Archiv der Kategorie: Soziologisch gesehen

Phänomen des Alltags: Geburtstagsglückwünsche auf Facebook

Veröffentlicht unter Digitales Leben, Soziologisch gesehen | Verschlagwortet mit , , , , ,  

Cake buffet

Es gibt Leute, die Statistiken darüber führen, auf welchem Kanal ihnen an ihrem Geburtstag wie oft gratuliert wurde – von der realräumlichen Begegnung über das Telefonat bis zur E-Mail, zu Facebook, Twitter und Netzwerken wie XING. Das habe ich nicht vor. Trotzdem finde ich das Phänomen der Geburtstagsglückwünsche in sozialen Netzwerken interessant.

Aus Sicht sozialer Netzwerke ist es vermutlich eine Kundenbindungsmethode, mehr (XING!) oder weniger offensiv auf die Geburtstage der jeweiligen Kontakte aufmerksam zu machen: Diese Netzwerke leben davon, dass der zugrundeliegende »social graph« mit Interaktionen gefüllt wird.

Weiterlesen

Einer Person gefällt dieser Eintrag.


Kurz: Dreizehenspecht, MdL

Veröffentlicht unter Nachhaltiges Leben, Politik und Gesellschaft, Soziologisch gesehen | Verschlagwortet mit , , , , , ,  

Wilder See IEs wäre übertrieben, zu behaupten, ich hätte Bruno Latours Das Parlament der Dinge. Für eine politische Ökologie (2001) tatsächlich verstanden. Manchmal würde ich sogar bezweifeln, dass dieser Text, der davon lebt, eine Vielzahl an Begriffen neu zu definieren, überhaupt im Ganzen verständlich ist. Ein zentrales Element des Textes ist die Frage nach dem Rederecht und der Repräsentation nicht-menschlicher Wesen im (hier dann doch eher metaphorischen) Parlament der Dinge, der neuen Verfassung der Welt.

Falls es jemand gibt, der oder die sich intensiver mit diesen Ideen auseinandergesetzt hat, und noch nach einem Beispiel jenseits des von Latour angeführten Rinderwahnsinns sucht, um die Philosophie der politischen Ökologie zu konkretisieren, dann würde ich dem oder der die Debatten im baden-württembergischen Landtag rund um den Nationalpark als Material empfehlen. Der Nationalpark wurde heute im Landtag beschlossen, und sowohl in der Sprache als auch in Form mitgebrachter Fotografien wurden immer wieder die Rechte von Dreizehenspechten, Bartflechten und Auerhühnern angesprochen, insbesondere (aber nicht nur) von den Regierungsparteien und den Bewegungen für den Nationalpark. Auf der anderen Seite kamen dann häufig die Rechte von den in der Nationalparkregion lebenden Menschen zur Sprache, insbesondere (aber nicht nur) von der Opposition und den Nationalparkgegnern ins Feld geführt. Oder die öffentliche Ausschussanhörung: die einen saßen in Form eines Vertreters der Nationalparkgegner im Raum, die anderen wurden vertreten durch Experten etwa des Naturschutzbundes.

Vielleicht liege ich auch falsch, und der Blick auf die Nationalparkdebatte mit Latours politischer Ökologie ist entweder langweilig (weil evident), oder fehl am Platz (weil Natur, Repräsentation und nicht-menschliches Wesen hier per se eine Rolle zugewiesen bekommen) – aber ich glaube, es würde sich lohnen, diese Debatten, von den parlamentarischen Reden bis zu den Zeitungsberichten, mal genauer zu untersuchen.

2013kretschmannmitbaumpilzP.S.: Sowas wie das hier meine ich: Ministerpräsident Kretschmann spricht in seiner Rede hier die »zitronengelbe Tramete«, einen seltenen Pilz, an – und bringt ihn zumindest als Bild gleich mit ans Redepult.

Be the first to like.


Heute schon eine Effizienzreserve gehoben?

Veröffentlicht unter Politik und Gesellschaft, Soziologisch gesehen | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , ,  

Dancer IV

Die Arbeit in der Politik bringt ihre eigenen Betriebsblindheiten mit sich. Manche davon verstecken sich hinter technokratisch anmutenden Phrasen. Das »Heben von Effizienzreserven« ist ein solches Sprachbild. Es steht in einem engen Zusammenhang mit der »Schuldenbremse« und den von den einzelnen Ressorts erwarteten »Konsolidierungsbeiträgen«.

Faktisch heißt »Heben von Effizienzreserven«: Es ist nicht genügend Geld vorhanden, um die rechtlich und politisch gewünschten Aufgaben zu erledigen, also sollen tendenziell weniger Beschäftigte (in der gleichen Zeit wie vorher) die gleiche Arbeit leisten. Sie sollen es nur »effizienter« tun. Bis zu einem gewissen Grad ist das sicherlich möglich, hier Arbeitsabläufe »zu optimieren«. Gerade Verwaltungsvorgängen hängt ja der Ruf nach, kein Vorbild für effiziente Organisation zu sein. Ob dieser schlechte Ruf stimmt, sei dahingestellt.

Weiterlesen

Be the first to like.


Kurz: M, F, X – Geschlechterscrabble

Veröffentlicht unter Politik und Gesellschaft, Soziologisch gesehen, Zukunftsvisionen | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , ,  

Vor ein paar Tagen schrieb Heribert Prantl in der Süddeutschen über ein Gesetz aus dem Mai 2013, das es bei intersexuell geborenen Kindern erlaubt, auf eine Geschlechtszuweisung im Personalausweis etc. zu verzichten. Mit Verweis auf die Zeitschrift für das gesamte Familienrecht deutet Prantl diese Neuregelung als ersten Schritt hin zu einer dritten, rechtlich anerkannten Geschlechtsbestimmung: neben »männlich« und »weiblich« eben auch »unbestimmt« – und fragt sich, was für Auswirkungen das dann auf viele existierende, gezielt »Männer« oder »Frauen« benennende gesetzliche Regelungen hat.

Ich finde das aus verschiedenen Gründen spannend. So zieht der Gesetzgeber hier zunächst einmal den biosozialen Realitäten nach, wenn ich etwa an die sozialwissenschaftliche Debatte um ein Drittes Geschlecht denke, angelegt etwa in der Kritik der Zweigeschlechtlichkeit. Da wird dann allerdings eher der Verzicht auf feste Geschlechtskategorien gefordert als eine drittes Geschlechterkategorie. Aber auch anthropologische Verweise auf Gesellschaften, die ein drittes Geschlecht kennen, sind häufig, beispielsweise die Hijra Südasiens. Und natürlich wird in der Science-Fiction-Literatur wiederholt mit zukünftigen Gesellschaften experimentiert, in denen es drei oder mehr Geschlechtsidentitäten gibt (etwa in Greg Egans Roman Distress von 1995).

Richtig interessant würde es allerdings, wenn mit der Einführung einer dritten, »unbestimmten« Geschlechtskategorie im deutschen Personenstandsrecht eine Entkopplung zwischen Biologie und sozialem Geschlecht verbunden wäre. Eine unbestimmte Geschlechtskategorie für intersexuelle Menschen – also Menschen mit uneindeutigen oder doppelten Geschlechtsmerkmalen – einzuführen, ist sicherlich ein sinnvoller Schritt. Aber warum nicht gleich noch einen Schritt weitergehen, und allen, die keine Lust dazu haben, sich dem einen oder dem anderen biosozialen Geschlecht zuordnen zu lassen, diese Wahlmöglichkeit que(e)r zur Zweigeschlechtlichkeit ebenfalls eröffnen?

Be the first to like.


»Heute bringst du aber mal den Spam runter, Schatz!«

Veröffentlicht unter Digitales Leben, Soziologisch gesehen | Verschlagwortet mit , , , , , , ,  

Happy Kreuzberg

Große Rätsel können sich in alltäglichen Kleinigkeiten verbergen. Das ist einer der Gründe, warum mich Soziologie und verwandte Wissenschaften schon immer fasziniert haben: Warum machen andere das anders? Das ist doch komisch!

Ein Beispiel einer solchen Praxis, die das eigene Verhalten in Frage stellt, sind E-Mail-Accounts. Für mich ist ein E-Mail-Account etwas persönliches – einer Person zugeordnet, möglicherweise auch nur einem bestimmten Rollenaspekt einer Person (beruflich, privat, Ehrenamt …). Genauso, wie das eben auch bei Smartphones, Facebook- und Google-Accounts ist. Die einzige Ausnahme, die mir ad hoc einfällt, sind info@-Accounts von Organisationen; also Sammelpostfächer für eine bestimmte Art von Anfragen.

Nun gibt es aber immer wieder Menschen, die das anders sehen.

Weiterlesen

Einer Person gefällt dieser Eintrag.


Seite 4/25    1  …  3 4 5  …  25