Schlagwort-Archive: vereinbarkeit

Kurz: Über die Elternschaft von S.

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Das Regierungsmitglied S. kündigt an, demnächst ein Kind zu erwarten. Es wird gratuliert, vor allem aber eifrig darüber diskutiert. Die Untertöne in der Debatte reichen von der Frage, ob dieses Regierungsmitglied dann noch sein Amt ausüben kann, bis hin zu Spekulationen, ob es denn politisches Kalkül war, zur Elternschaft zu kommen. Die Annahme, dass ein wichtiges Führungsamt wie das von S. mit einem Kind zu vereinbaren ist, ist jedenfalls längst nicht selbstverständlich. Und selbst wenn, dann geht es vielleicht gerade in so einer exponierten und politischen Position mit hohem Gehalt, aber nicht, wenn S. einen ganz normalen Beruf ausüben würde.

Natürlich ist S. die Familienministerin Kristina Schröder. Dass so debattiert wird, und dass das vermutlich nicht der Fall wäre, wenn S. der Familienminister Kristian Schröder wäre, zeigt, wie selbstverständlich geschlechtsdifferent bestimmte Annahmen darüber, was passiert, wenn Menschen zu Eltern werden, in Deutschland immer noch sind. Dass das so ist, ist nichts neues – trotzdem halte ich es für sinnvoll, an einer Stelle wie dieser, wo es doch sehr deutlich wird, genau darauf hinzuweisen.

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Basteln am Landtagswahlprogramm: Politik für Promovierende

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Schnecke III

Anfang Dezember wird das Landtagswahlprogramm der baden-württembergischen Grünen beschlossen werden. Deswegen tobt jetzt noch einmal die Programmdebatte durch Kreisverbände, LAGen und Mailinglisten. Ziel ist es, möglichst viele Änderungsanträge zu schreiben noch zu verbessern, was zu verbessern ist, bevor das Programm nach der Parteitagsabstimmung dann steht. Der Programmentwurf und die Änderungsanträge der zweiten Verschickung stehen im Netz.

Ich habe – zum Teil über meinen Kreisverband, zum Teil als Personenantrag (10 UnterstützerInnen notwendig) – auch schon ein paar Änderungsanträge eingereicht. Bisher noch nicht getan habe ich das für den Hochschulteil. Einige Ideen dazu stehen in diesem Etherpad. Dort ist auch der folgende Antrag zu finden, den ich gerne zum Thema »Politik für Promovierende« einreichen möchte – der Antrag geht auf eine Diskussion in der LAG Hochschule zurück, vielleicht reichen wir ihn auch als LAG ein. Trotzdem würde mich sowohl die Unterstützung (jedes Parteimitglied aus BaWü darf …) als auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem vorgeschlagenen Text freuen. Bisher taucht das Thema Promotion im Hochschulteil des Landtagswahlprogramms nicht auf.

Änderungsantrag »Promotion« zu LTW 3, S. 16, Z. 756

Antrag: In Zeile 749 soll im Anschluss an die »Leitidee 8: Bologna« ein neuer Absatz eingefügt werden, der wie folgt lautet:

»Die Situation der Promovierenden verbessern

In der Öffentlichkeit bisher wenig beachtet, an den Hochschulen aber umso deutlicher zu spüren, verändert sich mit dem Bologna-Prozess, Drittmittelforschung und der Exzellenzinitiative auch der Status der Promovierenden. [Zuletzt hat das ‚Templiner Manifest’ der GEW darauf aufmerksam gemacht, dass hier vieles im Argen liegt. / Hier liegt vieles im Argen.] Gemeinsam mit Hochschulen, Promovierenden und Gewerkschaften wollen wir die Situation der Promovierenden in Baden-Württemberg verbessern. Dies betrifft die soziale Absicherung in dieser häufig prekären Lebensphase, die hierarchische Abhängigkeit von Betreuerinnen und Betreuern und nicht zuletzt die Frage einer besseren Vereinbarkeit von wissenschaftlicher Qualifikation, Lehre und Forschung und familiärer Sorgearbeit. Wir wollen Angebote der strukturierten Promotion ausbauen, aber auch andere Wege zur Promotion erhalten und attraktiv gestalten. Studiengebühren für die Promotionsphase lehnen wir ab.«

Begründung: Wir sehen erheblichen politischen Handlungsbedarf in der Frage, wie die Promotionsphase gestaltet werden soll. Die heutige Situation der Promovierenden ist vielfach durch große Unsicherheit gekennzeichnet. Im Bologna-Prozess wird die Promotionsphase als Qualifizierungsschritt betrachtet. Gleichzeitig sind Promovierende Menschen, die nach dem Studium eigenständig wissenschaftlich tätig werden. Im »Templiner Manifest« der GEW wird die Promotion daher als »erste Phase wissenschaftlicher Berufsausübung« verstanden. Je nach Fach, Hochschule, persönlichem Engagement und nicht zuletzt biographischen Zufällen finden sich Promovierende heute zwischen diesen beiden Polen. Viele Promovierende erleben die Promotionsphase als eine durch sich widersprechende Anforderungen, eine starke persönliche Abhängigkeit und hohen Zeitdruck gekennzeichnet. Für Frauen und für Männer kommt heute die »rush hour« der Familiengründungsphase hinzu, die ja oft in diesen Zeitraum fällt. Entsprechend groß ist die Zahl abgebrochener Promotionsvorhaben und psychosozialer Probleme.

Im Wahlprogramm möchten wir das Signal setzen, dass uns der politische Handlungsbedarf bewusst ist. Gerade aufgrund der Vielfalt an derzeit existierenden Wegen zur Promotion und den daraus resultierenden unterschiedlichen Lebenssituationen und Problemlagen halten wir es allerdings für falsch, so zu tun, als ob es »die« eine politische Lösung gebe. Wir legen deswegen den Schwerpunkt darauf, deutlich zu machen, dass uns die Probleme der Promovierenden bekannt sind und Hinweise darauf zu geben, wie ein politisches Verfahren aussehen kann, mit dem an ihrer Lösung gearbeitet werden kann.

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Kurz: Promovierende mit Kind zwischen den Kategorien

Veröffentlicht unter Freiburg, Hochschulpolitik, Kinder | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , ,  

BüroMeine Partnerin und ich sind derzeit beide Promotionsstudierende. Das hat verschiedene Vor- und Nachteile, um die es hier aber gar nicht gehen soll. Ein Problem dieses Status ist mir heute morgen schmerzlich bewusst geworden. Wir sind nämlich (schon länger) auf der Suche nach einem Kita-Platz für Rasmus. Eigentlich hätten wir gerne schon längst einen – Rasmus ist gerade ein Jahr als geworden – aber da wir ihn nicht vorgeburtlich schon auf Wartelisten setzen lassen haben, zieht sich das alles hin.

Aber zum Statusproblem: die Uni Freiburg hat eine eigene Kita (soweit ja mal gut). Die ist voll, wir stehen auf der Warteliste, haben aber wenig Hoffnung, einen Kita-Platz zu ergattern, weil die Plätze dort in der Reihenfolge »wiss. Mitarbeiterinnen«*, »wiss. Mitarbeiter«, »Promovierende« vergeben werden, wie ich heute morgen erfahren habe.** Das Studentenwerk betreibt auch Kindertagesstätten. Dort ist die Reihenfolge »Studierende im Erststudium« und erst danach »Promovierende etc.«. Macht beides aus sich heraus Sinn – zusammen führt es dazu, dass die Chance, als promovierende Eltern ohne Beschäftigtenstatus einen Kita-Platz an der Uni zu kriegen, ziemlich klein sind. Was – »akademische Rushhour« hin und »familienfreundliche Uni« her – ziemlich blöd ist.

* Nebenbei ein schönes Beispiel für Reifizierungsprobleme: aus der gegenwärtigen geschlechtsspezifischen Arbeitsverteilung heraus erscheint es durchaus sinnvoll, Kita-Plätze bevorzugt an die Kinder von Wissenschaftlerinnen zu geben – gleichzeitig verstärkt diese Reihenfolge aber die gesellschaftliche Annahme, dass Wissenschaftler einen geringeren Bedarf an Kinderbetreuung haben, weil ja im Zweifelsfall die Frau einspringen kann.

** Damit das nicht in den falschen Hals gerät: der Mitarbeiter, der mich darüber informiert hat, war sehr freundlich und hatte durchaus Einsicht in die sich daraus ergebenden Probleme (und nannte auch einige Alternativen außerhalb der Uni) – das strukturelle Problem besteht trotzdem weiter.

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