Archiv der Kategorie: Zukunftsvisionen

Kurz: Internet im All – vom Roman zur Realität (Update)

Outer space alienNatures »The Great Beyond«-Blog berichtet (wie inzwischen auch SpOn) über Pläne der NASA und des JPL für ein weltraumtaugliches Internetprotokoll. Klingt auf jeden Fall nützlich (auch im Sinne einer Modularisierung komplexer Technik), ruft bei mir aber vor allem Assoziationen zu zwei Science-Fiction-Autoren hervor: Vernor Vinge, der in A Fire Upon the Deep (engl. | dt.) bereits ähnliche Überlegungen anstellte (vgl. auch diese Slashdot-Debatte), und Iain M. Banks, in dessen Culture-Romanen eMail-artige Kommunikationen zwischen Raumschiffen ebenfalls eine große Rolle spielen, z.B. im Roman Excession (engl. | dt.).

Update: Recht ausführlich schreibt inzwischen auch Heise was dazu.

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Kurz: Marsroboter-Vergesellschaftung (Update)

Wie wichtig und neu die Nachricht ist, dass es auf dem Eis tatsächlich Wassereis gibt (und wohl mal mehr flüssiges Wasser gab), tatsächlich ist, mögen andere beurteilen. Ebenso die Frage, ob es bei »Mars was habitable« um den zukünftigen Organisationsbestand der NASA, um eine Legitimierung für teure Raumfahrtprojekte oder um den Plan B der Menschheit geht. Ich wollte nur drauf hinweisen, dass der Phoenix Mars Lander nicht nur eine Website hat, sondern auch twittert. Und zwar, das macht die Sache interessant, in der Fiktion einer ersten Person Singular, als in der Ich-Form. Da heißt es dann z.B.

Heard about the recent news reports implying I may have found Martian life. Those reports are incorrect.
10:06 PM August 02, 2008 from web

Oder:

@bradinvegas My goal is to determine if Mars may have been habitable. There’s lots of data to analyze on that, and no clear answer yet.
7 Minuten ago from web in reply to bradinvegas

Natürlich werden diese Einträge nicht vom Phoenix Lander geschrieben, sondern von irgendjemand aus dem Team, der/die für Wissenschaftskommunikation zuständig ist. In der gewählten Form tragen sie aber definitiv dazu bei, der Lander zu verniedlichen und zu anthropomorphisieren (was ja auch mit den beiden Rovern schon gut gelungen ist). Interessanter Effekt – hier kann die ESA noch lernen. Und ein gutes Thema für eine techniksoziologische Arbeit wäre diese Rhetorik auch.

Update: (10.11.2008) Nach fünf Monaten ist jetzt der Kontakt zu Phoenix verloren gegangen – und auch dies wurde der Welt im Stil einer persönlichen Abschiedsnachricht mitgeteilt.

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Uni Freiburg: offen, demokratisch, frei?

Das Humboldt-Labor: LogoNach dem herbstlichen »Zukunftskongress« (siehe auch hier) fand vor kurzem – im Rahmen eines Marketing- und Strategieprozesses zum Rebranding der Freiburg University ein »Zukunftsworkshop« zur »strategischen Identität« der Universität Freiburg statt. Ich hatte zuviel anderes um die Ohren, als mich um eine Einladung dazu zu kümmern.

Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – habe ich mir mit großem Interesse die Ergebnisse dieses gruppenübergreifenden Workshops angeschaut.

Auf dem Workshop wurde fleißig »getaggt«, bzw. es wurden gruppenspezifisch Adjektive gesucht, die am besten beschreiben, wie die Universität sich selbst sieht bzw. sehen will. Genauer gesagt: der Satz »Universität ist für mich …« musste vervollständigt werden.

Gesamtwolke Zukunftsworkshop
Die gesamte Tagcloud (Quelle).

Heraus kam dann eine »Gesamtwolke« – und die hat es in sich. In absteigender Reihenfolge am häufigsten genannte Adjektive (maximal wären 100 Nennungen möglich gewesen, wenn ich das System richtig verstanden habe) sind nämlich weder »exzellent« noch »konkurrenzfähig«, sondern:

  1. offen (62 Nennungen)
  2. vielfältig (48 Nennungen),
  3. demokratisch (46 Nennungen),
    visionär (46 Nennungen),

  4. frei (44 Nennungen),
    kommunikativ (44 Nennungen)
    realistisch(44 Nennungen)

  5. innovativ (42 Nennungen),
  6. kreativ (38 Nennungen),
  7. kooperativ (37 Nennungen),
  8. menschlich (35 Nennungen),
    schöpferisch (35 Nennungen) und
    sozial (35 Nennungen).

Abgesehen mal davon, dass »nachhaltig« auch nur unter ferner liefen landete (»gleichberechtigt« hat immerhin 35 Nennungen, doppelt so viele wie »exzellent« mit 17 Nennungen), gefällt mir dieses Bild einer Universität sehr gut. Ich bin überzeugt davon, dass eine Universität, auf die all diese Adjektive mit Recht drangeschrieben werden können, eine sehr gute Universität wäre.

Es bleibt aber natürlich auch die Frage, ob es einfach nur die »üblichen Verdächtigen« waren, die sich die Zeit genommen haben, an diesem Workshop teilzunehmen, und die dazu auch eingeladen wurden – und dass z.B. bei eine Repräsentativerhebung über alle Universitätsmitglieder doch andere Adjektive vorne drangestellt werden würden. Wie dem auch sei – ich bin jetzt gespannt, was davon jetzt im »Leitbildprozess« übrigbleibt und wie die kommissarische Unileitung damit weiter umgeht.

Warum blogge ich das? Weil ich das Ergebnis dieses Workshops doch unerwartet und damit interessant fand.

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Pro oder contra bemannte Raumfahrt?

MIR V (detail)Gestern wurde bei Spiegel Online über einen neuen Anlauf berichtet, die »bemannte Raumfahrt« in Europa voranzutreiben. Derzeit sieht es so aus, dass es die Space Shuttles der NASA gibt, die immer noch mit Technik der 1980er Jahre betrieben werden (was auch Vorteile hat, z.B. wenn es darum geht, Daten von der ramponierten Festplatte des Space Shuttles Columbia zu retten) und in den nächsten Jahren nach und nach eingemottet werden sollen, wenn sie so lange durchhalten. Was danach kommen soll, ist noch unklar. Dann gibt es die sowjetischen Sojuz-/Progress-Kapseln aus Russland. Indien und China versuchen, bemannte Raumfahrzeuge zu entwickeln. In der EU wurde vor kurzem das erste ATV Jules Verne gestartet (eine unbemannte Blechdose, die zwar in die Umlaufbahn hinausgeschossen werden kann, aber bei der Rückkehr in die Atmosphäre verglühen würde).

Gebraucht werden all diese Raumfahrzeuge (einmal abgesehen von den asiatischen, die vielleicht mehr etwas mit Geopolitik zu tun haben, und zumindest im Fall Chinas auf Mondlandungen zielen) derzeit vor allem, um die Internationale Raumstation ISS zu erreichen. Auch bei der ist es wiederum nicht so ganz klar, was mit ihr passieren soll – ihre Vorgängerin Mir wurde 2001 bewust abgesenkt und zerstört (Bild oben: ein Ausschnitt aus der Mir-Kopie im Europapark Rust). Die ISS als permanent besetzte Forschungsstation dient vor allem dazu, diverse Experimente unter Schwerelosigkeit durchzuführen – und für relativ viel Geld zu demonstrieren, dass ein dauerhafter Weltraumaufenthalt möglich ist. ISS und Mir sind allerdings weit entfernt von den »Raumhotels« und »Orbitalstationen« diverser Science-Fiction-Romane und Zukunftsvisionen der 1960er und 1970er Jahre, wie etwa der Raumstation im Film »2001 – Odysee im Weltraum«.

Zurück zum Vorschlag, europäische Raumfahrzeuge zu entwickeln, die nicht nur nach oben fliegen (Ariane) und an die ISS ankoppeln können (ATV), sondern auch wieder zurückkehren können (2012 unbemannt, 2017 bemannt). Mir ist, deshalb dieser Blogeintrag, nämlich nicht so ganz klar, was ich davon halten soll. Zum einen (da spricht der langjährige SF-Leser aus mir) ist auch die bemannte Hin-und-Rück-Version der ATV nicht sehr viel mehr als die Blechdose, und damit enttäuschend wenig. Ein eigenständig startendes und landendes wiederverwertbares Raumfahrzeug sieht anders aus. Das wäre allerdings noch deutlich aufwendiger und teurer. Damit sind wir beim »zum anderen« (der skeptische Grünen-Politiker etc.) – macht es überhaupt Sinn, bemannte Raumfahrzeuge zu entwickeln, um so etwas wie die ISS am Leben zu erhalten? Ich habe zwar mal in einem Schulaufsatz in der zehnten Klasse oder so geschrieben, dass die bemannte Raumfahrt total wichtig wäre, um letztlich Raumsiedlungen haben zu können, auch als eine Art Plan B für planetare Katastrophen – aber so ganz überzeugt bin ich davon inzwischen dann doch nicht mehr. Für wissenschaftliche Erkundungen scheinen unbemannte Raumfahrzeuge sehr viel besser geeignet zu sein (etwa die Mars-Rover). Für die ökonomische Nutzung des Weltraums reichen Raketen/Satelliten aus.

Sinn machen würden echte SF-Raumfahrzeuge dann, wenn aus der ISS sowas wie eine Kleinstadt im Weltraum werden würde. Das scheint aber nicht vorgesehen zu sein, und selbst dann sind möglicherweise andere Transportvarianten besser geeignet (geostationär aufgehängte Aufzüge bspw.). Kurz gesagt: unter den derzeitigen Bedingungen und den planetaren Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht (Klimawandel, Nachhaltigkeit, globale Gerechtigkeit usw.), scheint es mir sinnvoller zu sein, Prioritäten anders zu setzen.

Bleiben die Bilder aus den SF-Filmen und Romanen, und entsprechende Zukunftsvorstellungen. Und die abschließende Frage an die LeserInnen dieses Blogs: auf der Erde bleiben, oder doch die Technik dafür entwickeln, in der ganz großen Perspektive irgendwann die Erde verlassen zu können?

Warum blogge ich das? Weil ich es eine prinzipiell interessante Frage finde, weil ich in meiner Kindheit immer gerne Bücher über »die Zukunft« angeschaut habe, in denen entsprechende Raumfahrzeuge selbstverständlich waren, und weil mein Opa als Ingenieur an einigen ESA-Projekten beteiligt war.

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Eine kurze und frei erfundene Geschichte des InterNet

Antique Software in Action

Wie wahrscheinlich einige wissen, ist es so, dass ich, wenn ich mich nicht gerade um meine Diss., um mein Kind, um meine Partei oder um meinen Job kümmere, mich ab und zu auch gerne an Kurzgeschichten und anderen literarischen Texten versuche, Science Fiction und so. In der letzten Zeit ist das etwas kurz gekommen. Beim Aufräumen ist mir jetzt aber ein Text aus dem Jahr 2006 wieder in die Hände gefallen, den ich damals geschrieben hatte, um ihn beim Wettbewerb »what if« der Telepolis einzureichen (»what if – visionen der informationsgesellschaft«).

Da war der Text nicht sonderlich erfolgreich, was auch damit zu tun haben mag, dass er weniger eine Geschichte als vielmehr einen (mehr oder weniger plausiblen) alternativen Geschichtsstrang präsentiert. Auch wenn’s am Plot mangelt, mag’s für die eine oder den anderen trotzdem amüsant zu lesen sein, deswegen habe ich den Text »Eine kurze und frei erfundende Geschichte des InterNet« inzwischen auf meine Website gestellt. Worum geht es? Kurz gesagt um eine Historie, in der folgendes plausibel ist:

1997: Die ersten echten Mobiltelefone erscheinen im Frühjahr auf dem Markt, ein europäisches Kooperationsprojekt, an dem unter anderem Telefunken-Siemens, die Bundespost i.A. und die British Telecom beteiligt sind. Die Mobiltelefon-Spitzenmodelle sind sogar in der Lage, dBriefe zu empfangen. Die Gespräche zwischen den Staaten des Warschauer Paktes und der EC/CE machen Fortschritte. Innenminister Otto Schily (SPD) bringt nach einem intensiven Gedankenaustausch mit dem Staatsratsvorsitzenden der DDR, Egon Krenz, eine Vereinigung der beiden deutschen Staaten noch innerhalb des Jahrtausends ins Gespräch. Im Herbst kommt es zu zwei wichtigen technischen Entwicklungen: die erste interkontinentale Versand- und Verrechnungsstelle für dBriefe nimmt ihren Betrieb auf. […]

Wie es dazu kommen konnte und wie es weitergeht, steht hier.

Warum blogge ich das? Noch ist verständlich, was der Text eigentlich aussagen wollte … und weil ich es interessant finde, darüber nachzudenken, wieweit das Internet, so wie wir es kennen, technisch bedingt ist, und wie weit es an sozialen und politischen Zufällen hängt.

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