niert und wie die Men­schen hier in Gemein­schaf­ten leben. Viel pas­siert in die­sem Buch nicht. Dex und Mos­s­cap rei­sen durch eini­ge Orte, reden mit­ein­an­der, phi­lo­so­phie­ren. Und trotz­dem oder genau des­we­gen ist die­ses ent­spann­te Buch genau das rich­ti­ge für unse­re sehr gegen­tei­li­ge Zeit.

The­ma­tisch ein biss­chen ähn­lich – aber viel action­rei­cher – ist Osmo Unknown and the Eight­pen­ny Woods (2022) von Cathe­ryn­ne Valen­te, ein sehr schön geschrie­be­nes Jugend­buch. Die Rei­se­grup­pe besteht hier aus dem Teen­ager Osmo Unknown aus einem welt­ab­ge­schie­de­nen Dorf sowie aus einem unhöf­li­chen Dachs und dem men­schen­scheu­en Pan­go­lin-Mäd­chen Never aus dem Wald. Nach einem schreck­li­chen Ereig­nis müs­sen die drei die Unter­welt der Eight­pen­ny Woods fin­den – und am Schluss her­aus­fin­den, was es mit der Hoch­zeit von Wald und Tal auf sich hat. Sti­lis­tisch ähnelt das Buch den Fai­ry­land-Büchern von Valen­te mit sur­rea­len Ele­men­ten, die in der Logik der Geschich­te aber voll­kom­men not­wen­dig sind. Mit A Pray­er for the Crown-Shy hat die Ent­ste­hungs­ge­schich­te, wäh­rend der Pan­de­mie geschrie­ben wor­den zu sein, gemein­sam – und viel­leicht des­we­gen den uto­pi­schen Unter­ton, die Fra­ge nach dem Glau­ben an eine soli­da­ri­sche Menschheit. 

Last Exit (2022) von Max Glad­stone ist auf den ers­ten Blick eine typi­sche ame­ri­ka­ni­sche Fan­ta­sy-Road-Saga im Stil von Ame­ri­can Gods, auch wenn die Stra­ße hier und dort durch düs­te­re Schre­ckens­wel­ten statt durch Wüs­ten und Can­yons führt. Auf den zwei­ten Blick geht es dar­um, wie Men­schen damit leben kön­nen, zu ent­de­cken, dass aus mathe­ma­tisch-magi­schen Par­al­lel­wel­ten die Apo­ka­lyp­se droht, und beim Ver­such, etwas dage­gen zu unter­neh­men – noch auf der Uni -, zunächst ein­mal schei­tern. Die Geschich­te spielt eini­ge Jah­re spä­ter, als Zel­da Qiang ihre dama­li­gen Freund*innen aus den inzwi­schen eta­blier­ten Lebens­wel­ten reißt, um es ein zwei­tes Mal zu ver­su­chen. Neben­bei ist Last Exit eine Com­ing-of-Age-Geschich­te, eine Geschich­te über Ver­rat, und eine Geschich­te dar­über, wie es ist, dro­hen­des Unheil lie­ber zu igno­rie­ren. Da lie­ßen sich dann Par­al­le­len zu unse­rer Zeit mul­ti­pler Kri­sen finden.

Etwas rat­los hat mich The City Insi­de (2022) von Samit Basu zurück­ge­las­sen. Das ist eigent­lich ein Roman über Social Media, in ein Indien/​Delhi etwas in der Zukunft gelegt. Die auf­ge­bau­te Welt ist ein­drucks­voll – »Rea­li­ty Pro­du­cer« mana­gen das per­fek­tio­nier­te Leben von »Flow«-Stars, wäh­rend die Luft vor der Tür so heiß und toxisch ist, dass Atem­schutz­mas­ke und Kühl­pack not­wen­dig sind, um kli­ma­ti­sier­te Räu­me zu ver­las­sen. Unter­schied­lichs­te Rea­li­tä­ten, Kas­ten, Klas­sen kreu­zen sich. Die Super­rei­chen spie­len Intri­gen aus, die Regie­rung ist tota­li­tär, im Unter­grund gibt es einen semi-kri­mi­nel­len Wider­stand. Und mit Joey haben wir eine span­nungs­rei­che und leben­di­ge Haupt­per­son. Trotz­dem passt das alles am Schluss nicht zusam­men, das Buch bricht abrupt ab, ohne zu einer Auf­lö­sung zu kom­men, und auch die »dele­ted sce­nes« – ist es das Kapi­tel 10, oder sind es tat­säch­lich dele­ted sce­nes – hel­fen nicht wirk­lich wei­ter. Das hät­te mehr sein können.

Eben­falls irri­tie­rend, aber doch eher posi­tiv irri­tie­rend, fand ich Dark Fac­to­ry (2022) von Kathe Koja. In einem Satz wür­de ich sagen: eine schwu­le Lie­bes­ge­schich­te in der durch ubi­qui­tä­re vir­tu­el­le Rea­li­tät noch ein­mal ganz anders gewor­de­nen urba­nen DJ- und Club-Sze­ne der Zukunft gekreuzt mit einem Hauch magi­schem Rea­lis­mus. Inter­es­san­te Haupt­per­so­nen. Und ein sehr eige­ner Schreib­stil mit Sze­nen­wech­seln mit­ten im Satz, eini­gen Neo­lo­gis­men, die nicht erklärt wer­den (wie über­haupt hier nichts erklärt wird), ein dem Gegen­stand ange­mes­se­nes Tem­po. Nett: in die­ser Zukunft scheint deut­sche Kul­tur gera­de hip zu sein, zumin­dest bei der Benen­nung von Cafes, Clubs und Blu­men­lä­den in bei­spiels­wei­se London. 

Herbstlektüre 2021

Es folgt – wie immer in unre­gel­mä­ßi­gen Abstän­den – ein Update dazu, was ich in den letz­ten Wochen/​Monaten so gele­sen bzw. ange­schaut habe, also im Bereich Sci­ence Fic­tion und Fantasy. 

Wenn ich mit dem Audio­vi­su­el­len anfan­ge, dann hat mir die Ani­ma­ti­ons­se­rie Insi­de Job (Net­flix) recht gut gefal­len. Dys­funk­tio­na­les Team ver­sucht, in einer der für die Ver­de­ckung von Ver­schwö­run­gen aller Art zustän­di­gen gehei­men Fir­men genau das zu tun, und hat damit mehr oder weni­ger Erfolg. Der eine oder ande­re Scherz mag vor­her­seh­bar sein, ins­ge­samt scheint mir die­se Art von apo­ka­lyp­ti­schem Humor ganz gut ins Jahr 2021 zu passen.

Nur teil­wei­se begeis­tert bin ich dage­gen von Jona­than Stran­ge & Mr Nor­rell (Prime), der Seri­en­ver­fil­mung des Buchs von Susan­na Clar­ke. An und für sich ist die Serie gut gemacht – es geht um die Wie­der­kehr (oder auch nicht) der Magie im frü­hen 19. Jahr­hun­dert in Eng­land, mit peri­oden­ty­pi­schen Kos­tü­men, Aus­stat­tun­gen usw. Aber irgend­wie passt die Serie nicht zu mei­ner (atmo­sphä­ri­schen) Erin­ne­rung an das Buch. 

Ach ja. Dune. Die Neu­ver­fil­mung habe ich mir auch ange­schaut (im Stream, nicht auf der gro­ßen Lein­wand), und … hm. Die Ver­fil­mung ist sehr nah an dem Buch von Frank Her­bert, umfasst aber nur den ers­ten Teil des ers­ten Buchs der Serie. Und eigent­lich ist damit auch schon das größ­te Pro­blem ange­spro­chen: 2 1/​2 Stun­den lang geht es um Expo­si­ti­on, die Vor­ge­schich­te wird ange­deu­tet, die ein­zel­nen Akteu­re wer­den vor­ge­stellt, und in der zwei­ten Hälf­te des Films in die bekann­te kri­sen­haf­te Aus­gangs­si­tua­ti­on in der Wüs­te gebracht, auf der der Rest von Dune auf­baut. Sehr schö­ne Bil­der, ins­be­son­de­re die Archi­tek­tur – auch die der bru­ta­lis­ti­schen Beton-Raum­schif­fe – hat mir gut gefal­len. Die Schauspieler:innen machen ihre Sache gut. In der Sum­me, abge­se­hen von ein paar Moder­ni­sie­run­gen, aber letzt­lich gar kei­ne so gro­ße Dif­fe­renz zwi­schen Lynch und Villeneuve. 

Zu den Büchern. 

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Science Fiction und Fantasy – Mai/​Juni 2021

Der Früh­ling ist mit die­ser Woche end­gül­tig vor­bei, die Tage wer­den wie­der kür­zer, und es wird Zeit, mal zu gucken, was ich im Mai und Juni gele­sen habe.

  • Ich fan­ge mit zwei »Angeguckt«-Dingen an: zum einen die Net­flix-Serie Shadow and Bone, die mir sehr gut gefal­len hat. Die Buch­vor­la­ge ken­ne ich nicht, inso­fern kann ich nichts zur Umset­zung sagen, aber die­se in einem Second-World-19.-Jahrhundert mit Russ­land- und Süd­ost­asi­en-Äqui­va­len­ten spie­len­de Geschich­te – Magie, ein biss­chen Com­ing of Age, Heists und Groß­mäch­te. Lei­der bis­her nur eine Staf­fel, wür­de ger­ne wis­sen, wie es weitergeht.
  • Eben­falls ange­schaut (und noch längst nicht fer­tig): die Pre­quel Star Trek: Enter­pri­se. 20 Jah­re alt, was den Effek­ten teil­wei­se anzu­se­hen ist, aber inter­es­san­ter, als ich das gedacht habe – bis­her ist die Serie an mir vor­bei­ge­gan­gen. Schön zu sehen, wie eini­ges von dem, was Star Trek aus­macht, hier noch nicht oder nur in ers­ten Ker­nen und Kei­men existiert.
  • Dann zu den Büchern: von K. Par­ker habe ich die Engi­neer-Tri­lo­gie gele­sen, und zwar alle drei Bän­de, obwohl ich hin- und her­ge­ris­sen war, wie ich das fin­den soll. Ein detail­liert aus­ge­mal­tes Spät­mit­tel­al­ter/­F­rü­he-Neu­zeit-Set­ting, bis hin zu Zita­ten aus fik­ti­ven Büchern, inter­es­san­te Kon­flik­te, das über­grei­fen­de The­ma »Sozio­tech­nik« – aber doch alles sehr mili­tä­risch aus­ge­rich­tet, und en pas­sant mit Geno­zid und Mas­sen­mord ange­rei­chert. Hm.
  • Noch ein Klas­si­ker: ich habe end­lich mal Octa­via But­lers Xeno­ge­ne­sis-Rei­he (gesam­melt als Lilith’s Brood erschie­nen) gele­sen: nach dem Ende eines schreck­li­chen Krie­ges wer­den die übrig­ge­blie­be­nen Men­schen von bio­tech­nisch extrem fort­schritt­li­chen und extrem fremd­ar­ti­gen Außer­ir­di­schen in Emp­fang genom­men, die ein gro­ßes Inter­es­se dar­an haben, das eine oder ande­re fas­zi­nie­ren­de Ele­ment aus dem mensch­li­chen Gen­ma­te­ri­al zu über­neh­men – rein bio­lo­gisch. Beein­dru­ckend, auch wenn dem Text an der einen oder ande­ren Stel­le anzu­mer­ken ist, dass der ers­te Band aus dem Jahr 1987 stammt. Im Sub­text geht es um Sexua­li­tät und Begeh­ren, Hybri­di­sie­rung und Unter­drü­ckung. Auf­ge­sto­ßen ist mir der teil­wei­se har­te Bio­lo­gis­mus – die Oan­ka­li kön­nen Gene »lesen« und ver­än­dern, und tun das auch reich­lich. Sie lesen aber auch Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten und Prä­dis­po­si­tio­nen aus dem Gen­ma­te­ri­al der Men­schen, denen sie begegnen.
  • Von Char­lie J. Anders habe ich Vic­to­ries grea­ter than death gele­sen. Nett, aber mir zu sehr auf die Ziel­grup­pe young adult hin opti­miert. Die Hel­din ist (wer kennt das Gefühl nicht …) eigent­lich eine Außer­ir­di­sche – irgend­wann in ihren Teen­ager­jah­ren wird sie auf das gro­ße Raum­schiff geholt, das sich mit­ten in einem galak­ti­schen Krieg zwi­schen der leicht ver­klei­de­ten Föde­ra­ti­on und einer Abspal­tung davon befin­det. Aus Grün­den kom­men noch eine Hand­voll wei­te­re Außen­sei­ter-Teen­ager mit an Bord, neben Welt­ret­tung geht’s auch um deren gegen­sei­ti­gen Gefüh­le, Ver­let­zun­gen und so weiter.
  • Eve­r­i­na Max­well hat mit Winter’s orbit sowas wie empa­thi­sche Space Ope­ra geschrie­ben. Das Ster­nen­reich der Iskat wird durch lose Ver­trä­ge mit den Vasal­len­pla­ne­ten ver­bun­den; so rich­tig gleich­be­rech­tigt sind die ver­schie­de­nen Pla­ne­ten jedoch nicht. Aus galak­ti­schem Blick ist Iskat nur eine Nische, alle paar Jah­re wird mal geschaut, ob Arte­fak­te brav abge­ge­ben und ein paar grund­le­gen­de demo­kra­ti­sche Rech­te ein­ge­hal­ten wer­den. Die­se Revi­si­on steht kurz bevor. Ein Mit­tel, um die Pla­ne­ten anein­an­der zu bin­den, sind Zweck­ehen. Dum­mer­wei­se ist Prinz Taam vor kur­zem bei einem Unfall gestor­ben, sein Part­ner Jai­n­an muss nun schnell den Play­boy-Prin­zen Kiem hei­ra­ten, um die­ses Sys­tem der Hei­rats­ver­trä­ge auf­recht zu hal­ten. Auf einer Text­ebe­ne geht es um die lang­sam wach­sen­de Bezie­hung zwi­schen den bei­den (mit fast schon slap­stick­haft-tra­gi­schen Miss­ver­ständ­nis­sen) in der arran­gier­ten Ehe, auf der ande­ren um den Tod von Prinz Taam, der sich als Kri­mi­nal­fall mit inter­ga­la­ka­ti­scher Rele­vanz her­aus­stellt und nur der letz­te Trop­fen in einem Fass der Intri­gen dar­stellt. Sehr emp­feh­lens­wert, hat mir gut gefallen.
  • Und noch­mal sowas wie Feel-Good-Space-Ope­ra – Becky Cham­bers hat mit The Gala­xy, and the Ground wit­hin den vier­ten und letz­ten Teil ihrer sehr schö­nen Way­fa­rers-Serie vor­ge­legt. Eine Rei­he von ganz unter­schied­li­chen Wesen stran­den in einer Art Motel am Wurm­loch; nach und nach ler­nen wir die­se und deren Geschich­ten und Hin­ter­grün­de ken­nen. Erst ein Not­fall bringt die­se Frem­den zusam­men. Die gro­ße Welt­raum­po­li­tik schwingt nur im Hin­ter­grund mit, fast schon ein Kam­mer­spiel. Aber gera­de der Blick auf den All­tag (in einer Kri­sen­si­tua­ti­on) macht die Stär­ke die­ses Buchs aus. Die Haupt­per­so­nen ler­nen sich ken­nen, wir ler­nen sie ken­nen und ver­ste­hen. Falls sich Bücher mit Com­pu­ter­spie­len ver­glei­chen las­sen: auch wenn die Geschich­te nichts damit zu tun hat, war mein ima­gi­nier­tes Look and Feel bei die­sem Buch das von Star­dew Val­ley. Ein guter Abschluss für die Wayfarer.