Jahresrückblick – 2015 im Spiegel dieses Blogs

Xmas tree V

Wie war 2015? Ange­sichts noch ein­mal deut­lich sin­ken­der Zugriffs­zah­len – mit eini­gen weni­gen Aus­nah­men, etwa dem u.a. auf Red­dit ver­brei­te­ten Arti­kel über das »Platz­hal­ter­bild« der AfD, was dann inner­halb von zwei Tagen für 1500 Zugrif­fe sorg­te und die Jah­res­ge­samt­zu­griffs­zahl auf über 33.000 hiev­te – ver­zich­te ich auf eine aus­führ­li­che quan­ti­ta­ti­ve Ana­ly­se der Din­ge, die 2015 auf mei­nem Blog gesche­hen sind. 

wpid-15-152-pluto-newhorizons-highresolution-20150714-ifv.jpgInter­es­san­ter sind die inhalt­li­chen High­lights. So gab es 2015 eine Son­nen­fins­ter­nis (März 2015) und Bil­der vom Rand des Son­nen­sys­tems (Juli 2015). Ich habe mir die Han­dy-Aus­stel­lung im Muse­um Ange­wand­te Kunst (Juni 2015) in Frank­furt ange­se­hen und die Exo-Evo­lu­ti­on im ZKM in Karls­ru­he (Novem­ber 2015). 

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Kurz: Hamburg hat gewählt

Nach­dem ich schon 2008 und 2011 etwas zu den Ham­bur­ger Wahl­er­geb­nis­sen geschrie­ben habe, muss ich das die­ses Jahr ja eigent­lich auch machen. Wobei – so viel gibt’s da nicht zu sagen. Die wahl­rechts­be­ding­te Pau­se zwi­schen vor­läu­fi­ger Aus­zäh­lung am Wahl­abend und vor­läu­fi­gen End­ergeb­nis am Mon­tag­abend führt dazu, dass die eine oder ande­re Ablen­kung von Jour­na­lis­tIn­nen ger­ne auf­ge­grif­fen wird – ande­res gibt es ja nicht zu berich­ten. Im Ergeb­nis sieht’s aber wei­ter­hin so aus, dass Olaf Scholz sei­ne abso­lu­te SPD-Mehr­heit nicht wie­der erlan­gen konn­te, son­dern mit 45,7 Pro­zent auf Koali­ti­ons­part­ner ange­wie­sen ist. Die CDU ist auf einem his­to­ri­schen Tief­stand (15,9 %) , wobei die Ole-von-Beust-Pha­se (2004, 2008) mit einer sehr star­ken CDU eher eine Ano­ma­lie war. Abge­se­hen davon ist die Ham­bur­ger Bür­ger­schaft bunt: Grü­ne (12,3 %), Lin­ke (8,5 %), FDP (7,4 %), AfD (6,1 %) – aber selbst das ist nicht ganz so unge­wöhn­lich, wie es viel­leicht schei­nen mag. REPs, Schill-Par­tei und Statt-Par­tei waren auch schon mal Teil der Ham­bur­ger Bür­ger­schaft. Pira­ten sind mit 1,5 Pro­zent end­gül­tig im Nie­mands­land ange­kom­men; auch die »Neu­en Libe­ra­len« haben es nicht über die 0,5 Pro­zent hin­aus geschafft. 

Bei den »Alten Libe­ra­len« von der FDP scheint sich dage­gen der knal­lig-bun­te Relaunch aus­ge­zeich­net zu haben – ich bezweif­le, dass deren Poli­tik ähn­lich jung und fröh­lich frei aus­fal­len wird. (Und stel­le mir den wahr­schein­li­chen Spit­zen­kan­di­da­ten der FDP für Baden-Würt­tem­berg 2016, Rül­ke, schon mal in zitro­nen­gelb, him­mel­blau und pink vor – dass das so rich­tig gut passt, sehe ich noch nicht. Anders als in Ham­burg, wo Kam­pa­gne und Spit­zen­kan­di­da­tin wer­be­tech­nisch gut zusammenspielten).

Inter­es­sant der Blick auf ein­zel­ne Stadt­be­zir­ke – bis hin zur sozia­lis­ti­schen Enkla­ve St. Pau­li. Grü­ne Ergeb­nis­se rei­chen auf die­ser Ebe­ne von 25 Pro­zent in Tei­len von Alto­na und 27 Pro­zent in der Stern­schan­ze bis zum deut­lich ein­stel­li­gen Bereich (z.B. 4,2 % in Neu­land). Auch Groß­städ­te haben ihre länd­li­chen Räu­me. Bei der Zusam­men­set­zung der Frak­ti­on hat das Wahl­recht eini­ges durch­ein­an­der­ge­wir­belt. Gespannt bin ich dar­auf, wie die grü­ne Frak­ti­on mit Neba­hat Güçlü umge­hen wird, die aus der Par­tei aus­ge­schlos­sen wer­den soll­te und dann über Per­so­nen­stim­men (»the­re is no such thing as bad news«) den Ein­zug in die Bür­ger­schaft geschafft hat. Aber selbst, wenn es am Schluss nur einer 14-köp­fi­ge Frak­ti­on (statt der 15 Sit­ze, die der­zeit aus­ge­zählt sind) wird, und eine Ein­zel­kämp­fe­rin, wür­de das locker für Rot-Grün rei­chen. Bis­her sieht es so aus, als wäre das auch die Wunsch­ko­ali­ti­on der SPD – auch hier bin ich gespannt, wie die Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen lau­fen wer­den. Ins­ge­samt ist’s für die grü­nen Kol­le­gIn­nen doch ganz gut gelau­fen – also herz­li­chen Glück­wunsch und ein gutes Händ­chen für die nächs­ten Tage!

P.S.: Umfang­rei­che Wahl­ana­ly­se des Sta­tis­ti­schen Amtes und der Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung.

Kurz: Willkommen im Jahr des Hoverboards

Ver­mut­lich wird uns das The­ma in ein paar Tagen völ­lig zum Hals raus­hän­gen, aber natür­lich ist es eine net­te Sache, wenn ein halb­wegs popu­lä­rer Film aus der Kind­heit die­ser Genera­ti­on im Jahr 2015 spielt. Und das eben jetzt ist. Die Rede ist selbst­ver­ständ­lich von Back to the future II aus dem Jahr 1989. Da lie­gen Ver­glei­che mit der heu­ti­gen Gegen­wart nahe. Auch wenn die Vor­stel­lung, dass die Haupt­auf­ga­be von Sci­ence Fic­tion dar­in lie­gen könn­te, Erfin­dun­gen vor­her­zu­sa­gen eher ein Fehl­schluss ist. Klar ver­sucht Sci­ence Fic­tion, eine halb­wegs rea­lis­ti­sche Zukunft dar­zu­stel­len – aber eben meist doch als Hin­ter­grund, vor und mit dem Din­ge pas­sie­ren, und nicht als rai­son d’etre des Gen­res. Für pop­kul­tu­rel­le Vari­an­ten von Sci­ence Fic­tion gilt dies erst recht.

Trotz­dem hal­te ich es nicht für unwahr­schein­lich, dass in den nächs­ten zwölf Mona­ten irgend­je­mand funk­ti­ons­fä­hi­ge Hover­boards ent­wi­ckeln wird. Oder zumin­dest sowas ähn­li­ches. Nicht nur, weil es einen ent­spre­chen­den Crowd­fun­ding-Auf­ruf gab, son­dern auch des­we­gen, weil es ein nice-to-have-Gim­mick aus einem Film ist, der einer jetzt in die Mid­life Cri­sis kom­men­den Genera­ti­on gut bekannt ist. Das Kon­zept ist da und anschluß­fä­hig im Dis­kurs ver­an­kert, es fehlt nur das rea­le Pro­dukt. 2015 könn­te also – fast schon als selbst­er­fül­len­de Pro­phe­zei­ung – zum Jahr des Hover­boards wer­den. (Und anders als bei z.B. flie­gen­den Autos wäre es eine Erfin­dung mitt­le­ren Maßes, die ohne groß­ar­ti­ge neue Infra­struk­tu­ren etc. auskommt …)

Die Fra­ge, wie Sci­ence Fic­tion und tat­säch­li­che Inven­ti­ons-/In­no­va­ti­ons­prak­ti­ken zusam­men­wir­ken, und ob es mehr als ein pop­kul­tu­rel­les Hin­ter­grund­rau­schen ist, das bei­de Wel­ten ver­bin­det, fin­de ich ganz unab­hän­gig davon, ob die Hover­board-Pro­phe­zei­ung nun erfüllt wird oder nicht, nach wie vor inter­es­sant. Oder, augen­zwin­kernd umge­dreht: Wer im Jahr 2042 ger­ne 3D-Flug-Fuß­ball als Trend­sport­art eta­blie­ren möch­te, soll­te jetzt einen erfolg­rei­chen SF-Film in die Kinos bringen.

P.S.: Der Guar­di­an hat deut­lich umfang­rei­che­res A‑Z der Ver­glei­che zwi­schen 2015a und 2015b.

P.P.S.: Und das.