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Sexismus schadet allen

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A Wooden Person

Ich habe, das muss ich zugeben, gezögert. Weil die Debatte um den ganz alltäglichen Sexismus eine ist, in der jede Äußerung eines Mannes schnell seltsam erscheinen kann, irgendwo zwischen Anbiederung und Besserwisserei. Aber dann ist mir aufgefallen, dass das, diese Verunfähigung der Debatte, letztlich genau ein Teil meines Punktes ist: Sexismus schadet allen!

Annett Meiritz hat über die Frauenfeindlichkeit der Piraten geschrieben. Im Stern wird von Laura Himmelreich, Franziska Reich und Andreas Hoidn-Borchers das sexistische Verhalten von FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle thematisiert. Beide Artikel zusammen haben eine veritable öffentliche Debatte über Sexismus ausgelöst. Und das ist gut so.

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Kurz: Die taz kann’s noch, oder: Wann ist ein Mann ein Feminist?

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Ehrlich gesagt hatte ich ein bißchen Bauchweh, als ich gesehen habe, dass die taz ihre diesjährigen Sonderseiten zum 99. Internationalen Frauentag dem Thema »Männer und Feminismus« widmen würde. Zu nahe liegt da die Gefahr, dass die provokant-blöde Seite meiner Lieblingszeitung überhand nimmt und daraus eher ein Witz wird. Ist es aber nicht geworden. Vielmehr hat die taz gezeigt, dass sie es immer noch kann – und hat eine auf zwölf Seiten umfassend informierende und pointiert Position beziehende Männerausgabe zum Frauentag geschaffen. Ab hier kann geblättert werden – oder, schöner und mit Fotografien von Daniel Josefsohn illustriert, für 1,50 Euro am Kiosk.

Einige Highlights aus dem Inhalt: Der Kryptofeminist Christian Füller schreibt in erstaunlich zustimmungsfähiger Form sieben Thesen zum emanzipierten Mann auf. Sein Fazit: machen wir’s wie die Pinguine. Heide Oestreich geht mit SINUS der Frage nach, wie emanzipiert Männer tatsächlich sind – und in welchen sozialen Milieus sie sich verstecken (und fragt ein paar Seiten später auch gleich noch den schwedischen Männerforscher Lars Jalmert, wie’s denn in Schweden mit den Feministen so aussieht). Ulrike Winkelmann macht das selbe mit den grünen Vätern und fragt nach, was hinter der Elternzeit junger grüner Politiker steckt. Die dunkleren Abgründe der sogenannten Männerbewegung beleuchtet Thomas Gesterkamp. Geschlechterstereotype in Kindertagesstätten sind das Thema von Anna Lehmann. Und der Transmann Christian Schenk gibt zu Protokoll, wie es tatsächlich um das doing gender im neu gelernten männlichen Alltag steht.

Zusätzlich gibt’s auch noch vier Seiten Sonderbeilage zum Thema Bildung. Also eine taz, in die zu investieren sich tatsächlich lohnt.

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Kurz: Manche Männer meinen, Macht mache man so

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Aus einer Mail, die ich gerade in meiner Eigenschaft als Kreisvorstandsmitglied der hiesigen Grünen erhalten habe, nachdem der Kreisvorstand vorgeschlagen hat, einen parteiinternen Konflikt kommunikativ lösen zu wollen:

Bist Du nicht Mann’s genug, [XYZ] wegen dieser offenen, nachhaltigen und nur zum eigenen Wohl betriebenen Parteischädigung, […], den Stuhl vor die Tür zu setzen? Das wäre das angemessene Verhalten als Kreisparteivorsitzender, nicht Dein und Euer Rumgeeiere.

Ich lasse sowohl den konkreten Konflikt als auch den Absender mal anonym; wer hier vor Ort aktiv ist, weiss vermutlich, um wen es sich handelt. Interessant finde ich die allein schon aus diesen wenigen Zeilen durchschimmernde Vorstellung, dass ein »Kreisparteivorsitzender« (den wir so gar nicht haben) vor allem Männermacht zeigen muss. Durchgreifen (auch da, wo’s nichts zum Durchgreifen gibt), basta, den Schröder geben. Nö, dafür bin ich nicht »Mann’s genug«.

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Ikonographie der IKEA-Toilette (Update)

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Einige wissen es schon: wir ziehen endlich um! In diesem Zusammenhang war ich dann vor ein paar Tagen auch bei IKEA, und habe dort u.a. auch die Toilette besucht. Die Männertoilette war wie folgt beschriftet:

Männertoilette bei IKEA

Was mir prinzipiell sehr gut gefallen hat, im Detail aber noch nachbesserungswürdig wäre. Gut ist: IKEA bietet nicht nur erstens generell eine kostenlose Toilette an, und zweitens (sowohl in der für Männer wie in der für Frauen) auch eine kleinere für Kinder, sondern drittens in beiden Räumen auch einen Wickeltisch.

Das Signal, dass auch Väter wickeln können sollen, wird allerdings durch die Ikonographie teilweise wieder in Frage gestellt. Auf dem Bild (s.o.) ist ja nun eindeutig zu erkennen, dass nur Menschen mit Rock Babys wickeln. Standarddeutung: Frau. Es mag eine Kleinigkeit sein und an die Forderung nach Radwegbeschriftungen mit und ohne Stange (im Radbild) erinnern: aber noch besser fände ich es, wenn auf dem Schild ganz selbstverständlich auch ein Mann beim Wickeln zu sehen wäre. Alternativdeutung: gerade die Beibehaltung des Stereotyps macht klar, dass hier nicht nur Männer Kindern wickeln können sollen, sondern dass sie dadurch ein bißchen wie stereotype Frauen sind, was aber durchaus – aus Sicht der IKEA-Türbeschriftung – erwünscht wäre.

Noch etwas radikaler gedacht stellt die funktionale Aufwertung von Toiletten die Gender-Trennung in Frage: wie könnte eine intimsphärenwahrende Toilettenanlage aussehen, die auf der selben Grundfläche die selbe Funktionalität anbietet (und den Wickelraum dann geschlechtsambig beschriftet?).

Warum blogge ich das? Vor allem aus Freude über die relativ große Selbstverständlichkeit eines zweigeschlechtlich zugänglichen Wickeltisches bei IKEA.

Update: Es gibt noch einen zweiten Fehler im Bild, auf den mich »riechtlaut« bei Flickr hingewiesen hat. Wer findet ihn, ohne nachzuschauen?

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Soziologische Solidarität

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Nicht nur, dass in der neusten Ausgabe der Fachverbandszeitschrift Soziologie (4/2007) ein Aufsatz zur »Widerständigkeit der Theorie« publiziert ist, nicht nur, dass ebendort Hans-Georg Soeffner in seinem Schreiben als neuer DGS-Vorsitzender auf die Notwendigkeit zum rechtzeitigen Kampf gegen Institutsschließungen hinweist – nein, in derselben Ausgabe finden sich auf fünf Seiten auch Solidaritätserklärungen und Stellungnahmen zum Fall Andrej. H.

Hartmut Häußermann erläutert den Fall; Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS), Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) und das Kulturwissenschaftliche Institut NRW (KWI) unterstützen den Offenen Brief an die Generalbundesanwältin; und die Sektion Stadt- und Regionalsoziologie der DGS solidarisiert sich. So ist’s richtig, und genau diese manchmal auch etwas sperrige Chance, sich selbst als politischen Faktor begreifen zu können (wenn’s denn not tut) – und streitbar zu sein –: das macht, so glaube ich einiges, der durchaus immer wieder spürbaren innerfachlichen Solidarität aus. Engagement aus einem allgemeinen Verantwortungsgefühl für gesellschaftliche Entwicklungen heraus; und eben nicht einfach irgendein Engagement, sondern ein reflektiertes und fachlich unterfüttertes Engagement: das kann, im besten Fall, die gesellschaftliche Relevanz der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Gesellschaft sein. Und in einem solchen Selbstverständnis, das nicht von außen, sondern vom Kern des Faches her politisch ist, liegt auch einer der Gründe für Stärke und Selbstvertrauen der Soziologie.

Bleibt nur noch zu hoffen, dass sich auch JuristInnen davon beeindrucken lassen. Und wenn nicht die, dann zumindest die Politik.

Warum blogge ich das? Update zu diesem Beitrag.

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