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Kurz beobachtet: Das Netz ist schuld

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Heute debattierte der Landtag Baden-Württemberg (als TOP 1, Aktuelle Debatte SPD) das Thema PRISM. In der lebhaften Debatte, die in den nächsten Tagen in der Mediathek nachschaubar und in den nächsten Wochen im Protokoll nachlesbar sein wird, ist mir ein Unterton aufgefallen, den ich doch schnell ins Blog packen wollte.

Und zwar gab es bei einigen Rednern (ich meine es bei CDU und SPD gehört zu haben) etwa das folgende Argument: »Das Internet ist unsicher. Das hat sich jetzt deutlich gezeigt. Das Netz führt zu Cyberkriminalität, zur Erosion der Privatsphäre und eben auch zu Überwachung.« Oder noch kürzer: Das Netz ist unsicher und führt zu Gewalt.

Dieses ließe sich leicht auf andere Techniken übertragen:

  • Über Telefonkabel und Funknetze verabreden sich Kriminelle. Das Telefonnetz ist unsicher und führt zu Gewalt.
  • Per Brief werden Anleitungen zum Bombenbau verschickt. Die Briefpost ist unsicher und führt zu Gewalt.
  • Autos auf öffentlichen Straßen verursachen Unfälle. Öffentliche Straßen und Autos sind unsicher und führen zu Gewalt.

Die Liste ließe sich fortsetzen.

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Vertraute Technik und die Verschlüsselung

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Black key

Ein Strang in der – durch die von Edward Snowden aufgedeckte permanente Überwachung der Netzkommunikation durch die NSA und andere Geheimdienste ausgelösten – Debatte dreht sich darum, warum verfügbare Kryptographie-Tools nicht eingesetzt werden.

map hat dazu einiges erhellendes geschrieben, unter dem Titel »Wir haben versagt«. Kernthese: Kryptotechnologie – also etwa das Verschlüsseln von eMails – wird deswegen nicht eingesetzt, weil es keine einfachen Oberflächen und Tools dafür gibt. Gepaart mit der Arroganz der technologischen Elite. map vergleicht diese – uns? – mit der »Outer Party« in Orwells 1984:

Wir machen doch immer so gerne Neunzehnvierundachtzigvergleiche: Wir sind die Outer Party. Und die Proles gehen uns am Arsch vorbei. Diese DAUs, die iPhones und Facebook benutzen. Die ihre Daten an US-amerikanische Server schicken. Die Gmail oder GMX benutzen, statt ihre Mail selbst zu hosten. Unseren Ekel verbergen wir hinter zynischen Ratschlägen. Mit TOR zu surfen ist objektiv von eine »funktional kaputten« Drosselung nicht zu unterscheiden. Wir haben kein Gefühl mehr für Menschen die mit diesen grauen Kisten nur ein bisschen mit ihren Freunden reden und rumsurfen wollen, statt ihre komplette Freizeit darin zu versenken. Nicht mit GNU/Linux handverschlüsselt? Ätschbätschselberschuld.

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Kurz: Der neue Herd

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Meine Eltern haben mir zum Geburtstag einen neuen Herd geschenkt. Der ist jetzt da, und glänzt, und dass er da ist, ist auch deswegen eine tolle Sache, weil beim alten nur noch zwei Platten richtig benutzbar waren.

Aber: Ich fremdle noch ein bisschen mit dem neuen Herd. Obwohl der neue wie der alte mit Glaskeramik arbeitet. Technologisch also nichts neues. Dennoch: ich fremdle. Und das hat – neben der Angst, die neue Makellosigkeit zu beeinträchtigen – viel mit Praxistheorie zu tun. Und mit dem, was je nach Theorierichtung als tacit knowledge, als implicit knowledge oder als embodied knowledge bezeichnet wird. Also »körperliches« Wissen über Handlungsvollzüge, das unterhalb aussprechbarer, expliziter Wissensbestände angesiedelt ist.

Klar: Es gibt eine Anleitung, in der steht, welche Einstellungen für Spiegelei und welche für das Kochen von Wasser richtig sind. Aber das ist es nicht. Beim alten Herd wusste ich – so ein Dreh mit dem Handgelenk, und nach einer gewissen Zeitspanne dann diese und jene Geräusche. Oder besser gesagt: Ich wusste das nicht. Es war einfach so. Jetzt ist es anders. Und das Scheitern dieser Erwartungen zeigt, wie eng gerade die technischen Artefakte in ihren Details mit den halbbewussten, halbautomatischen Handlungsvollzügen sozialer Praktiken verbunden sind.

Bald wird der neue Herd nicht mehr neu, sondern vertraut sein. Aber bis dahin zwingt er mich dazu, Handgriffe explizit zu tun, und immer wieder zu schauen, ob alles stimmt. Noch fremdle ich.

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Was ich heute morgen getan habe

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T. streckte sich gähnend, als sein Blick auf die matt schimmernde Anzeige des Weckers fiel. »Verdammt, in einer Minute geht es los!«

Zu faul, um sich ins Wohnzimmer zu begeben und den Tischrechner anzuwerfen, schnappte er sich seinen Taschenkommunikator, ein Wunderwerk der Technik. Kleiner als eine Tafel Schokolade, aber Bildtelefon, Schnittstelle zu diversen globalen Kommunikationsdiensten und Spielkonsole zugleich. T. entschied sich, den historischen Augenblick mit Millionen anderer zu teilen. Mit einigen eingeübten Fingerbewegungen schaltete er den Taschenkommunikator auf einen Kanal, auf dem unter anderem ein schottischer Science-Fiction-Schriftsteller, der amerikanische Präsident sowie diverse Raumfahrtagenturen über das Ereignis berichteten.

Das graue Display des Funkweckers zeigte 07:29.

T. war es nicht genug, über das Ereignis zu lesen. Leider würde es keine Live-Bilder geben, aber zumindest den Ton aus dem Steuerungszentrum der amerikanischen Raumfahrtagentur wollte er hören. Dazu ergänzte er die Kanalwahl auf dem Taschenkommunikator durch einen Radiosender aus San Francisco, der den Ton aus dem Steuerungszentrum mit sphärischen Tönen unterlegte.

Jubel brandete auf. Das durch die Zeitverzögerung zum roten Planeten bedingte bange Warten hatte ein Ende. Das über die Marsorbiter weitergeleitetes Funksignal bestätigte es. Das komplizierte Landemanöver war erfolgreich gewesen!

Die Flugkapsel hatte sich erfolgreich von der Landeeinheit getrennt. Diese wurde durch die Reibung der dünnen Mars-Atmosphäre abgebremst, bis der größte Landefallschirm, der jemals eingesetzt worden war, ausgefalltet werden konnte. Der nächste Schritt des Manövers war der schwierigste, und er musste automatisch ausgelöst werden: Der Fallschirm wurde abgesprengt, die Landeeinheit schaltete auf Raketenantrieb um und schwebte nun über dem Gale-Krater.

Dann wurde der Himmelskran eingesetzt! An drei Kunstfaserseilen, wie in der Simulation millionenfach erprobt, wurde das Erkundungsfahrzeug – so groß und schwer wie ein kleines Auto – langsam herabgelassen. Auf seinen sechs Aluminiumrädern setzte es federnd auf. »Bodenkontakt bestätigt!«

Im Kurznachrichtendienst überschlugen sich die Beifallsbekundungen und ersten Kommentare. Jeder wollte berichten, wo er in diesem historischen Moment gewesen war. Und natürlich gab es – wie immer – Witzbolde, die ihre Scherze trieben, statt innezuhalten und diese technische Meisterleistung – für die die amerikanische Raumfahrtagentur über einen Zeitraum von acht Jahren das Bruttosozialprodukt Guayanas ausgegeben hatte – ehrfurchtsvoll zu bestaunen.

Wenig später waren dann auch die ersten verschwommenen Schwarzweißbilder durch die tiefdunkle Nacht des Sonnensystems geschickt worden. Auf seinem Taschenkommunikator konnte T. mit eigenen Augen sehen, was »Curiosity«, wie der Marsrobotor liebevoll genannt wurde, durch seine Sicherheitskameras aufgenommen hatte – einige Steine und seinen eigenen Schatten. Jetzt würde sich der Kamerakopf aufrichten und das Robotorfahrzeug der NASA seinen nuklearbetriebenen Laserarm ausfahren, um die ein Marsjahr dauernde planetare Erkundung zu beginnen.

Warum blogge ich das? Historisches Ereignis und so (auch wenn’s nicht die erste Landung eines Erkundungsroboters auf einem anderen Planeten ist).

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Meins: Samsung Galaxy S plus

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Wer meine sozial-medialen Äußerungen der letzten Zeit genau gelesen hat, wird festgestellt haben, dass ich darüber nachgedacht hatte, mir ein neues Smartphone zu kaufen (auch wenn das alte Nokia E65 »eigentlich« noch ganz gut tat – aber nicht mit Exchange im Landtag verknüpfbar war und zunehmend Macken entwickelt hat). Ich habe lange zwischen Smartphone und Tab geschwankt (oder so ein Zwischending wie das Samsung Galaxy Note), habe mich jetzt aber für ein ziemliches Standard-Android-«Handy« entschieden, ein Samsung Galaxy S Plus mit Android 2.3.3.

Heute kam’s dann in einer schicken kleinen schwarzen Schachtel an. Erster Eindruck: ziemlich leicht, und ein bisschen verwirrend, was denn nun wie funktioniert. Und das große Display ist schon beeindruckend. Inzwischen habe ich mich einigermaßen in die Grundfunktionen eingefunden und herausgekriegt, welche Knöpfe was machen (wobei mir die Multitasking-Umsetzung bei Android noch ein wenig unklar ist – sowas wie ein »Task wechseln« fehlt mir, und mir ist noch nicht ganz klar, wann eine App beendet ist und wann sie im Hintergrund weiterläuft …). Auch der Wechsel zwischen Portrait und Querformat ist nicht immer ganz logisch. Dafür wurde die SD-Karte vom Nokia sofort gelesen, und der Zugriff auf Musik und Bilder ist sehr viel schneller und eleganter als zuvor möglich. Das Konfigurieren des EMail-Kontos war ebenfalls simple. Schön auch der Zugriff über WLAN über den PC-Browser auf Datenbestände des Handys.

Gut gefällt mir die relativ umfangreiche Konfigurierbarkeit (auch wenn’s da an der einen oder anderen Stelle, hallo Kalender, ich schaue dich an, noch Präferenzen gäbe, die es nicht gibt). Die Touchscreen-Bedienung finde ich halbwegs ok (definitiv intuitiv, aber auf Dauer ganz schön anstrengend). Nicht wirklich glücklich bin ich mit der Texteingabe – die Softwaretasten sind mir eher zu klein, d.h. das Tippen dauert lange, und ich vertippe mich oft. Ich hätte gerne noch die Funktionen »Cursor vor/Cursor zurück«. Die verschiedenen Varianten an Tastaturen (inkl. der Handschrifteingabe – nett, aber auch nicht mein Ding, bzw. viel zu langsam) haben alle ihre Tücken.

Das als erster Eindruck von Android und dem Samsung Galaxy S Plus. Jetzt an euch die Frage: Was brauche ich – neben Twitter, Facebook, mehr Fonts und einem Barcode-Scanner (das ist das, was ich gerade schon installiert habe) – unbedingt noch an Apps? Und legt sich das mit dem ständig Danebentippen irgendwann?

Warum blogge ich das? Vor allem, weil mich interessiert, was ich noch so brauchen könnte …

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