Archiv der Kategorie: Politik und Gesellschaft

Kurz: Fahrtzeitverlängerung

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Nach meinem Urlaub bin ich wieder im Dienst – und auch, wenn viel per Home Office geht, sollte ich doch ab und zu in Stuttgart sein. Also wieder Pendeln – mit einem zusätzlichen Problem: ein Tunnelbau bei Rastatt hat dort die Gleise zum Absenken gebracht, die Rheintalstrecke als eine der europäischen Hauptverkehrsadern ist auf unbestimmte Zeit unterbrochen.

imageWährend mir die DB-App am Wochenende noch weiß machen wollte, dass meine Züge ganz normal fahren, gab’s heute morgen eine realistischere Ansage: der Pendler-IC direkt nach Stuttgart fällt aus, ebenso der Früh-ICE um 6.22 Uhr. Um 6.52 Uhr fährt – wie üblich – ein ICE nach Norden. Der endet allerdings in Baden-Baden, dort Umstieg in Busse bis Rastatt, von da weiter mit dem RE nach Karlsruhe, dann ein IC nach Stuttgart.

Bisher klappt das alles ganz gut. Die Züge sind pünktlich, es gibt Ansagen und Auskunftspersonen. Erstaunlicherweise als unflexibel erweisen sich die digitalen Anzeigen in den Zügen – die zeigen Unsinn oder schlicht gar nichts an. Manko 1: am Bahnhof Baden-Baden ist der Weg vom Ankunftsgleis (4) zu den Bussen (direkt vor Gleis 1) nicht ausgeschildert, zudem wird der Bahnhof gerade umgebaut, u.a. sind die Aufzüge derzeit außer Betrieb. Manko 2: in Rastatt und Karlsruhe jeweils rund 20 Minuten Wartezeit – zusammen mit der Busfahrt und der im Vergleich zum üblichen IC in Freiburg späteren Abfahrt kommen so gut eine Stunde Verspätung (eine Richtung) zustande, im Vergleich zum 6.22-ICE sind’s sogar 1½ Stunden. Das ist mir für Hin- und Rückreise an einem Tag zu viel. Auf meine Anfrage, ob die Bahn bereit ist, die zusätzlichen Übernachtungskosten zu übernehmen, habe ich leider noch keine Antwort …

Insgesamt: zufriedenstellendes Krisenmanagement – und die dringende Notwendigkeit einer Bahninfrastrukturpolitik, die Ausfälle mit einplant, statt Risiken zu ignorieren.

P.S.: Eben kommt die Meldung, dass die Strecke erst am 7. Oktober wieder freigegeben wird. Das heißt, auch nach Ende der baden-württembergischen Sommerferien, wenn es für viele und vieles so richtig los geht, bleibt es bei drei Stunden pro Richtung …

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Zehn Regeln für Demokratie-Retter

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Nur etwas mehr als hundert Seiten umfasst das Büchlein Zehn Regeln für Demokratie-Retter des Kölner Journalisten Jürgen Wiebicke, das als Lizenzausgabe der Bundeszentrale für politische Bildung für 1,50 € erhältlich ist. Und eigentlich ist alles, was Wiebicke dort locker erzählend aufschreibt, selbstverständlich. Oder sollte selbstverständlich sein. Vielleicht braucht eine im Angesicht eines auflodernden Rechtspopulismus verunsicherte Gesellschaft genau diese Bestätigung des Selbstverständlichen, und vielleicht ist Wiebickes Buch gerade deswegen ein wichtiges Vademecum für Bürgerinnen und Bürger.

Oder vielleicht ist das Büchlein auch deswegen wichtig, weil sich hinter den Regeln, hinter dem Aufruf zu Gelassenheit und lokalem Engagement auch einige Sätze verbergen, die möglicherweise nicht auf Zustimmung stoßen oder nicht sofort geteilt werden.

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Rechtsruck im Political Compass – ernsthaft?

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Wenn es nach dem »Political Compass« geht, dann gab es zwischen 2013 und 2017 einen massiven Rechtsruck im deutschen Parteiensystem – wobei »rechts« sich dabei auf beide der Achsen beziehen würde, die der »Political Compass« als Koordinaten der Politik ansieht, also sowohl eine Tendenz zu mehr Autoritarismus als auch eine wirtschaftspolitische Tendenz nach rechts. In der Abbildung sind die beiden Diagramme für 2013 und 2017 übereinander gelegt. Die Pfeile zeigen, von wo nach wo in diesem Koordinatensystem die deutschen Parteien gewandert sein sollen.

Während die Verschiebungen bei SPD und CDU – eine leichte Bewegung der SPD nach »wirtschaftsrechts«, eine leichte Bewegung der CDU Richtung liberalere Gesellschaft – irgendwie nachvollziehbar erscheinen, verwundert der Rest. Die FDP ist demnach deutlich autoritärer geworden. Die LINKE ist zwar in beiden Diagrammen die Partei, die am klarsten im progressiven Quadranten verortet wird, aber auch hier soll es eine Bewegung Richtung »Mitte« gegeben haben. Und Bündnis 90/Die Grünen – da soll es dem Diagramm zufolge in den letzten vier Jahren quasi eine Spiegelung gegeben haben – eine Verschiebung um fast ein Drittel des Koordinatensystems sowohl in Richtung wirtschaftliche Rechte als auch in Richtung autoritärerer Politik. Die AFD bleibt in beiden Darstellungen die autoritärste Partei, angeblich ist sie aber weniger wirtschaftlich rechts als die CDU oder die FDP.

Das 2017er-Diagramm kursiert seit einigen Tagen in sozialen Netzwerken – insbesondere Mitglieder der LINKEN wollen damit beweisen, dass nur eine einzige Partei dem Rechtsruck stand gehalten hat, und natürlich dafür dann bei der Bundestagswahl im September auch gewählt werden muss. Was ist dran?

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Kurz: Krass, aber richtig

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Heute haben sowohl die Grünen als auch die Linke ihre Kampagnen für die Bundestagswahl 2017 vorgestellt. Letztere sieht aus wie Werbung für Corel-Draw-Clipart. Unsere Kampagne fällt auf und wirkt erst einmal ziemlich krass: auf grünem Hintergrund dominiert unsere Zweitfarbe Pink. Dargestellt sind freigestellte und verfremdete Motive – der Erdball, eine Friedenstaube für Europa, der letzte Eisbär. Darüber ziemlich viel Text (in der serifigen Hausschrift, in Großbuchstaben, und dann auch noch mit Witz …), darunter die Sonnenblume und der Claim »DARUM GRÜN.«.

Ich bin nicht mit jedem Teil der Kampagne gleich glücklich. Die Großplakate (insbesondere »Umwelt ist nicht alles, aber ohne Umwelt ist alles nichts. Darum grün.«) finde ich sehr gut gelungen. Auch die Plakate von Cem und Katrin sind richtig gut. Bei den kleineren Themenplakaten wirkt der Text manchmal arg gedrängt, ist manches Motiv erst auf den zweiten Blick zu erkennen.

Insgesamt aber ist die Kampagne ein Paukenschlag. Jedes einzelne Plakat gibt eine Antwort auf die (dämliche) Frage, wozu es Grüne eigentlich noch braucht. Wer den Kohleausstieg in die Hand nimmt, wer an Europas Zukunft glaubt, wer für Integration und gegen Kinderarmut kämpft – der braucht grün. Und darum ist das die richtige Kampagne zum richtigen Zeitpunkt. Wohlfühlwahlkampf mit schönen Plakaten: das war gestern. Heute kommt es drauf an. Und dafür braucht’s auch einmal einen optischen Paukenschlag.

P.S.: Statt Logo nur das Sonnenblumensymbol? Ja, auch das finde ich gut – denn unser Logo ist ein wenig unhandlich. Und klar erkennbar ist’s auch so.

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Fairphones Ende

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Das mit dem nachhaltigen Mobiltelefon ist gar nicht so einfach. 2014 habe ich mir das Fairphone 1U gekauft, und nutze es immer noch. Ich mag das Design und das Image (und kenne gerade in grünen Kreisen viele, denen es ähnlich geht).

Das Fairphone ist ein Android-Smartphone, herausnehmbarer Akku, tendenziell auch der Anspruch, reparierbar zu sein, und so eine längere Nutzungsdauer zu ermöglichen. Bei der Herstellung wurde versucht, sozial-ökologische Kriterien zu berücksichtigen, etwa beim Bezug von Rohmaterialien.

Inzwischen gibt es das Fairphone 2, das grundlegend neu designt wurde und eine gewisse Berühmtheit erlangt hat als das erste modular gestaltete Smartphone, das in größerer Stückzahl gefertigt wurde.

Ich habe mich an die Macken des handlichen kleinen Fairphone 1U gewöhnt. Das GPS ist miserabel, die Kamera nicht besonders gut, manchmal geht die Datenverbindung verloren. Es kann kein LTE, und auch der Speicher läuft schnell voll. Irgendwann blähte sich der Akku auf und musste ersetzt werden. Um die USB-Schnittstelle zu schonen, habe ich einen Magnetadapter gekauft.

Leider sind die Tage meines Handys gezählt. Inzwischen hat Fairphone auch offiziell mitgeteilt, dass Ersatzteile nicht mehr lieferbar sind, wohl auch keine neuen Akkus. Und auch das Betriebssystem, Stand Android 4.irgendwas, wird kein Update mehr erhalten.

Noch funktioniert mein Fairphone – so halbwegs. Teilweise nur mit älteren Versionen von Apps, teilweise mit Workarounds. Ich nutze es weiterhin gerne. Aber irgendwann in naher Zukunft wird es vielleicht einen neuen Akku brauchen. Oder endgültig von Facebook und Twitter überfordert sein.

Schade – die Idee, ein länger zu nutzendes Smartphone zu produzieren, war und ist gut. Aber das Experiment Fairphone zeigt auch die Grenzen dieser Idee.

Warum blogge ich das? Aus antizipierter Melancholie heraus.

Update: Inzwischen gibt es ein Statement von Fairphone, in dem insbesondere auf die in der Supply-Chain nicht mehr gegebene Verfügbarkeit von Ersatzteilen hingewiesen wird. Das finde ich durchaus spannend, weil es noch einmal die globalen Abhängigkeiten zeigt. Und dann wollte ich noch weitergeben, dass mich mehrere Leute auf das große Sicherheitsproblem hingewiesen haben, das darin besteht, dass Fairphone keine Updates über Android 4.x hinaus angeboten hat. Bildhadft gesagt: ein Öko-PC, der aber heute noch nur mit Windows XP zu betreiben ist.

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