Brandung (5)

Der fünf­te Teil mei­ner SF-Geschich­te. Und noch immer kein tota­ler Strom­aus­fall. Die vor­he­ri­gen vier Teil sind hier zu fin­den. Kom­men­ta­re und Feed­back wei­ter­hin gern gese­hen – viel Spaß!

Doors

Brandung (5)

Kath hat­te die bei­den Schmet­ter­lin­ge auf ihre Schul­ter gesetzt. Der Weg vom drit­ten Stock her­un­ter sah am Sonn­tag­mor­gen nicht bes­ser aus als der, den sie Frei­tag­abend hin­auf gegan­gen war. Der her­ab­ge­fal­le­ne Putz war jetzt gleich­mä­ßig ver­schmiert und hat­te eine graue Far­be ange­nom­men. Mies­mu­tig stapf­te Kath zur Haus­tür hin­aus. Ihre Stra­ße bot ein fried­li­ches Bild. Noch war es nicht zu warm. Ein Rei­ni­gungs­ro­bo­ter saug­te, sich lang­sam die Stra­ße ent­lang­tas­tend, den Dreck der Sams­tag­nacht auf. Bis auf die Schlan­ge vor dem Back­au­to­ma­ten­ki­osk an der Stra­ßen­ecke war es men­schen­leer. Kath über­leg­te einen Moment, ob sie sich anstel­len soll­te. Letzt­lich sieg­te ihre Unru­he, gestei­gert noch durch das unge­dul­di­ge Trap­peln von Ber­tis Schmet­ter­ling auf ihrer Schulter.

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Brandung (4)

Der vier­te Teil mei­ner SF-Geschich­te »Bran­dung«.

Butterfly on blue sky V

Brandung (4)

Wochen­en­de. Gele­gen­heit, um aus­zu­schla­fen, end­lich mal die Wäsche zu waschen, die sich die gan­ze Woche über ange­sam­melt hat, und krampf­haft zu ver­su­chen, nicht an das zu den­ken, was Dr. May­mo­th plante. 

Kath lag auf ihrem Bett­so­fa und ver­such­te, wie­der in den Schlaf zu fin­den. Ein Kli­ckern hin­der­te sie dar­an, und auf­ge­reg­te Flü­gel­schlä­ge. „Lass mich doch schla­fen, Schmet­ter­ling!“ Es half nichts – Schmet­ter­ling hör­te erst auf, um sie her­um zu schwir­ren, nach­dem sie sich auf­ge­setzt hat­te. Sofort flat­ter­te er Rich­tung Fens­ter. Klack, klack, klack. Sein Eben­part, drau­ßen auf der Fens­ter­schei­be. Hat­te Ber­ti ihn also noch. Kath öff­ne­te das Fens­ter. Dem Licht nach war es noch früh an die­sem Sonn­tag­mor­gen. Ver­schla­fen kram­te Kath nach ihrem Smart­pho­ne – rich­tig, sechs Uhr mor­gens. Kei­ne Zeit, um an einem Sonn­tag­mor­gen von Schmet­ter­lin­gen geweckt zu wer­den. Aber wo sie jetzt schon wach war …

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Brandung (3)

Teil III mei­ner SF-Fort­set­zungs­ge­schich­te. Alle Tei­le sind unter dem Schlag­wort »Bran­dung« zu finden.

Architecture II

Brandung (3)

Wie an fast jedem Tag leg­te Mar­tha die Stre­cke vom Water Tower zu ihrem klei­nen Häus­chen in der Apfel­sied­lung am Stadt­rand mit dem Fahr­rad zurück. Die heu­ti­ge Prä­sen­ta­ti­on ihrer obers­ten Che­fin ging ihr nicht aus dem Kopf, als sie rou­ti­niert auf die lin­ke Spur des Rad­ex­press­wegs wech­sel­te und die Stadt­rä­der der Tou­ris­ten­grup­pe über­hol­te. Dr. May­mo­th konn­te eine ech­te Inspi­ra­ti­on sein. Nach allem, was Mar­tha dar­über wuss­te, hat­te die For­sche­rin ihren Pos­ten bekom­men, weil sie die wich­tigs­te euro­päi­sche Exper­tin für effi­zi­en­te Was­ser­in­fra­struk­tu­ren war. Und wenn jemand ihre Mei­nung inter­es­siert hät­te, war­um Glo­bal Water in den Jah­ren nach der ame­ri­ka­ni­schen Kri­se so rasant gewach­sen war, dann hät­te sie auf Dr. May­mo­ths Visi­on als Inge­nieu­rin ver­wie­sen – und nicht auf das Mar­ke­ting, die Finanz­ab­tei­lung oder Fra­gen der Ver­trags­ge­stal­tung. Kurz gesagt: Dr. May­mo­th war ein Vor­bild für sie. Umso mehr war Mar­tha beun­ru­higt dar­über, was in den letz­ten Wochen in der For­schungs­ab­tei­lung kol­por­tiert wur­de, und was im heu­ti­gen Vor­trag dann kon­zern­öf­fent­lich gemacht wur­de: Glo­bal Water woll­te an das Was­ser selbst her­an. Nano, um kon­ti­nu­ier­lich die Qua­li­tät zu kon­trol­lie­ren – und jede ille­ga­le Ent­nah­me sofort auf­zu­klä­ren. Wis­sen­schaft­lich eine extrem span­nen­de Her­aus­for­de­rung, da konn­te sie Dr. May­mo­th nur zustim­men – aber ethisch höchst bedenklich. 

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Brandung (2)

Teil II mei­ner SF-Fort­set­zungs­ge­schich­te. Teil I fin­det sich hier.

Blue night I

Brandung (2)

Von der im som­mer­li­chen Spät­nach­mit­tags­licht tief­blau glän­zen­den Fas­sa­de des Water Tower bis zum alten Hafen­vier­tel waren es nur weni­ge Sta­tio­nen mit der Stadt­bahn. Wie immer um die­se Uhr­zeit waren die Wagen nicht kli­ma­ti­siert und gedrängt voll. Auch wegen der Men­schen­men­ge hat­te Kath den Schmet­ter­ling in ihre schwar­ze Kurier­ta­sche gesteckt. Bei­des, Schmet­ter­ling wie Kurier­ta­sche, wirk­ten inzwi­schen alt­mo­disch. Davon war Kath über­zeugt. Denn wer lief schon mit zwan­zig Jah­re alter Mode oder mit einem zwei Jah­re alten Nano­spiel­zeug her­um? Manch­mal kam es ihr vor wie eine klei­ne Rebel­li­on, soviel Rebel­li­on eben, wie ein Büch­sen­fisch es sich zwi­schen all den ande­ren Büch­sen­fi­schen im Stadt­bahn­wa­gen erlau­ben kann. 

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Brandung (1)

Unten ist der ers­te Teil einer SF-Geschich­te zu fin­den, die ich hier Stück für Stück ver­öf­fent­li­chen möch­te, und die ich unter den Arbeits­ti­tel »Bran­dung« gestellt habe. Kom­men­ta­re sind ger­ne gese­hen (und ja: die ande­ren Stich­wor­te aus dem Netz tau­chen in den fol­gen­den Tei­len auch noch auf).

Flight of the seagull I

Brandung (1)

Die Sky­line der Stadt hat­te sich ver­än­dert. Das ers­te, was vom offe­nen Meer aus zu sehen war, wenn sich der Blick nach Süden, zum Fest­land hin rich­te­te, war der blau schim­mern­de Water Tower, Haupt­sitz der Glo­bal Water. Er über­rag­te die ande­ren Bau­wer­ke – die alten Spei­cher­bau­ten aus Back­stein, die Kirch­tür­me, die Glas­ku­ben, wie sie zu Beginn des Jahr­hun­derts modern gewe­sen waren. Gleich geblie­ben war dage­gen das Geschrei der Möwen, das alle ankom­men­den Schif­fe begleitete.

Schon in der Uni war es für Kath ein Pro­blem gewe­sen, ihre Auf­merk­sam­keit voll und ganz auf sonor dahin plät­schern­de Vor­trä­ge zu rich­ten. Jetzt saß sie im 23. Stock­werk des Water Towers. Dr. May­mo­th hat­te sich von ihrem Sitz in der Rei­he der Abtei­lungs­lei­te­rIn­nen erho­ben und war an das Rede­pult getre­ten. Ein schlech­tes Zei­chen, hat­te Kath gedacht, und rich­tig – die Lei­te­rin der For­schungs­ab­tei­lung setz­te zu einem ihrer aus­ufern­den Vor­trä­ge an. „1,4 Mil­li­ar­den Kubik­me­ter Was­ser exis­tie­ren auf der Erde. Nur drei Pro­zent davon sind Süß­was­ser – der Rest ist Salz­was­ser. Tech­ni­schen Lösun­gen zur Meer­was­ser­ent­sal­zung kommt damit eine zuneh­mend grö­ße­re Bedeu­tung zu.“ Und immer so wei­ter. Dr. May­mo­th refe­rier­te hier Fak­ten, die jeder und jede im Raum aus­wen­dig auf­sa­gen konn­te. Wie im Hörsaal. 

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