Archiv der Kategorie: Freiburg

Bioläden besser als Supermärkte

In Teilen Freiburgs ist heute abend mehrere Stunden lang der Strom ausgefallen – wohl wegen einer defekten Trafostation. Genau um diese Zeit habe ich eine Freundin dabei begleitet, im Stühlinger – also da, wo der Strom weg war – noch was einzukaufen. War ganz schön seltsam, vor allem deswegen, weil der Edeka (Rolltreppen, künstliche Beleuchtung) einfach komplett zu war (samt Schild »wegen Stromausfall leider gesperrt« oder so ähnlich). Im Bioladen – die natürlich auch aus ganz anderen Gründen viel besser als herkömmliche Supermärkte sind – war’s zwar auch dunkel, aber der Laden hatte (trotz skeptischer Nachfrage) geöffnet und verkaufte auch. Scanner, Registrierkasse und Gemüsewaage waren allerdings auch dort funktionslos …

Kurz zuvor hatte ich noch davon berichtet, wie schön Praxistheorie das »ohne groß drüber nachzudenken« alltäglicher Handlungsabläufe erklären kann. Außer, wenn die eben nicht funktionieren. Zum Beispiel, wenn in einer Stadt, wo das sonst sehr selten passiert, der Strom ausfällt. Und die alltäglichen Handlungsmuster dann eben plötzlich nicht mehr funktionieren, und statt dessen alltägliches Handeln dann auf einmal mit Bewusstheit, Nachdenken und nicht-automatisierten Handlungsvollzügen verbunden ist.

Warum blogge ich das? Sommerlochanekdotenblogging. Und weil’s die Praxistheorie schön illustriert.

Freiburg nur Platz 94 (Update)

Kurz bemerkt: im internationalen Vergleich landet die Universität Freiburg nur auf Platz 94 – und ist damit die fünftbeste deutsche Hochschule.

Warum blogge ich das? Um dann morgen die stolze Pressemitteilung meiner Alma Mater dran hängen zu können.

Update: Eine Pressemitteilung der Uni Freiburg habe ich noch nicht gesehen, dafür vermeldet Basel Rang 82. Die Gesamtliste, die Vorjahresergebnisse und einiges zur Methodologie (gezählt werden Nobelpreise, oft zitierte ForscherInnen, Artikel in Nature und Science sowie Artikel in den Science Citation und Social Science Citation-Indexes) findet sich hier.

Ein Dossier zum Ende der Freiburger Linie, und ein paar Fragen zur Forschungsfreiheit im Sicherheitsstaat (Update 6: offene Briefe zum Fall Andrej H.)

Eindrücke, wonach eine vermeintliche „Freiburger Linie“ nicht mehr eingehalten werde, polizeiliche Verhaltensweisen sich geändert haben oder durch Wechsel von Führungspersonen nicht mehr Anwendung finden, sind subjektive Eindrücke.

So steht’s in einer Pressevorlage der Freiburger Polizei. Ich glaube derzeit eher den subjektiven Eindrücken, und bin da auch nicht der einzige. Mit dem neuen Polizeichef Amann hat sich ganz klar etwas verändert. Was, lässt sich zum Beispiel einem umfangreichen Dossier bei Indymedia entnehmen. Da wollte ich einfach mal drauf hinweisen.

Warum blogge ich das?

Eigentlich hatte ich nur »Andrej« und »Stadtsoziologie« in Google eingegeben, um herauszufinden, wer denn der im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen die angebliche militante Gruppe verhaftete Berliner Soziologe ist, der in der Presse immer nur als »Andrej H.« bezeichnet wird. Also aus Neugierde. Die Suchmaschinentreffer ergeben dann das Bild eines engagierten, politisch sicherlich links stehenden Akademikers, der sich am Lehrstuhl von Prof Häußermann an der HU mit Gentrification, Privatisierungen und Hartz IV auseinandersetzt (wenn das inzwischen ausreicht, um des Terrorismus verdächtigt zu werden, sollte die Deutsche Gesellschaft für Soziologie mal lieber schnell ihre Mitgliederliste vernichten).

Da u.a. Spiegel Online auch auf eine Debatte bei Indymedia verwiesen, habe ich dann auch dort mal wieder reingeschaut – und zwar ein paar Solidaritätsdemoankündigungen und -berichte gefunden, aber nicht die große Debatte. Dafür dann das oben angesprochene Dossier zum Ende der Freiburger Linie, auf das ich hiermit hinweise. Was ich damit anfangen soll, dass die intellektuelle Fähigkeit zum Verfassen kapitalismuskritischer Analysen inzwischen ausreicht, um als Mitglied einer angeblichen terroristischen Vereinigung identifiziert zu werden, weiss ich dagegen grade noch nicht so genau. Volker Ratzmann von den Berliner Grünen sagt dazu:

Das hieße, dass zukünftig jeder Wissenschaftler und jede Wissenschaftlerin, die sich im politischen Bereich und mit gesellschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzt, aufpassen muss, dass niemand gegen ihren Willen ihre Ausführungen zur Begründung seiner eigenen und strafrechtlich relevanten Handlungen heranzieht. Wenn sie dann vielleicht noch in Seminaren Kontakt hatten, werden sie gleich zum Bestandteil einer konstruierten terroristischen Vereinigung.

Das Zitat bringt es auf den Punkt.

Zusammengenommen zeigt beides – die Erkenntnisse, wie sehr die badische Deeskalation an einer Person hing, und die Tatsache, dass der Staat mal eben wieder Methoden aus den 1970er Jahren ins Spiel bringt – wie schwierig es ist, Freiräume des Denkens und Handelns aufrecht zu erhalten. Sich darauf zu verlassen, dass sicher geglaubte Freiheiten bestand haben, könnte fatal sein.

Update: Inzwischen gibt es laut WordPress-Statistik ironischerweise Leute, die nach »Andrej H.« und »Soziologie« (u.ä.) suchen – und dann hier bei einem Bericht über eine solche Suche landen. Dass es tatsächlich möglich ist, über eine derartige Suche umfangreiche Infos über Andrej H. zu finden, ist, nebenbei gesagt, ein Hinweis darauf, dass bestimmte mediale Anonymisierungsstrategien (wir nennen den »Verdächtigen« nicht mit vollem Namen, sondern nur mit Vornamen und Initial) nicht funktionieren, wenn 1. der Vorname hinreichend selten ist, und 2. weitere Infos (»Berliner Stadtsoziologe«) vorliegen, die die Menge möglicher Personen deutlich einschränken. Anders gesagt: der Versuch der Anonymisierung funktioniert in diesem Fall überhaupt nicht …

Update 2: Bei Telepolis gibt’s ein Interview mit Prof. Rainer Rilling (Uni Marburg und Rosa-Luxemburg-Stiftung) zum Fall Andrej H. und den Konsequenzen daraus.

Update 3: Rilling sitzt auch im wissenschaftlichen Beirat von Attac, der sich ebenfalls dazu äußert (via).

Update 4: (15.08.2007) Wie die ZEIT berichtet, gibt es inzwischen einen offenen Brief einer ganzen Reihe WissenschaftlerInnen, in dem die Generalbundesanwältin aufgefordert wird, die Ermittlungen gegen Andrej H. einzustellen und – meine Paraphrase – in Zukunft etwas genauer hinzusehen, statt sozialwissenschaftliche Arbeit als Verdachtsmoment zu nehmen. Unterzeichnet haben den unterstützenswerten Brief u.a. Hartmut Häußermann, Wilhelm Heitmeyer, Claus Offe, Helmuth Wiesenthal, Franz Schultheis, Michael Schumann, Susanne Frank, Wolfgang Kaschuba, Ralf Fücks (Böll-Stiftung) und 52 weitere WissenschaftlerInnen. Ich bin mir sicher, dass noch eine ganze Reihe mehr diesen Brief unterschreiben würden, wenn dafür im weiteren Kreis Unterschriften gesammelt würden. Hoffen wir, dass es was hilft.

Update 5: Der erwähnte offene Brief kann doch durch weitere Menschen unterstützt werden [via] – ich habe gerade unterschrieben (und gleich mal dem Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziologie eine Mail mit der Frage geschickt, ob die Fachgesellschaft nicht ihre Mitglieder auf diesen Brief aufmerksam machen möchte).

Update 6: Der Fall Andrej H. zieht weitere Kreise – das Blog Kulturwissenschaftliche Technikforschung berichtet von der Tagung der American Sociological Association

Auf der Jahrestagung der American Sociology Association (Vereinigung der US-amerikanischen Soziologen, vgl. http://www.asanet.org/), wo seit Samstag rund 4.000 Sozialwissenschaftler in New York tagen, wird der Fall in mehreren Veranstaltungen diskutiert, kursieren Petitionen, insbesondere Stadtsoziologen zeigen sich sehr besorgt über die deutsche Entwicklung.

Auch ein weiterer offener Brief mit Unterstützung namhafter ausländischer WissenschaftlerInnen wird erwähnt – u.a. sind da (neben Elmar Altvater, Dieter Rucht und Roland Roth aus Deutschland) auch Mike Davis, Saskia Sassen, Richard Sennett und John Urry zu finden, um nur die bekanntesten zu nennen.

We all are lecturers, now

In letzter Zeit waren meine Einträge zur Uni Freiburg ja alle etwas wenig freundlich – diesmal habe ich dagegen etwas nettes gefunden: um der zunehmenden Englischsprachigkeit des Wissenschaftsbetriebs gerecht zu werden, hat das Rektorat (board of chief executives) oder vielleicht auch das Rektoramt (rector’s executive administrative office) ein Wörterbuch deutsch/englisch ins Netz gestellt. Unter http://www.pr.uni-freiburg.de/service/dictionary findet sich eine Vielzahl von Fachausdrücken aus dem akademischen Alltag. Ich bin mir zwar nicht bei jeder Übersetzung sicher, ob ich das auch so sagen würde, finde die generelle Idee aber gut. Um zur Überschrift zurückzukommen: alle MitarbeiterInnen (staff) vom Lehrbeauftragten (part-time lecturer) bis zur Oberassistentin (senior lecturer) sind jetzt englischsprachig lecturers, also LektorInnen.

Das finde ich tatsächlich etwas seltsam. Nicht nur, weil damit eine ganze Bandbreite von unterschiedlichen Tätigkeiten in einen Topf geworfen wird (also die deutschen Bezeichnungen viel differenzierter sind), sondern auch, weil z.B. mein Tätigkeitsschwerpunkt als wissenschaftlicher Angesteller in einem Drittmittelprojekt (third party funds project) eben nicht die Lehre ist, also das lecturing bzw. das Halten von Seminaren (seminar) und Vorlesungen (lecture course). Während das nur einen relativ geringen Teil meiner Tätigkeit ausmacht, ist der Hauptteil – laut Arbeitsvertrag, aber auch tatsächlich – die Projektbearbeitung. Bei englischsprachigen Korrespondenzen hatte ich mich deswegen bisher immer als »(junior) researcher« bezeichnet; das trifft es eigentlich besser.

Ein weiterer Grund, warum ich das seltsam finden: mit der nächsten Novelles des Hochschulgesetzes (University Act) sollen LehrprofessorInnen und »Lehr-MitarbeiterInnen« (mit hohen Deputaten) eingeführt werden. Jetzt schon ist der Lektor/die Lektorin als Bezeichnung für eine Lehrkraft für besondere Aufgaben (Link geht vermutlich nur im Uninetz) bei der Fremdsprachenvermittlung gebräuchlich. Also z.B., wenn’s um englische Sprache geht. Hier sehe ich ein gewisses Verwirrungspotential. Und über die Frage, ob Wissenschaft und Lehre tatsächlich in Englisch stattfinden müssen, könnte auch noch lange was geschrieben werden. Das lasse ich jetzt aber mal.

Warum blogge ich das? Weil ich’s bei aller Nörgelei auf jeden Fall hilfreich finde. Beim Schreiben dieses Eintrags ist mir allerdings auch aufgefallen, dass die bisher knapp 500 Begriffe erst der Anfang sein können. Viele Termini fehlen nämlich noch.

Studiengebührenverwendung (Update 2)

Kurzer Hinweis: die Uni Freiburg hat inzwischen eine Pressemitteilung zur Studiengebührenverwendung im gerade ablaufenden Sommersemster veröffentlicht. Kernsätze: »Die Studiengebühren kommen ausschließlich den Studierenden zugute.« und die Wörter »neu«, »mehr«, »besser«. Gerecht ist das – der Pressemitteilung zu Folge – auch, schließlich müssen behinderte Studierende aus sozial benachteiligten Familien mit Kind nicht direkt Gebühren zahlen, sondern können auch einen Kredit aufnehmen. Oder so. Was ich eigentlich nur sagen wollte: was nicht in der Mitteilung steht, ist die Frage, was kurz vor Einführung der Studiengebühren gekürzt wurde, um jetzt wieder aufgestockt zu werden. Und wie weit gefasst »kommt ausschließlich den Studierenden zugute« tatsächlich ist.

Warum blogge ich das? Auch wenn ich grade eher sarkastisch klinge, finde ich es letztlich gut, wenn die Unis zumindest sagen, was mit den Studiengebühren gemacht wird. Dass die dabei als großes Wunderwerk verkauft werden, ist wohl nicht zu vermeiden.

Update: Studiengebührenbefreiung gibt es unter anderem nach IQ – mehr dazu bei jetzt.de und fudder (mit einem Foto von mir, auch wenn’s nicht dabeisteht). Und in der taz.

Update 2: Sehr kritische Pressemitteilung des u-asta zur Frage der Studiengebührenverwendung – »Versprechen gebrochen«.

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